Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 16 › Seite 123
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-03-28, Seite 123
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3
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Unzählig viel andere Dinge hat er rein ersonnen und gelogen und als wahr erzählt, ja ich wage zu behaupten, daß bald jedes Wort, welches er sprach, eine Lüge war. Der Unterschied zwischen Lüge und Wahrheit war seinem Gewissen ganz abhanden gekommen; er war so in das Lügen hineingekommen, daß er die unnützesten Sachen log, auch da log, wo er keinen Vortheil davon erwarten konnte, blos um zu prahlen, um zu interessiren, um doch etwas sagen zu können; ja er log in den Bibelstunden, die er regelmäßig hielt, unter Gebet und Gesang von seinem großen Reichthum, seiner Reise nach Jerusalem, seinen Verfolgungen u. s. w. daß man darüber staunen muß, wie es ihm möglich war und gerade dann, wenn er so heftige Deklamationen gegen das Lügen und Betrügen ertönen ließ.“
Als ihm nun Herr P. Gräber, nachdem er jenen Bericht aus Frankfurt empfangen hatte, ernstlichen Vorhalt über sein schreckliches Lügen that, so wollte er sich anfangs in diesem und jenem Stücke hinaus reden. Als ihm dies aber nicht gelang, so „mußte er verstummen *)“ und hatte kein einziges Wort zur Rechtfertigung in irgend einem Punkte vorzubringen.“
*) Dasselbe Verstummen trat auch ein, als ihm Herr Köstering später hier im Beisein unsrer und seiner eigenen Vorsteher sein schreckliches Lügenwesen vorhielt, wodurch denn endlich seinen hiesigen Anhängern die Augen über ihn aufgingen.
Als nun Herr P. Gräber mit scharfen und ernsten Worten ihm das schreckliche Verderben seines Herzens vorhielt, um ihn zur reumüthigen Erkenntniß zu bringen, so blieb er gleichwohl kalt und verstockt und erst, als er vernahm, daß es mit seiner Arbeit und seinem Verdienst in Meiderich und Mühlheim völlig aus sei, da weinte er Thränen der Bauchsorge, bat um Vergebung und versprach, Alles thun zu wollen, was P. Gräber verlange, um sein Vertrauen sich wieder zu erwerben. P. Gräber begehrte nun von ihm, er solle sich einem Manne in der Gemeinde, der ihrer Beider Vertrauen besäße, Namens Joh. Bechmann, offen und ehrlich entdecken und ihm in drei Wochen seine Lebensgeschichte einreichen.
„Er hat — so heißt es weiter in dem Briefe — weder das Eine, noch das Andere gethan, Beweis genug, daß seine scheinbare Buße nur neue Heuchelei war.“
Er wurde natürlich fortgeschickt, u. trieb sich in der Nachbarschaft umher, wo er mitunter „den Bußfertigen und reumüthig Zerschlagenen spielte.“
Endlich aber, um ihn wahrscheinlich aus Deutschland ganz los zu werden, kam man mit seinem früheren Lehrer, dem Judenmissionar Poper in Frankfurt, der das meiste Geld dazu verschaffte, überein, diesen lügnerischen Gesellen nach Amerika zu spediren, das ja leider, Gott sei es geklagt, auch Deutschlands Cloak ist und seine Unreinigkeit in hirnverbrannten Volksaufwieglern, gottesleugnerischen Zeitungsschreibern, verdorbenen Advokaten, versoffenen Studenten, Deserteurs, Dieben, Betrügern u. s. w. verschlucken muß, so daß es nur eine geringe Vergeltung für diese trefflichen Artikel wäre, wenn die Amerikaner einmal etliche Schiffsladungen Klapperschlangen nach Deutschland hinüberschickten.
