Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 26 › Seite 205
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-08-15, Seite 205
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Es ist wahr, Ehrwürdige Brüder im Amte, wenn diejenigen, welche uns jetzt als bittere Feinde in einem heißen Kampfe entgegenstehen, aus diesem Todesfalle etwa beweisen wollten, daß der uns von ihnen angedrohte Fluch Gottes nun offenbar werde und daß Gottes Gerichte bereits sichtlich über uns hereinbrechen, so würden sie sich damit nur auf die Seite der blinden Welt stellen, die aus dem Creuz der Christen den Schluß macht, daß Gott der Christen nicht achte, ja ihr Feind sei und wider sie streite, und die aus dem zeitlichen Wohlergehen der Weltkinder folgerte, daß diese Gott im Schooße sitzen. Sie würden damit dem Worte Gottes widersprechen, welches lehrt, daß Gott gerade Seine liebsten Kinder am härtesten züchtiget und daß Er gerade den Sohn stäupet, den Er aufnimmt. Allein es bleibt immer wahr, was Moses, der Mann Gottes, im heil. Geiste bezeugt: durch plötzlichen Tod stellt Gott der Ueberlebenden Missethat vor sich und ihre unerkannte Sünde ins Licht vor Seinem Angesichte. O darum laßt uns denn nicht taub sein für Gottes Stimme, die auch uns hier entgegenschallt: Erkennet eure Sünde und thuet Buße! Laßt uns vielmehr unter Gottes gewaltige Hand uns demüthigen und jetzt, wo Gott plötzlich unsere Freudentage in Tage des Trauerns und der Klage verwandelt hat, an unsere Schuld gedenken und bußfertig an unsere Brust schlagend, ausrufen: Gott, sei uns Sündern gnädig! Gibt uns Gott einen Sieg nach dem anderen, segnet Er uns mit allem Reichthum Seines Segens, so warnt Er uns nun auch, daß wir hierbei nicht sicher werden, sondern erkennen, unsere Siege und unser Segen ist nicht unser Verdienst, sondern freie Gnade und Erbarmung, und was wir selbst aus unserem Eigenen dazu gethan haben, das war nur unsere Verkehrtheit u. unsere Sünde.
Doch, Gott predigt uns hier noch mehr.— Bedenket: wenn wir auf die Zurüstung eines Dieners Gottes viel Fleiß verwendet und viel Opfer dafür gebracht haben und wenn dann Gott auch einem solchen besonders schöne Gaben verleiht, dann beschleicht uns nur zu leicht der Gedanke, als seien wir Menschen es, auf deren Gaben, Weisheit, Treue und Fleiß allein das Heil der Kirche beruhe. Wer ist unter uns stets von solchen Gedanken frei gewesen? Wenn nun aber Gott gerade in den bedrängtesten Zeiten der Kirche derselben immer mehr junge, rüstige, eifrige und begabte Arbeiter nimmt, was will er da wohl den zurückbleibenden Arbeitern sagen? Offenbar nichts anderes, als dieses: Ich bedarf euer nicht! Und das ist es denn, was Gott auch uns ferner aus diesem Grabe heraus zuruft. O laßt es uns denn auch jetzt lernen und tief zu Herzen fassen: Gott braucht uns nicht! Wir sollen wohl unseren Mund, unsere Hände, unsere Herzen, kurz, alles dem Dienste Gottes und Seiner Kirche dargeben, was wir sind und haben; aber hierbei sollen wir an nichts denken, als daß wir darin Gott gehorsam sein wollen. Wir sollen nie dabei vergessen, daß wir's nicht sind, die die Kirche gründen, regieren, erhalten und schützen, sondern der HErr, der uns dazu gebrauchen oder nicht gebrauchen kann. „So ist nun weder der da pflanzet, noch der da begießet, etwas, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.“ 1 Cor. 3, 7.
