Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 18 › Seite 137
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-04-24, Seite 137
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Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von der Deutschen Ev. Luther. Synode von Missouri, Ohio und andern Staaten.
Redigirt von C. F. W. Walther.
Jahrgang 11. St. Louis, Mo., den 24. April 1855. No. 18.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorausbezahlen und das Postgeld zu tragen haben.— In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.
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(Eingesandt von Past. Wyneken.)
Die Noth der Lutherischen Kirche seit dem Tode Luthers, und ihre Errettung daraus durch den am 25. Sept. 1555 geschlossenen Religionsfrieden zu Augsburg.
Ein geschichtlicher Beitrag zur diesjährigen Feier des Friedensjubelfestes am nächstkommenden 25. September.
Fortsetzung.
Moritz'ens Einfall in Chursachsen.
Moritz, Herzog von Sachsen, Sohn von Heinrich dem Frommen, desselben, welcher die Reformation in die Meißnischen Landen einführte, war am Chursächsischen Hof fürstlich erzogen, und vom Churfürsten wie ein eigner Sohn gehalten; war auch sonst wie sein Vater dem Churfürsten vielfach verpflichtet. Nichts desto weniger, oder vielmehr eben deswegen wohl hatte er einen Widerwillen gegen den Churfürsten. Denn dem Ehrgeiz, wenn er nicht wenigstens mit einer Art natürlicher Großmuth verbunden ist, ist das Bewußtsein empfangener Wohlthaten lästig und drückend. Ehrgeizig aber war Moritz, obgleich er die tiefen Pläne seines Ehrgeizes, bei denen er keinen Vertrauten hatte, als sich selbst, sehr wohl hinter dem Wohlgefallen zu verstecken wußte, welches er an dem damals üblichen ritterlichen Treiben bezeigte. Seine ausgezeichnete Tapferkeit im Felde, wie die außerordentliche Sorgfalt und Klugheit, die er bei der Verwaltung seines Landes bewies, zeigte freilich schon frühzeitig, daß mehr in ihm stecke, als die Lust, sich in den Ritterspielen und Trinkgelagen, Jagden und Lustbarkeiten des Ritter- und Hoflebens auszuzeichnen. Seinem politischen Scharfblick entging es gewiß nicht, welchem Schicksal das auf seine Freiheit und Unabhängigkeit so stolze Deutschland unter Kaiser Karl entgegen ging, so wenig wie daß der Schmalkaldische Bund bei seiner innern Schwäche nicht im Stande sei, die drohende Gefahr abzuwenden. Wie sein Fürstenstolz es ihm nicht zuließ, selbst als ein Hochbegünstigter des Kaisers der Knechtung Deutschlands geruhig zuzusehen, so wenig erlaubte ihm seine Klugheit, sich dem schmalkaldischen Bunde anzuschließen. Er faßte für sich seine Pläne, und lief seine eigne versteckte Bahn, um sie auszuführen. Und da er keine Rücksichten zu kennen schien, die der Klugheit ausgenommen, so muß es uns nicht wundern, wenn er sich trotz dem Unwillen, ja dem lauten Vorwurf der elendesten Undankbarkeit gegen den Kurfürsten, und der schmachvollsten Verrätherei an der Kirche, jetzt mit dem Kaiser verband, um durch ihn zu der Macht und dem Ansehen zu gelangen, welche ihm nöthig schienen, dem Kaiser selbst den gewonnenen Sieg aus den Händen zu reißen, die alte Unabhängigkeit Deutschlands wieder herzustellen, und damit zugleich dem unterdrückten Evangelium wieder eine freie Stätte zu bereiten. Nach dem Maßstabe der Politik war das gewiß großartig, ob nach dem Maßstabe des Evangeliums ist freilich eine andere Frage.
Moritz hatte sich schon längst nicht allein in der Gunst, sondern auch in dem Vertrauen des Kaisers festzusetzen gewußt. Daß er trefflich zu der Ausführung seiner Pläne mit den Protestanten paßte, sah der Kaiser wohl, denn er war sicherlich der Klügste und Thatkräftigste unter den Fürsten, daß er ihm ja schaden könne — der Kaiser dachte wohl zu groß von sich und seiner Macht, als daß ihm je der Gedanke hätte einkommen können. Dazu war Moritz ein Meister in der Kunst der Verstellung, und hatte dazu in der Schule des Kaisers selbst die trefflichste Anleitung, und daß er seinen Meister selbst betrügen konnte, war Beweis genug, welch ein gelehriger Schüler er war.
