Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 21 › Seite 162
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-06-06, Seite 162
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3 · Vater Unſer 3
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vollbringen. Denn unser und dein Wille sind wider einander; deiner allein gut, obwohl er nicht scheinet — unser böse, ob er wohl gleißet.
Es ist wohl mehr geschehen, daß man mich mit dem Munde geliebet hat und das Herz weit von mir gewesen; und wenn ich sie angegriffen habe zu bessern, sind sie zurückgelaufen und mitten im Werk mir entfallen, wie du liesest Ps. 78, 9. Conversi sunt in die belli (sie fielen ab zur Zeit des Streits,) die wohl angefangen, und mich beweget, mit ihnen zu handeln, sind umgekehret von mir u. wiederum in Sünde und meine Unehre gefallen.
Ach Vater, es ist wahr, Niemand kann stark sein in seinen Kräften (1. Sam. 2, 4.) Und wer mag vor deiner Hand bleiben, so du nicht selbst uns stärkest und tröstest? Darum, lieber Vater, greif uns an, vollbringe deinen Willen, daß wir dein Reich werden, dir zu Lob und Ehren. Aber lieber Vater, stärke uns in solchem Handel mit deinem heiligen Worte, gib uns unser täglich Brod, bilde in unser Herz deinen lieben Sohn, Jesum Christum, das wahre Himmelbrod, daß wir durch ihn gestärket, fröhlich tragen und leiden mögen Abbruch und Tödtung unseres Willens. Ja, gieb auch Gnade der ganzen Christenheit, sende uns gelehrte Priester und Prediger, die uns nicht Trestern und Spreuen eitler Fabeln, sondern rein heil. Evangelium und Jesum Christum lehren.
Es ist nicht gut, daß man den Hunden das Heiligthum vorwirft und das Brod der Kinder (Matth. 7, 6. 15, 26.) Ihr sündiget täglich, und wenn ich euch viel lasse predigen Tag und Nacht, so folget und höret ihr nicht und wird mein Wort verachtet.
Ach Vater, das laß dich erbarmen und versage uns nicht darum das liebe Brod, sondern daß wir nicht genug thun deinem heil. Worte, ist uns leid, und bitten, wollest Geduld mit uns armen Kindern haben und uns verlassen solche unsere Schuld, u. ja nicht mit uns in's Gericht gehen, denn Niemand vor dir gerechtfertiget ist. Siehe an dein Verheißen, daß wir unsern Schuldigern herzlich vergeben, denn du versprochen hast Vergebung — nicht, daß wir durch solche Vergebung würdig sind deiner Vergebung, sondern daß du wahrhaftig bist und gnädiglich Vergebung versprochen Allen, die ihrem Nächsten vergeben. Auf dein Versprechen verlassen wir uns.
Gar oft vergebe ich und erlöse euch, und ihr bleibet noch bestehet nicht (Ps. 78, 8.) Eines geringen Glaubens seid ihr, nicht ein wenig möget ihr mit mir wachen und beharren, fallet schnell wieder in die Anfechtung (Matth. 26, 41.)
Schwach und krank sind wir, o Vater und die Anfechtung ist groß und mannichfaltig im Fleisch und Welt. O lieber Vater, halte uns und laß uns nicht in Anfechtung fallen und wieder sündigen, sondern gieb uns Gnade, daß wir beständig bleiben und ritterlich fechten bis an unser Ende, denn ohne deine Gnade und Hülfe wir nichts vermögen.
Ich bin gerecht und richtig ist mein Gericht, darum muß die Sünde nicht ungestraft bleiben (Ps. 11, 8.) Also müsset ihr das Uebel tragen, daß ihr davon Anfechtung habt. Es ist eurer Sünden Schuld die mich dazu zwinget, sie zu strafen und ihr zu wehren.
Dieweil denn das Uebel uns Anfechtung gibt und mit Sünden anficht, so erlöse uns, lieber Vater, daraus, auf daß wir, von allen Sünden und Uebel nach deinem göttlichen Willen erlöset, dir ein Reich sein mögen, dich inniglich zu loben, preisen und heiligen. Amen!
