Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 1 › Seite 6
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-08-30, Seite 6
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bewahrt der HErr wohl auf. Glaubst du's, so gib ihm die übrigen Brocken. Warum zögert deine Hand? Leib und Seele willst du ihm vertrauen, befiehlst ihm täglich Haus und Hof, und die übrigen Brocken kannst du ihm nicht lassen, die mußt du ihm stehlen: denn gibst du sie ihm nicht, so stiehlst du sie, weil sie ihm gehören.
Nun so will ich den Deckel noch etwas weiter davon thun, wiewohl es besser wäre, ihr gäbet ohne das reichlicher, was der liebe HErr Christus für sich von euren übrigen Brocken fordert, am jüngsten Tage wäre die Freude desto größer. Er hebt es nicht allein wohl auf, er mehrt es auch und damit ich alles sage: mit Wucher, der in die Ewigkeit reicht bekommt ihr's in der Auferstehung wieder. Wie sollte er nicht, da er die sieben Brote, die von ihm unter das sündige Volk kommen bei den Sündern mehrt? Muß nicht viel reichlicher sich mehren, was aus dem Glauben, den er wirkte von seinen Gliedmaßen zu Ihm gebracht wird? Kann es bei Ihm, aus dessen Odem Himmel und Erde gequollen sind, einen Augenblick sein, ohne tausendfach zu wachsen? Wer wollte denn nicht gern die übrigen Brocken auf Wucher geben? Nun bei Ihm kannst du damit wuchern. Wer möchte sie nicht über's Meer fahren lassen, wenn sie so viel werth wären, damit dafür edlere Güter heimgebracht würden? Siehe, für ihn ist ein Trunk Wasser nicht zu schlecht; er nimmt ihn mit ins Schiff, das dem Gestade der sichtbaren Welt alle übrigen Brocken, kleine und große, die halben Hellerlein der Wittwe wie die Paläste derer, welche buchstäblich alles verließen und Christo nachfolgten entführt, um statt derselben, wenn Himmel und Erde im Feuer vergehen und der Geizigen reiche Habe im Rauch verfliegt mit unverwelklichen Kronen der Herrlichkeit zurückzukehren, die an allen soll offenbar werden, welche nicht bloß HErr HErr zu Christo sagen, sondern ihn auch Herr sein lassen, Herr auch über ihr zeitliches Gut.
Nun könnte ich schließen und auch diese übrigen Brocken Dem aufzubewahren geben, aus dessen Segenshand sie auf mein Flehen in unsern Schooß gefallen sind. Ich muß aber doch noch Eines sagen. Es denke ja Niemand, daß der HErr deswegen die übrigen Brocken haben wolle, weil er sie bedürfte oder weil solches Werk noch dazu kommen müßte, damit er sich gegen uns als den Heiland erzeigen könnte, der unsere Sünden vertilget hat und uns die Himmelsthür aufthut. Wenn Einer so irrige Gedanken aus dieser Predigt schöpfen sollte, so möchte ich sie lieber nicht gehalten haben. Der HErr hat aber selbst im Evangelio einen Riegel vorgeschoben. Wenn er ohne alle Zurüstung die welche sein Wort annehmen in der Wüste speiset, daß seine Jünger reicher davon werden als sie vorher waren, so dürfen wir ja nicht zweifeln, er bedürfe weder für sich, noch für seine Knechte, noch für sein ganzes Volk der übrigen Brocken, die ihm der Glaube in freier Liebe opfert, willig im heiligen Schmuck, wie David im 110ten Psalm bezeugt. Er könnte leicht Prediger mit Haufen senden, die in keine andre Hand zu sehen brauchten als in die seinige, zu den Heiden, wie unter die ganze Christenheit. Er bedürfte weder der Seminarien, noch der Synoden, ja auch die Kirchhäuser könnte seine Macht ohne Wolken- und Feuersäule leicht ersetzen. Daß er andere Wege geht geschieht nicht deßwegen, weil ihm etwa nur der, welchen wir sehen offen ständen, oder damit wir ihn hülfen, daß wir selig würden: was das Letzte betrifft, so haben wir Gnade und Seligkeit vollkommenes kann uns daran nichts mehr zuwachsen-durch sein Blut; sondern weil der Glaube die Ehre haben soll, wie er Christum ganz hat, so auch gegen die ungläubige, irr- und schwachgläubige Menschheit an Christi Statt zu treten, in der Gemeinschaft seiner Liebesarbeit zur Rettung der Verlornen seine Seligkeit zu schmecken. Von dem der nicht glaubt, der nicht zuvor in Christo Gott und den Himmel hat fordert der HErr keines von dem allen.