Doch, m. th. Br. im Amte, so wahr dieß ist, so dürfen wir doch nie vergessen, es ist ein großes Werk, das Gott in unsere Hände legt, wenn Er uns in Sein heil. Amt beruft; Er allein kann und muß zwar alles thun, aber dann bezeugt Er, Er will Sein heiliges seliges Werk durch uns thun. Er vertraut uns dann unsterbliche, durch Sein eigenes Gottesblut theuer erkaufte Seelen an, und wir sollen diesen Seelen sagen, was sie thun sollen, um selig zu werden. Wir sollen dem unbußfertigen Sünder sagen: Du mußt sterben! und dem bußfertigen verkündigen: Du sollst leben! Wir sollen die Todten erwecken, den Irrenden den rechten Weg zeigen, die Zweifelnden gewiß machen, die Schwachen stärken, die Kranken heilen, die Angefochtenen trösten, die Sterbenden hinüberleiten über den Abgrund des Todes und den Händen Gottes überantworten, kurz, „als die klugen Haushalter einem jeden zu rechter Zeit seine Gebühr geben.“ Luc. 12, 42. Und Gott will das Blut aller dieser uns anvertrauten Seelen einst von unseren Händen fordern!— Wenn nun Gott einen jungen Arbeiter plötzlich aus unserer Mitte nimmt, was predigt er uns da? Er ruft uns zu: Werdet treuer in Verwaltung des Amtes, das euch befohlen ist! Wirket, weil es Tag ist, denn es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. O so laßt uns denn auch auf diese Stimme hören! Laßt uns, was zu thun ist, nicht auf morgen aufschieben. Laßt uns eilen, allen zu verkündigen den ganzen Rath Gottes zu ihrer Seligkeit öffentlich und sonderlich. Laßt uns einhergehen mit brennenden Lichtern und an unseren Lenden gegürtet, damit, wenn der HErr den Hirtenstab uns aus den Händen nimmt, wir bereit sein, Rechenschaft zu geben Ihm, dem Richter der Lebendigen und der Todten.—
Doch nun, wende ich mich auch zugleich an euch, denen der theure Entschlafene zwar nicht ein Mitknecht im Amte, aber mit uns ein Mitbruder im Glauben war, an euch, ihr Zuhörer, und insonderheit an euch, geehrte gegenwärtige Vertreter unserer Gemeinden.
Auch euch predigt Gott heute aus diesem Grabe heraus. Und was ist das? Vor allem wiederum dreierlei: 1. Erkennet, rechtschaffene und begabte Prediger sind eine Gabe meiner freien Gnade, die ich jede Stunde wieder zurückrufen kann! 2. Betet daher nicht nur, daß ich euch diese edle Gabe schenke, sondern auch, daß ich sie euch erhalte! und endlich 3. Kaufet die Zeit aus, in welcher ich euch die Gnade schenke, ein solches köstliches Kleinod zu besitzen!—
Vielleicht zu keiner Zeit ist das heil. Predigtamt so verachtet gewesen, als in der gegenwärtigen. Nicht nur ist das eine Folge des Unglaubens, der jetzt wie eine Sündfluth über die Christenheit hereingebrochen ist, sondern leider! auch eine Folge davon, daß jetzt so viele elende Menschen das heilige Amt verwalten, die, indem sie dasselbe tragen, es durch ihre falsche Lehre u. durch ihr ungöttliches Leben nur schänden. Da kann es denn leicht geschehen, daß selbst ein wahrer Christ zu Geringschätzung auch seines treuen Predigers versucht wird. Wenn nun Gott einem treufleißigen Diener Seines Wortes bald Feierabend giebt, da ruft er daher mit lauter Stimme allen Zuhörern zu: Erkennet, rechtschaffene u. begabte Prediger sind eine Gabe meiner freien Gnade, die ich jede Stunde wieder zurückfordern kann! O so höret denn auch ihr, l. Br., auf diese aus diesem offenen Grabe in euer Ohr dringende Stimme Gottes! Erkennet, es ist nicht Menschenwerk, einen treuen Prediger schaffen, das ist Gottes Werk und Gabe. Stoßt euch daher nicht an ihren Gebrechen, so sie treu sind in dem Werke des HErrn. Verlanget nicht, daß sie Engel seien, während ihr Sünder seid. Haltet sie vielmehr hoch, theuer und werth als leicht verlierbare Gaben des allerhöchsten Gottes. Seid dankbar gegen sie. Vergesset aber vor allem nie, wer sie höret, der höret Christum, wer sie verachtet, verachtet Christum, wer aber Christum verachtet, der verachtet den, der ihn gesandt hat, den großen, ewigen u. lebendigen Gott selbst.
