Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 7 › Seite 50
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-11-23, Seite 50
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hier, oder nur da ist seine Kirche und seine verheißene Gnadengegenwart. Als einst die afrikanische Sekte der Donatisten behauptete, die wahre Kirche sei allenthalben ausgestorben und nur in Afrika, nehmlich in ihnen allein, habe sie sich erhalten, da antwortete ihnen der heilige Augustinus: Nicht Afrika, sondern der Weltkreis ist das Gebiet des Reiches Christi; denn es stehet von Christo geschrieben: „Heische von mir, so will ich dir die Heiden zum Erbe geben, und der Welt Ende zum Eigenthum." Ps. 2, 8. Wie es aber kein einzelnes Volk und keine einzelne Stadt und kein einzelnes Land, ja, keinen einzelnen Erdtheil gibt, von dem man sagen könnte: Hier allein ist die Kirche, außer welcher kein Heil und keine Seligkeit ist; so gibt es auch keine einzelne sichtbare Kirchengemeinschaft, die dies von sich rühmen könnte. Mag eine einzelne sichtbare Kirche vor allen anderen Gottes Wort noch so rein haben; mag sie vor allen anderen die heiligen Sacramente noch so treu verwalten und gebrauchen; mag sie vor allen anderen durch christliche Zucht, Ordnung und Reichthum an guten Werken noch so herrlich glänzen: dennoch kann sie nicht sagen: Wir allein sind Gottes Haus, hier bei uns allein ist Christi Kirche; denn Gottes Wort sagt, Christus herrsche selbst mitten unter seinen Feinden (Ps. 110. 2.), das heißt, Christus habe seine Unterthanen auch da, wo seine Feinde, Ungläubige, Spötter, Verführer, Ketzer und Tyrannen, toben. Als daher der theure Mann Gottes Elias meinte, er sei allein von Gottes Kirche übrig geblieben, weil er ganz Israel von Baalspfaffen verführt und dasselbe anstatt des wahren Gottes dem Baal dienen sah, da erhielt er die göttliche Antwort: „Ich habe mir lassen überbleiben sieben tausend Mann, die nicht haben ihre Kniee gebeuget vor dem Baal." (Röm. 11, 1-5. 1 Kön. 19, 1-18.) Ueberall daher, wo Gottes Wort noch für Gottes Wort gilt, hat Christus seine Gläubigen, ob auch falsche Lehrer dasselbe verkehren und verfälschen, Christus ist kein so armer König, der nur in Einer Stadt, in Einer Provinz, in Einem Lande König wäre: wo immer in aller Welt das Wort von seiner Gnade tönt, da macht er sich Unterthanen und stiftet, den Höllenpforten zu Trotz, seiner Kirche seliges Reich.
Auch wir Lutheraner müssen daher bekennen, und wir bekennen es mit Freuden: auch außerhalb der sichtbaren lutherischen Kirche hat Christus sein Reich; auch außerhalb der sichtbaren lutherischen Kirche hat Christus noch Gläubige; auch außerhalb der sichtbaren lutherischen Kirche gibt es seligwerdende Seelen. —
Aber wie? meine Zuhörer, haben wir nicht erst vor acht Tagen das Fest der lutherischen Kirchenreformation gefeiert? — Ist es wahr, daß Viele selig werden, welche den Namen Lutheraner nicht tragen, warum feiern wir noch den Tag, an welchem einst Luther den Grundstein zu dem Reformationswerk legte, als einen Festtag des Jubels und der Freude? Ist es wahr, daß die sichtbare lutherische Kirche nicht die allgemeine heilige christliche Kirche ist, außer welcher kein Heil ist, warum halten wir noch fest an unseren kirchlichen Bekenntnissen? warum reißen wir diese Mauern nicht nieder, welche unsere Kirche von allen anderen Gemeinschaften trennt? Warum bleiben wir noch in den engen Grenzen unserer evangelisch lutherischen Kirche? warum sondern wir uns noch ab von allen anderen Partheien in der Christenheit? Warum reichen wir nicht allen Gliedern dieser Partheien die Hand der brüderlichen Gemeinschaft? und warum nehmen wir also nicht theil an der jetzt so hoch gefeierten Union?
