Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 13 › Seite 98

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-02-13, Seite 98

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fanden läßt sich denken — : „das dritte Theil des Meeres ward Blut.“ Viele, die bisher im Meer gelebt, d. h. die Erkenntniß Gottes, welche seit der Apostel Zeiten wie Wellen des Meers die Erde bedeckte nicht verachtet hatten, wurden durch das prächtige Feuerwerk, womit der Teufel etwa den dritten Theil der Christenheit aus den Schiffen und von den Inseln in die hochroth gefärbte Tiefe verlockte gleichfalls die Beute des Mörders — : „das dritte Theil der lebendigen Creaturen im Meer starben.“ Ja ganze Schiffe ruderten auf das großartige Irrlicht zu und verbrannten, d. h. manche christliche Gemeine wurde mit ihren Führern in das Netz solcher Irrlehren getrieben — : „das dritte Theil der Schiffe wurden verderbet.“

3. Origenes — : der gefallene Stern. Die Vermengung der Philosophie mit dem Evangelio macht zu Wermuth, was süß war. Der früher ein Stern am Himmel, d. h. ein vortrefflicher Lehrer in der Kirche gewesen war brannte nun wie eine Fackel: denn da er der Weltweisheit nachhörte und die Vernunft in den Glauben braute, gerieth er in die Finsterniß; doch war er eine Fackel in der Finsterniß, hatte mehr Licht als ein anderer Weltweiser, weil er das Evangelium mit in die Gewebe menschlicher Gedanken zog. Der fiel auf die Wasserströme und Wasserbrunnen. Die Wasser des Lebens in die Gefilde leiten und aus den Gründen des Wortes Gottes ans Licht bringen sollten, die Lehrer der Christenheit wurden durch das verführerische Exempel des gefallenen Sterns verlockt, menschliche Weisheit mit himmlischer Offenbarung zu verkuppeln.

4. Novatus ꝛc. — Sonne, Mond und Sterne werden geschlagen, Tag und Nacht des Lichts beraubt. Wenn hier Sonne, Mond und Sterne, als Lichter des Tages und der Nacht unterschieden werden, so ist das ein Fingerzeig, diese Bilder in solchem Gegensatz aufzufassen und in der Deutung des Gleichnisses von dem figürlichen Sinn, auf den Sonne, Mond und Sterne sonst führen möchten abzusehen. Darnach läge es nahe, sich unter der Sonne, als dem Licht, das den Tag regiert die ewigen Kräfte, von denen die Kirche getragen wird zu denken, Mond und Sterne hingegen auf das bürgerliche Wesen und besonders die Obrigkeit zu beziehen. „Es ward geschlagen“ ꝛc zeigt dann die Widersetzlichkeit gegen die Kirche und bürgerliche Ordnung an, die der Grundzug der neuen Ketzerei sein werde. Die Folge mußte freilich sein, daß „ihr drittes Theil verfinstert ward,“ der segensreiche Einfluß beider Gewalten, des Himmels und der Erde eine Stockung erlitt, weil wenigstens so Viele wie sich von ihnen losmachten ihrer heilsamen Kraft beraubt wurden, aber zu schlechtem Gewinn für die, welche so etwas ausgerichtet hatten: der war nämlich, daß grade für sie „der Tag nicht schien — und die Nacht desselbigen gleichen.“ Das trifft nun alles bei den Donatisten und Novatianern zu. Sie änderten keinen Glaubensartikel, sondern lehnten sich gegen die herrschende kirchliche Gewalt auf, wollten ordentlich berufene Bischöfe unter nichtigen Vorwänden aus dem Amt treiben und als die Obrigkeit ihnen nicht beistand, lästerten sie dieselbe und machten räuberische Horden (die Circumcellionen) zu ihrer Leibwache. Dadurch beraubten sie sich nur des Segens der Gemeinschaft, daß ihnen „Tag und Nacht nicht schien,“ d. h. weder die Gnade Jesu Christi, das Licht der Kirche, noch bürgerlicher Friede sie erquickte.