Und nun genug des Redens von dem, was täglich unser Leben regieren soll. Der HErr nehme uns mit unsrer Schwachheit an seine Brust und lasse uns in seiner Pflege erstarken. Was seine Hand auf des Herzens Grunde angezündet hat glimme dann immerhin unter der Asche. Genug, daß Er es dort ersieht.
Wo aber noch vor unserm kurzsichtigen Auge, in welchem mit dem Licht der Liebe das Licht der Hoffnung, von der St. Paulus schreibet [1 Cor. 13, 7.] so bald erlischt, Tod des Unglaubens hauset und nur satanische Freude nährt, wollest Du, dem alle Dinge möglich sind, doch dereinst helle Flammen von deinem Altar anfachen.
Wenn Dein Tag kommt, werden wir Alle herrlicher hervorbrechen. Gib, daß dann auch das Opfer meiner Lippen in reinerer Lohe zu Dir aufsteige! Amen. HErr JEsu! Amen.
(Eingesandt von K.)
Trost für Eltern
bei dem frühen Dahinscheiden ihrer Kinder.
Wie schwer es oft hält, solche Eltern zu trösten, das sehen wir an dem Beispiele Jakobs bei dem Verlust seines geliebten Josephs (1. Mos. 37, 35.) und der Mütter zu Bethlehem bei dem grausamen Tode ihrer Kinder (Matth. 2, 17. 18.). Doch kann sich einer immer leichter trösten, als der andere. Der hl. Jakob konnte seinen Liebling ganzer 22 Jahre nicht vergessen, Hiob dagegen ertrug den plötzlichen Tod aller seiner 10 erwachsenen Kinder zusammt dem Verlust aller seiner zeitlichen Güter mit einem solchen Glaubensmuth, daß er ausrief: Der HErr hats gegeben, der HErr hats genommen; der Name des HErrn sei gelobt! (Hiob 1, 21.)
Nun ist freilich für alle solche betrübte Herzen das Wort Gottes und namentlich der Psalter, die allerreichste und süßeste Trostquelle, doch dringt dieser Trost oft um so tiefer ins Herz und haftet um so fester darin, wenn wir die Kraft desselben an solchen Christen ersehen, die dadurch in ähnlicher Trübsal überschwenglich getröstet worden sind. *)
*) Ich mache hierbei auf 2 Aufsätze im 4ten Jahrg. dieser Zeitschrift aufmerksam. Der erste steht in No. 18. unter der Aufschrift: Gottes Absicht, wenn er unsere Kinder sterben läßt; der andere findet sich in No. 23., überschrieben: Warum hast du das gethan? Besonders verdient der letztere wieder abgedruckt zu werden, da er vielen jetzigen Lesern des „Lutheraners“ nicht zugänglich ist.
Eben deshalb wird der nachstehende Brief des bekannten Würtembergischen Theologen Dr. J. A. Bengel, der aus dessen Lebensbeschreibung von Burk genommen ist, eine willkommene Gabe sein. Seine Ehe war mit 12 Kindern gesegnet, wovon die Hälfte in zarter Kindheit ihm in die Ewigkeit vorangingen. Diesen Brief schrieb der theure Mann an seine Eltern bald nach dem Begräbniß seines Töchterchens Regina, die Gott schon nach 1 Jahre zu sich in dem Himmel nahm. Es will aber dieser Brief, wie alles, was dieser schrifterfahrene Mann geschrieben hat, nicht bloß flüchtig überlesen, sondern Satz für Satz erwogen werden.
Am Tage Regina 1722, den 7. Sept.
Wir sagen Dank nicht allein für die unserer seligen und annoch lieben Anna Regina übersandten Kränze, sondern auch vornehmlich für das bezeugte älterliche Mitleiden; dagegen ich mich verbunden achte von demjenigen, was Gott unter dieser Heimsuchung von seiner Liebe blicken ließ, in Einfalt etwas mitzutheilen. Als ich sechs Wochen vor meinem Kinde die rothe Sucht hatte, und meinte, mein Herz sollte mir bei voriger, also auch bei dieser Unpäßlichkeit zu einiger zärteren Empfindung kommen, fand sich doch solches damalen zu rechtem Mißfallen an mir selber nicht; ich klagte auch solches meinem Freunde, der mich besuchte, und fügte hinzu: es müßte etwas Schärferes kommen, dadurch ich erweicht würde.
