Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 18 › Seite 116
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-04-26, Seite 116
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(Eingesandt.)
Lieber Bruder!
Gnade und Friede in Christo Jesu, unserm Herrn und Heiland. Amen.
Deinen lieben Brief, worin Du mir die fröhliche Nachricht mittheilst, daß Ihr jetzt in Eurer Gemeinde auch eine christliche Schule errichtet hättet, habe ich mit herzlicher Freude u. Theilnahme gelesen. Das Beßte dabei ist nun freilich, wie Du richtig bemerkst, daß Euch der liebe Gott auch einen Lehrer geschenkt hat, der den Herrn Jesus kennt und liebt; der das Wort Gottes über Alles hoch hält als die alleinige Regel und Richtschnur unsers Glaubens u. Lebens, Summa: ein Christ ist und deshalb auch die ihm anbefohlenen, mit Christi Blut theuer erkauften Lämmlein mit der gesunden, lautern Milch des göttlichen Wortes weidet, damit sie als Pflänzlein des Heils und Bäumlein der Gerechtigkeit in Gottes Garten recht grünen, blühen und gedeihen und dereinst als guter Weizen in die himmlischen Scheunen des Friedens eingesammelt werden möchten. Ja, lieber Bruder! es ist die Wahrheit was jener Lehrer in einem Reimlein sagt: „Aller guten Schulen Anfang ist: Schulmeister ein Kinderfreund und Christ.“ Das Wort Christ habe ich aus gutem Bedacht unterstrichen. Denn ein Kinderfreund kann auch ein Lehrer sein, der kein Christ ist, eben so wie unchristliche Eltern durch die ihnen eingepflanzte natürliche Liebe ihre Kinder lieben, und wie selbst unter ungläubigen Menschen eine Art Freundschaft Statt finden kann und Statt findet. Aber ein wahrer Kinderfreund kann nur der Lehrer sein, der ein rechter Schüler des großen Kinderfreundes ist, der da saget in seinem Wort: „Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes.“ Ein wahrer Kinderfreund hat also das Kennzeichen, daß er die ihm zur Wartung und Pflege anbefohlenen Kindlein zum Herrn Jesus weiset und bringt, damit sie den kennen und lieben lernen und sich von ihm herzen und segnen lassen. Deshalb vergleicht auch der sel. Johann Hübner mit jenen Müttern, die einst ihre Kindlein zum Heiland brachten, damit er sie segnen sollte, alle christliche Eltern, die noch heutiges Tages ihre Kinder in die Schule schicken, allwo Christus seine Diener hat, welche die Kinder in seinem Namen aufnehmen. — Daraus kannst Du denn, lieber Bruder, schon entnehmen, worin eigentlich das Wesen einer christlichen Schule bestehe, nemlich — um es kurz zu sagen — darin: daß die Kinder recht glauben, christlich leben und endlich selig sterben lernen. — Die falschen Kinderfreunde haben nun ein ganz anderes Kennzeichen. Bei ihnen und in ihren Schulen wird Christus und sein Wort, wenn auch nicht ganz entfernt, doch tief in den Hintergrund gestellt, wie wenn man vor ein Licht ein vielfaches Gitter macht, so daß nur wenige Strahlen hindurchdringen können; während in einer rechten Schule Christus und sein Wort das Centrum, der Kern und Stern ist, um den sich Alles drehet und beweget, von dem Alles ausgeht und auf das Alles zielet. Die falschen Kinderfreunde machen Nebensachen, die nur dieses zeitliche, bürgerliche Leben angehen, wie z. B. Geographie, Weltgeschichte, Rechnen u. dgl. zur Hauptsache; während die wahren Kinderfreunde vor Allem darauf bedacht sind, daß ihre Kinder mit Maria das beßte Theil, das Eine was Noth ist, kennen und erwählen lernen. Damit will ich jedoch die vorgenannten Wissenschaften nicht verwerfen und gesagt haben, daß davon in der Schule gar nichts gelehrt werden sollte; sondern das überfüllte und übertriebene Maaß tadle ich; daß solche Sachen, wozu freilich die Kinder mehr Lust und Eifer haben, als zu dem, was ihre Seelen selig machen kann, zur Hauptsache gemacht und gleichsam als die Seele der Schule angesehen werden, wie das ja, wie du weißt und selbst erfahren hast, leider! in so vielen Schulen, besonders im alten Vaterlande der Fall ist. Die bösen Früchte solcher Verkehrung haben sich, meine ich, schon genugsam gezeigt, so daß man dadurch wohl gewitzigt werden könnte. Aber wie viele merken darauf?! Man hat auch jetzt noch mit Jeremias zu klagen: „Du schlägest sie, aber sie fühlen es nicht, du plagest sie, aber sie bessern sich nicht“ (Jerem. 