Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 21 › Seite 165
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-06-06, Seite 165
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſangbuch 6 · Katechismus 3
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tel saß, lächelte in seiner kindlichen Einfalt Jedermann an.— Und doch hatte sie der HErr auf ihrer beschwerlichen und weiten Wanderschaft so gnädig beschützt, daß auf der ganzen Reise nur einige hundert Menschen gestorben sind u. manche Alte, Kranke und Schwache die ganze Rückreise glücklich zurücklegen konnten. Bald nach ihrer Ankunft in Preußen aber starben in Folge der ausgestandenen Beschwerden mehrere.
So lange sie nun in Berlin waren, ward ihnen nicht nur Sonntags, sondern auch fast alle Tage in der Woche gepredigt und mit ihnen catechisirt. Der König gab auch sofort Befehl, daß vier Candidaten examinirt und ordinirt und ihnen als ihre Prediger und Seelsorger nach Preußen mitgegeben werden sollten. Einer derselben war Benedikt Friedrich Hahn aus Gardeleben in der Altmark. Die andern hießen: Bräuer, Knoch und Haak, der Letzte von diesen ging aber bald zurück, und es trat an seine Stelle Tobler, ein geborner Salzburger, dessen Eltern schon früher mit den Landsleuten Schaitbergers nach der Schweiz entflohen waren, der dann in Tübingen und Straßburg studirt, darauf in die Salzburgischen Gebirgsthäler zurückgekommen und seine Landsleute heimlich aus dem Worte Gottes gestärkt hatte, ohne jedoch ordinirt zu sein, was er nun, da er ihnen nachkam wurde. Die Salzburger nahmen diese ihre neuen und ersten Seelsorger mit Liebe und Freude auf. In der Gernisonskirche wurden sie ordinirt. Feldprobst Gedike verrichtete die Ordination und sprach zur großen Erbauung der Salzburger und aller Anwesenden über die Worte Matth. 9, 36-38: „Und da er das Volk sahe, jammerte ihn desselbigen, denn sie waren verschmachtet und zerstreuet, wie die Schafe, die keinen Hirten haben. Da sprach er zu seinen Jüngern: Die Aernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenig; darum bittet den HErrn der Aernte, daß er Arbeiter in seine Aernte sende.”—
Von Berlin gingen nun die, welche nicht daselbst oder auch unterwegs schon zurückgeblieben waren, nach Alt-Preußen. Sie gingen durch Pommern nach Stettin und von da zu Wasser nach Königsberg, einige aber zu Lande durch die beiden Werben dahin. Ihre neuen Prediger Bräuer, Knoch und Hahn zogen nun schon mit und 250 Personen gingen zuerst mit dem Prediger Bräuer in Stettin zu Schiffe. Sobald das Schiff vom Ufer absegelte, fing man an, zu singen: „Von Gott will ich nicht lassen.” Nasse Augen sahen ihnen vom Ufer nach.—Die Salzburger dienten dem HErrn auch unterwegs fleißig und um so mehr, da sie nun einen eigenen Seelsorger bei sich hatten. Am Himmelfahrtsfeste, das während der Seereise eintrat, sowie an den Sonntagen hielt ihr Prediger mit ihnen auf dem Verdeck einen Gottesdienst und morgens und abends eine Betstunde. Ihre Aufmerksamkeit und Begierde nach dem Worte Gottes war sehr groß, und je länger sie ihren Prediger hörten, desto lieber hörten sie ihn; ja als er unterwegs krank ward, war die Betrübniß und der Jammer um ihn ungemein groß. Doch der HErr stärkte ihn wieder und er kam mit ihnen glücklich und wohlbehalten (nur vier Personen waren während