Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 16 › Seite 121
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-03-27, Seite 121
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Offenb. Joh. Cap. 14, v. 6. 7.
Herausgegeben von der Deutschen Ev. Luther. Synode von Missouri, Ohio und andern Staaten.
Redigirt von C. F. W. Walther.
Jahrg. 11. St. Louis, Mo., den 27. März 1855. No. 16.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorausbezahlen und das Postgeld zu tragen haben.— In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, sind an den Redakteur, alle andern aber, welche Geschäftliches, Bestellungen, Abbestellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adresse: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu senden.
(Eingesandt von Past. Wyneken.)
Die Noth der Lutherischen Kirche
seit dem Tode Luthers, und ihre Errettung daraus durch den am 25. Sept. 1555 geschlossenen Religionsfrieden zu Augsburg.
Ein geschichtlicher Beitrag zur diesjährigen Feier des Friedensjubelfestes am nächstkommenden 25. September.
Fortsetzung.
Der Schmalkaldische Bund.
Was sollten nun die Protestirenden thun? sollten sie den Kaiser mit seinen namentlich spanischen und italienischen Truppen, die nach dem Blute der Ketzer lechzten, ohne Widerstand in ihre Lande einrücken lassen? Sollten sie zusehen, wie diese barbarischen Kriegshorden mit satanischem Fanatismus gegen die vermeintlichen Ketzer erfüllt, mit bekannter Grausamkeit ihre Wuth an ihren armen wehrlosen Unterthanen ausließen, und unsägliches Elend über das Land brachten? Durften sie als Reichsfürsten, denen doch auch die Verantwortung für die Erhaltung der löblichen Freiheit deutscher Nation auflag, das Schwert in der Scheide stecken lassen, da ein übermächtiger Kaiser wider die Rechte des Reichs zwei der angesehensten Reichsfürsten unverhört in die Acht erklärte, und damit offenbar an den Tag legte, was er trotz seinen hohen Worten für die Aufrechthaltung deutscher Freiheit gegen sie im Schilde führte? Sollten sie durch zahme Unterwerfung an sich selbst, an ihren Unterthanen ja an Deutschland zu Verräthern werden? Ja und stand mit dem Recht und der Freiheit nicht auch zugleich die Wahrheit auf dem Spiel?
Hatten doch früher schon deutsche Kaiser dem Papst praktisch den Unterschied zwischen Christi Reich und dem Weltreich beigebracht und ihn gelehrt, wie jeder sich innerhalb der Grenzen der ihm übertragenen Gewalt halten solle, der Papst sowohl wie der Kaiser, warum sollten denn nicht auch jetzt deutsche Fürsten ihrem Wahloberhaupt diese Lehre mit dem Schwert verständlich machen, da es bis jetzt der Mund und die Feder nicht vermocht hatte auf so vielen Reichstagen, in so vielen von ihnen ausgegangenen Protesten? Denn was hatte des Kaisers Regiment mit dem Gewissen zu thun, da sie sonst allenthalben sich als treue Unterthanen bewiesen hatten? War er auch da noch als Kaiser zu ehren, und ihm zu gehorsamen, wo er seine Kaiserliche Würde gleichsam zu den Füßen des Antichrist niedergelegt, um als sein Frohndiener zum Verräther zu werden nicht allein an den höchsten Gütern eines Volks Recht und Freiheit, sondern auch der Kirche, deren Schirmherr er sich nannte?
Die sich selbst überlassene Vernunft hätte hier wohl nicht lange geschwankt, namentlich bei so tapfern die Unabhängigkeit, und von Gott ihnen gegebene Freiheit über alles liebenden Männern, bei Fürsten, die ihr Volk liebten, und oft bezeugt hatten, daß sie willig Leib und Leben, Gut und Ehre für das Evangelium hinzugeben bereit wären.
Aber eben dies Evangelium lehrte zu deutlich, daß eine jegliche Obrigkeit von Gott sei, und daß man ihr um des Gewissens willen müsse gehorsam sein. Die Wahl war ihnen nicht so leicht geworden, und nachdem sie sie getroffen, zeigte ihre ganze Handlungsweise wohl offenbar, daß ihr Gewissen nicht recht dabei zur Ruhe gebracht war. Landgraf Philipp schrieb später wenigstens an Bucer: „Gott wolle die Evangelische Sache nicht durch Schwert und Gewalt; sondern durch die Predigt, Bekennen, Leiden, Sterben und Kreuz erhalten haben“.