5, 3.). — Was werden doch solche Lehrer einst antworten, wenn sie vor Christi Richterstuhle Rechenschaft von ihrem Haushalte thun sollen? Denn dann wird sie gewiß der Herr Christus nicht fragen: Wie weit habt ihr eure Schüler in der Geographie, in der Weltgeschichte, im Schreiben und Rechnen gefördert? Sondern er wird fragen: Wie habt ihr die Seelen meiner theuer erlösten Lämmlein mit der lautern Milch meines seligmachenden Wortes genährt und geweidet; wie habt ihr ihnen mich vorgebildet als das Lämmlein Gottes, welches der Welt Sünde getragen; wie habt ihr sie unterwiesen in den richtigen Wegen des Herrn, darinnen die Gerechten wandeln und darin die Uebertreter fallen? — Und wehe dann denen, die darauf verstummen müssen! — Daraus könnten nun freilich manche Eltern schließen und denken, wenn sie ihre Kinder in die Schule schickten, so hätten sie nicht mehr nöthig dieselben zu Hause zu lehren und im Worte Gottes zu unterweisen; und wenn die Lehrer dafür Rechenschaft geben müßten, so würde sie der Herr nicht von ihnen fordern. Aber das ist ein gefährlicher und verkehrter Schluß. Denn die Lehrer in den Schulen sind nur, um Gottes willen, der Eltern Gehülfen; und wenn die Eltern ihre Kinder noch so fleißig — wie sie denn sollen — in die Schule schicken, so stehet trotzdem für sie der Befehl unabänderlich fest: „Ziehet sie auf in der Zucht und Vermahnung zum Herrn,“ (Ephes. 6, 4.) und auch sie müssen einst Rechenschaft von ihren Kindern ablegen, wo dann der Herr nicht fragen wird: Ihr Eltern, was für Mühe und Kosten habt ihr an eure Kinder gewandt, um sie in den Künsten und Wissenschaften des zeitlichen Lebens unterrichten zu lassen? Wie viele Häuser u. Aecker, wie viel Geld und Gut habt ihr ihnen erworben? Wie habt ihr sie im Zeitlichen versorgt? (welches freilich auch, wiewohl nach Gottes Wort in tief untergeordneter Weise, geschehen kann und zum Theil soll.) Sondern er wird fragen: Wie seid ihr dem Befehle nachgekommen, den ich euch durch meinen Knecht Paulus Ephes. 6, 5. habe vorschreiben lassen? Habt ihr eure Kindlein, die ich euch zunächst zur Erziehung für den Himmel geschenkt hatte, nicht allein fleißig zur Schule u. Kirche geschickt, sondern sie auch im Hause treulich in meinem Wort und in der Gottesfurcht unterwiesen? Seid ihr vor allem darauf bedacht gewesen, daß sie Schätze im Himmel bekommen möchten, die nicht von Rost und Motten gefressen werden und wornach die Diebe nicht graben, sondern die ewig bleiben? — Und wehe auch dann den Eltern, die hierauf verstummen müssen! Lieber Bruder! ich zittere, wenn ich bedenke, daß einst vielleicht viele! viele Eltern und Lehrer um der geistlichen Verwahrlosung ihrer Kinder willen zur Linken stehen müssen! — Aus diesem allen kannst du nun schon zur Genüge erkennen, wie eigentlich das Verhältniß zwischen Haus und Schule sein soll, nemlich daß beide recht Hand in Hand gehen und also in rechter Treue gemeinschaftlich die kleinen Bausteine zum geistlichen Hause des Herrn zugerichtet werden sollten. So sollte es sein, sage ich, und wenn es durchgehends so wäre, so würde gewiß der große Segen davon merklich zu spüren sein. Die Schule allein kann es auch nicht ausrichten, auch bei der größesten Treue u. Sorgfalt nicht, wenn oft zu Haus wieder niedergerissen wird, was in der Schule gebauet ist, wenn auch nicht immer mit der That, sondern nur durch Vernachlässigung des Weiterbaues auf dem gelegten Grunde. Freilich dürfen beide Theile nie vergessen, daß mit aller ihrer Arbeit und Mühe gar nichts ausgerichtet ist, wenn der HErr nicht in Gnaden seinen Segen und Gedeihen dazu gibt, wozu es dann beiderseits eines fleißigen Betens bedarf. —
Du siehst also, lieber Bruder! welche Pflichten Dir als Hausvater im Betracht Deiner Kinder doch noch obliegen, wiewohl Ihr eine gute Schule habt. Das verkennst Du auch nicht, indem Du mich ja um Rath fragst, wie Du es wohl am besten einzurichten hättest, um Deine Kinder recht segensreich in der Zucht und Vermahnung zum HErrn zu erziehen, darauf ich Dir nun zuerst antworten muß, das die rechte Kinderzucht kein Mensch von ihm selbst versteht und kann; sondern dazu gehört himmlische Weisheit, die erbeten sein will. Im Uebrigen rathe ich Dir, daß Du Gottes Wort und den Katechismus auch zu Hause fleißig übst, z. B. aus dem Katechismus jeden Tag ein Hauptstück sammt der Erklärung von Deinen Kindern aufsagen lässest, und nicht etwa nur von denen, die noch in die Schule gehen; sondern auch von denen, die schon confirmirt sind; denn die wachsen leider! wie die Erfahrung lehrt, eher aus dem Katechismus heraus, als hinein, besonders wenn sie ihn auch nach der Confirmation nicht fleißig üben, und daran sind die Eltern gewiß viel schuldig, wenn sie sich zu Haus um den Kate-
