Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 24 › Seite 165

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-07-19, Seite 165

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den Streitigkeiten Stirn gegen Stirn zu verhandeln — Hr. P. Grabau hat stets Ausflüchte gesucht und endlich seine ganze Synode vermocht, mit ihm eben so unehrenhaft einen offenen ehrlichen Kampf auszuschlagen. Wir haben uns fort und fort erboten, wo nur ein Unrecht nachgewiesen werde, dasselbe gern einzugestehen zu wollen; ja, wir haben im Voraus zugegeben, daß wir hie und da in einzelnen Fällen mögen gefehlt haben; nur das Eine haben wir von uns gewiesen, im Voraus unsere Lehre durch Verwerfung unserer darauf gegründeten Handlungsweise zu verdammen. — Hr. Pastor Grabau hingegen hat von uns blinden Gehorsam auf sein dictatorisches Begehr gefordert, erst unser Unrecht im Verhältniß zu ihm einzugestehen, ehe er mit uns ein Religionsgespräch halten könne*). — Wir fragen hiernach, wer ist es, dem das Wort Gottes gilt: „Wer Arges thut, der hasset das Licht, und kommt nicht an das Licht, auf daß seine Werke nicht gestraft werden“? Sind wir's, die wir fort und fort flehentlich um öffentliche Untersuchung der Sache gebeten haben, und zwar erst, was die Lehre betrifft, die den Maßstab der Beurtheilung gibt, und dann, was die Handlungen betrifft, die darnach gerichtet werden müssen? — oder ist es nicht vielmehr Herr Pastor Grabau, der durchaus nicht auf den Plan heraustreten und durchaus nicht in dem Sonnenlicht einer öffentlichen Untersuchung vor Zeugen stehen will, sondern sich fort und fort unter den Schatten von Bedingungen stellt, von denen er weiß, daß wir sie nicht erfüllen können, ohne ihm das Kleinod der reinen Lehre zu überliefern, das Gott uns armen Sündern anvertraut hat, und von dessen treuer Bewahrung er einst eine schwere Rechenschaft uns abfordern wird? — O möchte doch Herr Pastor Grabau bedenken, was er thut! Es ist wahr, er hat eine Gewandtheit, wenn er sich durch Gottes Wort geschlagen sieht, den Sieger zu spielen und in die Gewissen zu bohren und zu donnern, die kaum ihres Gleichen hat und durch die er selbst viele redliche Herzen fängt; aber was hilft solcher kurzer Sieg? Gott, der Herzen und Nieren prüft, der Augen hat, wie Feuerflammen, läßt sich damit nicht fangen. Er wird es dem Aufrichtigen gelingen lassen, und zu seiner Zeit das Spinnengewebe frommscheinender Menschenkünste zerreißen. Herr P. Grabau bedenke doch, gelänge es ihm auch, die Missouri-Synode mit ihrem Zeugniß zum Schweigen zu bringen: die Wahrheit, die sie vertritt, hat er damit noch keinesweges stumm gemacht. Hörten wir auch auf, ihr unseren Mund zu leihen, so würde sie sich bald einen anderen und noch beredteren Mund gesucht haben. „Recht muß doch Recht bleiben, und dem werden alle frommen Herzen zufallen.“

*) Eben so lichtscheu hat sich Herr Pastor Winkler erwiesen. Er hatte öffentlich geschrieben, Prediger der Missouri-Synode hätten selbst ihm gestanden, schon seit Jahren gehe diese Synode darauf aus, die Synode von Buffalo zu Grunde zu richten, koste es, was es wolle ꝛc. Er wurde hierauf öffentlich im „Lutheraner“ (Nro. 10. dieses Jahrg.) aufgefordert, diese „Missourischen Pastoren“ zu nennen, widrigenfalls „der öffentliche Vorwurf der Lüge auf ihm haften solle.“ Was that Herr Pastor Winkler? Er gab ausweichende Antwort. So hat denn unsere Synode, nachdem sie in ihrer letzten Versammlung deßhalb Umfrage bei ihren Pastoren gethan, nun Herrn Pastor Winkler in einem officiellen Schreiben aufgefordert, seine „missourischen“ Gewährsmänner zu nennen, und zugleich die Synode von Buffalo ersucht, es Herrn Winkler, ihrem Mitgliede, aufzuerlegen, daß er die Pastoren unserer Synode öffentlich nenne, welche ihm jenes Bekenntniß „frei und unverhohlen“ gethan haben sollen. Und was ist geschehen? — Sowohl Herr Pastor Winkler als die Ehrw. Synode von Buffalo haben sich über diesen Punkt bis Dato auch nicht mit einem Wörtchen vernehmen lassen? Sollten diese Herren hiernach nicht jenes Motto Joh. 3, 19, vielmehr auf sich selbst, als auf uns anwenden?