Wohl meinen Viele, wenn sie hören, daß Gottes Kirche eigentlich unsichtbar und über den ganzen Erdboden verbreitet sei, also könne man getrost der sichtbaren rechtgläubigen Kirche den Rücken kehren und Gemeinschaft halten mit allen Religionen und Sekten. Aber, meine Theuren, dies folgt so wenig daraus, so wenig aus dem Satze: Auch die Christen sind Sünder — dieses folgt, daß also ein Christ die Freiheit habe, zu sündigen mit Wissen und Willen. Doch dies laßt mich euch in gegenwärtiger Stunde etwas genauer erörtern.
Text: 1. Joh. 2, 19.
Schon zur Zeit der heiligen Apostel traten, meine Zuhörer, Irrlehrer auf, welche neben den rechtgläubigen, von den Aposteln gegründeten, Kirchen eigene Gemeinden stifteten, damit sie darin ungehindert und ungestraft das Wort nach ihrem Sinne deuten und vortragen konnten. Diese Irrlehrer umgaben sich meist mit einem großen Heiligenschein. Sie gingen, wie Paulus sagt, oft einher in Demuth und Geistlichkeit der Engel (Col. 2, 18-23.). Dadurch ließen sich zuweilen auch Glieder der rechtgläubigen Gemeinden täuschen, verließen diese Gemeinden und schlossen sich den Gemeinschaften der Irrlehrer an. Was spricht nun hierzu der heilige Apostel in unserem Texte? Erklärt er es etwa für gleichgültig, ob man bei der rechtgläubigen Gemeinde bleibe oder nicht? Erklärt er etwa, daß solche abfällige Christen doch gute Christen blieben und, wenn auch nicht zur wahren sichtbaren, doch zur wahren unsichtbaren Kirche gehörten? Nein; mit großem Ernste schreibt er: „Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns: denn wo sie von uns gewesen wären, so wären sie ja bei uns geblieben; aber daß sie offenbar würden, daß sie nicht alle von uns sind." Hiermit erklärt der heilige Johannes: wer von einer sichtbaren rechtgläubigen Gemeinde abfällt, der beweist damit, daß er kein rechtschaffener Christ, also kein Glied der unsichtbaren Gemeinde der Heiligen sei; denn wer das ist, der bleibt bei jener. Hiernach laßt mich jetzt die Frage beantworten:
Warum soll und kann uns der Glaube, daß die wahre Kirche eigentlich unsichtbar und über die ganze Welt zerstreut sei, nicht verleiten, die rechtgläubige sichtbare Kirche zu verlassen?
Ich antworte: weil diejenigen, welche zur unsichtbaren Kirche gehören wollen, eine doppelte Verpflichtung haben:
1. Die Pflicht, sich von denjenigen abzusondern, welche Gottes Wort verfälschen und in ihren Irrthümern hartnäckig verharren, und
2. Die Pflicht, sich zu denen zu halten, welche treulich bei Gottes Wort bleiben und den wahren Glauben rein und lauter bekennen.
Du aber, HErr JEsu, wollest geben, daß das in dieser Stunde gepredigte Wort an unser keinem verloren sei, daß die von Deiner rechtgläubigen Kirche bereits Abgefallenen heilsam erschreckt, die Lauen und Gleichgültigen in Sachen der Religion und Kirche aufgeweckt, die im Zweifel Stehenden gewiß gemacht und die treuen Bekenner Deines Namens gestärkt werden, damit wir alle des Glaubens Ende erreichen, welches ist der Seelen Seligkeit. Erhöre uns um Deiner Gnade und Wahrheit willen. Amen.
1.
