Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 21 › Seite 164
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-06-06, Seite 164
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3 · Lehre. — Falſche Lehrer 11
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Jesus, mein Jesus! bin ich verlassen, so hältst du doch unaufhörlich bei mir. Jesus, mein Jesus! bin ich von einem Orte vertrieben, so hast du doch sehr viele andere Oerter in der Welt, da du den gläubigen Nachfolgern kannst eine Wohnung verschaffen. Jesus, mein Jesus! bin ich arm, so hast du alle himmlischen Güter in deiner Hand. Jesus, mein Jesus! habe ich keine Nahrung, so bist der allerreichste und vorsichtigste Hausvater, der die Seinen am besten zu versorgen weiß. Jesus, mein Jesus! weiß ich weder aus, noch ein, so hast du schon vor aller Ewigkeit für mich gesorget, und auf solche deine fleißige Fürsorge verlasse ich mich allezeit. Amen. HErr Jesu! Amen!“ —
Wir wandern mit den Glaubensbrüdern weiter und begleiten sie nach Halle. Hier redete Johann Franke, der Sohn von August Herrmann Franke, dem Stifter des Waisenhauses zu ihnen. Man führte sie unter Gesang und Glockengeläute ins Waisenhaus, wo Erquickung für Seel und Leib ihnen geboten wurde und außerdem jeder noch einen Kaisergulden empfing und, wer lesen konnte, eine Bibel und Arnds wahres Christenthum. Während sie in Halle waren, empfingen auch Viele von ihnen zum erstenmale nach lutherischer Weise das Abendmahl mit großer Rührung und Inbrunst. Als sie aus Halle zogen, begleiteten sie auch die Studenten und trösteten sie aus Gottes Wort. Ein junger Theologe ging von hier aus mit ihnen bis nach Preußen und ermahnte sie in den Herbergen und betete mit ihnen und ermunterte sie unterwegs zum Singen auf. Sie sahen dieses sehr gern und die Hausväter baten ihn besonders oft, den jungen Leuten unter ihnen zuzureden, daß sie, deren manche wohl zuweilen es in der Zucht versahen, ja sich recht zum HErrn kehren und das Evangelium mit einem unsträflichen Wandel zieren möchten. Auch war es den Alten nicht recht, daß Viele von dem jungen Volk, denen man in Salzburg die priesterliche Einsegnung zur Ehe in der letzten Zeit versagt hatte, und die sich daher nur vor den Hausvätern, und, wie sie doch auch meinten, vor Gott versprochen hatten, noch immer ohne die öffentliche Bestätigung durch die kirchliche Trauung bei einander lebten. Sie drangen also darauf, daß sie, sobald sie an lutherische Orte kamen, sich förmlich copuliren lassen mußten.
In Potsdam langten nun die ersten Salzburger am 29. April 1732 an. Der König hielt sich eben daselbst auf. Der königl. Komissarius, welcher sie schon in der Nähe der preußischen Staaten in Empfang genommen hatte, erhielt Befehl, unter Gesang in die Stadt mit ihnen einzuziehen und am Garten vor dem Schlosse zu halten. Der König trat dann zu ihnen, den ersten seiner neuen Unterthanen, deren er sich so väterlich angenommen hatte. Auf die Frage an den Hofprediger Cachius, ob man mit den Leuten geredet und wie man sie befunden habe, war die Antwort: es wären gute Leute u. man habe auch bei Vielen von ihnen eine über Erwarten gute Erkenntniß gefunden. Dann mußte der Kommissarius berichten, wie sie sich unterwegs betragen und wie man sie aufgenommen? Hierauf wurden einige von ihnen vorgerufen u. im Beisein des Königs über ihren Glauben befragt, die mit großer Freudigkeit Antwort gaben zu des Königs hohem Wohlgefallen. Und da man nun mit Gebet diese Catechesation schloß, so ward unter den Umstehenden solche Bewegung wahrgenommen, daß auch mehrere vornehme Offiziere mit auf die Kniee fielen und beteten, und von allen Umstehenden Thränen der Rührung vergossen wurden. Es fand sich ein Knabe von 14 Jahren unter den Salzburgern, welcher der Religion wegen Vater und Mutter verlassen hatte. Der König fragte ihn, wie er das bei Gott verantworten würde? Der Knabe sagte; „wer Vater oder Mutter mehr liebt, denn mich, der ist mein nicht werth!“ Wer sich denn nun seiner annehmen und was er nun anfangen werde, da er weder Vater, noch Mutter habe? „Vater u. Mutter verlassen mich,“ war die Antwort, „aber der HErr nimmt mich auf!“ Diese Antwort gefiel dem König besonders, und er beschenkte nun alle reichlich und sprach ihnen Muth ein durch die wiederholten Worte: „Kinder, ihr sollt's gut haben, ihr sollt's bei mir gut haben!“ — Man versorgte sie auf königliche Kosten reichlich mit Speise und Trank, und es wurde ihnen Befehl ertheilt, an diesem Tage nicht weiter zu reisen, sondern auszuruhen. Auch die Königin beschenkte sie reichlich und hatte eine herzliche Freude an diesen Jesusbekennern, die endlich einen sichern Zufluchtsort und ein Land gefunden hatten, wo sie das Wort Gottes, um des willen sie ausgezogen waren, reichlich haben konnten.
