Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 21 › Seite 167

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-06-06, Seite 167

161 162 163 164 165 166 167 168

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription AI-corrected against the scan

Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3 · Taufe 17

⤓ Download .txt · copy text

167

ßen aus und man predigt's durch alle Städte und Dörfer, daß zu Rom keine Gerechtigkeit mehr sei.” (Catal. test. verit. p. 824.)

Diese Stimmen des armen Volks sind, meinen wir, schon genügende Zeugnisse aus dem Pabstthum selbst davon, wie nöthig damals eine Reformation der Kirche war. Sie waren so laut geworden, daß selbst der berühmte jesuitische Cardinal Bellarmin Folgendes zu bekennen gezwungen worden ist: „Einige Jahre früher, als die lutherische und Calvinische Ketzerei einriß, war, nach dem Zeugnisse gleichzeitiger Autoren, keine Schärfe in den geistlichen Gerichten, keine Zucht in Absicht auf die Sitten, keine Kenntniß einer heiligen Wissenschaft, keine Ehrerbietung vor göttlichen Dingen, kaum war noch etwas von der Religion übrig geblieben.” — Man bedenke, so beichtet ein Cardinal, ein solches Geständniß thut ein Jesuit! Wie muß es daher damals ausgesehen haben?!

Halbe Taufgebühr.

Der Geistliche eines rheinpfälzischen Dorfes hatte bei der Taufe eines Kindes nur die Anfangsworte des christlichen Glaubens gesprochen, und darauf das Kind getauft. Nach einigen Tagen kam der Vater dieses Kindes zu jenem Geistlichen, ihm die Taufgebühr zu zahlen, und überreichte als solche 15 Kreuzer. Der Geistliche sprach: „Ich habe 30 Kreuzer zu fordern.” Der Landmann erwiederte: „Herr Pfarrer, weil Sie mein Kind nur auf den halben Glauben getauft haben, so glaube ich Ihnen auch nur die halbe Gebühr schuldig zu sein.” Verlegen und beschämt mußte sich der Geistliche damit zufrieden geben.

(Jugendfreund.)

Wir machen hier in St. Louis die Erfahrung, daß die Leute gerade dann noch Taufgebühren bezahlen, wenn der Prediger die Kinder auch nicht einmal auf den halben Glauben, sondern auf seinen Unglauben tauft, indem er vor der Taufe erklärt, daß er unter dem „Vater” den Türkengott, unter dem „Sohn” einen jüdischen Weisen, unter dem „heil. Geist” die Tugendkraft verstehe.

Aus dem Oldenburgischen.

Der „Glaubensbote,” ein religiöses Blatt, das in Oldenburg heraus kommt, bringt folgende Anecdote, welche den Grad der geistlichen Verwüstung im Oldenburgischen bezeichnet.

Vor nicht langer Zeit erzählte ein gebildeter Mann dort ganz arglos: er habe mit seinem Sohne eine sonderbare Wette gemacht. Der Sohn habe behauptet, in unserm christlichen Glaubensbekenntnisse stehe: Christus ist zur Hölle gefahren; und es giebt eine Auferstehung des Fleisches. Er habe dies für eine reine Unmöglichkeit erklärt, und ein bedeutendes Geschenk als Preis einer Wette versprochen. Der Sohn habe hierauf in fliegender Eile von einem armen Nachbar einen Catechismus geholt, und wahrhaftig die Wette gewonnen.

Zorn.

Als Fröschel im Jahre 1522 in Leipzig das Evangelium unter großem Zulauf der Leipziger gepredigt und dadurch in dieser Stadt viele für die Reformation gewonnen hatte, forderte ihn Adolph, Fürst zu Anhalt und Bischof von Merseburg, vor sich, fuhr ihn heftig an, verwies ihm sein Predigen und sagte: „Wir wollen dir das Evangelium zu predigen verbieten, oder wir wollen kein Fürst von Anhalt sein.” Nach Beendigung der Unterredung verabschiedete sich Fröschel mit den Worten: “Valete in Christo Jesu”, d. i. Lebt wohl in Christo JEsu. Vor Zorn außer sich setzte Adolph hinzu: „Nicht in Christo, sondern in diabolo” (im Teufel). Fröschel sagte laut hierzu: „Amen!” d. i. Ja, ja, es soll also geschehen, und ging.

