Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 26 › Seite 207
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-08-17, Seite 207
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
207
Worten des „Lutheraner's“ eine so tückische, gehäßige Absicht untergeschoben wird. Was die Art des Streits betrifft, so wird sich zwar der „Lutheraner,“ als der auch Sünde hat, wie alle Menschenkinder, nicht gar rechtfertig hinstellen, aber wo hat sich der „Lutheraner“ so gegen das achte Gebot vergangen, wie das „Informatorium?“ Vielmehr hat man dem „Lutheraner“ im Verlauf des Streits immer die schonende Rücksicht der Liebe abgefühlt, den irrenden Bruder zu gewinnen und sich zu versöhnen. Selbst wenn jemand nicht im Stande wäre einzusehen, auf welcher Seite das Recht in den differirenden Lehren liege, so wird doch die Art und Weise, wie unser Gegenpart den Streit geführt, schwerlich jemanden mit Zutrauen zu seiner Lehre erfüllen. Denn das wird keinem entgehn, daß die heil. Apostel, selbst, wenn sie wirklich falsche Apostel zu bekämpfen hatten, eine andere Weise beobachteten, als unsere Gegner. Sie, die Apostel, deckten den Irrthum auf, zeigten dessen Schädlichkeit, warnten mit großem Ernst davor, verkündigten den Verführern GottesGericht; aber man bemerkt nichts von schmähsüchtigen Angriffen auf die Personen, nichts von fleischlicher Erbitterung, sondern selbst aus ihren Bestrafungen leuchtet ein lautrer Eifer für Gottes Ehre und Wahrheit hervor.
Groß ist das Ärgerniß, womit unser lutherisches Zion durch diesen Streit bedeckt worden ist; groß der Kummer, der dadurch vielen redlichen Seelen, groß der Jubel, der dadurch den Feinden unsrer Kirche bereitet worden ist. Befremden kann's uns indeß nicht, denn es muß ja Aergerniß kommen, aber wehe dem Menschen, durch welchen Aergerniß kommt. Es müssen ja auch in der wahren Kirche Rotten sein, aber wehe denen, die in Gottes Gericht und Urtheil als solche offenbar werden. Pastor Grabau hat sich nicht gescheut unsre ganze Synode für eine Rotte zu erklären; wir haben uns bis jetzt noch nicht unterstanden ein solches Urtheil über Past. Grabau und die Seinen auszusprechen. Der Tag ist aber vielleicht nicht mehr fern, wo wir es nicht auszusprechen brauchen, sondern wo es vor den Augen der ganzen lutherischen Kirche Deutschlands wie Amerikas offenbar ist, wer die Rotte ist; es sei denn, daß durch Gottes überschwengliche Barmherzigkeit der letzte schreckliche Ausgang abgewendet werde und Hr. Past. Grabau sich bewegen lasse einen Weg einzuschlagen, der mehr Hoffnung zum Frieden giebt. Und das werden ja alle fromme Herzen sehnlich von Gott wünschen und bitten. Wie sehr würde sich Gottes Zion nach der Angst und Schmerzen wieder freun, wie fröhlich Gott loben und preisen, wenn durch die Erbarmung JEsu Christi und durch Seines Geistes Gnade wieder im Glauben gesammelt und verbunden würde, was Satan zertrennt und zerrissen hat. Ach möchte des bösen Herzens Widerstand und des Teufels Bosheit nicht hindern, was der gnädige Wille Gottes und unsres Heilandes Jesu Christi wohl geben möchte.
C. F. Gruber.
G. A. Schieferdecker.
Adolph Clarenbach und Peter Fleisteden.
Diese beiden Männer sind zusammengestellt, weil sie an einem Tage, am 28. Sept. 1529 in Cöln den Feuertod erlitten.
