Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 6 › Seite 43
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-11-09, Seite 43
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tanz 9
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die jungen Kinder an, die ja ohne Sünde tanzen und setzt hinzu: „wo Tanz an sich selbst Sünde wäre, müßte man es den Kindern nicht zulassen.“ Damit aber hierüber Niemand auf die Gedanken komme, als ob es Luther billige, den Kindern Tanzstunde geben zu lassen, sollen seine eigenen Worte bei der Auslegung des 4. Gebots angeführt werden, wo er unter die Eltern, welche ihre Kinder verderben, auch die rechnet, „die ihren Kindern Anlaß geben, die Welt lieb zu haben, die nicht weiter für ihre Kinder sorgen, denn daß sie tapfer einhertreten, springen, tanzen und sich zieren können, den Leuten gefallen, ihre Begierden reizen, sich der Welt gleich stellen.“ (3,1824)
Daß Luther von dem Tanzen der Kinder nur insofern redet, als es ein kindisches Spiel ist, worin sie keines Unterrichts bedürfen, das sieht man auch aus seiner Erklärung der Worte Zachar. 8, 5: „Und der Stadt Gassen sollen sein voll Knäblein und Mägdlein, die auf ihren Gassen spielen“; denn er sagt dabei: „Die Stifter und Klöster sollten ihre Güter und Heiligkeit die Hälfte darum geben, daß ihr Wesen und Werke halb so viel Zeugniß in der Schrift hätten; wie werden sie bestehen, wenn Christus sagen wird daß der Kinder Singen und Tanzen auf der Gassen ihm lieber sei, denn alle ihr Geheule und Gemurre in ihren Kirchen.“ Ist das nicht zugleich eine deutliche Erklärung von dem, was Luther oben mit den sauer sehenden Heuchlern und selbsterwachsenen Heiligen gemeint hat?
Fürs dritte sagt Luther, daß er das Tanzen nicht verdamme, „ohn die Übermaß, so es unzüchtig oder zu viel ist.“ Und dann spricht er mit einer deutlich hervorgehobenen Bedingung: „Wo es aber züchtig zugeht, laß ich der Hochzeit ihr Recht.“ Daß es nun aber auch schon damals nicht eben sehr züchtig zugehen mochte, sehen wir aus der Schilderung, die Luther kurz vor jener Tanzstelle von dem Volksleben giebt, indem er sagt: „Solch Übermaß, als zu unsern Zeiten gehet, ist aus der Weise: da man nicht isset und trinket, sondern frisset und säuft, schwelget und sich stellet, als sei es Kunst oder Stärke viel Fressen und Saufen; da man auch nicht sucht fröhlich zu werden, sondern toll und voll zu sein; das sind aber Säue, nicht Menschen; solchen würde Christus nicht Wein schenken, noch zu ihnen kommen sein.“ Noch unumwundener spricht sich Luther über das tiefe Verderben des damaligen Volkslebens in einer Predigt über die 2. Adventsepistel bei den Worten aus: „Lasset uns ehrbarlich wandeln, als am Tage ꝛc.“ „Heutiges Tages sind's nicht Säue, sondern gröber als Säue; ihr verzweifelten Säue, ihr seid Säue und bleibt Säue; wo fromme, ehrbare Bürger, Frauen und Jungfrauen gehen, da muß man sich schämen, wer anders ein Mensch sein will.“ Folglich redet Luther weder dem damaligen noch dem jetzigen weltüblichen Tanzen das Wort; denn wenn man ihm auch hier und da einen feineren Anstrich und eine schönere Larve geben will, so bleibt doch darunter der dreiköpfige Götze, dem die Welt dabei dient, nämlich Fleischeslust, Augenlust und hoffärtiges Leben.