Erinnert euch aber, l. Br., Gott an diesem Grabe daran, daß rechtschaffene Prediger Seine Gabe sind, die er geben und nehmen kann, so ruft er euch freilich auch laut und ernstlich zugleich zu: Bittet doch den Herrn der Erndte, daß Er Arbeiter in Seine Erndte sende und die Ausgesendeten erhalte! O wie mancher treue und theure Knecht mag schon heimgerufen worden sein, weil man die Gabe Gottes an ihm nicht erkannte! Wie mancher mag schon in seiner Jugend dahin gerafft worden sein, den Gott gern Seiner Kirche geschenkt hätte, wenn sie ernstlich darum gebetet hätte! Auf wie manches eifrigen Dieners JEsu Christi Herz mag auch jetzt der Tod noch ferner zielen, das nur dann nicht auch getroffen wird, wenn viele brünstige Christengebete sich davor zum undurchdringlichen Schilde machen!—
Doch, m. Th., noch Eins! Gott sendet seine Knechte nicht dazu aus, daß man sich nur an ihren Gaben ergötze und in der Noth an ihnen treue Freunde und Tröster habe, sondern vor allem, daß man sich von ihnen den schmalen Weg leiten lasse, der zum Himmel führt; daß man daher ihre Lehre und ihren Unterricht als Gottes Lehre und Unterricht annehme, ihren Trost als Gottes Trost, ihre Strafe als Gottes Strafe, ihre Drohungen als Gottes Drohungen, und daß man so durch sie erleuchtet, erweckt, bekehrt, vor allen Irrwegen bewahrt und endlich selig gemacht werde. Läßt nun Gott einen treuen Knecht sterben, so ruft er allen Zuhörern zu: O kaufet die Zeit aus, in welcher ich euch die große Gnade schenke, ein solches köstliches Kleinod zu be-
English translation AI translation
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It is true, Reverend Brethren in the office, if those who now stand against us as bitter enemies in a hot conflict were to attempt to prove from this death that the curse of God which they have threatened us with is now becoming manifest, and that God's judgments are already visibly breaking in upon us, they would thereby merely take their place on the side of the blind world, which draws from the cross of Christians the conclusion that God does not regard Christians, indeed is their enemy and fights against them, and which inferred from the temporal prosperity of the children of the world that these sit in God's lap. They would thereby contradict the Word of God, which teaches that God chastens most severely precisely His dearest children and scourges precisely the son whom He receiveth. Nevertheless it remains ever true what Moses, the man of God, testifies in the Holy Ghost: by sudden death God sets the misdeed of the survivors before them, and their secret sins in the light of His countenance. O therefore let us not be deaf to God's voice, which also calls out to us here: Acknowledge your sin and repent! Let us rather humble ourselves under God's mighty hand, and now, when God has suddenly turned our days of joy into days of mourning and lamentation, think of our guilt and, smiting upon our breast in repentance, cry out: God be merciful to us sinners! If God gives us one victory after another, if He blesses us with all the riches of His blessing, He warns us now also that we should not become secure thereby, but acknowledge that our victories and our blessing are not our merit, but free grace and mercy, and that whatever we ourselves have done of our own in the matter was only our perversity and our sin.
Yet God preaches still more to us here.— Consider: when we have bestowed much diligence on the preparation of a servant of God and have made many sacrifices for it, and when then God bestows especially fine gifts on such a one, the thought only too easily steals over us, as though it were we men upon whose gifts, wisdom, faithfulness and diligence alone the welfare of the Church depended. Who among us has always been free of such thoughts? But if God, precisely in the Church's most distressed times, takes from it ever more young, vigorous, zealous and gifted laborers, what will He then say to the laborers who remain behind? Plainly nothing other than this: I have no need of you! And that is just what God also calls to us further from this grave. O let us then learn it now also and take it deeply to heart: God has no need of us! We should indeed give our mouth, our hands, our hearts, in short, everything, to the service of God and His Church, what we are and have; but in doing so we should think of nothing except that we wish to be obedient to God therein. We should never forget in this that it is not we who found, govern, preserve and protect the Church, but the LORD, who can use us for it or not use us. "So then neither is he that planteth any thing, neither he that watereth; but God that giveth the increase." 1 Cor. 3, 7.