Da aber den Wohlthätern und Entsendern des Strauß doch wohl das Gewissen schlug, er könne, nach seiner Uebersiedelung, seine frühere Rolle als geistlicher Schauspieler und speechmaker auf dem heiligen Boden der Kirche mit großer Begierde wieder aufnehmen, so kam man, wunderlich genug, auf die halbe Maasregel, sich von ihm, den man doch als einen Lügenmeister kannte, folgenden Revers (Schein) ausstellen zu lassen: „daß er dieses Geld (50 Thlr. prß. Cour.) nicht anders, als zur Reise nach Amerika anwenden will, daß er nicht selbst suchen will, irgend einen Dienst im Weinberge des HErrn sich zu verschaffen, und wenn er von irgend einer Seite her dazu aufgemuntert oder aufgefordert werden sollte, einen solchen Dienst anzunehmen, daß er sofort der den Dienst zu vergeben habenden Behörde“ (allerdings eine seltsame Unbekanntschaft mit den hiesigen kirchlichen Verhältnissen) „offen und ehrlich bekennen will“ (schwer, von einem Strauß anzunehmen,) „wie untreu er gewesen; daß er dem Geistlichen der Stadt oder Gegend, wo er sich aufhalten wird, oder für den Fall, daß ein Judenmissionar in der Nähe ist, diesem bei erster Gelegenheit eine offene Beichte ablegen will und sich seinem geistlichen Rathe fügen; daß er mir mindestens alle 3 Monate schreiben will und in seinem ersten Schreiben mir den Geistlichen oder Missionar, dem er sich eröffnete, nennen will.“ Auf die Anfrage des Strauß, ob er denn nicht in ein geistliches Seminar eintreten dürfe, antwortete P. Gräber, „daß er das nicht dürfe, weil das der Anfang sei davon, daß er einen Dienst im Weinberge des HErrn suche.“
So reiste denn Strauß mit Köstering, der aber von diesem Reverse nichts wußte, nach Amerika ab, letzterer mit der bestimmten Absicht, auf das Seminar nach Fort Wayne zu gehen, wo ein Freund und Landsmann von ihm studirte. In New-York aber angekommen, ließ er sich von P. Stohlmann überreden, auf das Seminar nach Columbus zu gehen, wohin ihn Strauß begleitete; und Hr. Prof. Lehmann nahm sie, ohne Bedenken, sofort in das Seminar auf.
Strauß also brach dadurch sein feierlich „mit einem Handschlag in P. Gräbers Hände, als vor dem Angesichte Gottes, besiegeltes Versprechen,“ das er in jenem eigenhändig geschriebenen und unterschriebenen Reverse gegeben hatte, durchaus keinen Schritt zu thun, in den Dienst der Kirche zu treten.
Als wir, P. Husmann und ich, nun jenes Zeugniß von Deutschland über Strauß empfangen hatten (darin u. A. auch stand, es sei des P. Gräbers „fester Entschluß, dem Strauß in Amerika keine Ruhe zu lassen und falls er in das Predigtamt getreten, eine öffentliche Warnung gegen ihn in den deutschen kirchlichen Blättern ergehen zu lassen“), so war natürlich der erste Schritt dieser, daß wir dasselbe öffentlich nach vollendetem Gottesdienste unsern Gemeinden vorlasen.
Natürlich konnten die Anhänger des Strauß nicht gleichgültig dabei bleiben und die in der Stadt begehrten das Schreiben, das ich jedoch nicht aus meinen Händen zu geben für gut fand, dagegen erklärte, ich wolle in Begleitung meines Kirchenvorstands zu ihnen kommen, ihnen dasselbe vorlesen und Einsicht in dasselbe gewähren, auch die Amtssiegel zeigen, damit sie sodann Angesichts dieses Zeugnisses, den Hrn. Strauß zur Rechenschaft forderten. Dieser mein Vorschlag wurde angenommen; aber als wir uns an dem bestimmten Orte einfanden, so sagten die Vorsteher der Straußischen, es hätten sich allerlei lose Leute mit eingefunden und es sei Rumor zu besorgen. Ich machte deshalb den Vorschlag, daß die Versammlung in unserm Schulhause sein möge, worauf aber jene nicht eingingen, sondern die Sache an einem andern Tage vornehmen wollten, der jedoch bis jetzt noch nicht gekommen ist. Der andere Schritt, welcher geschah, war der, eine wortgetreue Abschrift dieses Zeugnisses wider Strauß an den Präses der westlichen Distrikts-Synode Hrn. Prof. Lehmann mit der Bitte einzusenden, doch mindestens alsbald eine Untersuchung wider Strauß einzuleiten, indem ich ihn zugleich über den geschichtlichen Verlauf dieses ganzen Handels ins Klare setzte und was alles geschehen sei, um den Menschen von dem Werke der Ungerechtigkeit zurückzuhalten.