Worauf die Kirche gegenwärtig eigentlich ruht.

Dies sagt uns der Gettysburger „Kirchenbote”, redigirt von Herrn Anstädt. Darin läßt sich nehmlich ein Correspondent also vernehmen; „Als einzige feste Säule des Lutherthums steht noch Preußens König da; auf seine Veranlassung wurde um 23. Sept. d. J. in Berlin der sechste Kirchentag eröffnet und abgehalten, welcher von den Coryphäen aller europäischen, insbesondere der deutschen Landestheile besucht war. Die Anwesenheit des Königs bei den Verhandlungen und die Eröffnung des Kirchentags selbst durch ihn hatte die freudigste Bewegung hervorgebracht.” (Siehe die 1. Nummer dieses Jahres.) Ach, du armes Lutherthum, wenn „Preußens König seine einzige feste Säule” ist! Wahrscheinlich aber ist der Correspondent nur ein Spaßvogel, der Herrn Anstädt foppen wollte.

Die drei Stufen der Heilsordnung.

Zuerst vor allen Wirken und Dingen hört man das Wort Gottes, darinnen der Geist die Welt um die Sünde strafet, Joh. 16, 9.

Wenn die Sünde erkennet ist, hört man von der Gnade Christi. Im selben Wort kommt der Geist und gibt den Glauben, wo und welchen er will.

Darnach geht an die Tödtung und das Kreuz, und die Werke der Liebe.—

Wer dir eine andere Ordnung vorschlägt, da zweifle nicht, es sei der Teufel.

Luther in der Schrift von den himmlischen Propheten.

Der demüthige Hochmuth.

Antisthenes ging zerlumpt, um zu zeigen, daß er ein Philosoph sei, der auf so geringe Dinge, wie die Kleider sind, nicht achte. Als er einstmals dem Philosophen Socrates begegnete, kehrte er schnell gerade den zerrissenen Theil seines Mantels heraus, damit Socrates seine Erhabenheit über alles Irdische sehen möchte. Dieser aber sagte zu Antisthenes: „Ich sehe deinen Ehrgeiz gar wohl aus deinem Mantel hervorgucken.”

Der Glaube.

Es ist der Glaube rar, schreibt der alte Danhauer; viel sind, die verstehen nicht, was der Glaube sei, was das Geheimniß des Glaubens, das einige Mittel die Seligkeit zu erlangen, davon man heuer und ferne prediget. Aber mit Blut ist es zu beweinen, daß man's nicht gründlich verstehet. Die meisten halten dafür, das sei der Glaube, wenn man sich zum lutherischen Glauben bekennt, den Dekalogum oder zehen Gebot obenhin nach dem Wortlaut, die Symbola ohne Verstand, wie der Papagei, daher kann recitiren, oder wenns hoch ist, so ist's ein bloßer historischer Glaube, ein kalter, öder, böser, lediger Gedanke, Phantasie und ens rationis (Vernunftding.) Daher kommt es, daß man meinet, es sei gar eine leichte Kunst zu glauben, und komme einem gar nicht sauer an. Weil denn der wahre lebendige Glaube das allerschwerste Ding ist, so haben wir desto mehr Ursach mit den Jüngern Christi zu beten: HErr, stärke uns den Glauben; und mit dem Vater des Mondsüchtigen: Ich glaube, lieber HErr, hilf meinem Unglauben. Wer den Glauben für eine leichte Sache hält, der hat noch nie gelernet, was der Glaube sei, er sei auch sonst so weise u. gelehrt, als er wolle.

Die verweigerte Taufe.