Adolph Clarenbach wurde auf dem Buscherhofe in der Gemeinde Lüttinghausen*) im Bergischen gegen das Ende des 15. Jahrhunderts von armen Eltern geboren, und zeigte schon als Knabe viel Lernbegierde, weshalb er auf die hohen Schulen zu Münster und Cöln geschickt wurde. Hier kam er bald dahin, die heilige Schrift in den Grundsprachen lesen zu können, mit der er sich dann auf das Eifrigste beschäfte; auch hatte er den Ruhm eines eingezogenen, keuschen, gottesfürchtigen Wandels. Er widmete sich dem Schulfach und wurde im Jahre 1523 zuerst Conrector in Münster, wo er nicht nur in der ihm anvertrauten Jugend, sondern auch in vielen Bürgern der Stadt Liebe zu dem lautern Evangelio weckte. Seit 1525 that er dasselbe als Conrector in Wesel, und als er von dort auf Betreiben des cölnischen Officials Trip verwiesen war, bei fortgesetzter Verfolgung in Osnabrück, in Meldorp im Diethmarsischen, in seinem Geburtsorte, in Lennep, Elberfeld und Umgegend mit sichtbarem Erfolge. Einer seiner Freunde, der Pastor Klopreis zu Büderich wurde damals wegen evangelischer Ketzerei nach Cöln vorgeladen; Clarenbach begleitete ihn freiwillig, in der Hoffnung, ihm nützlich sein zu können, ward aber bei seiner Ankunft in Cöln am 3. April 1528 alsbald verhaftet und in den Frankenthurm gesetzt. Damit begann nun die Reihe von Mißhandlungen und Versuchungen zum Widerruf, deren Ende der Flammentod war.
*) Unter der Jurisdiction der Stadt Lennep.
In den wiederholten Verhören bezeugte Clarenbach freudig seinen Glauben an den lebendigen Christus, den alleinigen Heiland und Erlöser des in Sünden verlorenen Menschengeschlechts, und an die Wahrhaftigkeit der heiligen Schrift. Er wies die Ketzerrichter, zum Theil seine ehemaligen Kölner Lehrer, die ihm durch verfängliche Fragen über das Ansehen des Papstes, der Kirche und ihrer Satzungen Schlingen legten, darauf hin, daß der heilige Geist ihn innerlich von der Wahrheit der im apostolischen Glaubensbekenntniß niedergelegten Lehre überzeugt habe, und daß er nur dann widerrufen könne, wenn man ihn aus der heiligen Schrift eines Irrthums überführe.
Gegen das Ende seiner Gefangenschaft wurde Peter Fleisteden aus dem Dorf Fleisteden im Jülich'schen der Mitgenosse seines Kerkers. Peter hatte während der Messe im Domchor seinen Hut aufbehalten und äußerlich seinen Abscheu gegen dieselbe auf das Stärkste zu erkennen gegeben, in der später erklärten Absicht, daß das Volk ihn über die Gründe seines Benehmens fragen sollte, und er dann dasselbe über die Nichtigkeit der Meßbräuche belehren wolle. Das Volk aber schwieg und auch die Geistlichkeit verhielt sich ruhig. Kaum hatte er aber den Dom verlassen, so ward er alsbald verhaftet und zu Clarenbach ins Gefängniß geführt. Fleisteden's herausforderndes Wesen brach sich schnell an dem sanften Ernste Clarenbach's; beide Freunde stärkten sich gegenseitig zur Glaubenstreue und sahen fröhlich dem Scheiterhaufen entgegen.
Als der 28. September 1529 anbrach, wurden die Märtyrer unter großem Zulauf des Volks durch die ganze Stadt bis zur weitentlegenen Richtstätte geleitet. Auch jetzt noch wurden sie von bekehrungssüchtigen Mönchen belästigt; aber dieses hinderte sie nicht, auf dem ganzen Wege Gott mit lauter Stimme zu loben und das Volk zu lehren. So sprach unter andern Adolph: „Lob, Ehre und Dank sei Dir, Vater, daß Du uns diesen Tag hast erscheinen lassen, nach dem uns so sehr verlangt.“ „Ich bin in Christo getröstet, ich sterbe des Christen Tod und es geschieht der Wille des Herrn. Ihm erging es so, wie sollte es uns nicht so gehen? Er ging voran und wir müssen nachfolgen, wenn wir seine Brüder werden sollen.“ „O Cöln, Cöln, fuhr er nach einer Weile fort, wie verfolgest du das Wort Gottes! Es ist eine Wolke in der Luft, die wird noch einmal herabfließen.“*) Nachdem er unter Anderm den Glauben gebetet, sprach Adolph zum Volk: „Also müssen wir dem neuen Adam, Christo, im Leiden nachfolgen, soll er anders zu uns kommen. Je mehr Druck und Verfolgung, desto größeres Wachsthum des neuen Menschen und Tod des alten, des Fleisches, der Sünde, des Teufels und der Welt. Diese verspottet uns jetzt und läßt uns trostlos, aber wir setzen gegen sie den einigen Christum, unsern Tröster, Vertreter und einzigen Mittler, der uns wohl vertreten wird vor seinem himmlischen Vater. Aergert euch nicht an unserem Tode; denn Christus mußte auch leiden und durchs Leiden in sein Reich eingehen. Durch diesen Christum ermahne ich euch, lieben Brüder, daß ihr ohne Aufruhr, liebreich, brüderlich und christlich unter einander leben wollet und aller Obrigkeit gehorchen. Unser Herr wird alles zum Besten kehren und euch seine Gnade und sein göttliches Wort geben.“
*) In Cöln sammelte sich im ersten Jahrhundert nach der Reformation eine ansehnliche evangelische Gemeinde, die aber im 17. Jahrhundert ausgetrieben wurde.