Was ist denn aber der Endbescheid, den Herr P. Grabau in seiner neuesten Antwort giebt? Er schreibt erstlich: „Was man noch nicht bewiesen hat, darauf kann man nichts gründen. Da nun die Synode von Missouri keines von beiden, weder schriftwidrige Lehre, noch gewissensbeschwerende Praxis bewiesen hat, so kann sie auch darauf nicht gründen, daß es wider ihr Gewissen sei, die bei uns Excommunicirten, die sie aufgenommen hat, wieder zu entlassen; vielmehr fordert dies das Gewissen. Denn wir haben oft und viel bewiesen, daß unsere Lehre und Praxis mit dem heiligen Worte Gottes und mit den Symbolen der Kirche übereinstimme, als z. B. in der Lehre vom hl. Predigtamt, von der Kirche, vom Amt der Schlüssel, vom geistlichen Priesterthum, christlicher Freiheit ꝛc. Es sind nämlich von unserer Seite der Synode von Missouri so viele Beweise aus Gottes Wort gestellt, daß sie von uns gar keiner mehr bedarf.“

Antwort: Offenbarer hätte Herr Pastor Grabau sich selbst kaum schlagen können, als hiermit. Er sagt, deswegen müßten wir erst die von ihm Gebannten entlassen und in seine Hände liefern, ehe an ein Colloquium gedacht werden könne, weil wir die Irrlehren und die gewissensbeschwerende Praxis, deren wir ihn beschuldigen, noch nicht bewiesen hätten. Er giebt also zu, wenn wir dies bewiesen hätten, dann würde es allerdings gegen unser Gewissen sein, die von ihm Verstoßenen ihm preiszugeben. Da wir nun aber wissen und hiermit behaupten und alle unpartheiischen und urtheilsfähigen Leser deß zu Zeugen aufrufen, daß wir den Beweis geliefert haben, was soll nun geschehen? Ist's hiernach nicht unwidersprechlich klar, daß das einzige noch übrige Mittel, zu einer Einigung zu kommen, eben ein Colloquium ist? Oder soll es etwa genug sein, daß es Herr Pastor Grabau sagt: „Nein! nein! es ist noch nicht bewiesen! ich aber habe meine Sache bewiesen! Was bedürfen also weiter Zeugniß? Die Missourier sind des Todes schuldig! Sic volo, sic jubeo“ etc.! — Uebrigens ist selbst das falsch, zu behaupten, wenn jemand die Ungerechtigkeit einer Handlung noch nicht bewiesen habe, so könne es auch nicht wider sein Gewissen sein, diese Handlung zu begehen. Wäre dies wahr, so könnte es keine irrenden Gewissen geben. Vielmehr sind alle Colloquien von den rechtgläubigen Christen eben deßwegen angestellt worden, weil dieselben von dem Grundsatz ausgiengen, daß nicht alle Widersacher wider ihr Gewissen, sondern viele aus Irrthum und Schwachheit Gegner der guten Sache seien, ohne den nöthigen Beweis dagegen liefern zu können; daß daher eine klare mündliche Auseinandersetzung die Sache ihnen klar machen und sie, ob Gott wollte, gewinnen könne. Den Fall gesetzt also (doch nicht zugegeben!), daß wir die Irrlehre und gewissensbeschwerende Praxis Pastor Grabau's noch nicht bewiesen hätten, so läge darin noch keinesweges der Beweis, daß es gerecht oder auch nur vernünftig sei, uns erst das Zugeständniß unseres Unrechts abzufordern und uns erst dann ein Colloquium zugestehen zu wollen. Wollte man unser Gewissen nicht mit Machtsprüchen tyrannisiren, so müßte man vielmehr mit Freuden das Anerbieten eines Colloquiums zu dem Zwecke annehmen, uns von unserem Unrecht und daß unser Gewissen hierin irre, zu überzeugen; vorausgesetzt natürlich, daß unsere Gegner selbst ein gutes Gewissen haben, ihre Lehre für wahr und ihre Sache für gut in ihrem Gewissen halten und daher der Kraft der Wahrheit und ihrer guten Sache vertrauen, gegen welche Voraussetzung freilich das Benehmen unserer Gegner nur zu laut spricht.

