Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 13 › Seite 102

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-02-13, Seite 102

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kanzelgemeinſchaft 7 · Loge 30

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kenntnisse und Secten entstanden, selbst in die Familien und Häuser dringe. Vergebens würde ich ihm darauf erwiedern, daß alle diese widerlichen und abschreckenden Dinge keine Wirkung des Christenthums seien, sondern Wirkung dessen, daß die Thäter und Anstifter jener Gräuel das Evangelium wohl gehört aber nicht einfältig angenommen und geglaubt hätten und daher durch Gottes Gericht dahin gegeben seien, zu thun das nicht taugt; ein Ungläubiger versteht das nicht, es ist ihm eine Thorheit und kann es nicht erkennen. So müssen wir ihn einladen, sich zum Glauben des Evangeliums zu bekehren; wenn er alsdann nicht selbst erfährt, daß Christi Evangelium eine Kraft Gottes ist, die ihm Lust an allem guten Gesetze und den Willen, es zu halten, giebt, dann wollen wir es ihm nicht verdenken, wenn er uns Heuchler und Lügner heißt. Gott sei ewiglich Dank, daß Er mit Seinem eignen Worte die Gesetze und Ordnungen der Länder und Staaten, so weit als sie nicht wider Seine Gebote sind, geheiligt und mit Seinem Evangelium uns die Kraft gegeben hat, sie frei und fröhlich zu halten; ja Ehre und ewiges Reich unserm Gotte, der über diesen irdischen Staaten und Reichen, in welchen immer nur Spuren der Freiheit zu finden sein werden, ein ewiges Reich gegründet und gebauet hat und uns dazu berufen, so daß wir der irdischen Freiheit uns freuen, aber wenn irdische Knechtschaft uns drücket, diese getrost und freudig tragen können als die da frei sind mit der ewigen Freiheit der Kinder Gottes.

Herr Doktor Kurtz

meldet in seinem „Lutheran Observer“, daß die ev. luth. Synode von Nord-Illinois, welcher 20 Prediger, darunter 10 Norweger, zählt, in ihre Constution die Erklärung aufgenommen habe, daß die Augsburgische Confession und der kleine Catechismus Luthers „correct“ (richtig, ohne Irrthum) seien.

Hierzu macht denn der gelehrte (?) lutherische (?) Doktor die Bemerkung: „Dieß scheint uns dasselbe zu sein, als erklären, daß die Confession und der Catechismus, so weit als sie gehen, dem Worte Gottes gleich und daher ein untrüglicher Führer seien. Ist nicht ein solcher Artikel in einer Synodalconstitution eine menschliche Erfindung, eine kirchliche Anmaßung und eine despotische Bedrückung des Gewissens? Wie viele unserer besten und frömmsten americanisch-lutherischen Prediger muß ein solches Grundgesetz nothwendig von der Synode und von herzlicher Mitarbeit ausschließen? Dieß ist ohne Zweifel ein Rückschritt, ein ungeheurer Sprung zurück zu den Urvätern der americanisch-luth. Kirche. In diesem erleuchteten (!!) Lande freien Denkens und Handelns kann sich solches Hochkirchenthum nicht lange behaupten; seine eigentlichste Frucht ist Bigotterie (falscher Religionseifer), Aechtung, Hader und Spaltung.“ —

Der Leser sieht hieraus, wie Menschen, welche immer das „Nur die Bibel und keine Symbole!“ im Munde führen, endlich so weit kommen, daß sie behaupten, man könne nie sagen, daß das, was man glaube oder rede, lehre, schreibe, drucken lasse ꝛc., wenn es auch aus der Bibel genommen ist, wahr sei; wer das sagt, der ist solchen Menschen schon ein leibhaftiger Papst oder doch Papist. Solche Menschen sind jene Zweifler, von denen die Schrift sagt: „Sie sind gleich wie die Meereswoge, die vom Winde getrieben und gewebet wird.“ (Jac. 1, 6.) Ihr Glaube richtet sich nach dem wechselnden Winde der Zeit. Und nicht genug, daß sie selbst immerdar lernen, und doch nimmer zur Erkenntniß kommen, so ächten sie auch in gräulicher Bigotterie alle, welche es wagen, zu sagen, daß die Wahrheit nicht nur in der Bibel steht, sondern auch in ihrem Herzen, daß sie nehmlich die Wahrheit auch erkannt haben und daher die Wahrheit bekennen. Wer da behauptet, daß er sich in gewissen aus der Schrift genommenen Lehren nicht irre, dem messen sie in unbegreiflicher Bornirtheit bei, daß er sich infallibel (irrthumsunfähig) wie der Pabst erkläre, gleich als ob, gewiß sein, daß man sich in einer aus der Bibel gezogene Sache nicht geirrt habe, so viel wäre, als, gewiß sein, daß man sich nicht irren könne!

