Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 21 › Seite 163

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-06-06, Seite 163

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſetz 20 · Katechismus 3

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Kirche. Vor derselben empfingen sie, bei großem Zudrang des Volkes, die Kirchenvorsteher und einige lutherische Magistratspersonen, inwendig die Prediger. Es wurden ihnen Plätze mitten in der Kirche angewiesen, und sie hörten mit gespannter Aufmerksamkeit und großer Innigkeit Urlspergers Bußtagspredigt an. Nachher vertheilte man Traktate u. Bibeln nebst andern Büchern unter sie und geleitete sie wieder, als sie unter lautem Gesang abzogen. So viel über ihre Reise durch Augsburg*)

*) Der oben erwähnte ungenannte Augsburgische Prediger mag wohl der damalige Diakonus an der St. Anna Kirche M. Johann Ulrich Hildebrand gewesen sein, dem wir eine Nachricht über 8, im Herbste 1737 nachgekommene Salzburgische Emigranten verdanken, die Einsender nicht umhin kann, hier anzufügen. In dem von ihm herausgegebenen Spener'schen „Tugendspiegel christlicher Jungfrauen“ macht derselbe in Betreff des „Paradiesgärtleins“ Joh. Arnds folgende Anmerkung:
„Es ruhet ohnedem auch noch heut zu Tage ein großer Segen auf diesem Paradiesgärtlein. Wie dann erst vor 14 Tagen einige Familien und Personen aus Salzburgischen Landen allhier (Augsburg) angelanget sind, welche sonsten zwar zur römisch-katholischen Religion geschworen und sich öffentlich dazu bekannt hatten, auch willens waren, bei derselben zu verbleiben, jedoch aber fast bloß um dieses Paradiesgärtleins willen des Landes auf ewig verwiesen und dadurch 8 Personen von denselben in unsere evangel. Kirche gleichsam mit Gewalt hereingestoßen worden sind, weil sie dasselbe zum Theil gelesen, zum Theil aber zwar nicht gelesen, sondern nur gewußt, wer es besitze und solches nicht angegeben hatten. Gott lasse sie jetzo desto mehrere Kraft des Geistes aus demselben in ihre Seelen sammeln, da sie es nun sammt der h. Schrift selbst und andern geistreichen Büchern unverwehrt bei unserer Kirche lesen dürfen.“

Ein anderer Trupp der Emigranten kam zuerst bei Harburg, einer gleichfalls im schwäbischen Bayern, zwischen Donauwörth und Nördlingen liegenden Stadt, auf lutherischen Grund und Boden. Als sie denselben betraten, fielen sie auf ihre Kniee und dankten Gott, der ihnen bis hierher geholfen und sie den theuern Boden betreten ließ, welchen Glaubensgenossen bewohnten. Von einem Berge herab kam ihnen der erste lutherische Prediger entgegen. Wie einen Engel Gottes empfingen sie ihn (Gal. 4, 14.), und nahmen mit unbeschreiblicher Freude das Wort aus seinem Munde auf, als er zu ihnen über die Stelle redete: „Aufs erste danke ich meinen Gott durch Jesum Christum eurenthalben, daß man von euerem Glauben in aller Welt sagt!“ (Röm. 1, 8.). Und dann das Matth. 5.: „Selig sind, die da Leid tragen, sie sollen getröstet werden.“ Darauf begleitete man sie mit der ganzen Schule unter Gesang in die Stadt, speisete und tränkte sie und erwies ihnen alles Gute. —

Und wie auf ihrer Reise durch den lutherischen Theil des heutigen Bayern, so erfuhren sie auch gleiche Liebe auf ihrer Reise durch das lutherische Sachsen. Davon nur ein paar Beispiele.

