Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 26 › Seite 206

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-08-15, Seite 206

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sitzen! Wohlan, ihr Zuhörer, laßt euch dieß den HErrn aller Herren nicht vergeblich jetzt zurufen, und ihr, geehrte Vertreter unserer Gemeinden, nehmt dieses Wort unseres Gottes, das hier an euch erging, als einen Schatz mit hinweg und theilt ihn denen mit, in deren Namen ihr hier erschienet.

Möge aber endlich Gott der HErr selbst seine mächtige Stimme aus diesem Grabe weithin erschallen lassen, über alle Prediger und Gemeinden unseres Verbandes, ja über dieses ganze Land; und möge diese Stimme allenthalben niederbeugen und aufwecken, so aus diesem Grabe Leben ausfließen in viele, viele Herzen und also unsere Wunden geheilt werden. Es thue dieß Gott der Vater durch Seinen werthen heiligen Geist um JEsu Christi, Seines lieben lieben Sohnes, unseres HErrn und Heilandes willen. Amen! Amen!

Der Abfall
der Gemeinde zu Shebahyonk. *)

*) Wir machten von diesem traurigen Vorfalle schon mündlich auf der letzten Synodalversammlung zu St. Louis Mittheilung und schütteten unsern Kummer in die Herzen der treuen Brüder aus. Doch war es der allgemeine Wunsch, auch eine specielle Erzählung davon in diese Blätter abdrucken zu lassen, damit alle Glieder unserer Gemeinde ein lebendiges Bild von dem Jammerstande in Shebahyonk bekämen und so zur treuen Fürbitte bei dem Vater aller Barmherzigkeit ihre Zuflucht nähmen.

Schon die Ueberschrift dieser Einsendung fordert den lieben Leser auf, sich auf einen traurigen Bericht gefaßt zu machen, den wir nicht länger verhehlen dürfen, weil die Herzen aller derer, die das Traurige mit erlebt haben, zu voll des Schmerzes sind, als daß sie nicht ihre Brüder und Schwestern auffordern sollten, ihnen das große Leid tragen zu helfen, das uns widerfahren ist.

Wenn Verbindungen der Welt eine Zeitlang bestanden haben, so wundert sich vielleicht Dieser oder Jener, wenn sie plötzlich gelöst werden; doch findet man sich leicht darein, wenn der erste Schreck vorüber ist; aber wenn Glieder vom Leibe Christi sich ablösen, die er, der treue Hirte, zu seiner Heerde gesammelt und zur ewigen Seligkeit bestimmt hatte, ohne daß sie wiederkehren, ja, wenn selbst eine ganze Christengemeinde dem Teufel wieder zur Beute wird, so trauert der Christ nicht blos Tage und Wochen, sondern Zeit seines Lebens ängstet es ihn, daß so theuer erkaufte Seelen verloren gehen konnten.

Es ist dies der Fall mit den früheren Christen zu Shebahyonk an der Saginaw-Bay. Die lieben Leser wissen, welch eine liebliche Pflanzung Gottes unter den Heiden daselbst noch vor wenigen Monden war; sie wissen, welch köstliche Bekenntnisse von der christl. Gemeinde der dortigen Indianer gethan worden waren; sie wissen, wie willig sie gewesen waren, um des Wortes Gottes willen selbst die Heimath zu verlassen, und noch im verflossenen April zu ihren Brüdern nach Bethanien aufzubrechen, sobald das Zuckermachen beendigt worden sei. Ach, daß wir berichten könnten, daß Alles zum herrlichen Ziele gekommen sei! Aber dem ist nicht so. Mit blutendem Herzen schreiben wir Folgendes:

Ein englischer Indianerhändler hatte im März dieses Jahres Veranlassung, einen Abend und die folgende Nacht bei einer Indianerfamilie in Shebahyonk zuzubringen. Bei der Abendunterhaltung kam auch die Rede auf den großen Umzug nach Bethanien, den die Indianer, wie sie sagten, mit großer Ungeduld erwarteten. Da säet der Fremde bösen Verdacht in die Herzen der unbefangenen Seelen und macht ihnen Vorwürfe, daß sie sich zu solchem Umzuge hätten bereden lassen. Der werde zu ihrem großen Schaden sein. Ihre Pfaffen wollten sie ins Unglück führen.— Je leichtgläubiger die Indianer von Natur sind, desto größer wird ihre Aufregung; der Teufel ist geschäftig und schürt die bösen Gedanken. Die Indianer ergaben sich denselben und fortan sahen sie ihren Missionar Auch, dem sie bisher wie Kinder ihrem Vater vertraut hatten, mit mißtrauischen Augen an. Zwei von ihnen begleiteten den rückkehrenden Gast nach Lower-Saginaw und brachten von dort eine förmliche Bestätigung des eben eingesogenen Verdachts mit. Einige englische Händler in dieser Stadt, besorgt über den Verlust einiger Handelsvortheile, die ihnen bisher durch die nahe wohnenden Indianer zu Theil geworden waren, sahen ihrem Wegzuge mit großem Verdruß entgegen und hörten nicht auf, die beiden Indianer mit folgenden Vorstellungen zu bestürmen: „Mehr als die Hälfte aller Pastoren seien Betrüger, sie predigten aus einem Lügenbuche (der Bibel); dieses Buch sei zum Unglück der Leute da; die Indianer sollten aus ihren Wohnsitzen in Sklaverei und Knechtschaft vertrieben werden. Sie sollten Solches ja nicht dulden und die Fesseln abwerfen.“

Diese Einflüsterungen des Teufels wurden von den einmal argwöhnisch gemachten Indianern willig aufgenommen und von ihnen bei ihrer Rückkehr den andern Stammesgenossen mitgetheilt. Jetzt war das ganze Dorf wie umgewandelt.— Der Missionar Auch hatte, nachdem die beiden Indianer mit ihren losen Berichten am Donnerstage heimgekommen waren, wie gewöhnlich, am Freitag Abend das Glöcklein zur Andacht geläutet. Es fiel ihm auf, daß nur 6 Männer und eine Frau sich dazu einfanden, da solch geringer Besuch der Gottesdienste vorher nie erhört gewesen war. Nach dem Schlusse des Gottesdienstes nähert sich der Häuptling Meganigischik dem Missionar und kündigt ihm mit auffallender Gereiztheit an, daß er morgen mit ihm und den übrigen Indianern ein „Council“ abhalten wolle; aber, setzt er hinzu, nicht in der Kirche, sondern in seinem eignen Hause. Diese letzte Bemerkung, sowie die Bitterkeit, mit welcher er sprach, waren dem Missionar Beweis genug, daß ein böser Geist unter die Indianer gefahren sei, und bald sollte ers bestätigt finden. Am andern Tage fand er sich nämlich, wenn auch mit schwerem Herzen, zu dem bestimmten Council ein und erfuhr nun Alles, was der Teufel ihm angerichtet hatte. Nachdem er sich von seinem ersten Schrecken erholt hatte, unterrichtete er die Anwesenden von dem schrecklichen Abgrunde des Verderbens, an den sie durch die Feinde des Reichs Gottes geführt seien und bat sie mit Thränen, den HErrn und Sein Wort nicht zu verwerfen; aber dies Alles war ohne jeglichen Erfolg. Auch die Androhung des Zornes Gottes und der ewigen Verdammniß, falls sie nicht wieder nüchtern würden aus des Teufels Strick, brachte nichts Anderes zu Wege, als eine freche Herausforderung Gottes, der sie nur strafen möge. Sie wollten sich nicht mehr betrügen lassen, so sagten sie.— Der Missionar Auch bat sie wiederholt, doch das Wort Gottes nicht so gar zu verachten; da sprachen sie wiederum davon, als von einem Lügenbuche; sie wollten Nichts mehr davon wissen. Der Häuptling Meganigischik äußerte, er werde forthin Nichts von alle dem mehr halten, was ihm das Wort Gottes auferlegt habe; allenfalls wolle er sich, wie früher, so auch fernerhin am Sonntage der Arbeit enthalten.

Bei allen diesen Vorgängen hätte dem treuen Seelenhirten das Herz brechen mögen; er wäre lieber in den Tod gesunken, als daß er solches hätte erleben mögen. Eine ganze Gemeinde, jahrelange mühsame Arbeit vor Menschenaugen verloren! Keiner ließ sich wieder zurücklocken!— Das war ein schweres Kreuz, ihm auferlegt, zu tragen.