English translation AI translation
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(Submitted.)
Dear Brother!
Grace and peace in Christ Jesus, our Lord and Savior. Amen.
Your dear letter, in which you communicate to me the joyful news that you have now established a Christian school also in your congregation, I have read with hearty joy and sympathy. The best thing about it is now, to be sure, as you rightly remark, that the dear God has given you also a teacher who knows and loves the Lord Jesus; who holds God's Word high above all things as the sole rule and standard of our faith and life, in sum: who is a Christian, and therefore also feeds the lambs entrusted to him, dearly purchased with Christ's blood, with the sound, pure milk of the divine Word, that they may as little plants of salvation and little trees of righteousness in God's garden duly grow green, blossom and thrive, and at last be gathered as good wheat into the heavenly barns of peace. Yes, dear brother! it is the truth, what that teacher says in a little rhyme: "The beginning of all good schools is: a schoolmaster who is a friend of children and a Christian." The word Christian I have underlined with good reason. For a friend of children can also be a teacher who is no Christian, just as unchristian parents love their children through the natural love implanted in them, and as even among unbelieving men a kind of friendship can and does take place. But a true friend of children can be only that teacher who is a right disciple of the great Friend of children, who says in His Word: "Suffer the little children to come unto me, and forbid them not: for of such is the kingdom of God." A true friend of children has therefore this mark, that he points and brings the little ones entrusted to him for tending and care to the Lord Jesus, that they may learn to know and love Him and let themselves be embraced and blessed by Him. For this reason also the blessed Johann Hübner compares with those mothers who once brought their little children to the Savior that He should bless them, all Christian parents who to this very day send their children to the school, where Christ has His servants, who receive the children in His name. — From this you can then, dear brother, already gather in what the essence of a Christian school actually consists, namely — to say it briefly — in this: that the children learn to believe aright, to live as Christians, and at last to die blessed. — The false friends of children have now quite another mark. With them and in their schools Christ and His Word are, even if not wholly removed, yet placed deep in the background, as when one makes a manifold lattice before a light, so that only a few rays can penetrate; whereas in a right school Christ and His Word are the center, the kernel and star, around which everything turns and moves, from which everything proceeds and toward which everything aims. The false friends of children make side matters, which concern only this temporal, civil life, such as geography, world history, arithmetic and the like, the main thing; whereas the true friends of children are above all concerned that their children, with Mary, learn to know and choose the best part, the one thing needful. By this I do not, however, wish to reject the aforementioned sciences, or to have said that nothing at all of them should be taught in the school; but it is the overfilled and exaggerated measure that I blame; that such things, for which of course the children have more desire and zeal than for that which can make their souls blessed, are made the main thing and regarded as it were as the soul of the school, as that, as you know and have yourself experienced, alas! is the case in so many schools, especially in the old fatherland. The evil fruits of such perversion have, I think, already shown themselves sufficiently, so that one might well be made wise by them. But how many take note of it?! One has even now still to complain with Jeremiah: "Thou hast stricken them, but they have not grieved; thou hast consumed them, but they have refused to receive correction" (Jerem. 