der Seereise gestorben) am 27. Mai 1732 um 3 Uhr in Königsberg an. Den längst erwarteten und ersehnten lieben Gästen strömte eine große Menge der Einwohner entgegen, bewillkommte und vertheilte Gaben unter sie. Am andern Morgen wurden sie nebst denen vom zweiten Schiff, das noch während der Nacht angekommen war, feierlich in die Stadt eingeführt. Die Prediger des Doms, die Schulkinder und mehrere tausend Menschen holten sie ein. Man führte sie unter fortwährendem Gesange in die Domkirche, wo Dr. Masecovius ihnen eine kräftige Predigt hielt, wodurch sie sehr erhoben wurden. Am 30. Mai wurden die vom dritten Schiff ebenso feierlich eingeholt und nach der Altstädtischen Kirche geführt, woselbst Abraham Wolf ihnen predigte. Am 31. Mai kam das vierte Schiff. Es war schon spät Abends, allein die Löbenicht'schen Prediger holten sie nebst der Schule noch denselben Abend in die Stadt und führten sie um 9 Uhr nach der Löbenicht'schen Kirche, wo Lysius ihnen eine Predigt hielt und der Gottesdienst bis nach 11 Uhr währte. Das fünfte Schiff holten die Sackheimischen Prediger ein u. man ließ es allen an geistlicher und leiblicher Erquickung nicht mangeln. Als die, welche nach Lithauen wanderten (mehrere Handwerker und auch Viehhalter blieben schon in Königsberg zurück), wieder weiter zogen, hielt ihnen Dr. Quandt eine Abschiedspredigt über Luk. 6, 22. 23.: „Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und absondern und schelten euch u. verwerfen euren Namen als einen boshaftigen, um des Menschensohns willen; freuet euch alsdann und hüpfet, denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel.” Zum Schlusse rief er ihnen zu: „So ziehet denn hin, ihr meine Brüder und Schwestern in Christo, bewohnt das Land, das euch der HErr euer Gott angewiesen hat, fürchtet Gott, ehret den König!”—
Und sie hatten Ursache, den HErrn ihren Gott, wie sie auch thaten, zu loben und zu danken, der sie nun endlich nach allen Stürmen zur Ruhe gebracht, und sie behütet hatte auf dem Wege und als seine Heerde der Gefahr entrissen und zu sich gesammelt. Sie hatten Ursache, auch den frommen König hoch zu ehren, denn in Lithauen fanden sie alles herrlich zu ihrer Aufnahme eingerichtet, die Huld Friedrich Wilhelms hatte väterlich für sie gesorgt.—
Unionistische Fahrgelegenheit nach Rom,
zur Nichtbenutzung empfohlen von K. Ströbel.
Unter diesem Titel findet sich in dem ersten Quartalheft der Rudelbach'schen Zeitschrift von 1854 die Beurtheilung einer Schrift eines gewissen Lütkemüller, der, erst preußischer Lutheraner, hernach Pfarrer der preußisch-unirten Kirche, endlich zur römischen Kirche übergegangen ist und diesen seinen Kirchenwechsel in der beurtheilten Schrift zu rechtfertigen sucht. Wir können nicht umhin, unsern Lesern einiges aus der vortrefflichen Beurtheilung Ströbels mitzutheilen.
Ströbel schreibt erstlich von Lütkemüllers früherem Ausgang aus der lutherischen Kirche: „Herr L. wähnt, der lutherischen Häresie (Ketzerei) abgesagt zu haben. Mit Nichten! Wie kann er ihr absagen, da sie in Wirklichkeit niemals seine Religion gewesen ist? Sein ganzes Buch ist Zeuge, daß er das Evangelium nicht in sich durchlebt hat. Er ist von uns ausgegangen, aber er ist nicht von uns gewesen. Wem das Evangelium zur Erfahrung geworden ist, denkt nur mit Ekel an das Pabstthum.”