Die Stadt Gera wurde durch die Nachricht von der Ankunft der Salzburger ganz in Bewegung gesetzt und Tausende der Bewohner eilten den theueren Gästen entgegen. Je länger sie verzogen zu kommen, desto größer wurde die Ungeduld der Städter. Endlich, schon in der Dämmerung, tönte über die schweigenden Fluren das Lied her: „Ein' feste Burg ist unser Gott.“ Mit Entzücken bewillkommte man die müden Pilger, und es entstand ein schöner Wettstreit, Etwelche an sich zu reißen und in seine Wohnung zur wohlbereiteten Erquickung zu führen. Tief in die Nacht wallte das freudentrunkene Volk in den Straßen auf und nieder und wie aus den Häusern die schönen Nachtgesänge ertönten, da stimmte in frommer Begeisterung auch das Volk auf den Straßen mit ein. Am andern Morgen hielten die Prediger einen feierlichen Gottesdienst in der Stadtkirche. Nach der Kirche ging ein rühriges, fröhliches Leben auf dem Markte an. An den Brunnen standen die Mägde, wuschen und glätteten mit emsigen Händen; Gera's Frauen und Jungfrauen hatten ihre Schreine geöffnet und aus ihrem Schatze Altes u. Neues hervorgeholt, sie nahmen den fremden Müttern ihre Säuglinge und hüllten sie sorgsam in frische Wäsche und Betten ein, oder waren von Kinderhaufen umringt, die sie unter freundlichen Gesprächen mit anmuthiger Geschäftigkeit anzogen, ausstrichen und aufputzten. Nachts war die Straße nach Schleiz mit unzähligen Laternen beleuchtet, um einen neuen Zug zu empfangen.

Noch ergreifender ist wohl folgende Begebenheit. Ein Emigrantentrupp stand auf dem letzten Berge vor Plauen, und sah mit herzlicher Betrübniß auf diese Stadt hinab, denn eine Feuersbrunst hatte kurz vorher den größten Theil derselben in Asche verwandelt. Aber doch läuteten die Glocken und die Bewohner kamen aus dem Schutt ihrer Wohnungen hervor und begrüßten die theuern Fremdlinge. Dann zogen sie mit denselben zur verbrannten Stadt hinab und theilten mit ihnen, auf den Trümmern ihres Wohlstandes ihr letztes Brot. Dies ist gewiß der beste Segen über die neu zu erbauenden Mauern gewesen.

So zogen diese Pilger singend von einer lutherischen Stadt zur andern, immer durch Kommissarien, welche man ihnen mit gab, geleitet, und versorgt mit des Leibes Nahrung und Nothdurft durch die Handreichung der brüderlichen Liebe, noch mehr aber versorgt mit dem Wort des Lebens durch Predigten, welche man ihnen überall hielt, durch Catechisationen, welche man mit ihnen anstellte u. durch Bibeln u. erbauliche Bücher, welche man unter sie vertheilte. Die Lieder, welche sie unterwegs sangen, waren: „Ein' feste Burg ist unser Gott ꝛc.“ — Von Gott will ich nicht lassen ꝛc. — Ach Gott, wie manches Herzeleid ꝛc. — Auf meinen lieben Gott ꝛc. — Wer nur den lieben Gott läßt walten ꝛc. — Befiehl du deine Wege ꝛc. — Selig ist der Tag, an dem ich muß scheiden ꝛc.“ — Und eins ihrer Lieblingslieder, war das Exulantlied, welches der in vorstehender Geschichte genannte Joseph Schaitberger bei seinem Auszuge 1684 in Salzburger Mundart verfertigete, und das, in unsere Ausdruckweise übergetragen, also lautet:

Ich bin ein armer Exulant,
Also thu ich mich schreiben;
Man thut mich aus dem Vaterland
Um Gottes Wort vertreiben.

Doch weiß ich wohl, HErr Jesu mein,
Es ist dir auch so g'gangen,
Jetzt soll ich dein Nachfolger sein,
Mach's, HErr, nach dein'm Verlangen,

Ein Pilgrim bin ich halt nunmehr,
Muß reisen fremde Straßen:
Drum bitt ich dich, mein Gott und HErr,
Du wollst mich nicht verlassen!

Den Glauben hab' ich frei bekennt,
Des darf ich mich nicht schämen,
Wenn man mich gleich ein'n Ketzer nennt
Und thut mirs Leben nehmen.

Ach steh mir bei, du treuer Gott,
Ich thu mich dir ergeben,
Verlaß mich nicht in meiner Noth,
Wenns kosten sollt mein Leben.

Kett'n und Band'n war'n mir mein Ehr
Um Jesu willen zu dulden,
Und dieses macht die Glaubenslehr
Und nicht mein bös Verschulden.

HErr, wie du willst, geb ich mich drein,
Bei dir will ich verbleiben,
Ich will mich in den Willen dein
Geduldig unterschreiben.

Muß ich auch gleich ins Elend fort,
Will ich mich doch nicht wehren,
Ich hoff' gewis, Gott wird mir dort
Auch gute Freund bescheren.

So geh' ich hin in Gottes Nam,
Alles ist mir genommen,
Doch weiß ich schon, die Himmelskron
Werd ich einmal bekommen.

So muß ich heut von meinem Haus
Die Kinder muß ich lassen;
Mein Gott, das treibt mir Zähren aus,
Zu wandern fremde Straßen.

