Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 7 › Seite 52
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-11-23, Seite 52
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wo allerdings die Wahrheit oft in einem etwas rauhen Gewande auftritt und auch oft offenbar werdende Heuchler große und schwere Aergernisse geben. Aber man täuscht sich hiermit nur selbst. Warum warnt Gottes Wort an so unzähligen Stellen und so ernstlich vor falscher Lehre? Warum anders, als weil sie so seelengefährlich ist? – Warum spricht Christus selbst zu den Jüngern: „Sehet zu, und hütet euch vor dem Sauerteige der Pharisäer und Sadducäer?" (Matth. 16, 6. vergl. Vers 12. und Luc. 12, 1.) Warum anders, als weil auch „ein wenig" heuchlerische falsche „Lehre," wie Paulus Gal. 5, 9. es durch den heiligen Geist auslegt, wie ein Sauerteig den Süßteig der lauteren reinen Wahrheit durchdringt, durchsäuert und verderbt? – Warum nennt der Apostel Paulus 2. Tim. 2, 17. die falsche Lehre selbst einen Krebs? Warum anders, als weil die falsche Lehre, wie ein unsichtbares böses Krebsgeschwür um sich frißt, in das Innerste dringt und es vergiftet, die Seele ansteckt und ihr unheilbare tödtliche Wunden macht? – Warum nennt Christus endlich die falschen Lehrer reißende Wölfe? Warum anders, als weil sie die unsterbliche Seele des Menschen mit ihrer falschen Lehre zerreißen, morden und in den geistlichen und ewigen Tod stürzen? Wie? muß es also nicht, von der Sünde gegen Gottes Verbot selbst abgesehen, höchst seelengefährlich sein, in solche Kirchen zu gehen und selbst Glieder solcher Gemeinschaften zu werden, wo falsche Lehre unter die rechte, wo Gift unter die Seelenspeise gemischt wird? Ach, wie manche liefen schon eine Zeitlang fein (Gal. 5, 7.) als Glieder der rechtgläubigen Kirche; aber siehe! sie ließen sich endlich von einem geheimen Ekel an dem himmlischen Manna des reinen Evangeliums, das ihnen wieder und immer wieder verkündigt wurde, beschleichen. Es wie eine lose Speise verachtend, gingen sie, lüstern nach etwas Neuem, in eine falschgläubige Kirche und hörten hier falsche Lehre verkündigen mit süßen Worten. Sie meinten nun neue Wunderdinge zu vernehmen, neue ungeahnte Aufschlüsse zu erhalten, lernten die alten Gnadenerfahrungen mit Verdacht ansehen, kamen entweder auf falsche Höhen oder auf falsche Demuth, und stürzten so endlich, unter süßen Träumen erlangter höherer Erleuchtung und Geistlichkeit, — in geistlichen Tod, und zuletzt in ewige Verdammniß. — Ist es also nicht dessen, der zur unsichtbaren Gemeinde der Auserwählten gehören will, heilige Pflicht, da er ja mit Furcht und Zittern seine Seligkeit schaffen soll, falsche Lehre und Lehrer wie Gift und Pest zu fliehen?