Am 25. Juni 1732 kam wieder ein Trupp von 800 nach Potsdam. Der König war dies Mal nicht da, reisete ihnen aber gleich von Berlin entgegen. Er war sehr gnädig und freundlich gegen sie und fragte sie: weshalb sie emigrirt seien? Sie antworteten: um des Evangelii willen, das man ihnen entzogen. Dabei versicherte sie der König seiner Gnade und versprach ihnen auch in Preußen Aecker und Bauerhöfe und Freijahre zu gewähren und verlangte endlich, daß sie das Lied: „Auf meinem lieben Gott ꝛc.“ anstimmen sollten. Der Kommissarius stellte vor, daß sie das Lied nicht anzufangen und auf die dortige Weise zu singen wüßten. Darauf fing zur höchsten Verwunderung der Salzburger und zur innigsten Rührung aller Anwesenden der König das Lied selbst an und intonirte Vers für Vers, da dann Alles mit fortsang und unter solchem Singen vorüber zog. Da alle vorüber waren rief der König ihnen nach: „Reiset glücklich!“ und fuhr nach Potsdam. — Die Emigranten aber zogen nach Berlin.
Vor Berlin kamen ihnen Prediger und Schullehrer, nebst den Schülern entgegen. Die Salzburger zogen unter dem Gesang: „Wenn wir in höchsten Nöthen sein ꝛc.“ gegen die Stadt. Als die Deputation sie erreicht hatte, machte man Halt. Die ihr Entgegengekommenen stellten sich der Deputation gegenüber, und man stimmte gemeinschaftlich „Ein feste Burg ist unser Gott“ an. Darauf hielt Pastor Campe an sie eine Rede über Ps. 115, 14. 15. „Der HErr segne Euch je mehr und mehr, Euch und Euere Kinder, Ihr seid die Gesegneten des HErrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ Hierauf wurden Neue Testamente unter sie ausgetheilt, wobei die Salzburger dankerfüllt gegen Gott äußerten: „Zu Hause hat man uns das Wort Gottes weggenommen, hier aber trägt man es uns entgegen!“ Hierauf hielten sie unter mehreren Gesängen ihren Einzug und wurden vor dem königlichen Schlosse vorbeigeführt, wo die königliche Familie sie in Augenschein nahm. Man führte sie dann zum Königsthore hinaus, wo die Quartiere bestellt waren. Hier empfing sie Pastor Schönemann mit einer Rede in Versen. Des folgenden Tages kamen wieder mehrere an. An sie hielt Probst Raue eine Anrede über die Worte, die man auch schon von andern Orten ihnen zugerufen: „Gehe aus deinem Vaterlande und von deiner Freundschaft in ein Land, das ich dir zeigen will.“ (1 Mos. 12, 1.) Man begleitete sie wie die vorigen in die Stadt und auch sie waren voll Dank und Lob gegen den, der sie durch Trübsal glücklich hindurch geführt zur Freude, zu der Freude, nun bei lutherischen Brüdern wohnen und das gütige Wort Gottes ungehindert und reichlich schmecken und so wachsen zu können in der Gnade u. Erkenntniß! Auch in Berlin genossen Viele das heil. Abendmahl. Was ihren Einzug betrifft, so war dieser stets rührend anzusehen. Alle Straßen und Plätze, wo sie durchzogen, waren immer mit Schaaren von Menschen erfüllt. Thränen des Mitleids und der Theilnahme flossen überall, u. wohl auch nicht ohne Ursache, denn sie waren ja meistentheils, besonders die ersten von ihnen, arm und dürftig ausgezogen und hatten Alles zurückgelassen; erst als sie auf dem Zuge waren, fanden sie nach und nach Abhülfe ihrer Noth. Eisgraue Köpfe, übel bekleidete und am Stabe wankende Greise, Schwache, Kranke, Gebrechliche, Krüppel, neugeborne