Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 7 › Seite 54

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-11-23, Seite 54

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die armen blinden Heiden aufzusuchen und ihnen die Botschaft des Friedens zu bringen? Woher hätten wir die Kunde des Heils? Und hätte es nicht insonderheit immer Christen gegeben, welche mit großem Ernste auf Reinheit der Lehre und Unverfälschtheit des Gottesdienstes gedrungen, die falschen Lehrer entlarvt und gestraft und rechtgläubige Gemeinden gesammelt haben: wo wäre jetzt die reine Lehre und wohin würde es endlich mit den Sekten gekommen sein? — Gewiß, so heilige Pflicht aller wahren Christen es daher ist, auf das eigene Heil und auf das Heil ihres Nächsten, auf die Wohlfahrt der ganzen Kirche und auf die Rettung der ganzen verlorenen Welt bedacht zu sein, so heilige Pflicht haben sie daher auch, sich zu denen zu halten, welche treu bei Gottes Wort bleiben und den wahren Glauben rein und lauter bekennen. So unwidersprechlich wahr es daher auch ist, daß die wahre Kirche Christi eigentlich unsichtbar und über die ganze Welt zerstreut ist, soll und kann hiernach dieser Glaube irgend jemanden verleiten, die rechtgläubige sichtbare Kirche zu verlassen? Nimmermehr! —

Ihr daher, die ihr es nicht leugnen könnet, daß in unserer evangelisch-lutherischen Kirche Gottes Wort rein und lauter gelehrt und die heiligen Sacramente nach Christi Einsetzung verwaltet werden, und die ihr dennoch es mit irrgläubigen Gemeinschaften haltet oder euch eigensinnig zurückzieht und es mit niemanden halten wollt: ihr könnt euch keineswegs damit trösten, daß ja die wahre Kirche unsichtbar sei; es sei daher genug, wenn ihr nur Glieder dieser unsichtbaren Gemeinschaft wäret. Ich wiederhole es: so wenig der ein wahrer Christ ist, welcher wissentlich und muthwillig sündigt wider Gottes Gebot, und der wissentlich und muthwillig sich in Gefahr seiner Seele begibt und die Mittel nicht gebraucht, die Gott ihm zur Erlangung der Seligkeit verordnet hat: so wenig seid ihr Glieder der wahren unsichtbaren Gemeinde der Gläubigen und Heiligen, die ihr wissentlich und muthwillig wider Gottes Verbot mit den Irrgläubigen Gemeinschaft habt und wider Gottes Gebot die Gemeinschaft der Rechtgläubigen fliehet. Von euch heißt es in unserem Texte: „Denn wo sie von uns gewesen wären, so wären sie ja bei uns geblieben.“

Ihr aber, die ihr mit Ernst darauf bedacht seid, zu der unsichtbaren Gemeinde der Kinder Gottes zu gehören, vergesset denn nie: der rechte Weg, in diese unsichtbare Gemeinde zu kommen und darin zu bleiben, ist eben dieser, daß ihr euch zu denen haltet und mit denen nicht nur glaubet, sondern auch bekennet, euch versammelt, arbeitet und wirket, streitet und leidet, die treu bei Gottes Wort verbleiben und den rechten Glauben rein und lauter bekennen.

Auf denn, ihr lieben lutherischen Mitchristen, denen Gott offene Augen gegeben hat, zu erkennen, daß unser theures lutherisches Zion auf den reinen ewigen unwandelbaren Grund der Apostel und Propheten erbauet ist, da JEsus Christus der Eckstein ist: freuet euch zwar herzlich, daß Chtistus einen verborgenen Saamen seiner Gläubigen überall hat, aber danket ihm auch von ganzem Herzen, daß er euch die unaussprechliche Gnade geschenkt hat, in einer Gemeinschaft zu stehen, in welcher das Licht seines Wortes hell und lauter euch leuchtet. Haltet, was ihr habt, daß euch niemand eure Krone nehme. Schämet euch auch in dieser letzten betrübten Zeit eures Heilandes und seines Wortes und seiner rechten Bekenner nicht, sondern bekennet euren Heiland und seine ungefälschte Wahrheit mit ihnen hier vor Menschen in Schmach und Verfolgung, so wird er, der treue Heiland, auch euch einst mit allen den Seinen vor seinem himmlischen Vater und allen seinen heiligen Engeln bekennen in ewiger Ehre und Herrlichkeit. Ja, seid getreu bis an den Tod, so wird der HErr euch die Krone des Lebens geben. Amen.

