Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 16 › Seite 122

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-03-27, Seite 122

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Rath, um Gewaltsamkeiten zu verüben, so dürfe ihn freilich kein Fürst dabei unterstützen, denn damit würde er selber gegen den Glauben sündigen, aber man dürfe sich auch nicht weigern, ihm das Land zu öffnen, und ihn darin nach seinem Willen verfahren zu lassen. Er wiederholte, wenn der Kaiser ihn und die andern fordere, so würden sie erscheinen, der Churfürst solle ihrethalben keine Sorge haben. Denn ein Jeder müsse auf seine Gefahr glauben. Brenz meinte, die Fürsten sein so wenig berechtigt gegen den Kaiser die Waffen zu ergreifen, wie einst die Bauern gegen Adel und Prälaten. Diese Meinung behielt damals meistens die Oberhand, wenigstens in Sachsen, Nürnberg und Brandenburg. Der Canzler Vogler versicherte, sein Herr sei entschlossen, wenn der Kaiser ihn überziehe, sich nicht zu wehren, sondern alles zu dulden, was Gott ihm auflege. So wurde damals aus dem Bündniß, das Europa erschüttern zu müssen geschienen, nichts. Ranke der treffliche Geschichtsschreiber, bemerkt hiebei: „Man mag das tadeln, wenn man will, wie es so oft getadelt worden ist. Politisch klug war es nicht.

Allein nie trat wohl die reine Gewissenhaftigkeit rücksichtsloser, großartiger hervor.

Man sieht den Feind gerüstet herannahen, man vernimmt sein Drohen, man täuscht sich nicht über seine Absichten, man ist fast überzeugt, daß er das Aeußerste versuchen werde.

Auch hätte man Gelegenheit einen Bund gegen ihn aufzurichten, der Europa erschüttern, an dessen Spitze man dem zur Weltherrschaft Aufstrebenden mächtig gegenübertreten, das Glück herausfordern könnte; allein man will das nicht, man verschmäht es.

Und zwar nicht etwa aus Furcht, aus Zweifel an der eigenen Tüchtigkeit, das sind Rücksichten, welche diese Seelen nicht kennen. Man thut es nicht, ganz allein aus Religion.

Einmal, man will die Vertheidigung des Glaubens nicht mit andern fremdartigen Interessen vereinigen, man will sich nicht zu Dingen, die man nicht übersehen kann, fortreißen lassen.

Ferner aber, man will nur den Glauben, den man selber glaubt, vertheidigen: man würde zu sündigen fürchten, wenn man sich mit denen verbände, welche, wenn auch nur in Einem, aber in einem wesentlichen Punkte abwichen.

Endlich, man zweifelt an dem Rechte, dem Oberherrn zu widerstehen, die altherkömmlichen Ordnungen des Reiches zu verletzen.

So nimmt man mitten in den wider einander laufenden getümmelvollen Interessen der Welt eine Haltung ein, die nur mit Gott und dem Gewissen berathen wird. So erwartet man die Gefahr. „Denn Gott ist treu,“ sagt Luther, „und wird uns nicht verlassen.“ Er führt den Spruch des Jesaias an: „Wenn ihr stille bliebet, so würde euch geholfen.“

Gewiß, klug ist das nicht, aber es ist groß.

Nachher wurde die Frage von den Juristen in die Hand genommen, und aus den Kaiserlichen Rechten selbst bewiesen, daß man dem Kaiser Widerstand leisten dürfe. Dabei beruhigten sich die Theologen. Sie bleiben bei der Lehre des Evangeliums: Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist; da aber das Evangelium äußerlich leiblich Regiment nicht verwerfe, sondern bestätige, so könnten auch sie in diesem Falle das weltliche Recht nicht aufhalten, wo die Juristen befänden, daß kaiserliche Rechte in diesem Fall einen Widerstand lehren. Die Juristen lieferten den Beweis, die Theologen, obwohl weit entfernt, zu rathen, die Waffen zu ergreifen, konnten doch auch nicht nach der eignen Lehre des Evangeliums durch Gewissensbeschwerungen den Lauf des Rechts hindern, und die Fürsten von dem abhalten, was ihr Fürstenamt nach dem im Reiche gültigen Recht ihnen auflegte. So kam unter den protestirenden Fürsten und Städten, wenn auch nicht allen, ein Bündniß zur Gegenwehr selbst, so es die Noth erfordere, wider den Kaiser zu Stande. Das ist der sogenannte Schmalkaldische Bund. Sachsen, Hessen, Lüneburg, Wolfgang von Anhalt, die beiden Grafen von Mansfeld, die Städte Magdeburg und Bremen waren die ersten, die sich dazu zusammenschlossen, am 31. December 1530. Bald traten mehrere hinzu. Im Jahre 1531 umfaßte der Bund schon sieben oberländische und sieben niederländische Städte. Er erstreckte sich bis an die äußersten Grenzen. Straßburg im Elsaß, wie Riga, Dorpat und Reval in den Ostseeprovinzen Rußlands suchten in diesem Bunde unter Gott Schutz gegen die bedrohlichen Angriffe papistischen Uebermuths.