Kinder und Säuglinge fand man unter ihnen in Menge. Viele, besonders die ersteren, kamen, ohne das Geringste bei sich zu führen und schätzten sich glücklich, mit Hinterlassung ihrer Habe, nur ihre Seelen gerettet zu haben. Etliche freuten sich, daß sie einen steinalten Vater, eine dem Grabe zu wankende Mutter glücklich gerettet hatten. Andere wußten nichts als ihre Kinder aufzuweisen, welche sie als ihren besten Schatz mit Mühe den Händen der Verfolger hatten entführen können. Und bei allem äußeren Mangel war doch an ihnen eine besondere Freudigkeit warzunehmen. Unter andern sahe man zu Berlin unter ihnen einen recht alten Mann, der kaum von der Stelle gehen konnte. Er ging an einem Stock u. führte ein Pferd hinter sich. An beiden Seiten des Pferdes hing eine Wiege, in welcher Kinder von einigen Monaten lagen, welches Zwillinge waren. Auf dem Sattel saß das dritte Kind, beinahe 5 Jahre alt. Dies war Alles, was der Mann gerettet hatte. Aber die Heiterkeit und die Freude in dem HErrn glänzte auf seinem Angesichte und das Kind, das auf seinem Sat-
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Jesus, my Jesus! if I am forsaken, yet thou holdest unceasingly by me. Jesus, my Jesus! if I am driven from one place, yet thou hast very many other places in the world, where thou canst provide a dwelling for thy believing followers. Jesus, my Jesus! if I am poor, thou hast all heavenly goods in thy hand. Jesus, my Jesus! if I have no food, thou art the richest and most provident Householder, who knows best how to provide for his own. Jesus, my Jesus! if I know neither out nor in, thou hast already from all eternity provided for me, and upon such thy diligent care I rely at all times. Amen. LORD Jesus! Amen!" —
We journey on with the brethren in the faith and accompany them to Halle. Here Johann Franke, the son of August Herrmann Franke, the founder of the orphan house, spoke to them. They were led, amid singing and the ringing of bells, into the orphan house, where refreshment for soul and body was offered them, and besides each received an imperial guilder and, whoever could read, a Bible and Arnd's True Christianity. While they were in Halle, many of them also received the Lord's Supper for the first time after the Lutheran manner, with great emotion and fervour. When they left Halle, the students also accompanied them and comforted them out of God's Word. A young theologian went with them from here as far as Prussia, and exhorted them in the inns, and prayed with them and encouraged them on the way to sing. They liked this very much, and the heads of families asked him especially often to exhort the young people among them, some of whom perhaps sometimes erred in discipline, that they might truly turn to the LORD and adorn the Gospel with a blameless walk. It also did not please the elders that many of the young folk, to whom in Salzburg in the last time the priestly blessing upon marriage had been refused, and who had therefore pledged themselves only before the heads of families, and, as they also supposed, before God, still lived together without the public confirmation through church wedding. They therefore insisted that, as soon as they came to Lutheran places, they must be formally married.