Ein so gefährlicher Irrthum es auch ist, meine Zuhörer, wenn man meint, die sichtbare lutherische Kirche sei die Kirche, außer welcher kein Heil ist, und daß daher nur die sogenannten Lutheraner selig werden können, so ist es doch ebenso irrig, wenn man im Gegentheil glaubt, weil viele Menschen selig werden, die keine Glieder der sichtbaren lutherischen Kirche sind, so sei es gleichgültig, zu welcher sichtbaren Kirche man sich halte; wer in einer irrgläubigen Kirche sich befinde, könne ohne Seelengefahr darin bleiben, und wer zur rechtgläubigen lutherischen Kirche gehöre, könne dieselbe auch ohne Seelengefahr wieder verlassen und sie mit einer anderen vertauschen.
Wohl ist es wahr, die wahre Kirche ist eigentlich unsichtbar und über die ganze Welt zerstreut. Aber dieser Glaube soll und kann uns keinesweges verleiten, die rechtgläubige sichtbare Kirche zu verlassen, oder die Gemeinschaft mit ihr gering und für gleichgültig zu achten. Denn gerade diejenigen, welche zur unsichtbaren Kirche gehören wollen, haben zwei wichtige Dem entgegenstehende heilige Pflichten, und zwar 1. diese Pflicht: sich von allen denjenigen abzusondern, welche Gottes Wort verfälschen und in ihren Irrthümern hartnäckig verharren.
Gehen wir zurück bis zur Kirche Adams, und verfolgen wir die ganze Geschichte der Kirche von Anfang bis zu dem letzten der Apostel, dem heiligen Evangelisten Johannes, so finden wir, daß sich die Rechtgläubigen auf Gottes Befehl immer von den Falschgläubigen abgesondert haben und daß Gott, wenn sich die Rechtgläubigen endlich in die Gemeinschaft der Irrgläubigen verlocken ließen, daran nicht nur kein Gefallen getragen, sondern dies auch immer mit schweren Gerichten heimgesucht hat. Kaum hatte Cain falschen Gottesdienst angerichtet, so schied sich die rechtgläubige Kirche Adams von
English translation AI translation
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here, or only there is His Church and His promised gracious presence. When the African sect of the Donatists once asserted that the true Church had died out everywhere and had been preserved only in Africa, that is, in themselves alone, the holy Augustine answered them: Not Africa, but the whole world is the domain of the kingdom of Christ; for it is written of Christ: "Ask of Me, and I shall give Thee the heathen for Thine inheritance, and the uttermost parts of the earth for Thy possession." Ps. 2, 8. But as there is no single people and no single city and no single land, yea, no single quarter of the earth of which one could say: Here alone is the Church, outside of which there is no salvation and no blessedness; so there is also no single visible communion of the Church that could boast of this for itself. Let a single visible church have God's Word ever so pure above all others; let it administer and use the holy Sacraments ever so faithfully above all others; let it shine ever so gloriously above all others by Christian discipline, order and wealth of good works: yet it cannot say: We alone are God's house, here with us alone is Christ's Church; for God's Word says that Christ rules in the midst of His enemies (Ps. 110. 2.), that is, Christ has His subjects also there where His enemies, unbelievers, scoffers, seducers, heretics and tyrants, rage. Therefore, when the dear man of God Elijah thought that he alone was left of God's Church, because he saw all Israel led astray by the priests of Baal and serving Baal instead of the true God, he received the divine answer: "I have reserved to Myself seven thousand men, who have not bowed the knee to Baal." (Rom. 11, 1-5. 1 Kings 19, 1-18.) Everywhere, therefore, where God's Word still counts as God's Word, Christ has His believers, though false teachers pervert and falsify it. Christ is no such poor king as to be king only in one city, in one province, in one land: wherever in all the world the Word of His grace resounds, there He makes for Himself subjects and founds, in defiance of the gates of hell, the blessed kingdom of His Church.
We Lutherans too must therefore confess, and we confess it with joy: also outside of the visible Lutheran Church Christ has His kingdom; also outside of the visible Lutheran Church Christ still has believers; also outside of the visible Lutheran Church there are souls that will be saved. —
But how is this? my hearers, did we not celebrate the festival of the Lutheran Church Reformation only eight days ago? — If it is true that many are saved who do not bear the name of Lutheran, why do we still celebrate the day on which Luther once laid the foundation stone of the work of Reformation, as a festival of jubilee and joy? If it is true that the visible Lutheran Church is not the universal holy Christian Church, outside of which there is no salvation, why do we still hold fast to our confessions of the Church? why do we not tear down these walls which separate our Church from all other communions? Why do we still remain within the narrow bounds of our Evangelical Lutheran Church? why do we still separate ourselves from all other parties in Christendom? Why do we not extend to all members of these parties the hand of brotherly fellowship? and why do we accordingly not take part in the Union, now so highly celebrated?