So wichtig aber der Bund auch sein mag in der politischen Geschichte Deutschlands, wie groß seine Bedeutung selbst für die Einheit der Entwickelung der Lehre und des Geistes innerhalb der protestantischen so vereinigten Gebiete deutscher Zunge, so gänzlich untüchtig erwies er sich in der Stunde der Gefahr, für deren Abwendung er errichtet war. Der Herr wollte auch hier zeigen, obgleich ja gewiß unter den Verbündeten seine liebsten Kinder waren, die in seiner Furcht zur Vertheidigung der ewigen Wahrheit und für seines Namens Ehre und zum Schutz ihrer grausam bedrängten Unterthanen zusammen getreten waren, daß das Schwert des Geistes, und nicht das leibliche Schwert die Waffe seiner Streiter und nicht der Bund der Starken und Gewaltigen, selbst der Frömmsten, sondern Er selbst, der lebendige Gott, ihre feste Burg, ihr Helfer und Erretter sei. Nach menschlicher Berechnung mußte der Bund und mit ihm die bedrängte Kirche siegen in der nun herangekommenen Stunde der Entscheidung; nach seinem Rathschluß mußte er unterliegen, und die Kirche dennoch siegreich aus dem Kampfe hervorgehen.

(Fortsetzung folgt.)

(Eingesandt von Pastor Röbbelen.)

Die Offenbarung St. Johannis.

Das elfte und zwölfte Capitel.

„Im 11. und 12. Capitel werden zwischen solchen bösen Wehen und Plagen zwei Trostbilde gestellet, eines von den zweien Predigern, und eines von der schwangeren Frauen, die ein Knäblein, ohn des Drachen Dank gebieret. Damit angezeiget wird, daß dennoch etliche fromme Lehrer und Christen bleiben sollen, beide unter den zweien vorigen Wehen, und dem dritten zukünftigen Wehe. Und laufen nun die letzten zwei Wehe mit einander, und greifen zugleich die Christenheit zuletzt an, und der Teufel damit endlich dem Faß den Boden ausstößet.“ (Luther.)

Der Engel, welcher den römischen Antichrist vorstellt, beschloß im vorigen Capitel seine Rede damit, daß das Papstthum an die Stelle der apostolischen Predigt eine neue Lehre setzen werde. Wie das nun zugleich verblümter Weise die Weissagung in sich schloß, daß wirklich noch einmal das wahre Evangelium, der Apostel Lehre aus der Nacht der papistischen Finsterniß als eine Wiederholung dessen was die Zeugen der Auferstehung des HErrn schon ausgerichtet hatten hervorbrechen werde, wie ja denn z. B. in der Reformationszeit die Predigt von Christo der Welt etwas Neues war, so ist auch in diesem Capitel die Rede jenes Engels zu Anfang gewisser Maßen zweideutig, nimmt aber später einen solchen Verlauf, daß die letztere Beziehung auf das unter dem Scepter des Papstes verborgen gehaltene wahre Reich Gottes verwaltet und es unschwer zu erkennen ist, der Engel, welcher sich hier hören läßt habe nur zur Warnung der Kinder Gottes in seiner angenommenen Gestalt einen Spiegel abgegeben, der des Teufels geheime Praktiken verrathen müsse, gleichwie ein klarer See nicht bloß das Firmament mit Sonne, Mond und Sternen, sondern auch die Wolken, die sich vor der Sonne aufthürmen und den räuberischen Weih, der den Fischen nachstellt in seinem Spiegel zeigt, sei aber in der That ein Bote des HErrn und bringe göttliche Offenbarungen.