Nachdem hierauf Ströbel Lütkemüller's Beschreibung des bodenlosen Wesens der unirten Kirche mitgetheilt hat, zeigt ersterer, daß Lütkemüller in der bodenlosen unirten Kirche sein eigenes Bild finde und daß die unirte Kirche in Lütkemüller, ihrem großgezogenen Sohne, das Ende sehe, welchem sie entgegeneile. Ströbel schreibt u. A. Folgendes: „Herrn Lütkemüller's Irrfahrten tragen das unirte, die der Union das Lütkemüller'sche Gepräge. Er ist gerade darum der allergefährlichste Feind, der jemals gegen sie aufgetreten ist, weil ihr eigenes Herzblut in seinen Adern pulsirt. Er hält der unirten Staatskirche in seinem Buche den erfahrungsmäßigen Spiegel vor, worin sie ihre unvermeidliche Zukunft erblicken kann. Ja, ihre unvermeidliche Zukunft! Denn alle religiöse Abenteuerlichkeit führt, als Loslösung von den ewigen Normen des göttlichen Rechts, unvermeidlich in die Arme des Widerchrists. Die leichtfertige Hoffnung, auf dem Stamme der 1817 gepflanzten Union ein reiches christl. Leben erblühen und reifen zu sehen, ist jetzt schon gänzlich zu nichte geworden; von der inneren Triebkraft dieses Baumes erwartet niemand mehr eine andere Frucht, als Lichtfreundschaft, Freigemeindelei und dergleichen wilde Beeren, oder höchstens eine hohle Frömmelei, eine todte Werkheiligkeit. Die einzige Hoffnung beruht noch auf dem Versuche, ihn durch Pfropfen und Okuliren von außen her zu veredeln; aber jeder erfahrene Gärtner weiß, daß auf diesem Wege keine neuen Kräfte, kein verjüngtes Blut, sondern nur Reiser und Augen einem Stamme zugeführt werden können, und daß des Feigenbaumes schönste Schößlinge sogleich verdorren, wenn sie in den Lebenssaft des Dornstrauchs eingepflanzt werden. Alle Bemühungen, confessionelle, besonders lutherische, Religiosität in solcher Union zu wecken und zu firiren (festzumachen), gleichen den gewaltsamen Schlägen in's Wasser, welche nach momentaner (augenblicklicher) Erschütterung keine Spur zurücklassen.*) Lütkemüller's
*) O daß dieß diejenigen unter den hiesigen Unirten, denen es wirklich um Verbreitung des Reiches Gottes zu thun ist und die daher mehr und mehr Lutherisches sich aneignen, bedächten! Daß sie sich nicht von dem Gedanken beherrschen ließen, die Union sei nun einmal eine geschichtliche Thatsache und habe sogut wie andere kirchliche Gestaltungen ein Recht zu leben! daß sie die edlen Kräfte nicht zum Weiter-Bau eines Hauses verwenden möchten, das auf dem Sande
English translation AI translation
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tel, smiled in its childlike simplicity at everyone.— And yet the LORD had so graciously protected them on their toilsome and long pilgrimage that on the whole journey only some hundreds of people died, and many aged, sick and weak persons were able to complete the whole return journey safely. But soon after their arrival in Prussia several died as a result of the hardships they had endured.
So long as they were in Berlin, they were preached to not only on Sundays but also nearly every day of the week, and were catechized. The King also gave immediate orders that four candidates should be examined and ordained and sent with them to Prussia as their preachers and pastors. One of these was Benedikt Friedrich Hahn of Gardeleben in the Altmark. The others were named Bräuer, Knoch and Haak; the last of these, however, soon turned back, and in his place came Tobler, a native Salzburger, whose parents had fled earlier to Switzerland with the countrymen of Schaitberger, who then studied in Tübingen and Strassburg, afterwards came back into the Salzburg mountain valleys and secretly strengthened his countrymen from the Word of God, without however being ordained, which he now became, since he was following after them. The Salzburgers received these their new and first pastors with love and joy. In the Garrison Church they were ordained. Field Provost Gedike performed the ordination and preached, to the great edification of the Salzburgers and of all present, on the words of Matth. 9, 36-38: "But when he saw the multitudes, he was moved with compassion on them, because they fainted, and were scattered abroad, as sheep having no shepherd. Then saith he unto his disciples, The harvest truly is plenteous, but the labourers are few; pray ye therefore the Lord of the harvest, that he will send forth labourers into his harvest."—
From Berlin those who had not remained there, or had already stayed behind on the way, now went to Old Prussia. They went through Pomerania to Stettin and from there by water to Königsberg, but some went thither by land through the two Werben. Their new preachers Bräuer, Knoch and Hahn were now already traveling with them, and 250 persons first took ship at Stettin with the preacher Bräuer. As soon as the ship sailed from the shore, they began to sing: "Von Gott will ich nicht lassen." Wet eyes watched them from the shore.