Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 6 › Seite 47
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-11-07, Seite 47
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sollen, wie auch, daß den Lehrern nicht unbedingte Freiheit im Gebrauch der zur Vorbereitung zu benutzenden Lehrbücher gegeben werden könne, und werden zu diesem Zwecke besonders der dresdner Kreuzkatechismus und die Erklärungen des kleinen Katechismus von Spener, Irmischer, Jaspis und Kurtz empfohlen. Ferner soll in den Gymnasien wöchentlich ein Mal am Montage die ganze Schule mit dem Lehrerpersonal zu einer Bibellection zusammen kommen, welche der Religionslehrer mit möglichster Berücksichtigung des Kirchenjahrs zu halten hat, und wird streng darauf gehalten, daß der Religionsunterricht mit dem Inhalte der Bibel und den Bekenntnißschriften, namentlich der augsburgischen Confession bekannt macht.
(Braunschweiger luth. Kirchenblatt.)
Aus Lippe-Detmold.
Auch da, wo die lutherische Kirche bisher keine rechtliche Geltung hatte, kömmt sie zu Stand und Leben: in Lippe-Detmold ist sie durch ein landesherrliches Edict der reformirten Landeskirche gleichgestellt und reformirte Pastoren scheinen mannichfache Uebertritte zu befürchten, denn mehrere derselben haben eine Ansprache an ihre Gemeinen veröffentlicht, worin sie zu dem Beharren bei'm reformirten Bekenntniß auffordern, was ihnen natürlich, so lange sie einmal keine bessere Erkenntniß haben, nicht zu verargen ist, wobei sie nur den geschichtlichen Irrthum nicht verbreiten sollten, daß Melanchthon „eine ganz reformirte Anschauung und Auffassung gehabt habe und als der eigentliche Vater der deutsch-reformirten Kirche“ zu betrachten sei.—
(Braunschw. Kirchenblatt.)
Die Lutheraner in Paris.
In dem „Sächsischen Kirchen- und Schulblatt“ findet sich ein Aufruf zur Unterstützung der Lutheraner in Paris, wobei folgende statistische Notizen über dieselben gegeben werden: „Die Kirche augsburgischen Bekenntnisses in Paris theilt sich in drei Kirchspiele. Zwei liegen im Innern der Stadt, das dritte liegt außerhalb der Barrieren. Die Parochie des Billettes und die de la Rédemption umfassen die 12 Stadtbezirke. Die Parochie außerhalb der Ringmauern begreift die zwei andern Bezirke des Seine-Departements in sich, nehmlich den von St. Denis und den von Sceaux. Für diesen weiten Umkreis der Banlieue von Paris (des um die Stadt herum angebauten Gebietes) ist seit 1845 ein besonderer Pastor angestellt. Es ist das gegenwärtig Herr Hosemann, von dem lutherischen Consistorium in Paris beauftragt, für die geistlichen Bedürfnisse der zahlreichen Glaubensgenossen zu sorgen, welche außerhalb der eigentlichen Stadtgrenze wohnen und mindestens 3000 Seelen zählen. Bekanntlich bilden nehmlich bedeutende Gruppen von Anwohnern um das eigentliche Paris her wie ein zweites Paris, das vom ersten nur durch die Barrieren geschieden ist. Hier wohnen mehr oder weniger zerstreut Protestanten, die einem großen Theile nach deutscher Abkunft sind. Der genannte Herr Hosemann hat es sich angelegen sein lassen, Bethäuser auch an den entferntesten Punkten für die dort wohnenden Protestanten zu gründen, da diese in Bezug auf geistliche Pflege ganz verwahrlost waren. So entstanden die Filialen von Corbeil und Puteaux. Corbeil ist eine Stadt im Departement der Seine und Oise, von Paris aus mittelst Eisenbahn in einer Stunde erreichbar. Da sind ohngefähr 150 Protestanten, größtentheils Deutsche. Sie sind Arbeiter in den benachbarten Fabriken, zumeist aus Rheinbayern gekommen. Für diese Leute hält der Pfarrer der Banlieue regelmäßig Gottesdienst nach dem Ritus der Augsburger Confession. Von dem 1. Juni 1851 an findet derselbe in einer Kirche statt, die zum größten Theil aus freiwilligen Beiträgen gebaut wurde. Zu den Gesammtkosten, die sich auf $4000 beliefen, trug die Staatsregierung $1000 bei; das Uebrige floß aus milden Beiträgen sowohl der Ortsgemeinde als der Stadt Paris. Jetzt denkt man an eine zweite Kirche in Puteaux, welches näher bei Paris liegt als Corbeil, wo mindestens [unleserlich] 14 Tage Nachmittagsgottesdienst nach lutherischem Ritus in französischer und deutscher Sprache gehalten werden soll. Die Gesammtkosten dieses Unternehmens belaufen sich auf $6000, wovon $800 zum Ankauf eines Grundstücks nöthig waren. Die Staatsregierung hat dazu $1200 bewilligt, $2600 hat die Gemeinde von Puteaux und das Departement der Seine beigetragen, den Rest deckten freiwillige Gaben, besonders eine Collekte unter den Protestanten von Paris, die $1200 betrug; aufzubringen sind daher noch $1000.