Es heißt in der öffentlichen Antwort weiter: „Streit über christliche Lehrartikel sind in der gläubigen Kirche oft gewesen. Aus dem bloßen Streit, wie er jetzt daliegt, folgt kein Schisma oder Kirchenspaltung; da derselbe caeteris paribus unter Glaubensgenossen von Zeit zu Zeit richtig erörtert und beigelegt werden kann. Dies erkannte unsere Synode schon 1845 und schrieb in ihrem Synodalbriefe: Wir wollten von den Missouriern um der Lehrdifferenz willen nicht getrennt sein, wenn sie die Rottenprediger wegnähmen. Jedoch hat die beleidigende und kränkende Praxis der Missourischen Synode nie aufgehört, indem sie ohne Weiteres in unseren Parochien rottische Gegenaltäre aufrichtete, um unsere Gemeinen dadurch zu verstören. Demnach hat die missourische Synode eine Spaltung bewirkt. In unsern Augen sollte der Lehrstreit, wie gerecht er war, kein Schisma abgeben; nur die missourische Synode hat ihn zur Ursache eines Schismas stempeln wollen, indem sie uns verketzerte, verläumderischer Weise, um die aufgebauten rottischen Gegenaltäre nur scheinbar zu entschuldigen.“

Antwort: Kaum trauten wir unseren Augen, als wir dies lasen. Wie? Herr Pastor Grabau kann es wagen, zu schreiben, in seinen Augen habe in den Lehrdifferenzen kein Grund zur Spaltung gelegen, nur wir hätten ihn verketzert? und er erröthet nicht? Wo haben wir ihn verketzert? Hat er nicht immer gerade unser Zugeständniß, daß er von uns noch nicht für einen Ketzer und seine Synode nicht für eine Secte, sondern daß sie von uns nur für Irrende in der lutherischen Kirche angesehen werde, immer vortrefflich für sich und gegen uns noch im Verlaufe dieses Jahres auszubeuten gewußt, und hat hingegen er uns nicht schon seit langen Jahren vor aller Welt als Ketzer und unsere Synode als eine schändliche Secte oder Rotte

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the disputes face to face — Mr. P. Grabau has always sought evasions, and has at last induced his whole Synod to refuse, just as dishonorably as he, an open, honest contest. We have offered again and again, wherever only a wrong be demonstrated, to confess it willingly; yea, we have granted in advance that here and there, in individual cases, we may have erred; only the one thing have we refused, namely to condemn in advance our doctrine by rejecting our course of action founded upon it. — Mr. Pastor Grabau, on the other hand, has demanded of us blind obedience to his dictatorial requirement, that we first confess our wrong toward him before he can hold a religious colloquy with us*). — We ask accordingly: who is it to whom the word of God applies: "Every one that doeth evil hateth the light, neither cometh to the light, lest his deeds should be reproved"? Is it we, who have begged again and again, imploringly, for a public investigation of the matter, and indeed first, as regards the doctrine, which furnishes the standard of judgment, and then, as regards the actions, which must be judged accordingly? — or is it not rather Mr. Pastor Grabau, who will by no means step out into the open and by no means stand in the sunlight of a public investigation before witnesses, but puts himself again and again under the shadow of conditions of which he knows that we cannot fulfil them without delivering up to him the jewel of the pure doctrine, which God has entrusted to us poor sinners, and for the faithful keeping of which he will one day require of us a heavy account? — Oh that Mr. Pastor Grabau would consider what he is doing! It is true, he has a dexterity, when he sees himself beaten by God's word, in playing the victor and in piercing and thundering into consciences, which hardly has its equal and by which he himself catches many honest hearts; but what does such a short victory avail? God, who trieth the hearts and reins, who hath eyes like a flame of fire, will not be caught thereby. He will let it succeed with the upright, and in His time will tear apart the spider's web of pious-seeming human arts. Let Mr. P. Grabau consider that even if he should succeed in reducing the Missouri Synod with its testimony to silence, he would not thereby have made the truth which it advocates dumb. Even if we ceased to lend it our mouth, it would soon have sought itself another and still more eloquent mouth. "Right must yet remain right, and all upright hearts will fall to it."

*) Mr. Pastor Winkler has shown himself just as shy of the light. He had written publicly that preachers of the Missouri Synod had themselves confessed to him that for years this Synod had been working to ruin the Synod of Buffalo, cost what it might, etc. He was thereupon publicly called upon in the "Lutheraner" (No. 10 of this volume) to name these "Missouri pastors," otherwise "the public reproach of falsehood should rest upon him." What did Mr. Pastor Winkler do? He gave an evasive answer. Our Synod therefore, having made inquiry among its pastors on this account at its last assembly, has now called upon Mr. Pastor Winkler in an official letter to name his "Missourian" authorities, and at the same time has requested the Synod of Buffalo to enjoin upon Mr. Winkler, its member, that he name publicly the pastors of our Synod who are said to have made that confession to him "freely and openly." And what has happened? — Both Mr. Pastor Winkler and the Reverend Synod of Buffalo have, up to this date, not let themselves be heard on this point with so much as a word? Ought not these gentlemen therefore apply that motto, John 3, 19, rather to themselves than to us?