Der „lutherische Herold“

hat in der Nummer vom 1. Jan. l. J. auf unsere in Nummer 8. unseres Blattes unter der Ueberschrift „Zur Lehre von der Kirche“ gegen ihn gemachten Erinnerungen geantwortet. Er klagt darin 1., daß unser „Zweck“ hierbei gewesen sei, den betreffenden Artikel im „Herold“ „als anstößig in der Lehre zu erweisen und verdächtig zu machen.“ Antwort: Verdächtig „machen,“ ist gottlos; davon weiß sich der Schreiber jener Erinnerungen frei; diese Sünde hierbei zu begehen, war auch nicht möglich, da der Artikel im „Herold“ wirklich nur zu verdächtig war, ja nicht geringe Irrthümer enthielt.— Was nun die eigene Rechtfertigung betrifft, so beruft sich 2. der „Herold“ darauf, daß ja der von uns angegriffene Artikel aus der Schrift eines sächsischen Consistorialraths, nemlich Herrn Langbeins, abgedruckt und daß diese Schrift schon im Jahre 1850 „in fast allen (?) lutherischen (?) Zeitschriften erwähnt und als gediegen und wohlgelungen gelobt“ worden sei. Antwort: Wenn den „Herold“ schon dergleichen Dinge über die Rechtgläubigkeit einer Schrift beruhigen, so können wir ihn und besonders seine Leser nur bedauern.— Auf diese Rechtfertigung meldet der „Herold“ sodann, was ihn bei unseren Angriffen tröste, nehmlich: „Daß die Lutheraner in Sachsen eben solche Lutheraner sind, wie der Herold und seine Leser es auch mit Gottes Gnade sein wollen.“ Kurze Antwort: Wenn der „Herold“ mit solchem Trost zufrieden ist, dann ist allerdings an ihm Hopfen und Malz verloren.— Weiter erinnert der „Herold“ daran, in jener im „Herold“ wieder abgedruckten Schrift des Consistorialraths werde gelehrt, daß „das Predigtamt von Gott eingesetzt“ und daß selbiges keineswegs „nichts Anderes, als ein Gemeindedienst“ sei. Darin meint denn der „Herold“ den wahren Schlüssel dazu gefunden zu haben, daß wir das von ihm aus jener Schrift über die Kirche Abgeschriebene einer Censur unterwarfen. Er schreibt: „Daß nun diese und andere ähnliche Ausdrücke dem „Lutheraner“ nicht gemundet haben mögen, glauben wir wohl. Was war aber da zu thun? Sich über diese Ausdrücke Luft zu machen, das wäre unpolitisch! Daher wartet er, bis er vermeint einen andern Halt gefunden zu haben.“ Antwort: Es ist sehr gewöhnlich, daß Leute von niedrigen Beweggründen in anderen gleich unedle voraussetzen; daher meint denn der Herr Herold, auch der „Lutheraner“ meine, Gottseligkeit sei ein Gewerbe und richte sich bei seinem Kampf für die Wahrheit und gegen den Irrthum nach dem Beifall der Menschen, den er dabei zu erwarten oder nicht zu erwarten haben möchte. Gott sei Dank, der liebe Herold zeigt mit seiner nichtswürdigen Insinuation, daß er weder den Character noch die Lehre des „Lutheraner“ kennt. Der „Herold“ wisse, es gibt noch ehrliche Leute in der Welt, selbst mitten im Staate der Yankies, und zu denen gehört durch Gottes Gnade auch der „Lutheraner“, den nimmermehr „Politik“ abhalten könnte, einen Irrthum zu strafen, wenn er dieß zur Ehre Gottes für nöthig erachtete.— Zu einer eigentlichen Vertheidigung läßt sich übrigens der „Herold“ nicht herbei, sondern erklärt nur auf gut päbstisch unsere Entgegnung für „Wortklauberei“, und setzt hinzu: „Wir sind versichert, daß wenn alle Leser des ‚Herolds‘ und des ‚Lutheraners‘ den Artikel, wovon die Rede ist, und die Recension im Lutheraner nochmals sorgfältig zusammen durchlesen wollten, daß sie zu eben unserer Ueberzeugung gelangen müßten.“ Antwort: Wir sind sehr geneigt, zu glauben, daß diese Gedanken wirklich in dem Herzen des anonymen Schreibers sich finden. Ultra posso nemo obligatur d. i. man kann billiger Weise von niemanden verlangen, daß er etwas verstehe, was über seinen Horizont geht. — Wenn der Herold endlich seine Befriedigung darüber ausdrückt, daß unsere Kritik „in einem freundlichen Geist geschrieben“ war, so richtet der Herold damit sich selbst, wenn er hingegen uns so unwürdig antwortete, und so er auf die Sache theologisch einzugehen sich zu schwach fühlte, dann nicht wenigstens schwieg. Doch wir haben schon oft zu bemerken Gelegenheit gehabt, daß man in Amerika dem Grundsatz huldigt: Sic nos, non nobis d. i. so thun wir, so soll man aber uns nicht thun. Der „Herold“ hat es lediglich sich selbst zuzuschreiben, wenn wir nun verzagt haben, mit ihm christbrüderlich zu controvertiren, dazu wir ihm doch die Hand geboten hatten.