Will man den Gegensatz des Tages und der Nacht nicht berücksichtigen, so kann man sich auch unter der Sonne Christum allein, unter dem Monde seine Braut, die Kirche und unter den Sternen insonderheit die Hirten und Lehrer der Christenheit vorstellen. Der Sinn ist dann dieser: solche Ketzer verleugnen einmal den HErrn, der sie erkauft hat, weil sie unter dem heuchlerischen Vorgeben einer strengeren Zucht als sie mit Christi Geist vereinbar ist den Heiland in der That nicht als den barmherzigen Samariter, sondern als einen Henker und Stockmeister vor die Augen malen, so daß sein Angesicht nicht mehr leuchtet, wenn Jemand der Maske traut, die sie ihm vorhalten; damit verlassen sie auch die Kirche, die nun keine freundliche Mutter mehr bleibt, welche um ihre irrenden Söhne weint, keine treue Hausfrau, die ein Licht anzündet, um den verlornen Groschen zu suchen, sondern hart und verächtlich alles befleckte, das sich ihr reumüthig naht mit dem Schibboleth der Catharer: noli me tangere, quia purus sum (Rühre mich nicht an: denn ich bin heilig) von sich stößt; insonderheit aber lassen sie sich vom Teufel an treue Lehrer hetzen, wie denn Novatus am Cyprian, Novatianus am Cornelius zum Ritter werden wollte und die Donatisten in ihrem Haß gegen Cäcilian so weit gingen, daß sie allen seinen Amtshandlungen die Kraft absprachen, weil ihn ein Bischof geweiht hätte, dem man Schuld gäbe, in der diocletianischen Verfolgung die heilige Schrift ausgeliefert zu haben: der Stern sollte durchaus nicht leuchten, ja die ganze Kirche, die es mit diesem Cäcilian hielt um seinetwillen das Recht der Kinder Gottes, und die Gaben des heiligen Geistes verloren haben und alle Kirchen, die mit ihr in Verbindung ständen sollten so befleckt und verunreinigt sein, daß man sie — „meiden“ müsse. Worin man aber der Kirche Gottes die Anerkennung versagt, das verliert man selbst.

V. 13. zeigt an, daß zwischen den vorigen vier und den folgenden drei Plagen ein merklicher Unterschied sei. „Und ich sahe, und hörte einen Engel fliegen mitten durch den Himmel“ — : das „sah und hörete soll darauf hinweisen, daß was noch kommen werde mehr in die Sinne falle und fühlbarer sei; das „mitten durch den Himmel“ geht auf die größere Allgemeinheit der bevorstehenden Gefahren:

Wer doch das fassen könnte? — der ganze Himmel hallt von einem „Wehe!“ wieder, so oft die streitende Kirche bedroht wird. Müssen nun nicht aus allen Seufzern angefochtener Seelen wohltönende Melodien werden, wenn im Himmel ihr Echo ist, wenn noch so sehnliche Klagetöne einer im Schlachtgewühl des heiligen Kampfes um die ewige Wahrheit zitternden Saite da ihre Resonanz finden? Es ist aber, wie wir hier sehen umgekehrt als es uns vorkommt. Nicht auf Erden wird zuerst geseufzt, sondern im Himmel kommt man uns zuvor.

(Eingesandt von Pastor Hoyer.)

Von politischer Freiheit.

Laßt mir doch die Politik aus dem Lutheraner heraus, werdet ihr nicht also sprechen, meine lieben Leser? — Und gewiß, wollten wir in einer kirchlichen Zeitung uns einlassen auf politische Tagesfragen, Wahlen von Staatsbeamten, Unterschiede in den Grundsätzen meinetwegen der Whigs und Demokraten und ähnliche politische Angelegenheiten, so würdet ihr mit Recht mir zurufen: was deines Amts nicht ist, davon laß deinen Vorwitz. Allein seid nicht bange, von dergleichen Händeln will ich nicht zu euch reden; wills Gott ihr sollt meinen Spruch von politischer Freiheit nicht Vorwitz nennen.