Grabauiana.

Nachdem wir in letzter Nummer des „Lutheraner“ uns in Betreff des „Informatorium“ einmal einen Feiertag gemacht haben, der uns gewiß zu gönnen war, so will doch vonnöthen sein, daß wir genannten Blattes, das unserer so fleißig, wenn auch nicht in Ehren gedenkt, nicht gar uneingedenk werden. So höre denn der liebe Leser einiges von dem Inhalt der letzterschienenen Nummer mehrgedachten Informatoriums vom 1. Nov.

1. Der erste darin befindliche Aufsatz ist ein Eingesandt unter der Ueberschrift: „Ueber die Lehre von der Kirche, wie sie Herr Professor Walther in 9 Thesen als die Lehre der Synode von Missouri aufstellt.“ Zwar ist dieser Aufsatz noch nicht zu Ende; der Schluß soll in einer folgenden Nummer erscheinen; allein schon aus diesem Anfang läßt sich der gerechte Schluß machen, daß der gute Mann, welcher denselben eingesendet hat, an Mißachtung der, von uns dem Informatorium bereits empfohlenen, Regel leidet: Qui bene distinguit, bene docet d. i. Wer gut unterscheidet, lehrt gut. Ja, fast will uns bedünken, als finde auch auf den Schreiber des Aufsatzes, wie auf andere Arbeiter an dem Informatorium, das Urtheil Neumeister's über Johann Arnd seine Anwendung: „Der liebe Mann hat aus Versehen und Unwissenheit Anlaß zu vielem Streit und Mißhelligkeit gegeben. Der liebe Mann hatte auf Universitäten nicht Zeit gehabt, einen festen Grund in der Gottesgelahrtheit zu legen.“ (Siehe: Past. Grabau's zweiter Synodalbrief S. 49. 50.) Da wir die falsche Lehre der Buffaloer von der Kirche später ausführlicher beleuchten werden, so halten wir uns hierbei nicht weiter auf.

2. Der andere Aufsatz ist eine sogenannte „christliche Betrachtung“ Pst. Grabau's selbst, worin derselbe zu erweisen sucht, wenn er von seinen Kirchkindern „Gehorsam in allen kirchlichen Dingen, die nicht wider Gottes Wort sind,“ fordert, daß er daran recht thue.“ Der Herr Schreiber kann es nun freilich nicht lassen (da ihm diese Polemik zur anderen Natur geworden zu sein scheint), den Redakteur des „Lutheraner“ in dem Aufsatz mit dem Titel: „Der bekannte Verleumder zu St. Louis,“ zu beehren, da er aber zugleich sagt, unsere Behauptungen seien entweder: „eine nackte Bosheit oder ein grober Unverstand,“ so scheint es fast, Pst. Grabau fange jetzt an, höflich zu werden, denn durch den letzten Zusatz mit seinem „oder“ werden die uns gegebenen Titel in dem Munde Pst. Grabau's eine wahre Schmeichelei. Auch über die Lehre Pst. Grabau's von dem Gehorsam gegen die Pfarrherren gedenken wir jedoch uns später auszusprechen, wenn wir das ganze Lehrsystem(?) desselben vorlegen und beurtheilen werden.