Zum Vierten sagt Luther: „Der Glaub und die Liebe läßt sich nicht austanzen noch -sitzen, so du züchtig und mäßig drinnen bist.“ Hierbei bezaubert nun vollends der Gott dieser Welt seine lieben Getreuen auf mancherlei Weise; sie überreden sich selbst und Andere, sie wären bereits so voll von Glaube u. Liebe, daß es gar nicht möglich sei, daß sie an einem oder dem andern etwas verlieren könnten, während doch der eigentliche Grund davon darin liegt, daß sie nur wenig, oder nichts zu verlieren haben. Gesetzt nun aber, Glaube und Liebe ließen sich nicht austanzen, so lassen sie sich doch gewiß noch weniger eintanzen, wenigstens ist davon nichts in der heil. Schrift zu finden. Ferner verblendet der Teufel solche zum Tanzen Lustige, zum Glauben und Lieben aber sehr unlustige Leute, daß sie Luther's Bedingungen zu erfüllen, und dabei ganz ‚züchtig und mäßig' zu sein wähnen, obgleich ihre Geberden, Reden und Worte das gerade Gegentheil bezeugen und sie selbst Brandmal in ihrem Gewissen haben. Dabei bilden sie sich steif und fest ein, daß sie wirklich Luther's Rath befolgen könnten: ‚werde ein Kind, so schadet dir das Tanzen nicht.' Ach, wenn doch diese armen Leute wo anders anfingen umzukehren und zu werden, wie die Kinder. Denn der Tanz ist doch fürwahr ein ganz neuer Weg, ins Himmelreich zu kommen! Wie kommt es, daß diese Leute nur beim Tanzen Kinder sein wollen, außerdem aber sich dünken lassen, als ob sie im Verständniß, im Glauben und Lieben, kurz in Allem bereits zum vollkommenen Mannesalter herangereift und weit erhaben über andere Leute wären? Hätten sie nun in ihrem kindischen Unverstande auf eine Zeit lang mit den Kindern auf der Gasse getanzt und gespielt, und sich darüber brav auslachen lassen, so sollten sie doch nun einmal das Wort St. Pauli 1. Cor. 13, 11 bedenken: ‚da ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind und war klug wie ein Kind und hatte kindische Anschläge; da ich aber ein Mann war, that ich ab was kindisch war.' Endlich macht ihnen der Vater der Lüge auch darin einen blauen Dunst vor die Augen, daß sie nicht sehen, wie sie doch so gar nichts von Glauben und Liebe haben, da sie dem Allen nicht glauben und es nicht üben, was das Wort Gottes in den beiden wichtigen Capiteln Röm. 14 und 1. Cor. 8. von dem Mißbrauch der christlichen Freiheit sagt; denn gesetzt, daß sie wirklich mit gutem Gewissen tanzen könnten, so sollten sie doch als Christen allen Anstoß bei ihren Mitchristen in der Welt vermeiden und es lieber unterlassen nach Pauli Wort und Vorgang: „Ich habe es zwar Alles Macht, aber es bessert nicht Alles.“ (1. Cor. 10, 23.)
Nun wollen wir aber auch die Stellen besehen, in welchen Luther gegen das weltübliche Tanzen ohne allen Vorbehalt Zeugniß ablegt, ohne ein sauer sehender Heuchler und selbsterwachsener Heiliger zu sein.
Den Ursprung alles solchen Tanzens leitet er von dem Sohne des gottlosen Cain, dem Jubal her und sagt in einer Predigt über 1. Mos. 4, 21: „Von dem sind herkommen die Geiger und Pfeifer,“ also: „der dritte Sohn von den andern Frauen ist mit Tanzen, Springen und Hofiren umgegangen, hat sein Datum auf gute Tage, Lust und Frude gesetzt. Das ist der Welt Lauf. So ist es bei einander; nach großer Nahrung und Reichthum trachten, Land und Leute unter sich bringen, Gewalt und Ehre haben und in Lust und Wohltagen leben.“ (3, 17. B.)
Unter den Heiligen, die man im Papstthum zu Schutzpatronen für allerlei Dinge erwählt hat, führt Luther auch St. Veit an, indem er sagt: „der hat seinen Theil in dem elenden Tanzen und Springen.“ (3, 1734)
Indem er die Uebertreter des dritten Gebots aufzählt rechnet er dazu auch: „Wer Fressen Saufen, Spielen, Tanzen, Müssiggang, Unkeuschheit treibt“ (10, 190), und weist damit dem Tanz seinen Platz in einer nicht eben ehrbaren Gesellschaft an.