C. 11. V. 1. Als Weissagung des antichristischen Reichs hat dieser Vers den Sinn: Man wird die Richtschnur des Wortes Gottes, womit nach der Lehre der Apostel die Kirche regiert werden soll mit einem Herrscherstabe vertauschen und demgemäß das Heiligthum in den Zirkel menschlicher Satzungen fassen, nach menschlicher Berechnung ab- und wie im Handel den Käufern zumessen. Wie könnte das Papstthum besser beschrieben werden? Das „Rohr“, die heilige Schrift, die wegen der Pfeile des Gesetzes, die sie für die Herzen der Sünder hat sowohl, wie deßhalb, weil sie mit dem (früher gleich Pfeilen und Flöten aus Rohr verfertigten) Griffel geschrieben worden ist und als ein liebliches Harfen- und Flötenspiel in der göttlichen Traurigkeit der Buße die Seelen erquickt (vgl. Matth. 11, 17.) diesen Namen führt ward durch römischen Betrug in einen Stab verwandelt wie ihn ein sterblicher König und sein Büttel führt. Irdische Gewalt, heißt das, trat an die Stelle der Zucht des göttlichen Wortes und schmückte sich doch noch mit dem Worte, wollte ihre räuberischen und tyrannischen Anmaßungen aus der h. Schrift herleiten und dafür angesehen sein, wie wenn der Gottes Wort überträte, welcher sich gegen sie auflehnte. Sie nahm „den Tempel Gottes“ für sich allein in Anspruch. „Hie,“ hieß es, „ist des HErrn Tempel“ und sonst nirgends. Sie wußte es auch ganz genau, wie weit er sich erst[unleserlich] Das war ihr möglich, weil sie ein Gebäude, das Menschenwitz errichtet hatte darunter verstand. Vor allen hatte sie es aber mit dem „Altar“ zu thun:

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Council, to commit acts of violence, then indeed no prince might support him therein, for thereby he would himself sin against the faith; but neither might one refuse to open the land to him and to let him proceed therein according to his will. He repeated that if the Emperor should summon him and the others, they would appear; the Elector should have no concern on their account. For every one must believe at his own peril. Brenz held that the princes were as little entitled to take up arms against the Emperor as the peasants once were against nobility and prelates. This opinion for the most part prevailed at that time, at least in Saxony, Nuremberg and Brandenburg. The Chancellor Vogler assured them that his master was resolved, if the Emperor should invade him, not to defend himself but to endure everything that God should lay upon him. Thus nothing came at that time of the league which seemed destined to shake Europe. Ranke, the excellent historian, remarks hereupon: "One may censure this if one will, as it has so often been censured. It was not politically wise.

But never perhaps did pure conscientiousness appear more regardless of consequences, more grand.

One sees the enemy approach in arms, one hears his threats, one is not deceived about his intentions, one is almost convinced that he will attempt the utmost.

One would also have opportunity to form a league against him which might shake Europe, at the head of which one might confront with might him who aspired to universal dominion, and challenge fortune; but one will not do so, one scorns it.

And that, not from fear, from doubt of one's own capability; those are considerations which these souls do not know. One does it not, wholly and solely out of religion.

First, one will not unite the defense of the faith with other, foreign interests; one will not let oneself be carried away into things which one cannot survey.

Further, however, one will defend only the faith which one himself believes: one would fear to sin if one allied oneself with those who differed, though only in one point, yet in an essential point.

Finally, one doubts the right to resist the sovereign, to violate the ancient ordinances of the Empire.

Thus, in the midst of the tumultuous, conflicting interests of the world, one assumes a bearing which is taken counsel of with God and conscience alone. Thus one awaits the danger. 'For God is faithful,' says Luther, 'and will not forsake us.' He cites the saying of Isaiah: 'If ye kept still, ye would be helped.'

Certainly, that is not prudent, but it is great.