Als Caspar Aquila zu Anfang der Reformation das aus dem Schutt der Irrlehren wieder hervorgezogene Evangelium in Jenga bei Augsburg gepredigt hatte, wurde er alsbald auf Befehl des Bischofs zu Augsburg auf einem Karren nach Dillingen gebracht und hier gefangen gesetzt. Nach einer halbjährigen harten Gefangenschaft bei Wasser und Brod, wurde er jedoch wieder entlassen. Hierauf floh er nach Wittenberg und fand sodann bei Franz von Sickingen auf dessen Schloß Ebernburg eine Zufluchtsstätte. Doch auch hier sollte der theure Mann große und viele Angst erfahren. Die in dem Schlosse liegende militärische Besatzung verlangte nehmlich von ihm, eine Stückkugel zu taufen, wie damals häufig der Gebrauch, od. vielmehr schändliche Mißbrauch, war. Aquila verweigerte natürlich entschieden diese gottlose Entweihung des heil. Sacramentes. Die Soldaten wurden darüber so wüthend, daß sie ihn in einen großen messingenen Feuermörser, den sie mit Pulver gefüllt hatten, steckten, in der Absicht, ihn so über die Mauer hinaus schleudern zu lassen. Aquila blieb beständig. Was geschah nun! Zweimal zündeten die Soldaten an und das drittemal brannte das Zündkraut ab, ohne das Pulver in dem Bombenmörser zu entzünden. Hierdurch in seinem Gewissen gerührt, ließ denn der Befehlshaber den treuen Zeugen herausziehen und in Freiheit setzen, worauf derselbe nun zunächst nach Eisenach floh. Nach einem Leben unter vielen Trübsalen, in welchen ihn jedoch nie sein Glaubensmuth verließ, starb Aquila endlich als Superintendent zu Saalfeld den 12. November 1560.

Gut gemacht.

Gut nenne ich, wo es wenigen Leuten wohl gefallen und Vielen sehr verdrießen wird. Dieses ist ein solches sicheres Kennzeichen, als die Krippe und die Windeln den Hirten es waren.

Luther.

English translation AI translation

⤓ Download .txt · copy text

167

and it is preached through all cities and villages that at Rome there is no more righteousness." (Catal. test. verit. p. 824.)

These voices of the poor people are, we think, already sufficient testimonies from Popery itself of how necessary a Reformation of the church was at that time. They had become so loud that even the celebrated Jesuit Cardinal Bellarmin has been compelled to confess the following: "A few years before the Lutheran and Calvinist heresy broke in, there was, according to the testimony of contemporary authors, no strictness in the spiritual courts, no discipline with regard to morals, no knowledge of sacred learning, no reverence for divine things; scarcely anything of religion was left." — Consider: so a Cardinal confesses; a Jesuit makes such an admission! What must it then have looked like at that time?!

Half Baptismal Fee.

The clergyman of a Rhenish-Palatinate village had, at the baptism of a child, spoken only the opening words of the Christian faith, and thereupon baptized the child. After a few days the father of this child came to that clergyman to pay him the baptismal fee, and handed him as such 15 Kreuzer. The clergyman said: "I have 30 Kreuzer to demand." The countryman replied: "Mr. Pastor, since you baptized my child only upon the half faith, I believe I owe you also only half the fee." Embarrassed and ashamed, the clergyman had to content himself with that.

(Jugendfreund.)

We here in St. Louis make the experience that the people pay baptismal fees precisely when the preacher baptizes the children not even upon the half faith, but upon his own unbelief, by declaring before the baptism that by the "Father" he understands the Turkish god, by the "Son" a Jewish sage, by the "Holy Ghost" the power of virtue.

From Oldenburg.

The "Glaubensbote," a religious paper which is published in Oldenburg, brings the following anecdote, which marks the degree of spiritual devastation in Oldenburg.

Not long ago an educated man there told quite artlessly: he had made a curious wager with his son. The son had maintained that in our Christian creed it stands: Christ descended into hell; and there is a resurrection of the flesh. He had declared this to be a pure impossibility, and promised a considerable present as the prize of a wager. The son thereupon fetched in flying haste a catechism from a poor neighbor, and truly won the wager.

Wrath.