Besonders aber straft Luther die Sünden, die bei dem öffentlichen Tanzen vorgehen, gar nachdrücklich bei der Erklärung des 6. Gebots; nachdem er nämlich von den äußern Kennzeichen der Unkeuschheit geredet u. als solche namentlich das Anschauen, das Hören, das Geschwätz, das Handbieten und Umfangen und das Küssen erwähnt hat, fährt er also fort: „Diese erwähnten Zeichen begeben sich nie öfters und gröber, denn in den öffentlichen Tänzen. Es ist nicht zu sagen, wie viel und große Sünden da geschehen und was das Gesicht und Gehör da fasse: dazu, was vor Unrath das Betasten und Geschwätz bringe. Kurtz, die Welt ist Welt, ja, eine Unwelt und ein Feind Gottes. Man darf in der Welt nicht etwas Gutes suchen, das Gott gefalle; denn da ist eine Sünde über die andere. Man spürt auch den großen Zorn Gottes; noch lachet man, man hüpfet und springet, ist lustig und guter Dinge, gleich als ob keine Gefahr vorhanden und alles unser Thun gut und köstlich Ding wäre.“ (3,1937)
Endlich in der Hauspostille am 2. Advent redet Luther vom schnellen Kommen des jüngsten Tages und spricht bei den Worten Christi: „Hütet Euch, daß Eure Herzen nicht beschweret werden mit Fressen und Saufen,“: „Wenn sie am sichersten sein, die Trummel schlagen, springen tanzen, werden sie unversehens daliegen“; und dann: ‚Gleichwie es zuging zu Sodom, sie fraßen, soffen, tanzten, jauchzten und hätten dem frommen Loth nicht einen Heller gewünschet ꝛc.—also gehet es heutiges Tages auch ꝛc. Wenn dieser mit der Metzen herumspringet und tanzet, wird er plötzlich daliegen.'
Sollte nun den Lesern die Erklärung der ersten Stelle aus Luthers Schriften, welche die Liebhaber des Tanzes für sich anführen, nicht genügt haben, so werden sie hoffentlich in den fünf letzten eben so viel kräftige Schleudersteine aus David's Hirtentasche gegen den Riesen Goliath, nämlich den höllischen Schutzpatron des weltüb-
English translation AI translation
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the young children, who dance indeed without sin, and adds: "if dancing were in itself a sin, one must not permit it to the children." But lest anyone hereupon get the thought that Luther approves of having dancing lessons given to children, his own words in the exposition of the 4th Commandment shall be cited, where among the parents who ruin their children he reckons also those "who give their children occasion to love the world, who care no further for their children than that they may step along bravely, skip, dance and adorn themselves, please people, excite their desires, and conform themselves to the world." (3,1824)
That Luther speaks of the dancing of children only insofar as it is a childish play, in which they need no instruction, one sees also from his explanation of the words Zech. 8, 5: "And the streets of the city shall be full of boys and girls playing in the streets thereof"; for he says thereby: "The foundations and cloisters ought to give the half of their goods and holiness, that their being and works might have half so much testimony in the Scripture; how will they stand, when Christ shall say that the singing and dancing of the children in the streets is dearer to him than all their howling and murmuring in their churches." Is that not at the same time a plain explanation of what Luther meant above by the sour-looking hypocrites and self-grown saints?
In the third place Luther says that he does not condemn dancing, "except the excess, if it be unchaste or too much." And then he speaks with a plainly emphasized condition: "But where it goes on decently, I leave to the wedding its right." That it did not go on very decently even then, we see from the description which Luther gives of the life of the people shortly before that passage on dancing, in that he says: "Such excess, as is going on in our times, is out of all measure: where men do not eat and drink, but gorge and guzzle, revel and make a show, as if it were art or strength to gorge and swill much; where men also do not seek to become merry, but to be mad and drunk; those are swine, not men; to such Christ would not give wine, nor come to them." Still more bluntly does Luther express himself on the deep corruption of the popular life of that day in a sermon on the Epistle for the 2nd Sunday in Advent, on the words: "Let us walk honestly, as in the day, etc." "Nowadays they are not swine, but coarser than swine; you desperate swine, you are swine and remain swine; where pious, honorable citizens, women and maidens go, one must be ashamed, whoever else wants to be a man." Consequently Luther speaks neither for the dancing of that day nor of this, the worldly kind; for though one may try here and there to give it a finer varnish and a prettier mask, yet there remains beneath it the three-headed idol whom the world serves therewith, namely the lust of the flesh, the lust of the eyes, and the pride of life.