Soweit Luther.
Fortsetzung folgt.
(Eingesandt.)
Die Auswanderung der evangelisch-lutherischen Salzburger in den Jahren 1731, '32 u. '33.
(Fortsetzung.)
In Kaufbeuern, einer Stadt im schwäbischen Bayern, deren Einwohnerschaft theils aus Lutheranern, theils aus Katholiken besteht, sahen unsere Emigranten zum erstenmal lutherische Glaubensbrüder u. wurden von denselben mit Freuden empfangen. Am 27. Dez. 1731, am dritten Weihnachtsfeiertage, langte der erste Trupp Salzburger, 800 an der Zahl, hier an, größtentheils schlecht bekleidete Dienstboten und sehr arme Leute, welche bei der stürmischen Austreibung wirklich Alles verlassen hatten und nur einige unmündige Kinder, die sie mit Mühe und Noth ihren Verfolgern zu entführen gewußt, mit sich führten. Sie kamen spät abends an die Stadt und meldeten ihre Ankunft durch den Gesang: „Ein' feste Burg ist unser Gott.“ Die Thore waren bereits geschlossen, doch ließ man sie noch ein und brachte sie alle noch unter. Einige verlegte man in die Wirthshäuser, andere nahmen die Magistratspersonen in ihre Häuser auf. Gleich Tags darauf führte man sie in die lutherische Kirche des Orts — welcher Anblick für die Salzburger, der ihr Inneres in hohem Dankgefühl gegen Gott und in begeisterter Freude erhob, sich zum erstenmale in einem lutherischen Gotteshause zu sehen! — und hielt ihnen Predigten, welche sie mit großer Inbrunst, Eifer und Begierde anhörten. Man theilte darauf ganze Bibeln, neue Testamente und erbauliche Bücher unter sie aus, und sie zogen dann, ihre Bibeln und Bücher vor sich, Kinder auf dem Rücken oder in den Armen tragend, singend und den Herrn ihren Gott lobend, weiter. Der mildthätige Sinn Vieler sprach sich gegen sie in reichlichen Spenden aus und selbst Dienstboten und arme Leute boten ihre Scherflein dar, von dem Schauspiel dieser pilgernden Heerde Christi angezogen. Oft hörte man die Aeußerung: „Ach seht doch, wie diese Leute uns beschämen, sie sind viel andächtiger und begieriger nach dem Worte Gottes, als wir, ob sie es gleich bisher so wenig, wir aber so reichlich gehabt!“ Die Salzburger hörten die Predigten hier und auch nachher an andern Orten, mehrentheils stehend an und konnten nicht satt werden, dieselben recht zu fassen. Die Prediger, sagt ein Beschreiber ihrer Auswanderung, redeten auch mit brünstigem Geiste und die Salzburger predigten mit ihrem Lebenswandel, denn keine Unordnung, nur höchst selten, — und wenn's statt fand, nur von denjenigen, die sich um des Gewinnes willen, oder weil sie zu Hause nichts mehr zu verlieren hatten, an sie angeschlossen — nur höchst selten einen Ausbruch der Rohheit oder gar des Lasters, keine Völlerei u. Trunkenheit bemerkte man an ihnen: und kam ja aus den vorhin angeführten Ursachen, hin und wieder so etwas vor, so bestraften und rügten die Hausväter es hart und wußten das junge Volk in Zucht und Ordnung zu halten, so daß es daher auf der ganzen Reise so zuging, daß sie überall wegen ihres guten Betragens Lob erhielten.