Dann fuhr Peter fort, weil Adolph über Müdigkeit klagte: „Wir waren Sünder, da wir aus Mutterleibe kamen, und hätten nach Gottes Gerechtigkeit den Tod sogleich verdient. So ermahne ich euch heute im Namen Gottes, haltet euch allein an sein Wort, allein an Christum, der da ist der Weg, die Wahrheit und das Leben und kehret euch weg von dem Papst in Rom und von seiner Kirche, die euch von der Gnade Gottes und von Christi Genugthuung abführt, und euch dafür Siegel, Bullen, Ablaß, Wallfahrten und gottlose Menschen- und Teufelslehren gibt, damit sie ihre Beutel und Küchen füllen.“
Auf dem Hochgericht angekommen, betete Clarenbach: „O Herr, erhebe meinen Geist, daß ich meinen Feinden verzeihen möge von Grund meines Herzens,“ und sprach sodann zu den Bür-
English translation AI translation
207
words of the "Lutheraner" a sinister, hateful intent is imputed. As to the manner of the strife, the "Lutheraner," as one that also has sin, like all the children of men, will indeed not set itself up as altogether righteous, but where has the "Lutheraner" so offended against the eighth commandment as the "Informatorium"? Rather, in the course of the strife, the "Lutheraner" has always been denied the sparing consideration of love, which seeks to win the erring brother and to be reconciled. Even if someone were not in a position to see on which side the right lies in the differing doctrines, yet the manner in which our opponent has conducted the strife will hardly fill anyone with confidence in his doctrine. For this will escape no one, that the holy apostles, even when they really had to combat false apostles, observed another manner than our opponents. They, the apostles, uncovered the error, showed its harmfulness, warned against it with great earnestness, proclaimed to the seducers God's judgment; but one notices nothing of slanderous attacks upon persons, nothing of carnal embitterment, but even from their reproofs there shines forth a pure zeal for God's honor and truth.
Great is the offense with which our Lutheran Zion has been covered by this strife; great the grief which it has caused many honest souls, great the exultation which it has prepared for the enemies of our Church. Yet it cannot surprise us, for it must needs be that offenses come, but woe to that man by whom the offense cometh. There must also be factions in the true Church, but woe to those who are made manifest as such in God's judgment and sentence. Pastor Grabau has not scrupled to declare our whole Synod a faction; we have until now not yet presumed to pronounce such a judgment upon Pastor Grabau and his people. But the day is perhaps not far off when we shall not need to pronounce it, but when it will be manifest before the eyes of the whole Lutheran Church of Germany as of America who the faction is; unless, by God's exceeding mercy, the last dreadful outcome be averted and Mr. Pastor Grabau let himself be moved to take a way which offers more hope of peace. And this all pious hearts will surely fervently wish and ask of God. How greatly would God's Zion rejoice again after anguish and pain, how joyfully praise and magnify God, if through the mercy of JEsus Christ and through the grace of His Spirit there were gathered again in faith and joined together what Satan has sundered and rent asunder. Ah, that the resistance of the wicked heart and the malice of the devil might not hinder what the gracious will of God and of our Savior Jesus Christ might well grant.
C. F. Gruber.
G. A. Schieferdecker.
Adolph Clarenbach and Peter Fleisteden.
These two men are placed together because on one day, the 28th of September, 1529, they suffered death by fire in Cöln.