What, then, is the final decision that Mr. P. Grabau gives in his latest reply? He writes first: "What one has not yet proved, one cannot build upon. Since now the Synod of Missouri has proved neither of the two, neither doctrine contrary to Scripture nor a practice burdensome to conscience, it cannot therefore found upon this, that it is against its conscience to dismiss again those excommunicated by us whom it has received; rather conscience demands this. For we have often and amply proved that our doctrine and practice agree with the holy Word of God and with the Symbols of the Church, as for example in the doctrine of the holy ministry, of the Church, of the office of the keys, of the spiritual priesthood, of Christian liberty, etc. For on our side so many proofs from God's Word have been set before the Synod of Missouri that it needs none at all from us any more."

Answer: Mr. Pastor Grabau could hardly have beaten himself more plainly than by this. He says that for this reason we must first dismiss those banned by him and deliver them into his hands before a colloquy can be thought of, because we have not yet proved the false doctrines and the practice burdensome to conscience of which we accuse him. He admits, then, that if we had proved this, it would indeed be against our conscience to give up to him those cast out by him. Since, however, we know, and herewith assert, and call all impartial readers capable of judgment to witness thereof, that we have furnished the proof, what shall now be done? Is it not, accordingly, irrefutably clear that the only remaining means of coming to a union is precisely a colloquy? Or is it perhaps to be enough that Mr. Pastor Grabau says: "No! no! it is not yet proved! but I have proved my case! What further need have we of witness? The Missourians are guilty of death! Sic volo, sic jubeo" etc.! — Moreover, it is itself false to assert that if someone has not yet proved the injustice of an action, it cannot be against his conscience to commit this action. If this were true, there could be no erring consciences. Rather have all colloquies been held by orthodox Christians for this very reason, because they proceeded from the principle that not all adversaries are so against their conscience, but many, from error and weakness, are opponents of the good cause without being able to furnish the necessary proof against it; that therefore a clear oral explanation might make the matter plain to them and, if God willed, win them. Supposing, then (though not granting it!), that we had not yet proved the false doctrine and the practice burdensome to conscience of Pastor Grabau, there would still by no means lie therein the proof that it is just, or even only reasonable, first to demand of us the admission of our wrong and only then to be willing to grant us a colloquy. If one did not wish to tyrannize over our conscience with dictates of authority, one would rather accept with joy the offer of a colloquy for the purpose of convincing us of our wrong and that our conscience errs herein; presupposing, of course, that our opponents themselves have a good conscience, hold their doctrine true and their cause good in their conscience, and therefore trust the power of the truth and of their good cause, against which presupposition the conduct of our opponents, to be sure, speaks only too loudly.

It says further in the public reply: "Disputes over Christian articles of doctrine have often occurred in the believing Church. From the mere dispute, as it now lies before us, there follows no schism or division of the Church; since the same, caeteris paribus, can from time to time be properly discussed and settled among those of one faith. This our Synod recognized already in 1845, and wrote in its synodical letter: We would not be separated from the Missourians on account of the difference in doctrine, if they would take away the sectarian preachers. Nevertheless the offensive and aggrieving practice of the Missouri Synod has never ceased, in that it, without further ado, set up factious counter-altars in our parishes in order thereby to disturb our congregations. Accordingly the Missouri Synod has brought about a division. In our eyes the doctrinal controversy, however just it was, should have produced no schism; only the Missouri Synod has wished to stamp it as the cause of a schism, by calumniously branding us as heretics, in order merely to excuse in appearance the counter-altars it had erected."

Answer: We scarcely trusted our eyes when we read this. What? Mr. Pastor Grabau can dare to write that in his eyes there lay in the differences of doctrine no ground for division, only we had branded him a heretic? and he does not blush? Where have we branded him a heretic? Has he not always known how to exploit, excellently for himself and against us, even in the course of this year, precisely our concession that we have not yet regarded him as a heretic and his Synod as a sect, but that they are regarded by us only as erring ones in the Lutheran Church, and has he not, on the other hand, for many years past treated us before all the world as heretics and our Synod as a shameful sect or faction