Many indeed think, when they hear that God's Church is properly invisible and spread over the whole earth, that one may therefore confidently turn one's back on the visible orthodox Church and hold fellowship with all religions and sects. But, my dear friends, this follows as little from that, as little as from the proposition: Christians also are sinners — it follows that therefore a Christian has the liberty to sin knowingly and willingly. But let me explain this to you somewhat more closely in the present hour.
Text: 1 John 2, 19.
Already in the time of the holy Apostles, my hearers, false teachers arose, who beside the orthodox churches founded by the Apostles set up congregations of their own, so that in them they might, unhindered and unpunished, interpret and set forth the Word according to their own mind. These false teachers mostly surrounded themselves with a great halo of sanctity. They went about, as Paul says, often in humility and worshipping of angels (Col. 2, 18-23.). By this even members of the orthodox congregations were sometimes deceived, left these congregations and joined the communions of the false teachers. What now does the holy Apostle say to this in our text? Does he declare it a matter of indifference whether one remain with the orthodox congregation or not? Does he declare that such apostate Christians nevertheless remained good Christians and, if not to the true visible, yet belonged to the true invisible Church? No; with great earnestness he writes: "They went out from us, but they were not of us; for if they had been of us, they would no doubt have continued with us: but they went out, that they might be made manifest that they were not all of us." Herewith the holy John declares: he who falls away from a visible orthodox congregation proves thereby that he is no upright Christian, and therefore no member of the invisible communion of saints; for whoever is that, remains with it. After this let me now answer the question:
Why should and can the belief that the true Church is properly invisible and scattered over the whole world not mislead us into forsaking the orthodox visible Church?
I answer: because those who would belong to the invisible Church have a twofold obligation:
1. The duty to separate themselves from those who falsify God's Word and obstinately persist in their errors, and
2. The duty to hold to those who faithfully abide by God's Word and confess the true faith purely and clearly.
But Thou, LORD JESUS, be pleased to grant that the Word preached in this hour be lost upon none of us; that those who have already fallen away from Thy orthodox Church be wholesomely alarmed, the lukewarm and indifferent in matters of religion and church be awakened, those standing in doubt be made certain, and the faithful confessors of Thy name be strengthened, that we all may attain the end of our faith, which is the salvation of our souls. Hear us for the sake of Thy grace and truth. Amen.
1.
However dangerous an error it is, my hearers, when one thinks that the visible Lutheran Church is the Church outside of which there is no salvation, and that therefore only the so-called Lutherans can be saved, it is nevertheless just as erroneous when one believes, on the contrary, that because many people are saved who are not members of the visible Lutheran Church, it is a matter of indifference to which visible church one adheres; that whoever is in a heterodox church can remain in it without danger to his soul, and whoever belongs to the orthodox Lutheran Church can leave it again without danger to his soul and exchange it for another.
It is indeed true that the true Church is properly invisible and scattered over the whole world. But this belief should not and cannot in any wise mislead us into forsaking the orthodox visible Church, or into esteeming fellowship with it lightly and as a matter of indifference. For precisely those who would belong to the invisible Church have two important holy duties standing opposed to this, namely, 1. this duty: to separate themselves from all those who falsify God's Word and obstinately persist in their errors.
Let us go back to the Church of Adam, and follow the whole history of the Church from the beginning to the last of the Apostles, the holy Evangelist John, and we find that the orthodox have by God's command always separated themselves from the false believers, and that God, when the orthodox at last allowed themselves to be enticed into fellowship with the heterodox, not only took no pleasure in it, but also always visited it with heavy judgments. Hardly had Cain set up false worship, when the orthodox Church of Adam separated itself from