3. Der dritte Aufsatz ist die Fortsetzung der „Beiträge zu Mittheilungen aus und über Nordamerika“ von Pastor Winkler in Detroit ebenfalls in der bekannten Buffaloer Manier. Darin behauptet derselbe erstlich, daß selbst Pastoren unserer Synode ihm bekannt haben, „daß es seit Jahren bei ihrer Synode“ (von Missouri ꝛc.) „als eine ausgemachte Sache gegolten habe, daß die Buffaloer Synode zu Grunde gerichtet werden müsse, koste es was es wolle ꝛc., und daß namentlich die jüngeren Pastoren nur von Walther in die Sache hineingewickelt worden wären.“ Hierauf antworten wir: wenn das wirklich Prediger unserer Synode ausgesagt haben, so sind es entweder solche, die diese Ueberzeugung einst hatten, aber jetzt eines besseren überzeugt sind, und dann hat natürlich ihre Aussage keine Beweiskraft; oder sie sind noch derselben Ueberzeugung und protestiren weder, noch trennen sie sich von uns, was wäre dann von ihrem Charakter zu halten und auf ihr Zeugniß zu geben?*) — Uebrigens lehrt es schon ein vergleichender flüchtiger Blick in das „Informatorium“ und in den „Lutheraner,“ daß nicht wir darauf ausgehen, die Buffalosynode zu Grunde zu richten, sondern daß diese vielmehr alles in Bewegung setzt, die Missouri-Synode zu zerstören und den ihr bisher geschenkten göttlichen Segen zu verderben. Insonderheit zeigt sich Herr Winkler als Meister darin, alte Geschichten so zu drehen und zu wenden und dieselben mit frevelhaften Urtheilen über unsere Gesinnung so zu spicken, daß er sich der Erreichung seines Zwecks, unsere Synode zu schänden, versichert halten kann.

*) Wir können jedoch keinesweges glauben, daß es Prediger der zweiten Gattung in unserer Synode gebe. Dem sei jedoch übrigens, wie ihm wolle, jedenfalls publicirt nur ein gemeiner Charakter ihm im Vertrauen Gestandenes; wir können die Brüder nur bedauern, deren Zutrauen Herr Winkler so indiscret mißbraucht.

Herr Pst. Winkler beschuldigt ferner Herrn Dr. Sihler eines sündlichen Verfahrens in Angelegenheiten Herrn Pastor Schmidt's in Cleveland. Hierauf erwiedern wir nichts, da in diese Sache vielleicht bald von anderer, besser unterrichteter Seite das nöthige Licht gebracht werden wird.

Endlich macht der Genannte einen weitläufigen Excurs, darin er Gelegenheit nimmt, Hrn.

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the poor blind heathen and to bring them the message of peace? Whence would we have the tidings of salvation? And had there not, in particular, always been Christians who with great earnestness insisted on purity of doctrine and unadulteratedness of worship, who unmasked and rebuked false teachers and gathered orthodox congregations: where would pure doctrine now be, and whither would it at last have come with the sects? — Certainly, as holy a duty as it therefore is for all true Christians to be concerned for their own salvation and for the salvation of their neighbor, for the welfare of the whole Church and for the rescue of the whole lost world, so holy a duty have they therefore also to join themselves to those who abide faithfully by God's Word and confess the true faith purely and sincerely. As incontrovertibly true, therefore, as it also is that the true Church of Christ is properly invisible and scattered over the whole world, should and can this belief, accordingly, lead anyone astray to forsake the orthodox visible Church? Never! —

You, therefore, who cannot deny that in our Evangelical Lutheran Church God's Word is taught pure and clear and the holy Sacraments are administered according to Christ's institution, and who nevertheless hold with heterodox communions or withdraw obstinately and will hold with nobody: you can by no means comfort yourselves with the thought that the true Church is invisible; that it is therefore enough if only you were members of this invisible communion. I repeat it: as little as he is a true Christian who knowingly and wilfully sins against God's commandment, and who knowingly and wilfully puts himself in danger of his soul and does not use the means which God has ordained for him for the attainment of salvation: so little are you members of the true invisible congregation of the believers and saints, you who knowingly and wilfully, contrary to God's prohibition, have fellowship with the heterodox and, contrary to God's commandment, flee the fellowship of the orthodox. Of you it is said in our text: "For if they had been of us, they would no doubt have continued with us."

But you who are earnestly concerned to belong to the invisible congregation of the children of God, forget never then: the right way to come into this invisible congregation and to remain in it is precisely this, that you hold yourselves to those, and with them not only believe but also confess, assemble, labor and work, strive and suffer, who abide faithfully by God's Word and confess the right faith purely and sincerely.