In the fourth place Luther says: "Faith and love let themselves not be danced out nor sat out, if thou art decent and temperate therein." Herewith the god of this world completely bewitches his dear faithful in many ways; they persuade themselves and others that they are already so full of faith and love that it is not at all possible that they could lose anything of the one or the other, whereas the real reason lies in this, that they have little or nothing to lose. Granted now, however, that faith and love could not be danced out, they could certainly be still less danced in; at least nothing of it is to be found in the Holy Scripture. Further, the devil blinds such people, eager to dance, but very unwilling as to believing and loving, so that they imagine they fulfil Luther's conditions, and withal are "decent and temperate," although their gestures, talk and words show exactly the opposite and they themselves have a brand-mark in their conscience. Thereby they firmly and fixedly imagine that they could actually follow Luther's counsel: "become a child, then dancing will not harm thee." Ah, if only these poor people would begin elsewhere to turn about and become as the children. For the dance is surely quite a new way to come into the kingdom of heaven! How does it come that these people want to be children only in dancing, but otherwise let themselves think that they have already attained in understanding, in faith and love, in short in everything, to full manhood and are far exalted above other people? If they had now in their childish ignorance for a time danced and played with the children in the street, and let themselves be well laughed at for it, they should yet now once consider the word of St. Paul, 1 Cor. 13, 11: "When I was a child, I spake as a child, I understood as a child, I thought as a child; but when I became a man, I put away childish things." Finally the Father of Lies makes them also in this a blue haze before the eyes, so that they do not see how they have so wholly nothing of faith and love, since they neither believe nor practice all that the Word of God says in the two weighty chapters Rom. 14 and 1 Cor. 8 on the abuse of Christian liberty; for granted that they could actually dance with a good conscience, yet they should as Christians avoid all offense to their fellow Christians in the world, and rather leave it undone after Paul's word and example: "All things are lawful for me, but all things edify not." (1 Cor. 10, 23.)
Now we will also look at the passages in which Luther bears testimony without any reservation against worldly dancing, without being a sour-looking hypocrite and self-grown saint.
The origin of all such dancing he derives from the son of the godless Cain, from Jubal, and says in a sermon on Gen. 4, 21: "Of him came the fiddlers and pipers," also: "the third son by the other wives has gone about with dancing, skipping and courting, has set his date upon good days, pleasure and joy. That is the way of the world. So it is with one another; to strive after great nourishment and riches, to bring land and people under themselves, to have power and honor and to live in pleasure and good days." (3, 17. B.)
Among the saints whom men in the papacy have chosen as patrons for all manner of things, Luther cites also St. Vitus, in that he says: "he has his part in the wretched dancing and skipping." (3, 1734)
In that he enumerates the transgressors of the third commandment he reckons among them also: "Whoever gluttonizes, drinks, plays, dances, is idle, practices unchastity" (10, 190), and thereby assigns to dancing its place in a not very honorable company.
But especially does Luther rebuke the sins which take place at public dancing, quite emphatically in the explanation of the 6th Commandment; after he has spoken of the outward signs of unchastity and mentioned as such especially the looking, the hearing, the prattle, the handclasping and embracing and the kissing, he continues thus: "These mentioned signs occur never oftener and coarser than in the public dances. It is not to be told how many and great sins happen there, and what the sight and hearing take in there: besides, what mischief the touching and prattle bring. In short, the world is world, yes, an un-world and an enemy of God. One must not seek anything good in the world that God would please; for there is one sin upon another. One also perceives the great wrath of God; yet one laughs, one hops and springs, is merry and of good cheer, as if no danger were at hand and all our doing good and precious." (3,1937)
Finally in the Hauspostille on the 2nd Advent, Luther speaks of the quick coming of the Last Day and says on the words of Christ: "Take heed to yourselves, lest your hearts be overcharged with surfeiting and drunkenness,": "When they are most secure, beating the drum, skipping and dancing, they will lie there unawares"; and then: 'As it went on in Sodom, they gorged, swilled, danced, shouted for joy, and would not have wished the pious Lot a farthing, etc.--so it goes also nowadays, etc. When this one with the wench goes skipping and dancing about, he will suddenly lie there.'
Should now the explanation of the first passage from Luther's writings, which the lovers of dancing adduce for themselves, not have sufficed for the readers, then they will hopefully find in the five last ones as many mighty sling-stones from David's shepherd's bag against the giant Goliath, namely the hellish patron saint of the worldly