Am 31. Dezember 1731 langten die ersten Emigranten aus Salzburg vor Augsburg an, bis wohin sie ein Kommissarius aus Kaufbeuern geleitet hatte. Der katholische Magistrat verweigerte ihnen aber den Einzug in die Stadt, und beschränkte die lutherischen Bürger hinsichtlich ihrer Aufnahme und Verpflegung, welches bis zum Mai 1732 währte, wo zuerst, auf nachdrückliche Vorstellung des Königs von Preußen, ein Trupp wirklich in die Stadt gelassen wurde. Die ersteren Ankömmlinge aber mußten außerhalb der Stadt bleiben. Die luth. Bürger beeiferten sich jedoch, ihren Glaubensbrüdern alle nur mögliche Liebe zu erweisen. Man brachte sie in nahe gelegene Wirths- und Gartenhäuser, Mühlen, Eisenhämmer ꝛc. vor der Stadt unter, und sorgte auf das freundlichste für ihre Bedürfnisse, leibliche und geistige. Vornehme und Geringe gingen ihnen entgegen; die Geistlichkeit, an der Spitze derselben der Senior Urlsperger, empfing sie mit herzlichen Anmahnungen. Urlsperger und noch ein anderer Prediger des Orts hielten am Neujahrstage 1732 Nachmittags an zwei verschiedenen Orten außerhalb der Stadt verschiedene Anreden an sie über den im Evangelio des Tages vorkommenden Namen Jesus. Urlsperger zeigte: „wie man diesen Namen bei dieser sonderlichen Begebenheit recht anzusehen und auf beiden Seiten (nämlich von Seiten der Salzburger und der sie hier aufnehmenden lutherischen Bewohner Augsburgs) recht anzuwenden habe.“ Auch begleitete man sie, als sie ihren Wanderstab weiter setzten, ebenso herzlich. — Die ersten, die nachher im Frühling in die Stadt selbst eingelassen wurden, empfing man mit dem größesten Freudenjubel, welchen die Katholischen mit Staunen und manche selbst mit Rührung zusahen, und ließ sichs angelegen sein, ihnen Gaben aller Art für Leib und Seele reichlich zu spenden. Man führte diese — es war gerade Bußtag — in die lutherische St. Anna-
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carry out. For our will and thine are against each other; thine alone is good, although it does not appear so — ours is evil, although it glitters.
It has happened often enough that men have loved me with the mouth while the heart was far from me; and when I laid hold of them to amend them, they ran back and fell away from me in the midst of the work, as thou readest in Ps. 78, 9. Conversi sunt in die belli (they fell away in the time of battle), who had indeed made a beginning and moved me to deal with them, have turned away from me and again fallen into sin and my dishonour.
Ah Father, it is true, no one can be strong in his own strength (1 Sam. 2, 4.) And who can stand before thy hand, unless thou thyself strengthen and comfort us? Therefore, dear Father, lay hold upon us, accomplish thy will, that we may become thy kingdom, to thy praise and honour. But, dear Father, strengthen us in such dealing with thy holy Word, give us our daily bread, form in our hearts thy dear Son, Jesus Christ, the true bread of heaven, that, strengthened by him, we may cheerfully bear and suffer the breaking down and mortifying of our will. Yea, give grace also to all Christendom, send us learned priests and preachers who teach us not the husks and chaff of idle fables, but the pure holy Gospel and Jesus Christ.
It is not good that one cast the holy thing to the dogs, and the children's bread (Matth. 7, 6. 15, 26.) Ye sin daily, and though I let you hear preaching much, day and night, ye follow not and hear not, and my Word is despised.
Ah Father, let it move thy compassion, and deny us not for that reason the dear bread, but that we do not enough for thy holy Word is our grief, and we pray, have patience with us poor children and forgive such our guilt, and by no means go into judgment with us, for no man is justified before thee. Behold thy promise, that we heartily forgive our debtors, for thou hast promised forgiveness — not that we by such forgiveness are worthy of thy forgiveness, but that thou art truthful and hast graciously promised forgiveness to all who forgive their neighbour. Upon thy promise we rely.
Very often do I forgive and deliver you, and ye still abide not, nor stand fast (Ps. 78, 8.) Of little faith are ye, not a little while can ye watch and persevere with me, ye fall quickly again into temptation (Matth. 26, 41.)
Weak and sick are we, O Father, and the temptation is great and manifold in the flesh and the world. O dear Father, hold us and let us not fall into temptation and sin again, but give us grace that we may remain steadfast and fight valiantly to our end, for without thy grace and help we can do nothing.
I am righteous, and right is my judgment, therefore sin must not remain unpunished (Ps. 11, 8.) So must ye bear the evil, that ye have temptation from it. It is the guilt of your sins that constrains me to punish them and to withstand them.