—The Salzburgers served the LORD diligently also on the way, and all the more since they now had their own pastor with them. On Ascension Day, which fell during the sea voyage, as well as on the Sundays, their preacher held divine service with them on the deck, and morning and evening a prayer hour. Their attention and desire for the Word of God was very great, and the longer they heard their preacher, the more gladly they heard him; indeed, when he fell sick on the way, the grief and lamentation over him were exceedingly great. But the LORD strengthened him again, and he arrived with them happily and safely (only four persons had died during the sea voyage) on the 27th of May, 1732, at 3 o'clock, in Königsberg. A great multitude of the inhabitants streamed out to meet the dear guests so long awaited and longed for, welcomed them and distributed gifts among them. The next morning they, together with those from the second ship, which had arrived during the night, were solemnly conducted into the city. The preachers of the cathedral, the school children and several thousand people met them. They were led, amid continual singing, into the cathedral, where Dr. Masecovius preached them a powerful sermon, by which they were greatly uplifted. On the 30th of May those from the third ship were met in the same solemn manner and led to the Altstadt Church, where Abraham Wolf preached to them. On the 31st of May the fourth ship came. It was already late in the evening, yet the Löbenicht preachers, together with the school, fetched them that same evening into the city and conducted them at 9 o'clock to the Löbenicht Church, where Lysius preached them a sermon, and the service lasted until after 11 o'clock. The fifth ship was met by the preachers of Sackheim, and nothing was allowed to be lacking to any of them in spiritual and bodily refreshment. When those who were going to Lithuania (several tradesmen and also cattle-keepers had already stayed behind in Königsberg) marched on again, Dr. Quandt gave them a farewell sermon on Luke 6, 22. 23: "Blessed are ye, when men shall hate you, and when they shall separate you from their company, and shall reproach you, and cast out your name as evil, for the Son of man's sake. Rejoice ye in that day, and leap for joy: for, behold, your reward is great in heaven." In conclusion he called out to them: "So go forth, then, my brethren and sisters in Christ, inhabit the land which the LORD your God has appointed you, fear God, honor the King!"—
And they had cause to praise and thank the LORD their God, as they also did, who had at last, after all the storms, brought them to rest, and had kept them on the way, and as his flock had snatched them from danger and gathered them to himself. They had cause also to honor the pious King highly, for in Lithuania they found everything gloriously prepared for their reception; the favor of Frederick William had provided for them like a father.—
Unionistic Passage to Rome,
Recommended for Non-Use, by K. Ströbel.
Under this title there is found in the first quarterly number of Rudelbach's journal for 1854 the review of a writing by a certain Lütkemüller, who, first a Prussian Lutheran, afterwards a pastor of the Prussian-Union church, has finally gone over to the Roman church, and seeks in the writing reviewed to justify this change of church. We cannot refrain from communicating to our readers some things from Ströbel's excellent review.
Ströbel writes first of Lütkemüller's earlier departure from the Lutheran church: "Mr. L. imagines that he has renounced the Lutheran heresy (Ketzerei). By no means! How can he renounce it, since in reality it never was his religion? His whole book is witness that he has not lived through the Gospel within himself. He went out from us, but he was not of us. Whoever has had the Gospel become experience to him thinks of Popery only with disgust."
After Ströbel has then communicated Lütkemüller's description of the bottomless nature of the Union church, he shows that Lütkemüller finds his own image in the bottomless Union church, and that the Union church sees in Lütkemüller, her fully reared son, the end toward which she is hastening. Ströbel writes among other things the following: "Mr. Lütkemüller's wanderings bear the stamp of the Union, those of the Union the Lütkemüller stamp. He is for that very reason the most dangerous enemy that has ever risen against it, because its own heart's blood pulses in his veins. He holds up to the Union state church in his book the mirror of experience, in which it can behold its unavoidable future. Yes, its unavoidable future! For all religious adventurousness, as a breaking loose from the eternal norms of divine right, leads unavoidably into the arms of the Antichrist. The frivolous hope of seeing a rich Christian life bloom and ripen on the stem of the Union planted in 1817 has already now come wholly to nothing; from the inner driving force of this tree no one any longer expects any other fruit than friendship of the Lightists, Free-congregationism and similar wild berries, or at most a hollow pietism, a dead work-righteousness. The only hope still rests on the attempt to ennoble it from without by grafting and budding; but every experienced gardener knows that in this way no new strength, no rejuvenated blood, but only twigs and eyes can be supplied to a stem, and that the fairest shoots of the fig tree wither at once when they are planted in the sap of the thorn bush. All endeavors to awaken and to fix (firiren, make fast) confessional, especially Lutheran, religiosity in such a Union are like violent blows in the water, which after a momentary (instantaneous) agitation leave no trace behind.*) Lütkemüller's
*) Oh that this might be considered by those among the Unionists here to whom it is truly a matter of the spreading of the kingdom of God, and who therefore appropriate more and more of what is Lutheran! That they might not let themselves be ruled by the thought that the Union is now once for all an historical fact and has, just as well as other church formations, a right to live! that they might not employ the noble powers for the further building of a house that on the sand