Mein Gott führ' mich in eine Stadt,
Da ich dein Wort kann haben,
Darin will ich mich früh und spat
In meinem Herzen laben.

Soll ich in diesem Jammerthal
Noch lang in Armuth leben,
Gott wird mir dort im Himmelssaal
Ein' bess're Wohnung geben.

Der dieses Liedlein hat gemacht,
Der wird hier nicht genennet,
Des Pabstes Lehr hat er veracht't
Und Christum frei bekennet.

Als ein lebendiges Zeugnis von dem Geiste, in welchem diese Leute standen, stehe hier zugleich noch das Gebet eines Salzburgers auf der Reise. Es lautet also: „Nun du barmherziger Heiland, auf deinen mir längst ertheilten Befehl, dem ich mich in meiner Taufe verpflichtet gemacht, und um deiner Ehre und Lehre willen habe ich das liebe Kreuz aufgefasset, indem ich von den boshaftigen Feinden des seligmachenden Wortes bin verjaget und ins Elend getrieben worden. So stehe mir nun bei in dieser Noth und bescheere mir fromme Mitchristen, die sich meiner mildiglich annehmen. Stärke aber vor allem in mir den Glauben und das Vertrauen auf dich und laß mich alles Zeitliche williglich vergessen und in den Wind schlagen. O HErr Jesu, der du selber ein armer Pilgrim und Verwiesener auf Erden bist gewesen und allerlei Verfolgung ausgestanden hast, laß dichs nicht verdrießen, noch auf diese Zeit und mit mir hilflosen Exulanten herumzuziehen und mein treuer Gefährte zu sein. Jesus, mein Jesus! wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde, wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, o Gott! allezeit meines Herzens Trost und mein Theil. Jesus, mein Jesus! bin ich allein, so bist du mit dem ganzen Heer deiner himmlischen Diener bei mir.

English translation AI translation

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Church. In front of it they were received, amid a great concourse of people, by the church wardens and some Lutheran magistrates, inside by the preachers. Places were assigned them in the middle of the church, and they listened with tense attention and great fervour to Urlsperger's sermon for the day of repentance. Afterward tracts and Bibles, together with other books, were distributed among them, and they were escorted again as they departed with loud singing. So much about their journey through Augsburg.*)

*) The unnamed Augsburg preacher mentioned above may well have been the then deacon at the St. Anna Church, M. Johann Ulrich Hildebrand, to whom we owe a report about 8 Salzburg emigrants who arrived later in the autumn of 1737, which the contributor cannot refrain from adding here. In the "Tugendspiegel christlicher Jungfrauen" of Spener, published by him, he makes the following remark concerning Joh. Arnd's "Paradiesgärtlein":
"Even apart from this, a great blessing rests still today upon this Paradiesgärtlein. As indeed only 14 days ago some families and persons from the Salzburg lands arrived here (Augsburg), who had formerly indeed sworn to the Roman Catholic religion and openly professed it, and also were minded to remain in it, but yet, almost solely for the sake of this Paradiesgärtlein, were banished from the country forever and thereby 8 persons of them were, as it were, thrust by force into our evangelical Church, because they had read it in part, and in part indeed had not read it but only known who possessed it, and had not given notice of it. May God let them now gather the more power of the Spirit from it into their souls, since they may now read it, together with the Holy Scriptures themselves and other spiritual books, unhindered in our Church."

Another troop of the emigrants first came upon Lutheran soil at Harburg, a town likewise in Swabian Bavaria, lying between Donauwörth and Nördlingen. When they set foot on it, they fell on their knees and thanked God, who had helped them thus far and let them tread the dear ground inhabited by fellow believers. From a hill the first Lutheran preacher came down to meet them. They received him as an angel of God (Gal. 4, 14.), and with unspeakable joy took up the Word from his mouth, when he spoke to them upon the text: "First, I thank my God through Jesus Christ for you all, that your faith is spoken of throughout the whole world!" (Rom. 1, 8.). And then that of Matth. 5.: "Blessed are they that mourn, for they shall be comforted." Thereupon they were accompanied with the whole school, singing, into the town, were fed and given drink, and shown all kindness. —

And as on their journey through the Lutheran part of present-day Bavaria, so they experienced the same love on their journey through Lutheran Saxony. Of this only a couple of examples.