Es gibt jedoch nicht wenige, welche meinen, es sei ja wider die Liebe, alle falsche Lehre und Lehrer so streng zu verwerfen und von allen Irrgläubigen so streng sich zu sondern und zu scheiden; die Liebe verlange Vereinigung, die Liebe fordere Union. Aber, meine Lieben, auch dies ist nichts anderes, als ein jämmerlicher Betrug des verkehrten menschlichen Herzens. Ja freilich fordert die Liebe Vereinigung nach Gottes Wort, aber welche Vereinigung? — Wohl ruft der heilige Apostel allen Christen zu: „Seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geist, durch das Band des Friedens," aber was setzt er sogleich hinzu? — „Ein HErr, Ein Glaube, Eine Taufe!" (Ephes. 4. 3-5.) Und was ist das für eine Liebe, die wider Gottes ausdrückliches Verbot handelt? Das ist nichts, als eine Scheinliebe, ein leeres Trugbild der Liebe, eine sündliche, gottlose, abgöttische Liebe; denn sie setzt die Liebe zum Menschen über die Liebe zu Gott, also die sündige Creatur über den Allerhöchsten und Alleinheiligen im Himmel. O gottlose Vereinigung, o verdammliche Union, die auf eine Liebe gebaut ist, die nur den Schein der Liebe gestohlen, die ewige Gotteswahrheit aber geopfert und das ewige Gottesgebot mit Füßen getreten hat! Was soll, was kann aus solcher Liebe und Einigkeit Gutes kommen? Weit entfernt, daß durch die Vereinigung der Rechtgläubigen mit den Irrgläubigen diesen geholfen werden sollte, so wird dadurch vielmehr auch diesen und der ganzen Kirche nur geschadet. So lange sich die Rechtgläubigen noch von den Irrgläubigen absondern, so lange werden deren Irrthümer fort und fort thatsächlich und eindringlich gestraft, daß sie ihre Irrthümer entweder erkennen und ablegen, oder dieselben doch nicht weiter und weiter verbreiten. Vermischen sich aber endlich auch die Rechtgläubigen mit den Irrgläubigen, so werden diese durch Jener Schuld immer gleichgültiger gegen ihre Irrthümer und jene immer gleichgültiger gegen ihre Wahrheit, und anstatt daß die Wahrheit siegen sollte, siegt der Irrthum, und die Wahrheit geht verloren. Wer auf einem Irrwege geht, dem wird nicht damit eine Liebe erwiesen, daß man ihn begleitet, sondern daß man ihn vor seinem Irrthum nicht nur warnt, sondern auch, ihm den Ernst der Warnung mit der That bezeugend, verläßt.
So frage ich euch denn: Soll und kann hiernach der Glaube, daß die wahre Kirche eigentlich unsichtbar und über die ganze Welt zerstreut ist, verleiten, uns an eine sichtbare irrgläubige Kirche anzuschließen? Ist es nach dem bereits Gesagten nicht vielmehr gerade aller derjenigen, welche zur wahren unsichtbaren Kirche gehören wollen, heilige Pflicht, sich von allen den sichtbaren Gemeinschaften derjenigen abzusondern, welche Gottes Wort verfälschen und in ihren Irrthümern hartnäckig verharren? Es ist dies so gewiß ihre heilige Pflicht, so gewiß sie schuldig sind, alle Sünde und Seelengefahr zu scheuen und zu fliehen. Es ist wahr, es gibt viele rechtschaffene Seelen, welche gewißlich selig werden, auch unter den irrgläubigen Gemeinschaften oder Sekten. Aber das sind nur jene einfältigen Herzen, welche in ihrer Einfalt den Irrthum ihrer Sekten nicht durchschauen, die sich in ihrer Einfalt an Christum und sein Wort in aller Stille halten, die reine Lehre nicht mit verlästern, und daher allein aus Schwachheit der Erkenntniß in der falschen Gemeinschaft verbleiben. Um solcher verborgenen, Gott allein bekannten Gläubigen willen unter den Irrgläubigen müssen wir freilich den Trost festhalten, daß Christi wahre Kirche eigentlich unsichtbar und zerstreut ist über alle Länder der Erde. Vergeblich aber tröstet sich der, welcher wissentlich zu einer irrgläubigen sichtbaren Gemeinschaft tritt oder wider besseres Wissen aus Geringachtung der Wahrheit darin bleibt, damit, daß er ja doch zur wahren unsichtbaren Kirche gehöre. Nein! ein solcher gehört zur wahren unsichtbaren Kirche nicht, denn weil er wissentlich einer falschen Kirche sich anschließt, so ist er ein wissentlicher und muthwilliger Sünder und daher kein Glied am geistlichen Leibe JEsu Christi. Er sündigt wissentlich gegen Gottes klares Verbot, falsche Lehren und Lehrer zu meiden; er macht sich wissentlich der Irrthümer und Sünden seiner Sekte theilhaftig; er wird wissentlich ein Genosse der Bekämpfer der reinen Lehre und Zerspalter der Kirche; er stürzt sich wissentlich in Gefahr seiner unsterblichen Seele; er verleugnet wissentlich mit seiner ungöttlichen Liebe die wahre Liebe, die