Yet, my dear brethren in the office, true as this is, we must never forget that it is a great work which God lays in our hands when He calls us into His holy office; He alone can and must do everything, but then He testifies that He will do His holy, blessed work through us. He then entrusts to us immortal souls, dearly purchased with His own blood of God, and we are to tell these souls what they are to do in order to be saved. We are to say to the impenitent sinner: Thou must die! and to proclaim to the penitent: Thou shalt live! We are to awaken the dead, to show the erring the right way, to make the doubting sure, to strengthen the weak, to heal the sick, to comfort the tempted, to lead the dying across the abyss of death and deliver them into God's hands, in short, "as wise stewards to give to each in due season his portion." Luke 12, 42. And God will require the blood of all these souls entrusted to us at our hands one day!— When now God takes a young laborer suddenly from our midst, what does He preach to us thereby? He calls to us: Become more faithful in the administration of the office that is committed to you! Work while it is day, for the night cometh, when no man can work. O let us then also listen to this voice! Let us not put off till tomorrow what is to be done. Let us hasten to declare to all the whole counsel of God for their salvation, publicly and from house to house. Let us walk with burning lights and with our loins girded, so that, when the LORD takes the shepherd's staff from our hands, we may be ready to give account to Him who is the Judge of the quick and the dead.—
But now I turn at the same time to you, to whom the dear departed was indeed not a fellow-servant in the office, but with us a fellow-brother in the faith, to you, hearers, and especially to you, honored present representatives of our congregations.
To you also God preaches today out of this grave. And what is that? Above all, again, threefold: 1. Acknowledge that faithful and gifted preachers are a gift of my free grace, which I can call back at any hour! 2. Pray therefore not only that I may give you this noble gift, but also that I may preserve it to you! and finally 3. Redeem the time in which I give you the grace to possess such a precious jewel!—
Perhaps at no time has the holy ministry been so despised as in the present. Not only is this a consequence of the unbelief which has now broken in like a deluge over Christendom, but, alas! also a consequence of this, that so many wretched men now administer the holy office who, while they bear it, only disgrace it by their false doctrine and by their ungodly life. Then it may easily happen that even a true Christian is tempted to despise his faithful preacher also. When now God gives a faithful servant of His Word his rest from labor soon, He therefore calls out with a loud voice to all hearers: Acknowledge that faithful and gifted preachers are a gift of my free grace, which I can demand back at any hour! O so hear then also, ye, dear brethren, this voice of God sounding into your ear from this open grave! Acknowledge, it is not the work of man to create a faithful preacher, that is God's work and gift. Take not offense, therefore, at their infirmities, if they are faithful in the work of the LORD. Demand not that they be angels, while ye are sinners. Hold them rather high, dear and precious, as gifts of the Most High God, easily lost. Be thankful toward them. But above all forget never: he that heareth them heareth Christ, he that despiseth them despiseth Christ, and he that despiseth Christ despiseth Him that sent him, the great, eternal and living God Himself.
But if, dear brethren, God at this grave reminds you that faithful preachers are His gift, which He can give and take, then He also calls to you, indeed, loudly and earnestly at the same time: Pray ye therefore the Lord of the harvest, that He will send forth labourers into His harvest, and preserve those that are sent out! O how many a faithful and dear servant may already have been called home because men did not recognize the gift of God in him! How many a one may already have been snatched away in his youth, whom God would gladly have given to His Church if it had earnestly prayed for it! At how many a zealous servant of JESUS Christ's heart may death even now be aiming, which will only then not be struck also if many fervent prayers of Christians make themselves an impenetrable shield against it!—
Yet, my dear friends, one thing more! God sends out His servants not for this, that men should merely delight in their gifts and have in them faithful friends and comforters in need, but above all that men should let themselves be led by them on the narrow way that leadeth to heaven; that men therefore should accept their doctrine and their instruction as God's doctrine and instruction, their comfort as God's comfort, their rebuke as God's rebuke, their threatenings as God's threatenings, and that thus, enlightened, awakened, converted by them, preserved from all wrong ways, men may at last be made blessed. If now God lets a faithful servant die, He calls to all hearers: O redeem the time in which I give you the great grace to pos-