The city of Gera was thrown into complete commotion by the news of the arrival of the Salzburgers, and thousands of the inhabitants hastened to meet the dear guests. The longer they delayed in coming, the greater grew the impatience of the townsfolk. At last, already in the twilight, the song sounded over the silent fields: "A mighty fortress is our God." With delight they welcomed the weary pilgrims, and a beautiful contest arose to seize some of them and lead them to one's dwelling for well-prepared refreshment. Deep into the night the joy-intoxicated people surged up and down in the streets, and as the beautiful night songs rang out from the houses, the people in the streets joined in with pious enthusiasm. The next morning the preachers held a solemn divine service in the town church. After church a stirring, cheerful life began in the market. At the fountains stood the maids, washing and smoothing with busy hands; the women and maidens of Gera had opened their chests and brought out of their treasure things old and new, they took the babies from the strange mothers and wrapped them carefully in fresh linen and bedding, or were surrounded by swarms of children, whom they dressed, smoothed down and tidied up, with pleasant talk and charming busyness. At night the road toward Schleiz was lit with countless lanterns, to receive a new company.

Still more moving is the following occurrence. A troop of emigrants stood on the last hill before Plauen, and looked down with heartfelt sorrow upon that town, for a conflagration had shortly before turned the greater part of it to ashes. Yet the bells rang, and the inhabitants came forth from the rubble of their dwellings and greeted the dear strangers. Then they went down with them to the burned town and shared with them, amid the ruins of their prosperity, their last bread. This was surely the best blessing upon the walls to be built anew.

Thus these pilgrims journeyed singing from one Lutheran city to another, always escorted by commissaries who were given them, and provided with bodily food and necessity through the helping hand of brotherly love, but still more provided with the Word of life through sermons which were preached to them everywhere, through catechizations which were held with them, and through Bibles and edifying books which were distributed among them. The hymns which they sang on the way were: "A mighty fortress is our God, etc." — From God I will not part, etc. — Ah God, how much heartache, etc. — Upon my dear God, etc. — Whoso lets the dear God rule, etc. — Commit thou thy ways, etc. — Blessed is the day when I must depart, etc." — And one of their favourite songs was the Exile Song, which Joseph Schaitberger, named in the foregoing history, composed at his departure in 1684 in the Salzburg dialect, and which, rendered into our manner of expression, runs thus:

I am a poor exile,
So do I write myself;
They drive me from my fatherland
For God's Word's sake.

Yet well I know, Lord Jesus mine,
It went with thee also so,
Now I shall be thy follower,
Do it, Lord, as thou wilt,

A pilgrim am I now henceforth,
I must travel strange roads:
Therefore I pray thee, my God and Lord,
Thou wouldst not forsake me!

The faith I have freely confessed,
Of that I need not be ashamed,
Though they call me a heretic
And take my life.

Ah stand by me, thou faithful God,
I give myself to thee,
Forsake me not in my need,
Though it should cost my life.

Chains and bonds were my honour
To suffer for Jesus' sake,
And this the doctrine of faith doth make
And not my wicked guilt.

Lord, as thou wilt, I yield myself,
With thee will I abide,
I will to thy will
Patiently subscribe.

Though I must go forth into exile,
I will not resist,
I hope assuredly God will provide me there
Also good friends.

So I go in God's name,
Everything is taken from me,
Yet I know full well, the crown of heaven
I shall one day obtain.

So today I must leave my house,
The children I must leave;
My God, that draws tears from me,
To wander strange roads.

My God, lead me into a city,
Where I may have thy Word,
Therein will I early and late
Refresh myself in my heart.

If in this vale of woe
I must still long live in poverty,
God will give me yonder in the hall of heaven
A better dwelling.

He who made this little song
Is not named here,
The Pope's doctrine he despised
And freely confessed Christ.

As a living testimony of the spirit in which these people stood, let there stand here likewise the prayer of a Salzburger on the journey. It runs thus: "Now thou merciful Saviour, at thy command long since given me, to which I bound myself in my baptism, and for the sake of thy honour and doctrine, I have taken up the dear cross, in that I have been driven away and banished into exile by the malicious enemies of the saving Word. So stand by me now in this distress and provide me with pious fellow Christians who will kindly take me in. But strengthen in me above all the faith and the trust in thee, and let me willingly forget all temporal things and cast them to the wind. O LORD Jesus, who thyself wast a poor pilgrim and exile on earth and didst endure all manner of persecution, let it not grieve thee still at this time to go about with me, a helpless exile, and to be my faithful companion. Jesus, my Jesus! if I have only thee, I ask nothing of heaven and earth; though my flesh and my heart fail, yet art thou, O God, always the comfort of my heart and my portion. Jesus, my Jesus! if I am alone, thou art with me with the whole host of thy heavenly servants.