5, 3). — What will such teachers answer one day, when they shall give account at Christ's judgment seat of their stewardship? For then the Lord Christ will certainly not ask them: How far have you advanced your scholars in geography, in world history, in writing and arithmetic? But He will ask: How have you nourished and fed the souls of my dearly redeemed little lambs with the pure milk of my saving Word; how have you pictured me to them as the Lamb of God, which hath borne the sin of the world; how have you instructed them in the right ways of the Lord, in which the just walk and the transgressors fall therein? — And woe then to those who must be struck dumb at this! — From this, to be sure, many parents might conclude and think, if they send their children to school, they have no more need to teach them at home and to instruct them in the Word of God; and if the teachers had to give account for it, the Lord would not require it of them. But that is a dangerous and perverse conclusion. For the teachers in the schools are only, for God's sake, the parents' helpers; and though the parents send their children never so diligently — as indeed they ought — to school, yet the command stands immovably fast for them: "Bring them up in the nurture and admonition of the Lord" (Ephes. 6, 4), and they also must one day give account of their children, when the Lord will not ask: You parents, what pains and costs have you spent on your children to have them instructed in the arts and sciences of this temporal life? How many houses and fields, how much money and goods have you acquired for them? How have you provided for them in temporal things? (which, to be sure, may and in part ought also to be done, though according to God's Word in a deeply subordinate manner.) But He will ask: How have you obeyed the command which I caused to be prescribed to you through my servant Paul, Ephes. 6, 5? Have you not only diligently sent your little ones, whom I gave you first of all for training for heaven, to school and church, but also faithfully instructed them at home in my Word and in the fear of God? Have you been above all concerned that they should obtain treasures in heaven, which are not eaten by rust and moths and after which the thieves do not dig, but which abide forever? — And woe also then to the parents who must be struck dumb at this! Dear brother! I tremble when I consider that one day perhaps many! many parents and teachers must stand on the left on account of the spiritual neglect of their children! — From all this you can now already recognize sufficiently what the relation between home and school really ought to be, namely, that both go rightly hand in hand, and thus in true fidelity the little building-stones for the spiritual house of the Lord be jointly prepared. So it should be, I say, and if it were so throughout, the great blessing of it would surely be noticeably felt. The school alone cannot accomplish it either, even with the greatest fidelity and care, if what is built in the school is often torn down again at home, if not always in deed, yet only by neglect of the further building upon the foundation laid. Admittedly both parts must never forget that with all their labor and pains nothing at all is accomplished if the LORD does not in grace give His blessing and prosperity to it, for which there is then need on both sides of diligent prayer. —
You see then, dear brother! what duties still rest upon you as father of the household in regard to your children, although you have a good school. This you also do not fail to recognize, in that you ask me for counsel how you might best arrange it to bring up your children in a truly blessed way in the nurture and admonition of the LORD, to which I must first answer you that no man of himself understands or is able to do right child-training; but that there belongs to it heavenly wisdom, which must be prayed for. For the rest I advise you that you also diligently practice God's Word and the Catechism at home, for example, that you have your children recite from the Catechism each day one chief part with the explanation, and not perhaps only those who still go to school, but also those who are already confirmed; for these, alas! as experience teaches, grow out of the Catechism rather than into it, especially if they do not diligently practice it also after confirmation, and for this the parents are certainly much to blame, if they at home about the Cate-