— Die Vorstädte St. Denis und Poissoniére haben eine Fortsetzung, welche la chapelle St. Denis heißt, wo ebenfalls viele Deutsche und Elsäßer wohnen. Diese Leute sind sehr den Einwirkungen der katholischen deutschen Propapanda eines benachbarten Ortes ausgesetzt. Für sie soll daher zunächst kirchlich gesorgt werden. In deutscher Sprache wird auch allwöchentlich Dienstag Abend eine Erbauungsstunde an der Barriere Fontainebleau gehalten, wo viele arme rheinbayrische Familien wohnen, welche Einrichtung ebenfalls durch die Bemühung des luth. Pastors Hosemann gegründet worden ist.“
Unirte in der lutherischen Kirche und Kampf gegen sie.
Professor Dr. Kahnis berichtet in seinem Sächsischen Kirchen- und Schulblatt in der August-Nummer d. J. u. A. Folgendes:
Die Union ist noch besonders in den theologischen Fakultäten *) vertreten, und zwar nicht blos in den Fakultäten unirter Landeskirchen, sondern auch lutherischer. So haben die Theologenfakultäten von Jena und Göttingen einen notorisch (stadt- und landkundig) unirten Character. Wo nun in einer Landeskirche das confessionelle Element (d. h. was kirchlichgesinnt ist) sich herausgerungen hat, ist ein Zusammenstoß fast gefordert. In diesem Jahr ist in Hessen-Darmstadt ein ernster Protest erhoben worden gegen die rationalistische Tendenz des Dr. Credner in Gießen. In Weimar †) hat eine Petition an den Großherzog (in der Ev. Kirchen-Zeitung und andern Blättern abgedruckt) auf das Mißverhältniß einer Fakultät, in welcher kein einziger Vertreter der kirchlichen Richtung sei, zu der Bekenntnißgrundlage des Landes hingewiesen und sich nachdrücklich gegen die Union verwahrt. Die bedeutendste Kundgebung aber ist in Hannover hervortreten. Gegen Ende vorigen Jahres machte eine Conferenz von Pastoren aus den Herzogthümern Bremen und Verden in Stade in einer der Resolutionen, welche sie dem kirchlichen Consistorium in Stade vorlegte, auf die Thatsache aufmerksam, daß alle Glieder der theologischen Fakultät zu Göttingen der Union angehören. Zu dieser Eingabe hatte sich eine große Anzahl von Geistlichen aus Hannover durch Namensunterschrift bekannt. Diese Schrift machte natürlich nicht geringe Bewegung. Die theologische Fakultät fand sich endlich zu einer Denkschrift an das Ministerium der geistlichen Angelegenheiten, das zugleich Curatorium der Universität ist, veranlaßt, welche sie im Druck veröffentlichte. Als Ausdruck der Lehrstellung einer nahmhaften theologischen Fakultät (unterzeichnet: Lücke, Gieseler, Reiche, Redepennig, Ehrenfeuchter, Dorner.) nimmt sie das allgemeine Interesse in Anspruch. Die Denkschrift zerfällt in zwei Abschnitte. Der erste sucht nachzuweisen, wie das Streben der lutherischen Richtung auf nichts Anders hingehe, als die Kirche in das unglückliche (?) 17. Jahrhundert zurückzuversetzen. Der zweite Abschnitt sucht das Recht der protestantischen Lehrfreiheit (?) zu verwahren. Namentlich habe die theologische Fakultät zu Göttingen, die Erbin von Helmstedt,**) die keine Verpflichtung auf die Concordienformel kenne, hierauf ein gegründetes Recht. Diese Darlegung fand zunächst in der evangelischen Kirchenzeitung eine sehr gründliche Prüfung. Wer die Stellung der Ev. K.-Zeitung in der Unionsfrage kennt“ (sie gehört nehmlich selbst der Union an), „wird hinter solchen Kundgebungen keine Parteiinteressen erblicken. Ein ganz andrer Wahrheitssinn waltet in dieser Prüfung, als in dem Panegyrikus (der Lobrede), den (Julius ?) Müller in der deutschen Zeitschrift ausgehen ließ. Die nächste Aufforderung zu einer Antwort hatte die kirchliche Richtung in Hannover. Der Mann, den man in der That für die Spitze der letztern anzusehen hat, Dr. Pe-
*) Eine Fakultät nennt man die Gesammtheit von Universitätslehrern oder Professoren eines Faches oder einer besondern Wissenschaft, z. B. der Theologie, der Medizin ꝛc. D. R. d. L.