At Potsdam the first Salzburgers now arrived on the 29th of April, 1732. The King was at that moment staying there. The royal commissary, who had already received them near the Prussian territories, was ordered to enter the city with them singing and to halt at the garden before the palace. The King then stepped up to them, the first of his new subjects, whom he had taken up so like a father. To the question to the court preacher Cachius, whether he had spoken with the people and how he had found them, the answer was: they were good people, and one had found, even among many of them, a knowledge good beyond expectation. Then the commissary had to report how they had behaved on the way and how they had been received. Thereupon some of them were called forward and in the King's presence questioned about their faith, who answered with great joyfulness, to the King's high satisfaction. And when this catechization was closed with prayer, such emotion was perceived among the bystanders that even several distinguished officers fell with them upon their knees and prayed, and tears of emotion were shed by all the bystanders. There was found among the Salzburgers a boy of 14 years, who for religion's sake had left father and mother. The King asked him how he would answer for that before God? The boy said: "He that loveth father or mother more than me is not worthy of me!" Who then would now take him in, and what he would now do, since he had neither father nor mother? "Father and mother forsake me," was the answer, "but the LORD taketh me up!" This answer pleased the King especially, and he gave presents to all of them richly and encouraged them by the repeated words: "Children, you shall have it well, you shall have it well with me!" — They were provided at royal expense richly with food and drink, and an order was given them not to travel further that day but to rest. The Queen also gave them rich presents and had a hearty joy in these confessors of Jesus, who had at last found a safe place of refuge and a land where they could have the Word of God, for the sake of which they had come out, in abundance.
On the 25th of June, 1732, there came again a troop of 800 to Potsdam. The King was not there this time, but travelled to meet them directly from Berlin. He was very gracious and friendly toward them and asked them why they had emigrated. They answered: for the Gospel's sake, which had been taken from them. The King thereupon assured them of his grace and promised them also in Prussia fields and farms and years of freedom from taxes, and finally demanded that they should strike up the hymn: "Upon my dear God, etc." The commissary represented that they did not know how to begin the hymn and to sing it in the manner of that country. Thereupon, to the highest wonder of the Salzburgers and to the deepest emotion of all present, the King himself began the hymn and intoned it verse by verse, whereupon all joined in singing and passed by amid such singing. When all had passed by, the King called after them: "Journey happily!" and drove to Potsdam. — The emigrants, however, went to Berlin.
Before Berlin preachers and schoolmasters, together with the pupils, came to meet them. The Salzburgers marched toward the city singing: "When in the hour of utmost need, etc." When the deputation had reached them, a halt was made. Those who had come out to meet them placed themselves facing the deputation, and they struck up together "A mighty fortress is our God." Thereupon Pastor Campe addressed a speech to them upon Ps. 115, 14. 15. "The LORD shall increase you more and more, you and your children. Ye are blessed of the LORD, which made heaven and earth." Thereupon New Testaments were distributed among them, whereby the Salzburgers expressed, filled with thanks toward God: "At home they took the Word of God away from us, but here they bring it to meet us!" Thereupon they made their entry with several hymns and were led past the royal palace, where the royal family took them in view. They were then led out through the King's Gate, where the quarters were prepared. Here Pastor Schönemann received them with a speech in verse. On the following day several more arrived. To them Provost Raue delivered an address upon the words which had already been called out to them from other places: "Get thee out of thy country, and from thy kindred, unto a land that I will shew thee." (1 Mos. 12, 1.) They were escorted like the former into the city, and they also were full of thanks and praise toward Him who had led them happily through tribulation to joy, to the joy of now dwelling among Lutheran brethren and tasting the gracious Word of God unhindered and abundantly, and so growing in grace and knowledge! Also in Berlin many partook of the holy Supper. As to their entry, it was always touching to behold. All the streets and squares through which they passed were always filled with crowds of people. Tears of pity and sympathy flowed everywhere, and not without cause, for they had for the most part, especially the first of them, gone out poor and needy and had left everything behind; only when they were on the march did they find, little by little, relief of their distress. Hoary heads, aged men badly clothed and tottering on their staves, weak, sick, infirm, cripples, newborn children and infants were found among them in multitude. Many, especially the first, came without bringing the least thing with them and counted themselves happy, having left their possessions behind, to have saved only their souls. Some rejoiced that they had happily rescued an aged father, a mother tottering to the grave. Others knew nothing to show but their children, whom they had been able with toil to carry off from the hands of the persecutors as their best treasure. And in all outward want there was yet a peculiar joyfulness to be perceived in them. Among others one saw at Berlin among them a very old man, who could scarcely move from the spot. He went with a staff and led a horse behind him. On both sides of the horse hung a cradle, in which children of a few months lay, who were twins. On the saddle sat the third child, nearly 5 years old. This was all that the man had saved. But the cheerfulness and the joy in the LORD shone upon his countenance, and the child that on his sad-