Dieses nun hat eingetroffen, indem ich, als unser liebes Kind in seinen letzten Stunden kläglich dalag, einen recht empfindlichen Angriff an meinem Inwendigen gehabt habe; so daß ich noch vor seiner Auflösung mehr Trauerns verspürt, als über unsere zwei vorigen seligen Kinder, und bei andern dergleichen Gelegenheiten miteinander.
Aber eben hierunter wurde ich bereitet, ohne Scheu vor den Umstehenden, das Kind mit Gebet, Flehen und Thränen zu begleiten, bis es überwunden hatte. Ich mußte dabei so viel an die göttliche Gerechtigkeit, welche auch ein so zartes Körperlein um der Sünde willen, die es von uns und wir von dem gesammten Menschenstamm geerbet, also zurichtet und zerstört, und an die göttliche Gnade, die solchen Todesweg dennoch zum Leben hingeleitet hat, gedenken, daß mir das erbärmliche Schnappen und Zücken kein weiteres Bedauern brachte. Zugleich war mein Herz dergestalt gestärket, daß mir mitten unter dem anbrechenden Leide dennoch besser war, als bei den besten Lustbarkeiten, denen ich jemals beigewohnt, und ich bei mir wünschte, daß ich mein Haupt, welches ich auf dem Sterbebettlein hingeleget, nun selber auch nimmer aufrichten dürfte.
Nachdem das Kind verschieden war, und ich mich Nachmittags in die Kammer, dahin es gebracht worden, neben dasselbe, ein wenig zu ruhen, geleget, ging mir bei, wie eine erwünschte Sache ein solcher Wechsel seie. David mußte über seines elenden Absoloms Tod klagen: Ach, dürfte ich für dich sterben! Aber bei einem solchen Kinde, welches noch nicht in das Weltwesen hineingerissen worden, bedarf es keiner
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the LORD keeps well. If thou believest it, give Him the remaining crumbs. Why doth thy hand hesitate? Body and soul thou wilt trust to Him, thou commendest to Him daily house and home, and the remaining crumbs thou canst not leave to Him, thou must steal them from Him: for if thou givest them not to Him, thou stealest them, because they belong to Him.
Well then, I will take the lid off yet a little further, although it were better that thou gavest more abundantly, even without that, what the dear LORD Christ demands for Himself of thy remaining crumbs; on the last day the joy would be so much the greater. He not only keeps it well, He also increases it, and, to say all at once: with usury that reaches into eternity, ye shall receive it again in the resurrection. How should He not, seeing that He multiplies the seven loaves that come from Him among the sinful people, among sinners? Must not that increase much more abundantly which is brought to Him from His members out of the faith which He wrought? Can it be with Him, from whose breath heaven and earth have sprung, for a single moment without growing a thousandfold? Who then would not gladly lend out the remaining crumbs upon usury? Well, with Him thou canst thus put out to usury. Who would not let them go over the sea, if they were worth so much, that for them nobler goods might be brought home? Behold, for Him a draught of water is not too poor; He takes it with Him into the ship, which carries away from the shore of the visible world all the remaining crumbs, small and great, the widow's half-farthings as well as the palaces of those who literally forsook all and followed Christ, in order, instead of them, when heaven and earth pass away in fire and the rich possessions of the covetous vanish in smoke, to return with unfading crowns of glory, which shall be made manifest on all those who not merely say Lord, Lord, to Christ, but also let Him be Lord, Lord also over their temporal goods.
Now I might conclude, and give these remaining crumbs also to Him to keep, from whose hand of blessing they fell into our lap at my entreaty. But I must still say one thing. Let no one think that the LORD therefore wants the remaining crumbs because He needed them, or because such a work must yet be added, in order that He might show Himself to us as the Saviour, who hath blotted out our sins and openeth to us the gate of heaven. If any one should draw such erroneous thoughts from this sermon, I would rather I had not preached it. But the LORD Himself has put a bolt in the way in the Gospel. When He, without any preparation, feeds in the wilderness those who receive His word, so that His disciples become richer thereby than they were before, we must surely not doubt that He needs the remaining crumbs neither for Himself, nor for His servants, nor for His whole people, which faith offers to Him in free love, willing in holy array, as David testifies in the 110th Psalm. He could easily send preachers in multitudes, who would need to look into no other hand than His own, to the heathen, as among all Christendom. He would need neither seminaries nor synods; yea, His power could easily supply even the church buildings without a pillar of cloud and fire. That He goes other ways does not happen because perhaps only he, whom we see, would be open to Him, or in order that we might help Him that we might be saved: as for the latter, we have grace and salvation complete, and nothing more can accrue to us thereto—through His blood; but because faith is to have the honor, as it has Christ wholly, so also to step into Christ's place toward unbelieving, erring and weak-believing mankind, and in the fellowship of His labor of love for the rescue of the lost to taste His blessedness. From him that believeth not, who hath not first in Christ God and heaven, the LORD requireth none of all this.