nur der Wahrheit sich freut; und verläßt wissentlich den von Gott vorgeschriebenen Weg, die Kirche zu bauen, und seiner falschen Klugheit hierin folgend, arbeitet er wider besseres Wissen an der Kirche Verderben. Er gehört zu jenen Lauen, die weder kalt noch warm sind, die der HErr ausspeien will aus seinem Munde. Er gehört zu jenen gewissenlosen, für die Wahrheit abgestumpften Religionsmengern, denen es, so sehr sie reines Gold aus der Mine und echtes Gold im Kasten lieben, gleich gilt, ob das Gold der göttlichen Lehre rein oder vermischt sei. Er gehört zu jenen Halbherzigen, die auf beiden Seiten hinken und auf beiden Achseln tragen wollen. Er gehört zu jenen blinden Leitern der Blinden, da beide endlich in die Grube fallen, oder gar zu jenen nichtswürdigen Deserteuren und Landesverräthern, die das Panier der Wahrheit aus Bauchsorge verlassen, um gegen sie für schnöden Lohn unter der Fahne des Irrthums und der Lüge zu kämpfen. Von solchen spricht eben der heil. Apostel in unserem Texte: „Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns. Auf daß sie offenbar würden, daß sie nicht alle von uns sind." Das heißt, solche, welche zu einer irrgläubigen Kirche abfallen, werden dadurch offenbar, daß sie nicht zu dem Weizen der Kirche gehörten, sondern zu dem Unkraut, und, wenn sie je im Glauben standen, daß sie zu denen gehörten, „die eine Zeitlang glauben; aber sie haben nicht Wurzel, sondern sind wetterwendisch, zur Zeit der Anfechtung fallen sie ab."
2.
Doch, meine Zuhörer, daß die wahre Kirche eigentlich unsichtbar und über die ganze Welt zerstreut ist, soll und kann uns nicht nur darum nicht verleiten, die rechtgläubige sichtbare Kirche zu verlassen, weil gerade diejenigen, welche zur unsichtbaren Kirche gehören wollen, die Pflicht haben, sich von allen denen abzusondern, welche Gottes Wort verfälschen und in ihren Irrthü-
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where, to be sure, the truth often appears in a somewhat rough garment, and also hypocrites who are often manifestly revealed give great and grievous offences. But in this one only deceives oneself. Why does God's Word warn in such countless passages and so earnestly against false doctrine? Why else than because it is so perilous to souls? – Why does Christ Himself say to the disciples: "Take heed and beware of the leaven of the Pharisees and of the Sadducees?" (Matth. 16, 6. cf. verse 12. and Luke 12, 1.) Why else than because even "a little" hypocritical false "doctrine," as Paul in Gal. 5, 9. explains it by the Holy Ghost, like a leaven permeates, leavens through and corrupts the sweet dough of the pure, unadulterated truth? – Why does the Apostle Paul in 2 Tim. 2, 17. call false doctrine itself a canker? Why else than because false doctrine, like an invisible, evil cancerous ulcer, eats around itself, penetrates into the innermost part and poisons it, infects the soul and inflicts upon it incurable, deadly wounds? – Why, finally, does Christ call the false teachers ravening wolves? Why else than because they, with their false doctrine, tear, murder and plunge into spiritual and eternal death the immortal soul of man? How? Must it not then, apart from the sin against God's prohibition itself, be most perilous to the soul to go into such churches and to become members of such communions, where false doctrine is mingled with the right, where poison is mixed with the food of the soul? Ah, how many have already run well for a while (Gal. 5, 7.) as members of the orthodox Church; but behold! at last they let themselves be stolen upon by a secret loathing of the heavenly manna of the pure Gospel, which was proclaimed to them again and ever again. Despising it as a light food, they went, lusting after something new, into a heterodox church and heard false doctrine proclaimed here with sweet words. They now thought they would hear new marvels, receive new undreamt-of disclosures, learned to look with suspicion upon the old experiences of grace, came either upon false heights or upon false humility, and so at last fell, amid sweet dreams of higher enlightenment and spirituality attained, — into spiritual death, and finally into eternal damnation. — Is it not then the holy duty of him who would belong to the invisible congregation of the elect, since he is indeed to work out his salvation with fear and trembling, to flee false doctrine and teachers like poison and pestilence?