Since then the evil gives us temptation and assails us with sins, deliver us therefrom, dear Father, that we, delivered from all sins and evil according to thy divine will, may be a kingdom unto thee, to praise, extol and hallow thee heartily. Amen!
So far Luther.
Continuation follows.
(Sent in.)
The Emigration of the Evangelical Lutheran Salzburgers in the Years 1731, '32 and '33.
(Continuation.)
At Kaufbeuren, a town in Swabian Bavaria, the population of which consists partly of Lutherans, partly of Catholics, our emigrants saw Lutheran brethren in the faith for the first time, and were received by them with joy. On the 27th of December, 1731, on the third day of the Christmas feast, the first troop of Salzburgers, 800 in number, arrived here, for the most part poorly clothed servants and very poor people, who in the stormy expulsion had really left everything behind and had with them only a few infant children, whom with toil and distress they had managed to carry off from their persecutors. They came late in the evening to the town and announced their arrival by the singing of "A mighty fortress is our God." The gates were already shut, yet they were still admitted and all were still provided for. Some were lodged in the inns, others were taken into their houses by the magistrates. The very next day they were led into the Lutheran church of the place — what a sight for the Salzburgers, whose inmost soul was lifted up in high gratitude toward God and in rapturous joy to see themselves for the first time in a Lutheran house of God! — and sermons were preached to them, which they heard with great fervour, zeal and eagerness. Then whole Bibles, New Testaments and edifying books were distributed among them, and they went on, carrying their Bibles and books before them, children on their backs or in their arms, singing and praising the Lord their God. The charitable disposition of many expressed itself toward them in generous gifts, and even servants and poor people offered their mites, drawn by the spectacle of this pilgrim flock of Christ. Often the remark was heard: "Ah, see how these people put us to shame; they are far more devout and eager for the Word of God than we, although they have had it so little hitherto, and we so abundantly!" The Salzburgers heard the sermons here and afterward in other places, for the most part standing, and could not get enough of grasping them aright. The preachers, says one describer of their emigration, spoke also with fervent spirit, and the Salzburgers preached with their manner of life, for no disorder, only very rarely — and when it did occur, only among those who had joined them for the sake of gain, or because they had nothing more to lose at home — only very rarely an outbreak of coarseness or even of vice, no revelling or drunkenness was observed among them; and if now and again, from the causes just mentioned, something of the kind did occur, the heads of families punished and rebuked it severely and knew how to keep the young people in discipline and order, so that it went so well on the whole journey that they received praise everywhere on account of their good conduct.
On the 31st of December, 1731, the first emigrants from Salzburg arrived before Augsburg, to which place a commissary from Kaufbeuren had escorted them. The Catholic magistracy, however, refused them entry into the city, and restricted the Lutheran citizens as to their reception and care of them, which lasted until May, 1732, when for the first time, upon the urgent representation of the King of Prussia, a troop was actually admitted into the city. The earlier arrivals, however, had to remain outside the city. The Lutheran citizens nevertheless exerted themselves to show their brethren in the faith all possible love. They lodged them in nearby inns and garden houses, mills, iron forges, etc., outside the city, and cared most kindly for their needs, bodily and spiritual. High and low went out to meet them; the clergy, at their head the Senior Urlsperger, received them with hearty exhortations. Urlsperger and another preacher of the place delivered, on New Year's Day, 1732, in the afternoon, at two different places outside the city, several addresses to them upon the name Jesus occurring in the Gospel of the day. Urlsperger showed: "how this name was to be rightly regarded on this special occasion and rightly applied on both sides (namely on the part of the Salzburgers and of the Lutheran inhabitants of Augsburg who received them here)." They were also accompanied just as heartily when they set forward their pilgrim staff. — The first who afterward, in the spring, were admitted into the city itself were received with the greatest jubilation, which the Catholics watched with amazement and many even with emotion, and it was made a matter of concern to bestow on them gifts of every kind for body and soul abundantly. These — it was just a day of repentance — were led into the Lutheran St. Anna-