Urtheil über den „Lutherischen Herold“

So schreibt über denselben die „Reformirte Kirchen-Zeitung“ von Chambersburg, Penn., in ihrer Nummer vom 15. Januar dieses Jahres:

„Der lutherische Herold. — Dieses Blatt, herausgegeben von H. Ludwig, New York, ist in seinem 4. Jahrgang. Er sucht vermittelnd zwischen den zwei Extremen in der lutherischen Kirche dieses Landes hindurch zu gehen und repräsentirt die mildere, melanchthonische Auffassung über die Sacramente. Wir lesen den Herold mit Vergnügen und wünschen ihm eine seines

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fessions and sects, penetrates even into families and houses. In vain would I reply to him that all these repulsive and horrible things are no effect of Christianity, but an effect of this, that the perpetrators and instigators of those atrocities had indeed heard the Gospel but had not received it in simplicity and believed it, and therefore were given over by God's judgment to do what is not fitting; an unbeliever does not understand this, it is foolishness to him and he cannot know it. So we must invite him to be converted to the faith of the Gospel; if he then does not himself experience that Christ's Gospel is a power of God, which gives him delight in every good law and the will to keep it, then we will not blame him if he calls us hypocrites and liars. Be God eternally thanked that He, with His own Word, has hallowed the laws and ordinances of lands and states, so far as they are not contrary to His commandments, and with His Gospel has given us the power to keep them freely and joyfully; yes, honor and eternal kingdom to our God, who above these earthly states and kingdoms, in which there will ever be found only traces of freedom, has founded and built an eternal kingdom and has called us thereto, so that we rejoice in earthly freedom, but if earthly bondage oppresses us, can bear this comforted and joyful, as those who are free with the eternal freedom of the children of God.

Dr. Kurtz

reports in his "Lutheran Observer" that the Ev. Luth. Synod of Northern Illinois, which numbers 20 preachers, 10 of them Norwegians, has taken into its constitution the declaration that the Augsburg Confession and Luther's Small Catechism are "correct" (right, without error).

Upon this the learned (?) Lutheran (?) doctor makes the remark: "This seems to us the same as to declare that the Confession and the Catechism, so far as they go, are equal to the Word of God and therefore an unerring guide. Is not such an article in a synodical constitution a human invention, an ecclesiastical presumption and a despotic oppression of conscience? How many of our best and most pious American Lutheran preachers must such a fundamental law necessarily exclude from the Synod and from hearty co-operation? This is without doubt a retrogression, a monstrous leap backward to the forefathers of the American Lutheran Church. In this enlightened (!!) land of free thinking and acting such High-Churchism cannot long maintain itself; its truest fruit is bigotry (false religious zeal), ostracism, strife and schism." —

The reader sees from this how men who always have on their lips the "Only the Bible and no symbols!" at last come so far that they maintain that one can never say that what one believes or speaks, teaches, writes, has printed, etc., is true, even if it is taken from the Bible; whoever says this is already to such men a real Pope, or at least a Papist. Such men are those doubters of whom the Scripture says: "He that wavereth is like a wave of the sea driven with the wind and tossed." (James 1:6.) Their faith shifts with the changing wind of the time. And not enough that they themselves are ever learning and never come to the knowledge, they also ostracize in horrid bigotry all who dare to say that the truth is not only in the Bible, but also in their heart, that they have, namely, also known the truth and therefore confess the truth. Whoever asserts that he is not mistaken in certain doctrines taken from Scripture, to him they ascribe in incomprehensible narrowness that he declares himself infallible (incapable of error) like the Pope, as if to be certain that one has not erred in a matter drawn from the Bible were as much as to be certain that one cannot err!