There are, however, not a few who think that it is indeed contrary to love to reject all false doctrine and teachers so strictly, and to sunder and separate oneself so strictly from all the heterodox; that love demands union, that love requires Union. But, my dear friends, this also is nothing else than a lamentable deceit of the perverse human heart. Yes, to be sure, love demands unity according to God's Word, but what unity? — Well does the holy Apostle call to all Christians: "Endeavouring to keep the unity of the Spirit in the bond of peace," but what does he add immediately? — "One Lord, one faith, one baptism!" (Eph. 4. 3-5.) And what kind of love is that which acts against God's express prohibition? That is nothing but a sham love, an empty phantom of love, a sinful, godless, idolatrous love; for it sets the love for man above the love for God, and so the sinful creature above the Most High and Alone Holy in heaven. O godless unity, O damnable Union, which is built upon a love that has stolen only the semblance of love, but has sacrificed the eternal truth of God and trodden underfoot the eternal commandment of God! What good can, what good shall come out of such love and unity? Far from its being the case that the heterodox should be helped by the union of the orthodox with them, it is rather by this that they too and the whole Church are only harmed. So long as the orthodox still separate themselves from the heterodox, so long are their errors punished continually, in fact and impressively, so that they either recognize their errors and put them away, or at least do not spread them farther and farther. But if at last the orthodox also mingle with the heterodox, then these, through the guilt of the former, become ever more indifferent toward their errors and those ever more indifferent toward their truth, and instead of the truth's prevailing, error prevails, and the truth is lost. To him who walks in a wrong way no love is shown by accompanying him, but by not only warning him of his error, but also, attesting to him the earnestness of the warning by deed, forsaking him.
So I ask you then: Shall and can the belief that the true Church is properly invisible and scattered over the whole world mislead us, accordingly, into joining a visible heterodox church? Is it not, according to what has already been said, rather precisely the holy duty of all those who would belong to the true invisible Church to separate themselves from all the visible communions of those who falsify God's Word and obstinately persist in their errors? This is their holy duty as surely as they are bound to shun and flee all sin and peril to the soul. It is true, there are many upright souls who will certainly be saved, even among the heterodox communions or sects. But these are only those simple hearts who in their simplicity do not see through the error of their sects, who in their simplicity hold to Christ and His Word in all quietness, do not join in blaspheming the pure doctrine, and therefore remain in the false communion solely out of weakness of knowledge. For the sake of such hidden believers among the heterodox, known to God alone, we must indeed hold fast the comfort that Christ's true Church is properly invisible and scattered over all the lands of the earth. But in vain does he comfort himself who knowingly joins a heterodox visible communion, or contrary to better knowledge remains in it out of contempt for the truth, with this, that he nevertheless belongs to the true invisible Church. No! such a one does not belong to the true invisible Church, for because he knowingly joins a false church, he is a knowing and wilful sinner and therefore no member of the spiritual body of JESUS Christ. He sins knowingly against God's clear prohibition to avoid false doctrines and teachers; he knowingly makes himself a partaker of the errors and sins of his sect; he becomes knowingly a companion of the assailants of the pure doctrine and of those who rend the Church; he knowingly plunges himself into danger of his immortal soul; he knowingly denies with his ungodly love the true love, which rejoiceth only in the truth; and knowingly forsakes the way prescribed by God for building the Church, and following herein his false prudence, he works against better knowledge for the ruin of the Church. He belongs to those lukewarm ones who are neither cold nor hot, whom the LORD will spue out of His mouth. He belongs to those unscrupulous religion-mongers, dulled to the truth, to whom, however much they love pure gold from the mine and genuine gold in the chest, it is all one whether the gold of the divine doctrine be pure or adulterated. He belongs to those half-hearted ones who limp on both sides and would carry on both shoulders. He belongs to those blind leaders of the blind, where both fall at last into the ditch, or even to those worthless deserters and traitors to their country who forsake the banner of the truth out of care for the belly, in order to fight against it for base pay under the flag of error and of the lie. Of such the holy Apostle speaks precisely in our text: "They went out from us, but they were not of us. That they might be made manifest that they were not all of us." That is, such as fall away to a heterodox church are thereby made manifest that they did not belong to the wheat of the Church, but to the tares, and, if they ever stood in the faith, that they belonged to those "which for a while believe, and have no root, but in time of temptation fall away."
2.
But, my hearers, that the true Church is properly invisible and scattered over the whole world should and can not only for this reason not mislead us into forsaking the orthodox visible Church, because precisely those who would belong to the invisible Church have the duty to separate themselves from all those who falsify God's Word and in their er-