Schon 1529 war dieser Punkt zur Frage gekommen. Die Gefahr, die damals wohl so drohend war, wie jetzt, hatte die Protestirenden auf den Gedanken gebracht sich näher mit einander zu verbinden, um sich gegenseitig Hülfe zu leisten, so jemand um der Religion willen sollte angefallen werden. Darüber wurde man bald einig, ob man die Oberländischen Städte, die im Glauben sich mehr den Schweizern zuneigten, aufnehmen solle, oder nicht. Man schlug ihr Begehr, mit in den zu errichtenden Bund aufgenommen zu werden, rund ab. Nicht so leicht war die andere Frage entschieden, ob man in diesem Fall dem Kaiser Widerstand thun dürfe. Die Theologen waren dagegen. Luther verglich wohl das Verhältniß seines Churfürsten zum Kaiser mit dem Verhältniß eines Bürgermeisters in Torgau zum Churfürsten selbst, auch wenn der Kaiser seinen Eid überträte so bliebe er dennoch Kaiser, die von Gott gesetzte Obrigkeit, wolle man ihm nicht mehr gehorchen, so müsse man ihn absetzen; Wohin könne es überhaupt führen, wenn man die Waffen gegen ihn ergreife? Man müßte ihn verjagen und selber Kaiser werden, was dann niemand dulden werde. Wenn der Kaiser erscheine, das war sein
English translation AI translation
Der Lutheraner.
"God's Word and Luther's doctrine pure shall to eternity endure."
Revelation of John, Chap. 14, v. 6, 7.
Published by the German Ev. Luth. Synod of Missouri, Ohio and Other States.
Edited by C. F. W. Walther.
Year 11. St. Louis, Mo., March 27, 1855. No. 16.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks at the yearly subscription price of One Dollar for out-of-town subscribers, who are to pay the same in advance and bear the postage.— In St. Louis each single number is sold for 5 Cents. Only those letters which contain communications for the paper are to be sent to the editor; all others, however, which contain business matters, orders, cancellations, money, etc., are to be sent here to the address: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.
(Sent in by Pastor Wyneken.)
The Distress of the Lutheran Church
since the death of Luther, and its deliverance therefrom through the Religious Peace of Augsburg concluded on September 25, 1555.
An historical contribution to this year's celebration of the Peace Jubilee on the coming September 25.
Continuation.
The Smalcaldic League.
What now were the Protestants to do? Were they to let the Emperor, with his troops, Spanish and Italian especially, thirsting for the blood of heretics, march into their lands without resistance? Were they to look on while these barbarous war-hordes, filled with satanic fanaticism against the supposed heretics, vented their rage with notorious cruelty upon their poor defenseless subjects, and brought unspeakable misery upon the land? Dared they, as princes of the Empire, who also bore the responsibility for the preservation of the laudable liberty of the German nation, leave the sword in its scabbard, when an overmighty Emperor, against the rights of the Empire, placed two of the most distinguished princes of the Empire under the ban unheard, and thereby plainly revealed what, despite his lofty words, he had in mind against them for the upholding of German liberty? Were they, by tame submission, to become traitors to themselves, to their subjects, yea to Germany? And with right and liberty, was not the truth also at stake together with them?
Had not German emperors before this already taught the Pope in practice the difference between Christ's kingdom and the kingdom of the world, and instructed him how each should keep within the bounds of the power committed to him, the Pope as well as the Emperor; why then should not German princes now also make this doctrine plain to their elective sovereign with the sword, since the mouth and the pen had not been able to do so thus far, at so many diets, in so many protests issued by them? For what had the Emperor's government to do with conscience, since in other respects they had everywhere shown themselves faithful subjects? Was he still to be honored as Emperor, and obeyed, where he had laid down his imperial dignity, as it were, at the feet of Antichrist, in order to become his bond-servant and a traitor, not only against the highest goods of a people, right and liberty, but also against the Church, whose protector he called himself?
Reason left to itself would probably not have wavered long here, particularly among such brave men, who loved above all things independence and the liberty given them of God, among princes who loved their people, and had often testified that they were willing to give up body and life, goods and honor for the Gospel.
But this very Gospel taught too plainly that every authority is of God, and that one must obey it for conscience' sake. The choice had not become so easy for them, and after they had made it, their whole manner of acting showed plainly enough that their conscience had not been brought to rest in it. Landgrave Philip wrote later at least to Bucer: "God does not will that the Evangelical cause be maintained by sword and force, but by preaching, confessing, suffering, dying and the cross."
As early as 1529 this point had come into question. The danger, which was then perhaps as threatening as now, had brought the Protestants to the thought of uniting more closely with one another, in order to render each other help, should anyone be attacked on account of religion. On this they soon agreed, whether the Upper German cities, which in faith inclined more toward the Swiss, should be received, or not. Their request to be taken into the league to be formed was flatly refused. Not so easily was the other question decided, whether in such a case resistance might be offered to the Emperor. The theologians were against it. Luther indeed compared the relation of his Elector to the Emperor with the relation of a burgomaster in Torgau to the Elector himself; even if the Emperor should break his oath, he would nevertheless remain Emperor, the authority set by God; if one no longer wished to obey him, one would have to depose him; whither could it lead at all, if one took up arms against him? One would have to drive him out and become Emperor oneself, which no one would then tolerate. If the Emperor should appear, that was his