Auf dem Reichstag zu Regensburg war Moritz nur kurze Zeit zugegen. Er hatte viele geheime Conferenzen mit dem Kaiser, in welchen das Bündniß zwischen beiden aufgerichtet wurde. Moritz versprach Treue und Gehorsam gegen den Kaiser, den römischen König Ferdinand, des Kaisers Bruder, und dem Oestreichischen und Burgundischen Hause — d. h. dem Kaiserlichen Hause alle Ergebenheit, Freundschaft und Beistand, verpflichtete sich auch, sich den Schlüssen des Concilii zu Trient zu unterwerfen, in demselben Maße, wie solches auch andere deutsche Fürsten thun würden. Der Kaiser ernannte ihn dagegen zum Advokaten des Erzstift's Magdeburg und des Bisthums Halberstadt, und wie es der Erfolg zeigte, ist ihm auch wohl schon hier das Churfürstenthum Sachsen versprochen, und die Ausführung der später ausgesprochenen Acht gegen den Churfürsten aufgetragen.
Was für einen Eindruck mochte es auf ihn machen, als der arglose Churfürst ihn bei seinem Kriegszuge die Aufsicht über seine Länder anvertraute? An seinen Plänen änderte es indessen nichts. Freilich mußte es den Schein haben, als
English translation AI translation
Der Lutheraner.
"God's Word and Luther's doctrine pass away now and nevermore."
Published by the German Ev. Lutheran Synod of Missouri, Ohio, and other States.
Edited by C. F. W. Walther.
Volume 11. St. Louis, Mo., April 24, 1855. No. 18.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks at the yearly subscription price of One Dollar for out-of-town subscribers, who must pay in advance and bear the postage.— In St. Louis each single number is sold for 5 cents.
Only those letters which contain communications for the paper are to be sent to the editor; all others, however, which contain business matters, orders, cancellations, money, etc., are to be sent hither under the address: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.
(Sent in by Pastor Wyneken.)
The Distress of the Lutheran Church since the Death of Luther, and her Deliverance from it through the Religious Peace of Augsburg concluded on the 25th of September, 1555.
A historical contribution to this year's celebration of the Peace Jubilee on the coming 25th of September.
Continuation.
Maurice's Invasion of Electoral Saxony.
Maurice, Duke of Saxony, son of Henry the Pious, the same who introduced the Reformation into the Meissen lands, had been brought up like a prince at the Electoral Saxon court, and was treated by the Elector as his own son; and, like his father, he was also in many ways under obligation to the Elector. Nevertheless, or rather precisely for that reason, he felt an aversion to the Elector. For to ambition, unless it is united at least with a kind of natural magnanimity, the consciousness of benefits received is burdensome and oppressive. Ambitious, however, Maurice was, although he knew very well how to hide the deep schemes of his ambition, in which he had no confidant but himself, behind the pleasure which he showed in the knightly pursuits then customary. His distinguished bravery in the field, as well as the extraordinary care and prudence which he showed in the administration of his land, indeed already early revealed that there was more in him than the desire to distinguish himself in tournaments and drinking bouts, hunts and amusements of knightly and court life. It certainly did not escape his political penetration what fate Germany, so proud of her freedom and independence, was approaching under Emperor Charles, any more than that the Smalcaldic League, in its inner weakness, was not in a position to avert the threatening danger. Just as his princely pride did not permit him, even as a highly favored man of the Emperor, to look on calmly at the enslavement of Germany, so little did his prudence allow him to join the Smalcaldic League. He formed his plans for himself, and ran his own hidden course in order to carry them out. And since he seemed to know no considerations except those of prudence, we must not wonder that, in spite of the displeasure, indeed the loud reproach of the most wretched ingratitude toward the Elector, and of the most shameful treachery to the Church, he now allied himself with the Emperor, in order through him to attain the power and standing which seemed to him necessary to wrest from the Emperor himself the victory he had won, to restore the old independence of Germany, and thereby at the same time to prepare a free place once more for the oppressed Gospel. By the standard of politics that was certainly grand; whether it was so by the standard of the Gospel is, to be sure, another question.
Maurice had long since known how to establish himself not only in the favor but also in the confidence of the Emperor. That he fitted excellently for the execution of his plans with the Protestants, the Emperor saw well, for he was assuredly the shrewdest and most energetic among the princes, so that he could do him harm — the Emperor thought too highly of himself and his power for the thought ever to have occurred to him. Besides, Maurice was a master in the art of dissimulation, and had had in the school of the Emperor himself the finest instruction, and that he could deceive his own master was proof enough what a teachable pupil he was.
At the Diet of Regensburg Maurice was present only a short time. He had many secret conferences with the Emperor, in which the alliance between the two was set up. Maurice promised fidelity and obedience to the Emperor, to the Roman King Ferdinand, the Emperor's brother, and to the Austrian and Burgundian House — that is, to the Imperial House — all devotion, friendship, and assistance; he also bound himself to submit to the decrees of the Council of Trent, in the same measure as other German princes would do likewise. The Emperor in return appointed him advocate of the Archbishopric of Magdeburg and of the Bishopric of Halberstadt, and, as the outcome showed, the Electorate of Saxony was probably already promised him here, and the execution of the ban afterward pronounced against the Elector was entrusted to him.
What impression it must have made upon him when the unsuspecting Elector entrusted to him, on his campaign, the oversight of his lands! It changed nothing, however, in his plans. Of course it had to have the appearance as if