„Ist das auch Freiheit, ist das ein freies Land?!“ rief unmuthig Michel Deutscher, eben angelangt auf dem amerikanischen Boden der Thomas Str. in Baltimore und eben auch von zwei Polizisten an Armen und Beinen festgehalten, damit er nicht das Hausrecht oder auch das Trittrecht an einem deutschen Bruder übe. Michel meinte, das sei Freiheit, daß ein jeder thun könnte nach seinem Belieben; er dachte nicht daran, daß alsdann sein deutscher Bruder, dessen Rücken er eben zu bearbeiten beliebte, gewiß nicht frei war im Lande der Freiheit, und daß wenn er selbst einmal unter das Belieben eines Stärkeren gerathe, sein eigener Zustand auch nicht gerade durch Freiheit ausgezeichnet sein werde. Handeln nach eigenem Belieben ist Willkür, aber nicht Freiheit. Die Franzosen haben 1793 einmal die Landesverfassung so einzurichten versucht, daß jeder Bürger in Frankreich nach seinem Willen handeln dürfe; ganz ohne Gesetz ging das auch nicht, das sahen sie wohl ein, aber nur das Naturgesetz, das einem jeden einwohne und dessen Befolgung sie Tugend nannten, sollte gelten. Die Folge war, daß die Stärkeren im Lande nach ihrem Belieben über die Schwächeren herrschten, diejenigen, welche sich dem nicht fügen wollten, mordeten und darauf einander selbst bekämpften und vernichteten, bis endlich der Stärkste unter ihnen allen, Napoleon Buonaparte, zur höchsten Gewalt empordrang, allen Widerstrebenden das Maul mit Kartätschen stopfte und nach seinem Belieben, d. h. despotischer regierte als der Kaiser von Rußland. So ging es da, wo man die bloße Willkür noch gar nicht einmal herrschen lassen wollte, vielmehr die Freiheit suchte im Halten eines Gesetzes, des sog. Naturgesetzes.

„Ja, es ist wahr, wir wohnen in einem freien Lande“ also ruft Paul Errungenschafter im überwältigenden Bewußtsein seiner Souverainität, da er eben zum ersten Male seinen Wahlzettel an den Polls abgegeben hat. Er meint mit Vielen, die Freiheit stehe darin, daß die Bürger eines Landes sich selbst ihre Obrigkeit wählen und durch ihre eignen Abgeordneten sich selbst die nöthigen Gesetze, auch die nöthigen Auflagen oder Taxen auflegen. Allein Paul hat meinetwegen mit 100 Anderen diejenigen, welche seine Obrigkeit oder Vertreter sein sollen; gewählt, 102 Andere dagegen als Majorität bewirken, daß Leute aus Ruder kommen, die Paul nicht will, deren

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may be imagined — : "the third part of the sea became blood." Many who had hitherto lived in the sea, that is, in the knowledge of God, which since the apostles' days had covered the earth like the waves of the sea, and had not despised it, were by the splendid fireworks with which the devil lured perhaps the third part of Christendom out of the ships and from the islands into the deep dyed blood-red likewise made the prey of the murderer — : "the third part of the living creatures in the sea died." Yea, whole ships rowed toward the grand ignis fatuus and were burnt up, that is, many a Christian congregation with its leaders was driven into the net of such heresies — : "the third part of the ships were destroyed."

3. Origen — : the fallen star. The mixing of philosophy with the Gospel makes wormwood of what was sweet. He who had formerly been a star in heaven, that is, an excellent teacher in the church, now burned like a torch: for since he gave ear to worldly wisdom and brewed reason into the faith, he fell into darkness; yet he was a torch in the darkness, had more light than any other philosopher, because he drew the Gospel with him into the webs of human thoughts. That one fell upon the rivers and fountains of waters. The teachers of Christendom, who should have led the waters of life into the fields and brought them to light out of the depths of the Word of God, were enticed by the seductive example of the fallen star to couple human wisdom with heavenly revelation.

4. Novatus, etc. — Sun, moon and stars are smitten, day and night are robbed of light. When here sun, moon and stars are distinguished as lights of the day and of the night, that is a hint to take these images in such contrast, and in the interpretation of the parable to disregard the figurative sense to which sun, moon and stars might otherwise lead. According to this it would be natural to think of the sun, as the light which rules the day, as the eternal powers by which the church is borne, but to refer moon and stars to civil life and especially to the magistracy. "It was smitten," etc., then indicates the insubordination against church and civil order which was to be the fundamental trait of the new heresy. The consequence had to be, indeed, that "the third part of them was darkened," the beneficent influence of both powers, of heaven and of earth, suffered a stoppage, since at least so many as severed themselves from them were robbed of their saving power, but to poor gain for those who had accomplished such a thing: this was namely, that precisely for them "the day shone not, and the night likewise." All this applies now to the Donatists and Novatians. They altered no article of faith, but rose up against the ruling ecclesiastical authority, wanted to drive duly called bishops out of office under frivolous pretexts, and when the magistracy did not stand by them, they reviled it and made robber hordes (the Circumcellions) their bodyguard. Thereby they only deprived themselves of the blessing of fellowship, so that "day and night shone not" for them, that is, neither the grace of Jesus Christ, the light of the church, nor civil peace refreshed them.