Afterwards the question was taken in hand by the jurists, and it was proved from the Imperial laws themselves that one might offer resistance to the Emperor. The theologians were quieted thereby. They remain by the doctrine of the Gospel: Render unto Caesar the things that are Caesar's; but since the Gospel does not reject the outward bodily government but confirms it, they too could not in this case hinder the secular law, where the jurists should find that imperial laws in this case teach resistance. The jurists furnished the proof; the theologians, though far from advising to take up arms, yet could not, according to the Gospel's own doctrine, by burdening of consciences hinder the course of law, and keep the princes from that which their princely office, according to the law valid in the Empire, laid upon them. Thus among the protesting princes and cities, though not all, there came into being an alliance for defense itself, if need should require, against the Emperor. That is the so-called Smalcaldic League. Saxony, Hesse, Lüneburg, Wolfgang of Anhalt, the two Counts of Mansfeld, the cities of Magdeburg and Bremen were the first who united for this purpose, on December 31, 1530. Soon several joined. In the year 1531 the League already embraced seven Upper German and seven Lower German cities. It extended to the outermost borders. Strasburg in Alsace, as well as Riga, Dorpat and Reval in the Baltic provinces of Russia, sought in this League, under God, protection against the threatening attacks of papistical arrogance.

But however important the League may be in the political history of Germany, however great its significance even for the unity of development of the doctrine and spirit within the Protestant territories of German tongue thus united, so utterly useless did it prove itself in the hour of danger for the averting of which it was established. The Lord would show here also, although there were certainly among the allies His dearest children, who in His fear had joined together for the defense of the eternal truth and for the honor of His name and for the protection of their cruelly oppressed subjects, that the sword of the Spirit, and not the bodily sword, is the weapon of His warriors, and not the league of the strong and mighty, even of the most pious, but He Himself, the living God, is their sure fortress, their helper and deliverer. According to human reckoning the League, and with it the afflicted Church, must conquer in the hour of decision now come; according to His counsel it must succumb, and the Church nevertheless come forth victorious from the conflict.

(To be continued.)

(Sent in by Pastor Röbbelen.)

The Revelation of St. John.

The Eleventh and Twelfth Chapters.

"In the 11th and 12th chapters, between such evil woes and plagues, two pictures of comfort are set forth, one of the two preachers, and one of the pregnant woman, who brings forth a man-child in spite of the dragon. Thereby it is shown that nevertheless some pious teachers and Christians shall remain, both under the two former woes, and the third woe to come. And now the last two woes run together, and attack Christendom at the last at once, and the devil thereby at length knocks the bottom out of the cask." (Luther.)

The angel who represents the Roman Antichrist concluded his speech in the preceding chapter with this, that the papacy would put a new doctrine in the place of the apostolic preaching. Just as this at the same time contained in veiled manner the prophecy that indeed once more the true Gospel, the doctrine of the apostles, would break forth out of the night of papistical darkness as a repetition of what the witnesses of the resurrection of the LORD had already accomplished, as indeed, for example, in the time of the Reformation the preaching of Christ was something new to the world, so also in this chapter the speech of that angel is at the beginning in a certain measure ambiguous, but later takes such a course that the latter reference, to the true kingdom of God kept hidden under the scepter of the Pope, is administered and it is not hard to recognize that the angel who here makes himself heard has only for the warning of the children of God, in his assumed form, furnished a mirror which must betray the devil's secret practices, just as a clear lake shows in its mirror not merely the firmament with sun, moon and stars, but also the clouds that pile up before the sun and the rapacious kite that lies in wait for the fishes, but is in fact a messenger of the LORD and brings divine revelations.

Ch. 11, v. 1. As prophecy of the antichristian kingdom this verse has the meaning: The measuring line of the Word of God, with which according to the doctrine of the apostles the Church is to be governed, will be exchanged for a ruler's staff, and accordingly the sanctuary will be enclosed in the circle of human ordinances, measured off by human reckoning and, as in trade, meted out to the buyers. How could the papacy be better described? The "reed," the Holy Scripture, which on account of the arrows of the Law that it has for the hearts of sinners, as well as because it was written with the stylus (formerly made, like arrows and pipes, of reed), and as a lovely playing of harp and pipe in the godly sorrow of repentance refreshes the souls (cf. Matth. 11, 17), which bore this name, was by Roman fraud changed into a staff such as a mortal king and his beadle carry. Earthly power, that is to say, took the place of the discipline of the divine Word and yet adorned itself with the Word, wished to derive its rapacious and tyrannical pretensions from Holy Scripture and to be regarded as though he transgressed God's Word who rose up against it. It claimed "the temple of God" for itself alone. "Here," it was said, "is the temple of the LORD" and nowhere else. It also knew quite exactly how far it extended [illegible] That was possible for it because it understood thereby a building which human wit had erected. Above all, however, it had to do with the "altar":