†) Siehe „Lutheraner“ Seite 30 dieses Jahrgangs. D. R. d. L.
**) Von wo 1808 die Universität mit nach Göttingen verlegt wurde. D. R. d. L.
English translation AI translation
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shall be, and also that the teachers cannot be given unconditional freedom in the use of the textbooks to be used for preparation, and for this purpose there are recommended especially the Dresden Kreuzkatechismus and the expositions of the Small Catechism by Spener, Irmischer, Jaspis and Kurtz. Furthermore, in the gymnasia, once a week on Monday the whole school, with the body of teachers, shall come together for a Bible lesson, which the teacher of religion is to give with the greatest possible regard to the church year, and strict care is taken that religious instruction makes [the pupils] acquainted with the contents of the Bible and the Confessions, especially the Augsburg Confession.
(Braunschweiger luth. Kirchenblatt.)
From Lippe-Detmold.
Even where the Lutheran Church has hitherto had no legal standing, it is coming to stand and life: in Lippe-Detmold it has been placed, by a decree of the sovereign, on an equal footing with the Reformed state church, and Reformed pastors seem to fear manifold conversions, for several of them have published an address to their congregations in which they exhort them to persevere in the Reformed confession, which, as long as they have once for all no better knowledge, is naturally not to be blamed on them, only they ought not to spread the historical error that Melanchthon "had an entirely Reformed view and conception, and is to be regarded as the actual father of the German Reformed Church."—
(Braunschw. Kirchenblatt.)
The Lutherans in Paris.
In the "Sächsisches Kirchen- und Schulblatt" there is found an appeal for the support of the Lutherans in Paris, in which the following statistical notices concerning them are given: "The Church of the Augsburg Confession in Paris is divided into three parishes. Two lie in the interior of the city, the third lies outside the barriers. The parish of the Billettes and that de la Rédemption embrace the 12 city districts. The parish outside the city walls comprises the two other districts of the Department of the Seine, namely that of St. Denis and that of Sceaux. For this wide circuit of the Banlieue of Paris (of the territory built up around the city) a special pastor has been appointed since 1845. This is at present Mr. Hosemann, commissioned by the Lutheran Consistory in Paris to care for the spiritual needs of the numerous fellow-believers who live outside the actual city boundary and number at least 3000 souls. As is well known, considerable groups of dwellers around Paris proper form, as it were, a second Paris, which is separated from the first only by the barriers. Here dwell, more or less scattered, Protestants who for the most part are of German descent. The said Mr. Hosemann has made it his concern to establish houses of prayer even at the most remote points for the Protestants living there, since these were quite neglected in respect of spiritual care. So arose the branches of Corbeil and Puteaux. Corbeil is a town in the Department of the Seine and Oise, reachable from Paris by railroad in an hour. There are about 150 Protestants there, for the most part Germans. They are workmen in the neighboring factories, coming mostly from Rhenish Bavaria. For these people the pastor of the Banlieue holds divine service regularly according to the rite of the Augsburg Confession. From the 1st of June 1851 it takes place in a church which was built for the most part from voluntary contributions. Toward the total cost, which amounted to $4000, the state government contributed $1000; the remainder flowed from kind gifts both of the local congregation and of the city of Paris. Now a second church is contemplated in Puteaux, which lies nearer to Paris than Corbeil, where at least [illegible] 14 days an afternoon service according to the Lutheran rite is to be held in the French and German languages. The total cost of this undertaking amounts to $6000, of which $800 was needed for the purchase of a lot. The state government has granted $1200 toward it, $2600 has been contributed by the congregation of Puteaux and the Department of the Seine, and the rest was covered by voluntary gifts, especially a collection among the Protestants of Paris, which amounted to $1200; there remain, therefore, still to be raised $1000.