If one will not regard the contrast of day and night, one may also conceive under the sun Christ alone, under the moon his bride, the church, and under the stars especially the pastors and teachers of Christendom. The sense is then this: such heretics once deny the Lord who has bought them, because under the hypocritical pretence of a stricter discipline than is compatible with the Spirit of Christ they in fact paint the Saviour before men's eyes not as the merciful Samaritan but as a hangman and jailer, so that his countenance shines no more, if anyone trusts the mask which they hold before him; thereby they also forsake the church, which now remains no friendly mother who weeps over her erring sons, no faithful housewife who lights a candle to seek the lost piece of silver, but harshly and contemptuously thrusts from her everything stained that draws near her penitently with the shibboleth of the Cathari: noli me tangere, quia purus sum (Touch me not: for I am holy); but especially they let themselves be set by the devil upon faithful teachers, as Novatus sought to make himself a knight against Cyprian, Novatian against Cornelius, and the Donatists in their hatred against Caecilian went so far as to deny the validity of all his official acts, because he had been consecrated by a bishop who was charged with having delivered up the Holy Scripture in the Diocletian persecution: the star was by no means to shine, yea the whole church which held with this Caecilian was for his sake to have lost the right of the children of God and the gifts of the Holy Ghost, and all churches which stood in connection with her were to be so stained and defiled that one must — "avoid" them. But in whatever one denies recognition to the church of God, that one loses himself.

V. 13 indicates that there is a notable difference between the preceding four and the following three plagues. "And I beheld, and heard an angel flying through the midst of heaven" — : the "saw and heard" is meant to point to this, that what is yet to come will fall more upon the senses and be more palpable; the "through the midst of heaven" refers to the greater universality of the impending dangers:

Who could but grasp it? — the whole heaven echoes with a "Woe!" so often as the church militant is threatened. Must not then from all the sighs of tempted souls melodious harmonies arise, when in heaven their echo is, when even the most yearning plaintive tones of a string trembling in the tumult of the holy battle for eternal truth find there their resonance? But it is, as we here see, the reverse of what it seems to us. Not on earth is there first sighing, but in heaven they anticipate us.

(Contributed by Pastor Hoyer.)

Of Political Liberty.

Leave politics out of the Lutheraner, will you not say so, my dear readers? — And certainly, if we in a church paper were to engage in political questions of the day, elections of state officials, differences in the principles, say, of Whigs and Democrats, and like political affairs, you would rightly call out to me: what is not your office, of that leave your meddling. But be not afraid, I will not speak to you of such matters; God willing, you shall not call my discourse on political liberty meddling.

"Is that liberty too, is that a free country?!" cried Michael German in vexation, having just arrived on American soil in Thomas Street in Baltimore and just then also held fast by the arms and legs by two policemen, that he might not exercise the householder's right, or also the right of the boot, upon a German brother. Michael thought that was liberty, that everyone could do according to his pleasure; he did not think that then his German brother, whose back he was just pleased to work upon, certainly was not free in the land of liberty, and that if he himself should once come under the pleasure of a stronger, his own condition also would not be precisely distinguished by liberty. To act according to one's own pleasure is caprice, but not liberty. The French in 1793 once tried to arrange the constitution of the country so that every citizen in France might act according to his own will; entirely without law that could not go either, this they well perceived, but only the law of nature, which dwells in each one and the following of which they called virtue, should hold. The consequence was that the stronger in the land ruled according to their pleasure over the weaker, those who would not submit to this they murdered and thereupon fought and destroyed one another, until at last the strongest among them all, Napoleon Bonaparte, rose to the supreme power, stopped the mouth of all who resisted with grapeshot, and ruled according to his pleasure, that is, more despotically than the Emperor of Russia. So it went there, where one would not even let mere caprice rule, but rather sought liberty in the keeping of a law, of the so-called law of nature.

"Yes, it is true, we dwell in a free country," so cries Paul Achiever, in the overwhelming consciousness of his sovereignty, having just cast his ballot for the first time at the polls. He thinks with many that liberty consists in this, that the citizens of a country choose their own magistracy and through their own delegates impose upon themselves the necessary laws, also the necessary levies or taxes. But Paul has, say, with 100 others chosen those who are to be his magistracy or representatives; 102 others on the contrary as the majority bring it about that men come to the helm whom Paul does not want, whose