And now enough of speaking of that which is to govern our life daily. May the LORD take us with our weakness to His breast and let us grow strong in His care. What His hand hath kindled in the ground of the heart, let it smolder on beneath the ashes. Enough that He sees it there.
But where, before our short-sighted eye, in which with the light of love the light of hope, of which St. Paul writeth [1 Cor. 13:7], so soon goes out, the death of unbelief dwelleth and feedeth only satanic joy, mayest Thou, to whom all things are possible, yet one day kindle bright flames from Thine altar.
When Thy day cometh, we shall all break forth more gloriously. Grant that then also the sacrifice of my lips may ascend to Thee in a purer flame! Amen. LORD JESUS! Amen.
(Sent in by K.)
Comfort for Parents
upon the early departure of their children.
How hard it often is to comfort such parents we see in the example of Jacob at the loss of his beloved Joseph (Gen. 37:35) and of the mothers at Bethlehem at the cruel death of their children (Matt. 2:17, 18). Yet one can always comfort himself more easily than another. The holy Jacob could not forget his favorite for a full 22 years; Job, on the contrary, bore the sudden death of all his 10 grown children together with the loss of all his temporal goods with such courage of faith that he cried out: The LORD gave, and the LORD hath taken away; blessed be the name of the LORD! (Job 1:21.)
Now, to be sure, for all such sorrowing hearts the Word of God, and in particular the Psalter, is the richest and sweetest fountain of comfort; yet this comfort often penetrates the deeper into the heart and takes the firmer hold there when we see its power in such Christians as have thereby been comforted exceedingly in like tribulation. *)
*) I call attention hereby to 2 essays in the 4th volume of this periodical. The first is in No. 18, under the heading: Gottes Absicht, wenn er unsere Kinder sterben läßt; the other is found in No. 23, entitled: Warum hast du das gethan? The latter especially deserves to be printed again, since it is not accessible to many present readers of the "Lutheraner."
For this very reason the following letter of the well-known Württemberg theologian Dr. J. A. Bengel, which is taken from his biography by Burk, will be a welcome gift. His marriage was blessed with 12 children, of whom half went before him into eternity in tender childhood. The dear man wrote this letter to his parents soon after the burial of his little daughter Regina, whom God took to Himself in heaven after only 1 year. But this letter, like everything that this man, so versed in Scripture, has written, is not to be read over cursorily, but to be weighed sentence by sentence.
On the day of Regina, 1722, the 7th of Sept.
We give thanks not only for the wreaths sent for our blessed and still dear Anna Regina, but also especially for the parental sympathy shown; on the other hand, I consider myself bound to impart in simplicity something of what God let shine forth of His love under this visitation. When six weeks before my child I had the scarlet fever, and thought my heart should come, in this indisposition as in the former one, to some tenderer feeling, such was nevertheless not found at that time, to my real displeasure with myself; I also complained of this to my friend who visited me, and added: something sharper must come, whereby I might be softened.
This has now come to pass, in that, when our dear child lay piteously in its last hours, I had a really keen assault upon my inward parts; so that even before its dissolution I felt more of mourning than over our two former blessed children, and on other like occasions together.
But even under this I was made ready, without shame before the bystanders, to attend the child with prayer, supplication and tears, until it had overcome. I had to think so much thereby of the divine justice, which for the sake of sin, which it inherited from us and we from the whole human race, treats and destroys even so tender a little body, and of the divine grace, which has nevertheless led such a way of death unto life, that the pitiful gasping and twitching brought me no further grief. At the same time my heart was so strengthened that in the midst of the dawning sorrow I was nevertheless better than at the best amusements I ever attended, and I wished within myself that I might now myself also never lift up again my head, which I had laid down upon the little deathbed.
After the child had departed, and I had laid myself down in the afternoon in the chamber to which it had been brought, beside it, to rest a little, it came to my mind how desirable a thing such an exchange is. David had to lament over the death of his wretched Absalom: Oh, would I had died for thee! But with such a child, which has not yet been drawn into the ways of the world, there needs no