When Fröschel in the year 1522 had preached the Gospel at Leipzig with great concourse of the Leipzigers, and had thereby won many in that city for the Reformation, Adolph, Prince of Anhalt and Bishop of Merseburg, summoned him before him, rebuked him sharply, reproached him for his preaching, and said: "We will forbid you to preach the Gospel, or we will be no Prince of Anhalt." After the end of the conversation Fröschel took leave with the words: "Valete in Christo Jesu," that is, Fare well in Christ JESUS. Beside himself with wrath, Adolph added: "Not in Christo, but in diabolo" (in the devil). Fröschel said aloud to this: "Amen!" that is, Yes, yes, so let it be, and went.

Upon What the Church at Present Really Rests.

This is told us by the Gettysburg "Kirchenbote," edited by Mr. Anstädt. A correspondent there expresses himself thus: "As the only firm pillar of Lutheranism there stands still the King of Prussia; at his instigation the sixth Church Diet was opened and held in Berlin on the 23d of September of this year, which was attended by the coryphaei of all European, especially German, regions. The presence of the King at the proceedings and the opening of the Church Diet by himself had called forth the most joyful movement." (See the 1st number of this year.) Alas, thou poor Lutheranism, if "the King of Prussia is its only firm pillar"! Probably, however, the correspondent is merely a joker who wanted to make a fool of Mr. Anstädt.

The Three Stages of the Order of Salvation.

First, before all working and doing, one hears the Word of God, wherein the Spirit reproveth the world of sin, John 16, 9.

When sin is known, one hears of the grace of Christ. In the same Word the Spirit comes and gives faith, where and to whom he will.

Thereafter begin the mortification and the cross, and the works of love.—

Whoever proposes another order to thee, doubt not that it is the devil.

Luther in the writing against the heavenly prophets.

Humble Pride.

Antisthenes went about in rags, to show that he was a philosopher who regarded such small things as clothes as nothing. When he once met the philosopher Socrates, he quickly turned out just the torn part of his cloak, so that Socrates might see his elevation above everything earthly. But the latter said to Antisthenes: "I see your ambition quite plainly peeping out of your cloak."

Faith.

Faith is rare, writes the old Danhauer; there are many who do not understand what faith is, what the mystery of faith is, the one means of obtaining salvation, of which men preach far and near. But it is to be lamented with blood that it is not thoroughly understood. Most hold that this is faith, when one confesses the Lutheran faith, can recite the Decalogue or ten commandments offhand according to the wording, the creeds without understanding, like a parrot; or, at best, it is a mere historical faith, a cold, empty, wicked, idle thought, fancy and ens rationis (a thing of reason). Hence it comes that one thinks it is quite an easy art to believe, and that it does not come hard to one at all. Since then true living faith is the hardest thing of all, we have all the more cause to pray with the disciples of Christ: LORD, increase our faith; and with the father of the lunatic: Lord, I believe; help thou mine unbelief. Whoever holds faith to be an easy matter has never yet learned what faith is, be he otherwise ever so wise and learned.

The Refused Baptism.

When Caspar Aquila, at the beginning of the Reformation, had preached the Gospel, brought forth again from the rubbish of false doctrines, at Jenga near Augsburg, he was presently, by order of the bishop of Augsburg, brought on a cart to Dillingen and there put in prison. After a half-year's severe imprisonment on bread and water he was, however, released again. Thereupon he fled to Wittenberg and then found at Ebernburg castle, with Franz von Sickingen, a place of refuge. But here also the dear man was to experience great and many anxieties. The military garrison lying in the castle demanded of him, namely, that he baptize a cannon ball, as was then frequently the custom, or rather the shameful abuse. Aquila naturally refused decidedly this godless profanation of the holy Sacrament. The soldiers became so furious over it that they thrust him into a great brass fire-mortar which they had filled with powder, with the intention of thus hurling him out over the wall. Aquila remained steadfast. What happened now! Twice the soldiers set fire to it, and the third time the priming burned off without igniting the powder in the bomb-mortar. Touched thereby in his conscience, the commander had the faithful witness drawn out and set at liberty, whereupon he fled first to Eisenach. After a life under many tribulations, in which, however, his courage of faith never left him, Aquila finally died as superintendent at Saalfeld on the 12th of November, 1560.

Well Done.

I call that good which pleases few people and vexes many. This is as sure a sign as the manger and the swaddling clothes were to the shepherds.

Luther.