Up then, you dear Lutheran fellow Christians, to whom God has given open eyes to perceive that our dear Lutheran Zion is built upon the pure, eternal, unchangeable foundation of the apostles and prophets, Jesus Christ Himself being the chief corner stone: rejoice indeed heartily that Christ has a hidden seed of His believers everywhere, but thank Him also with your whole heart that He has bestowed upon you the unspeakable grace to stand in a communion in which the light of His Word shines bright and clear upon you. Hold that fast which thou hast, that no man take thy crown. Be not ashamed, even in these last sorrowful times, of your Savior and of His Word and of His true confessors, but confess your Savior and His unadulterated truth with them here before men in disgrace and persecution, and He, the faithful Savior, will also confess you one day, with all His own, before His heavenly Father and all His holy angels in eternal honor and glory. Yea, be faithful unto death, and the LORD will give you the crown of life. Amen.

Grabauiana.

Having in the last number of the "Lutheraner" made a holiday for ourselves with regard to the "Informatorium," which was surely to be granted us, it will nevertheless be necessary that we not be altogether unmindful of the said paper, which so diligently, though not honorably, remembers us. So let the dear reader hear some of the contents of the most recently appeared number of the aforementioned Informatorium, of the 1st of November.

1. The first article found therein is a communication sent in under the heading: "On the Doctrine of the Church, as Professor Walther sets it forth in 9 Theses as the doctrine of the Synod of Missouri." Indeed, this article is not yet finished; the conclusion is to appear in a following number; but even from this beginning the just conclusion may be drawn that the good man who sent it in suffers from a disregard of the rule, already recommended by us to the Informatorium: Qui bene distinguit, bene docet, that is, He who distinguishes well teaches well. Indeed, we are almost inclined to think that to the writer of the article, as to other laborers on the Informatorium, Neumeister's judgment on Johann Arnd also applies: "The dear man, through oversight and ignorance, gave occasion to much strife and discord. The dear man had not had time at universities to lay a firm foundation in theology." (See: Pastor Grabau's second Synodalbrief, pp. 49, 50.) Since we shall shed light upon the false doctrine of the Buffalo people concerning the Church more fully later, we shall not dwell on it further here.

2. The second article is a so-called "Christian Meditation" by Pastor Grabau himself, in which he seeks to prove, when he demands of his parishioners "obedience in all churchly things which are not contrary to God's Word," that he is doing right in this. The gentleman writer indeed cannot refrain (since this polemic seems to have become second nature to him) from honoring the editor of the "Lutheraner" in the article with the title: "The Notorious Slanderer at St. Louis"; but since he says at the same time that our assertions are either "a naked malice or a gross lack of understanding," it seems almost that Pastor Grabau is beginning to become polite, for through the latter addition with his "or" the titles given to us become, in the mouth of Pastor Grabau, a veritable flattery. Concerning Pastor Grabau's doctrine of obedience toward the parish pastors, too, we intend, however, to speak out later, when we shall set forth and judge his whole system of doctrine(?).

3. The third article is the continuation of the "Contributions to Communications from and about North America" by Pastor Winkler in Detroit, likewise in the well-known Buffalo manner. Therein he asserts first, that even pastors of our Synod have admitted to him "that for years it has been held in their Synod" (of Missouri, etc.) "as a settled matter that the Buffalo Synod must be brought to ruin, cost what it may, etc., and that especially the younger pastors were only drawn into the affair by Walther." To this we answer: if preachers of our Synod have really said this, then they are either such as once held this conviction but are now convinced of something better, and then of course their statement has no probative force; or they are still of the same conviction and neither protest nor separate from us, what then would be thought of their character and what credit given to their testimony?*) — Moreover, a comparative cursory glance at the "Informatorium" and at the "Lutheraner" teaches that it is not we who are bent on bringing the Buffalo Synod to ruin, but that this one rather sets everything in motion to destroy the Missouri Synod and to spoil the divine blessing hitherto granted it. In particular Mr. Winkler shows himself a master in twisting and turning old stories and larding them with wanton judgments about our disposition in such a way that he may hold himself assured of attaining his purpose, to disgrace our Synod.

*) We cannot, however, by any means believe that there are preachers of the second kind in our Synod. Be that as it may, in any case only a base character publishes what was told him in confidence; we can only pity the brethren whose confidence Mr. Winkler so indiscreetly abuses.

Mr. Pastor Winkler further accuses Dr. Sihler of a sinful course of action in the affairs of Mr. Pastor Schmidt in Cleveland. To this we reply nothing, since perhaps soon the necessary light will be brought upon this matter from another, better informed quarter.

Finally the person named makes a lengthy excursus in which he takes occasion to