— The suburbs St. Denis and Poissoniére have a continuation, which is called la chapelle St. Denis, where likewise many Germans and Alsatians dwell. These people are very much exposed to the influences of the Catholic German propaganda of a neighboring place. Provision is therefore to be made for them first of all in churchly matters. In the German language there is also held every week, on Tuesday evening, an hour of edification at the Barrière Fontainebleau, where many poor Rhenish-Bavarian families dwell, which arrangement likewise has been founded through the efforts of the Lutheran pastor Hosemann."
Unionists in the Lutheran Church and the Struggle against Them.
Professor Dr. Kahnis reports in his Sächsisches Kirchen- und Schulblatt, in the August number of this year, among other things the following:
The Union is still represented especially in the theological faculties *), and indeed not merely in the faculties of united state churches, but also of Lutheran ones. Thus the faculties of theology at Jena and Göttingen have a notoriously (known to city and country) unionistic character. Where now in a state church the confessional element (that is, what is churchly-minded) has struggled through, a collision is almost demanded. In this year a serious protest has been raised in Hesse-Darmstadt against the rationalistic tendency of Dr. Credner in Giessen. In Weimar †) a petition to the Grand Duke (printed in the Ev. Kirchen-Zeitung and other papers) has pointed to the incongruity of a faculty in which there is not a single representative of the churchly tendency, with the confessional basis of the land, and has protested emphatically against the Union. The most important manifestation, however, has come forth in Hanover. Toward the end of last year a conference of pastors from the duchies of Bremen and Verden at Stade, in one of the resolutions which it laid before the church consistory in Stade, called attention to the fact that all members of the theological faculty at Göttingen belong to the Union. To this petition a great number of clergymen from Hanover had avowed themselves by signing their names. This writing naturally caused no small stir. The theological faculty found itself at length moved to issue a memorial to the Ministry of Ecclesiastical Affairs, which is at the same time the Board of Curators of the University, which it published in print. As an expression of the doctrinal position of a notable theological faculty (signed: Lücke, Gieseler, Reiche, Redepenning, Ehrenfeuchter, Dorner) it claims general interest. The memorial falls into two sections. The first seeks to show how the striving of the Lutheran tendency aims at nothing else than to set the Church back into the unhappy (?) seventeenth century. The second section seeks to safeguard the right of Protestant freedom of teaching (?). In particular the theological faculty at Göttingen, the heiress of Helmstedt,**) which knows no obligation to the Formula of Concord, has a well-founded right in this. This exposition found first of all in the Evangelische Kirchenzeitung a very thorough examination. Whoever knows the position of the Ev. K.-Zeitung in the question of the Union" (it belongs, namely, itself to the Union), "will see behind such manifestations no party interests. A quite different sense of truth prevails in this examination than in the panegyric (eulogy) which (Julius?) Müller let go forth in the Deutsche Zeitschrift. The next summons to an answer had the churchly tendency in Hanover. The man whom one has in fact to regard as the head of the latter, Dr. Pe-
*) A faculty is the name given to the whole body of university teachers or professors of a subject or of a particular science, e.g., of theology, of medicine, etc. Ed. of the L.
†) See "Lutheraner," page 30 of this volume. Ed. of the L.
**) From where in 1808 the university was removed, along with it, to Göttingen. Ed. of the L.