Adolph Clarenbach was born at the Buscherhof in the parish of Lüttinghausen*) in the Bergisch country toward the end of the fifteenth century, of poor parents, and showed already as a boy much eagerness to learn, for which reason he was sent to the high schools at Münster and Cöln. Here he soon came so far as to be able to read the Holy Scriptures in the original languages, with which he then busied himself most diligently; he also had the repute of a retired, chaste, God-fearing walk of life. He devoted himself to the teacher's calling and in the year 1523 became first Conrector in Münster, where he awakened love for the pure Gospel not only in the youth entrusted to him but also in many citizens of the city. From 1525 he did the same as Conrector in Wesel, and when he had been banished from there at the instigation of the Cöln Official Trip, amid continued persecution in Osnabrück, in Meldorp in Ditmarsh, in his birthplace, in Lennep, Elberfeld and the surrounding country, with visible success. One of his friends, Pastor Klopreis at Büderich, was at that time summoned to Cöln on account of evangelical heresy; Clarenbach accompanied him voluntarily, in the hope of being useful to him, but upon his arrival in Cöln on the 3rd of April, 1528, was at once arrested and put in the Frankenthurm. Thus began the series of ill-treatments and temptations to recant, the end of which was death by flames.
*) Under the jurisdiction of the city of Lennep.
In the repeated examinations Clarenbach joyfully testified his faith in the living Christ, the only Savior and Redeemer of the human race lost in sins, and in the truthfulness of the Holy Scriptures. He pointed out to the inquisitors, in part his former Cöln teachers, who laid snares for him by captious questions concerning the authority of the Pope, the Church and its ordinances, that the Holy Ghost had inwardly convinced him of the truth of the doctrine laid down in the Apostles' Creed, and that he could recant only if he were convicted of an error from the Holy Scriptures.
Toward the end of his imprisonment Peter Fleisteden, from the village of Fleisteden in the Jülich country, became the companion of his dungeon. Peter had kept his hat on during the Mass in the cathedral choir and outwardly shown his abhorrence of it in the strongest manner, with the intention, explained later, that the people should ask him the reasons of his behavior, and he would then instruct them concerning the nothingness of the Mass observances. But the people were silent, and the clergy also kept quiet. Scarcely had he left the cathedral, however, when he was at once arrested and led to Clarenbach into prison. Fleisteden's provoking manner was quickly broken by Clarenbach's gentle earnestness; both friends strengthened each other to faithfulness and looked joyfully toward the stake.
When the 28th of September, 1529, dawned, the martyrs were conducted, amid a great concourse of the people, through the whole city to the distant place of execution. Even now they were molested by monks zealous for conversion; but this did not hinder them from praising God with a loud voice and teaching the people the whole way. Thus Adolph said among other things: "Praise, honor and thanks be to Thee, Father, that Thou hast let this day appear, which we so greatly longed for." "I am comforted in Christ, I die the death of a Christian, and the will of the Lord is done. It went so with Him, how should it not go so with us? He went before and we must follow after, if we are to be His brethren." "O Cöln, Cöln, he went on after a while, how thou persecutest the Word of God! There is a cloud in the air, which will yet once pour down."*) After he had, among other things, prayed the Creed, Adolph said to the people: "Thus must we follow the new Adam, Christ, in suffering, if He is to come to us at all. The more pressure and persecution, the greater the growth of the new man and the death of the old, of the flesh, of sin, of the devil and of the world. These mock us now and leave us comfortless, but we set against them the one Christ, our Comforter, Advocate and only Mediator, who will surely plead for us before His heavenly Father. Be not offended at our death; for Christ also ought to suffer and through suffering to enter into His kingdom. Through this Christ I exhort you, dear brethren, that ye live without tumult, lovingly, brotherly and Christianly with one another and obey all authority. Our Lord will turn all things to the best and give you His grace and His divine Word."
*) In Cöln a considerable evangelical congregation gathered in the first century after the Reformation, but it was driven out in the seventeenth century.
Then Peter continued, because Adolph complained of weariness: "We were sinners when we came from our mother's womb, and by God's righteousness had deserved death at once. So I exhort you today in the name of God, hold fast to His Word alone, to Christ alone, who is the way, the truth and the life, and turn away from the Pope in Rome and from his church, which leads you away from the grace of God and from Christ's satisfaction, and gives you instead seals, bulls, indulgences, pilgrimages and godless doctrines of men and of devils, that they may fill their purses and kitchens."
Having arrived at the place of execution, Clarenbach prayed: "O Lord, lift up my spirit, that I may forgive my enemies from the bottom of my heart," and then spoke to the citi-