Ein Fünklein der Hoffnung lebte in ihm noch, nämlich daß vielleicht die vorgefallenen Reden in Aufregung geschehen und bald bereut werden möchten. Aber auch diese Hoffnung schlug fehl.— Am folgenden Tage nämlich, einem Sonntage, läutete der Missionar, wie sonst, sein Missionsglöcklein und ging zur Kirche, um Gottesdienst zu halten. Aber Niemand von den Indianern erschien. Statt dessen gingen die jungen Burschen mit ihren Aexten an der Kirche vorbei, als wollten sie den Gottesdienst verhöhnen. Traurig und unverrichteter Sache mußte der Missionar nach Hause gehen.

Er wartete nun noch einige Wochen auf Umkehr, entbot auch noch einmal den Missionar Mießler sammt dem Dollmetscher von Bethanien zu sich, um die Treulosen abermals zu vermahnen, konnte aber keine allgemeine Zusammenkunft mehr erlangen, sondern man mußte die Leute partienweise in ihren Häusern aufsuchen.

Sie beharrten sämmtlich in ihrer Feindschaft gegen Gottes Wort und verachteten die väterliche Zusprache ihrer rechtgläubigen Lehrer. Das arme Volk! Hundertmal wirklich betrogen durch geistliche und weltliche Betrüger, läßt es sich nun, da ihm endlich durch Gottes Gnade die volle lautre Wahrheit des Wortes Gottes aus treuer Hirten Munde gepredigt wird, vom Teufel verblenden, auch seine treuen Lehrer als Verführer von sich zu weisen.

Der HErr hatte noch einmal in der Kürze deutlich zu ihnen gesprochen. Während nämlich bisher in der etwa 4 Jahre alten Christengemeinde noch kein einziger Todesfall aus den Indianern selbst vorgekommen war, so wurden in diesen selbigen Tagen zwei Jünglinge in einem Zustande gräßlicher Verzuckungen in einen plötz-

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sess such a precious jewel! Therefore, ye hearers, let this not be called to you in vain now by the LORD of all lords, and ye, honored representatives of our congregations, take this Word of our God, which has here come to you, with you as a treasure, and impart it to those in whose name ye have appeared here.

May finally God the LORD Himself let His mighty voice sound forth far and wide from this grave, over all preachers and congregations of our Synod, yea, over this whole land; and may this voice everywhere bow down and awaken, so that from this grave life may flow forth into many, many hearts, and thus our wounds be healed. This may God the Father do through His worthy Holy Ghost, for the sake of JESUS Christ, His dear, dear Son, our Lord and Saviour. Amen! Amen!

The Apostasy
of the Congregation at Shebahyonk. *)

*) We communicated this sad occurrence orally already at the last Synodical meeting at St. Louis, and poured out our grief into the hearts of the faithful brethren. Yet it was the general wish that a special narrative of it also be printed in these pages, so that all members of our congregation might receive a living picture of the wretched state of things in Shebahyonk, and so take refuge in faithful intercession with the Father of all mercies.

The very heading of this communication calls upon the dear reader to prepare himself for a sad report, which we may no longer withhold, because the hearts of all those who have lived through the sorrow with us are too full of grief not to call upon their brethren and sisters to help them bear the great affliction that has befallen us.

When worldly connections have existed for a time, it may be that one or another wonders when they are suddenly dissolved; yet one soon reconciles oneself to it, when the first shock is past; but when members fall away from the body of Christ whom He, the faithful Shepherd, had gathered to His flock and appointed to eternal salvation, without their returning, yea, when even a whole Christian congregation again becomes the prey of the devil, the Christian mourns not merely days and weeks, but all the time of his life it distresses him that souls so dearly purchased could be lost.