The "Lutheran Herold"

has in its number of the 1st of Jan. of this year replied to the remarks made against it by us in number 8 of our paper under the heading "On the Doctrine of the Church." It complains therein, 1., that our "purpose" in this was to show the article in question in the "Herold" "to be offensive in doctrine and to make it suspect." Answer: To make suspect is godless; of this the writer of those remarks knows himself free; to commit this sin in this matter was also not possible, since the article in the "Herold" was really only too suspect, indeed contained no small errors. — As to the justification of itself, 2. the "Herold" appeals to this, that the article attacked by us was printed from the work of a Saxon Consistorial Councillor, namely Mr. Langbein, and that this work was already in the year 1850 "mentioned in almost all (?) Lutheran (?) periodicals and praised as solid and well-executed." Answer: If such things already reassure the "Herold" concerning the orthodoxy of a work, we can only pity it and especially its readers. — To this justification the "Herold" then reports what comforts it amid our attacks, namely: "That the Lutherans in Saxony are just such Lutherans as the Herold and its readers also by God's grace desire to be." Short answer: If the "Herold" is content with such comfort, then indeed hops and malt are lost upon it. — Further the "Herold" reminds us that in that work of the Consistorial Councillor, reprinted in the "Herold," it is taught that "the office of preaching is instituted by God" and that the same is by no means "nothing other than a congregational service." Therein the "Herold" thinks it has found the true key to the fact that we subjected to a censure what it had copied from that work on the Church. It writes: "That these and other similar expressions may not have suited the 'Lutheraner' we readily believe. But what was to be done? To give vent to oneself over these expressions, that would be unpolitic! Therefore he waits until he supposes he has found another hold." Answer: It is very common that people of low motives presuppose the like ignoble ones in others; therefore Mr. Herold also thinks the "Lutheraner" holds godliness to be a trade and in its contest for the truth and against error regulates itself by the applause of men, which it may expect or not expect to have in doing so. Thank God, the dear Herold shows by its worthless insinuation that it knows neither the character nor the doctrine of the "Lutheraner." Let the "Herold" know, there are still honest people in the world, even in the midst of the state of the Yankees, and to these belongs by God's grace also the "Lutheraner," whom "politics" could never keep from rebuking an error, if it thought this needful to the honor of God. — To an actual defense, by the way, the "Herold" does not condescend, but declares our reply, in good papistical fashion, to be "word-quibbling," and adds: "We are assured that if all readers of the 'Herold' and of the 'Lutheraner' would once more carefully read through together the article of which there is question, and the review in the Lutheraner, they would be bound to arrive at the very same conviction as ours." Answer: We are very much inclined to believe that these thoughts really are found in the heart of the anonymous writer. Ultra posso nemo obligatur, that is, one can fairly demand of nobody that he understand what goes beyond his horizon. — When the Herold finally expresses its satisfaction that our criticism "was written in a friendly spirit," the Herold thereby condemns itself, since it, on the contrary, answered us so unworthily, and, if it felt itself too weak to enter upon the matter theologically, then did not at least keep silence. Yet we have already often had occasion to remark that in America one pays homage to the principle: Sic nos, non nobis, that is, so we do, but so one shall not do to us. The "Herold" has only itself to blame if we have now lost heart to controvert with it in a Christian-brotherly way, to which we had nevertheless offered it our hand.

Judgment on the "Lutheran Herold"

Thus writes about the same the "Reformirte Kirchen-Zeitung" of Chambersburg, Penn., in its number of the 15th of January of this year:

"The Lutheran Herold. — This paper, published by H. Ludwig, New York, is in its 4th year. It seeks to pass mediatingly between the two extremes in the Lutheran Church of this country and represents the milder, Melanchthonian view concerning the Sacraments. We read the Herold with pleasure and wish it a recognition and encouragement worthy of its