Auf diese Einsendung erfolgte die Antwort, daß er (der Herr Präses) nichts thun könne, sondern die Untersuchung der Sache bis auf die (etwas über 2 Monate darnach fallende) nächste Versammlung des westlichen Distrikts der Synode von Ohio verschieben müsse; ihm selbst „sei es nicht möglich, sich loszureißen, um an Ort und Stelle eine Angelegenheit zu untersuchen, zu deren Entscheidung er ja nicht befugt sei, ihrer Ministerial-Ordnung gemäß; überdieß seien die P. P. Gräber und Wortmann ihm nicht bekannt, weshalb ihr Zeugniß erst gehörig und reiflich erwogen werden sollte.“
Diese Antwort nun, wie jeder verständige kirchlich gesinnte Leser es mit mir fühlen und erkennen wird, war sehr bedauerlich und ließ von der spätern Entscheidung der Synode wenig Gutes hoffen.
Denn aus dieser Antwort geht doch unleugbar hervor:
1. daß dem Herrn Präses dieser Handel ziemlich unerheblich erschien; denn konnte er wirklich nicht selbst kommen, so konnte er doch räumlich benachbarte Amtsbrüder mit Zuziehung des hiesigen englisch lutherischen Pastors, der ja auch zur Synode von Ohio gehört, beauftragen, eine baldige Untersuchung an Ort und Stelle vorzunehmen und die Beschaffenheit unsrer (P. Husmanns und meiner) Klage zu erforschen und uns Strauß und den Seinen gegenüberzustellen, wozu wir allewege bereit gewesen wären; denn was wollte am Ende die Synode, ohne solche vorhergegangne Untersuchung, da Kläger
English translation AI translation
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Countless other things he has made up and lied and told as true; yes, I venture to assert that almost every word he spoke was a lie. The difference between lie and truth had altogether gone from his conscience; he had so got into the way of lying that he lied about the most useless things, lied even where he could expect no advantage from it, merely to brag, to be interesting, to have something to say; yes, he lied in the Bible hours which he held regularly, amid prayer and singing, about his great wealth, his journey to Jerusalem, his persecutions, etc., so that one must be astonished how it was possible for him, and just then, when he caused such vehement declamations against lying and deceiving to resound."
When Mr. P. Gräber, after he had received that report from Frankfurt, now made earnest representation to him about his dreadful lying, he at first tried to talk his way out of this and that point. When this did not succeed, "he had to be silent *)" and had not a single word to bring forward for justification in any point whatever."
*) The same silence ensued also when Mr. Köstering afterward, here, in the presence of our own and his own elders, laid his dreadful lying before him, whereby finally the eyes of his adherents here were opened about him.
When Mr. P. Gräber now with sharp and earnest words laid before him the dreadful corruption of his heart, in order to bring him to penitent acknowledgment, he nevertheless remained cold and obdurate, and only when he learned that his work and earnings in Meiderich and Mühlheim were quite at an end, did he weep tears of belly-care, beg pardon, and promise to do all that P. Gräber should require, in order to regain his confidence. P. Gräber then required of him that he should disclose himself openly and honestly to a man in the congregation who possessed the confidence of both of them, by the name of Joh. Bechmann, and hand him in three weeks his life history.
"He has done — so it runs further in the letter — neither the one nor the other, proof enough that his seeming repentance was only new hypocrisy."
He was naturally sent away, and drifted about in the neighborhood, where he now and then "played the penitent and contrite."
At last, however, in order probably to be rid of him altogether out of Germany, they agreed with his former teacher, the Jewish missionary Poper in Frankfurt, who furnished most of the money for it, to dispatch this lying fellow to America, which, alas, God have mercy, is also Germany's cloaca and must swallow its uncleanness in brain-burnt demagogues, God-denying newspaper writers, corrupt lawyers, drunken students, deserters, thieves, deceivers, etc., so that it would be only a slight retribution for these excellent articles if the Americans would send over to Germany a few shiploads of rattlesnakes.