Such is the case with the former Christians at Shebahyonk on the Saginaw Bay. The dear readers know what a lovely plantation of God among the heathen there it still was a few months ago; they know what precious confessions had been made by the Christian congregation of the Indians there; they know how willing they had been, for the sake of God's Word, even to leave their home, and still in the past April to set out for their brethren at Bethany as soon as the sugar-making should be finished. Ah, that we could report that all had come to the glorious goal! But it is not so. With bleeding heart we write what follows:

An English Indian trader had occasion in March of this year to spend an evening and the following night with an Indian family at Shebahyonk. In the evening conversation the talk also turned to the great removal to Bethany, which the Indians, as they said, were awaiting with great impatience. Thereupon the stranger sows evil suspicion in the hearts of the unsuspecting souls and reproaches them that they had let themselves be persuaded to such a removal. It would be to their great harm. Their priests wished to lead them into misfortune.— The more credulous the Indians are by nature, the greater becomes their agitation; the devil is busy and stirs up the evil thoughts. The Indians gave themselves up to them, and from then on they looked upon their missionary Auch, in whom they had hitherto trusted as children their father, with distrustful eyes. Two of them accompanied the departing guest to Lower Saginaw and brought back from there a formal confirmation of the suspicion just sucked in. Some English traders in that town, anxious about the loss of certain trade advantages which had hitherto fallen to them through the Indians living near, looked upon their departure with great vexation and ceased not to assail the two Indians with the following representations: "More than half of all pastors are deceivers, they preach out of a lying-book (the Bible); this book is there to the misfortune of the people; the Indians were to be driven from their dwelling-places into slavery and bondage. They should by no means suffer this, and should throw off the fetters."

These whisperings of the devil were willingly received by the Indians, once made suspicious, and communicated by them on their return to the other men of their tribe. Now the whole village was as if transformed.— The missionary Auch, after the two Indians had come home with their idle reports on Thursday, had, as usual, rung the little bell for devotion on Friday evening. It struck him that only 6 men and one woman appeared for it, since so small an attendance at the services had never been known before. After the close of the service the chief Meganigischik approaches the missionary and announces to him with striking irritation that on the morrow he wished to hold a "council" with him and the other Indians; but, he adds, not in the church, but in his own house. This last remark, as well as the bitterness with which he spoke, was proof enough to the missionary that an evil spirit had entered into the Indians, and soon he was to find it confirmed. On the next day he went, though with a heavy heart, to the appointed council and learned now all that the devil had wrought for him. After he had recovered from his first shock, he instructed those present concerning the dreadful abyss of perdition to which they had been led by the enemies of the kingdom of God, and besought them with tears not to reject the LORD and His Word; but all this was without any success. Even the threatening of the wrath of God and of eternal damnation, if they should not become sober again out of the devil's snare, brought nothing else to pass than an insolent challenge of God, that He might only punish them. They would not be deceived any more, so they said.— The missionary Auch begged them repeatedly not to despise the Word of God so utterly; then they spoke again of it as of a lying-book; they would know nothing more of it. The chief Meganigischik declared that he would henceforth hold nothing of all that the Word of God had laid upon him; at most he would, as formerly, so also henceforth abstain from work on Sunday.

At all these proceedings the heart might have broken in the faithful pastor; he would rather have sunk into death than have lived to see such a thing. A whole congregation, years of toilsome labor lost in the eyes of men! Not one let himself be lured back!— That was a heavy cross laid upon him to bear.

A little spark of hope still lived in him, namely that perhaps the words spoken had been uttered in agitation and would soon be repented of. But this hope also failed.— On the following day, namely, a Sunday, the missionary rang, as otherwise, his little mission bell and went to the church to hold divine service. But none of the Indians appeared. Instead of that the young fellows went past the church with their axes, as if they wished to mock the service. Sad and without having accomplished anything the missionary had to go home.

He now waited some weeks longer for a return, and summoned once more the missionary Mießler, together with the interpreter from Bethany, to him, in order to admonish the faithless once more, but could obtain no general assembly any more, but one had to seek the people out in their houses by parties.

They all persisted in their enmity against God's Word and despised the fatherly exhortation of their orthodox teachers. The poor people! Deceived a hundred times in truth by spiritual and worldly deceivers, now that at last through God's grace the full pure truth of God's Word is preached to them from the mouth of faithful shepherds, they let themselves be blinded by the devil to thrust away from them even their faithful teachers as seducers.

The LORD had once more spoken plainly to them in brief. For whereas hitherto in the Christian congregation, about 4 years old, no single death had occurred among the Indians themselves, in these same days two youths were snatched away in a state of dreadful convulsions into a sudden-