But since the conscience of the benefactors and senders of Strauß must surely have smitten them, lest he might after his removal take up again with great eagerness his former role as spiritual play-actor and speech-maker upon the holy ground of the church, they hit, strangely enough, upon the half-measure of having him give the following Revers (certificate): "that he will apply this money (50 Thlr. Prussian Cour.) in no other way than for the journey to America, that he will not himself seek to procure any service in the vineyard of the LORD, and if he should be encouraged or requested from any quarter to accept such a service, that he will at once confess openly and honestly to the authority having the service to give" (to be sure, a strange unacquaintance with the church conditions here) "how unfaithful he has been" (hard to presume of a Strauß,) "that he will make an open confession at the first opportunity to the clergyman of the city or region where he stays, or in case a Jewish missionary is near, to him, and submit to his spiritual counsel; that he will write to me at least every 3 months and in his first letter name to me the clergyman or missionary to whom he has disclosed himself." To the inquiry of Strauß whether he might not enter a theological seminary, P. Gräber answered, "that he might not, because that would be the beginning of his seeking a service in the vineyard of the LORD."
So Strauß traveled to America with Köstering, who however knew nothing of this Revers, the latter with the fixed intention of going to the seminary at Fort Wayne, where a friend and countryman of his was studying. But on arriving in New York he let himself be persuaded by P. Stohlmann to go to the seminary at Columbus, whither Strauß accompanied him; and Prof. Lehmann received them, without scruple, at once into the seminary.
Strauß thus broke thereby his solemn promise, "with a handshake in P. Gräber's hands, as before the face of God, sealed," which he had given in that Revers written and signed with his own hand, by no means to take a step to enter the service of the church.
When we, P. Husmann and I, had now received that testimony from Germany about Strauß (in which, among other things, it also stood that it was P. Gräber's "firm resolve to give Strauß no rest in America and, if he had entered the ministry, to cause a public warning against him to be issued in the German church papers"), the first step naturally was this, that we read it publicly after the service to our congregations.
Naturally the adherents of Strauß could not remain indifferent about it, and those in the city demanded the writing, which I, however, did not find good to give out of my hands, but declared instead that I would come to them in company of my church council, read it to them and allow them inspection of it, and also show the official seals, that they might then, in view of this testimony, call Mr. Strauß to account. This my proposal was accepted; but when we met at the appointed place, the elders of the Straußites said that all sorts of loose people had also come and that disturbance was to be feared. I therefore proposed that the assembly be held in our schoolhouse, upon which, however, they did not enter, but wished to take up the matter on another day, which, however, has not come yet. The other step which took place was this, to send a word-for-word copy of this testimony against Strauß to the president of the Western District Synod, Prof. Lehmann, with the request at least at once to institute an investigation against Strauß, in that I at the same time set him in the clear about the historical course of this whole affair and what all had been done to hold the man back from the work of injustice.
To this communication came the answer that he (the president) could do nothing, but must put off the examination of the matter until the next meeting of the Western District of the Synod of Ohio (falling something over 2 months thereafter); to himself "it was not possible to tear himself away, in order to investigate on the spot a matter to the decision of which he was not competent, according to their Ministerial Order; besides, P. P. Gräber and Wortmann were not known to him, wherefore their testimony should first be duly and maturely weighed."
This answer, as every sensible, church-minded reader will feel with me and perceive, was very regrettable and let little good be hoped from the later decision of the Synod.
For from this answer it follows indeed undeniably:
1. that this affair seemed rather insignificant to the Mr. President; for if he could not really come himself, he could still have commissioned neighboring brethren in office, with the addition of the local English Lutheran pastor, who indeed also belongs to the Synod of Ohio, to undertake a speedy investigation on the spot and to inquire into the nature of our (P. Husmann's and my) complaint and to confront us with Strauß and his people, to which we would have been ready in every way; for what was the Synod at last to do, without such a preceding investigation, since complainants