Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 18 › Seite 142

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-04-24, Seite 142

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des Mehrere auf ein und dasselbe Stück mit ihrer Wahl fallen würden, und daß dadurch Unwillen und Streit entstehen würde, stiegen jetzt aufs Höchste, und ich konnte nicht umhin, sie mit meinen Befürchtungen bekannt zu machen und zugleich zur Eintracht zu vermahnen. Beim zu vertheilenden Lande angekommen machten sie bald durch ihr friedliches Sich berathen meine Befürchtungen zu Nichte. Einer nach dem Andern wählte friedlich sein Stück heraus, und kam es ja vor, daß zwei Männer auf ein und dasselbe Stück fielen, so gab der Jüngere dem Aelteren nach. Recht lebendig wurde ich dabei an das Scheiden zwischen Abraham und Lot erinnert, wo Abraham sagte: „Willst du zur Rechten, so will ich zur Linken, und willst du zur Linken, so will ich zur Rechten“. — Die den Indianern zugetheilten Stücke Landes sind theils wegen des Laufes des Pine-Flusses, theils auch wegen des Bedürfnisses einzelner Familien von verschiedener Größe, enthaltend von 15 bis zu 23 Acker. Nach Vertheilung der Ländereien an die Indianer fertigte ich Jedem einen Vertrag aus, worin sie als rechtmäßige Besitzer des betreffenden Landes erklärt und zugleich gebunden und verpflichtet sind, die vorläufig von uns aufgelegte Ankaufssumme an den Verkäufer d. i. die Missionscommission zu entrichten. Für diesen vergangenen Sommer haben sich sämmtliche Bewohner Bethaniens nochmals nach gewohnter Weise auf das alte Land beschränkt; für den Winter wollten sie Hand anlegen und ihre Aexte in dem öden Urwalde schwingen lassen und demselben auf ehrliche Weise ihr tägliches Brod abgewinnen.

Es war Anfangs unsere Absicht, viel mehr Land anzukaufen, als bisher geschehen ist, und das darum, weil einmal die Gemeinde zu Shebahyonk gesonnen war, von ihren bisherigen Wohnsitzen aufzubrechen und sich mit ihren Glaubensbrüdern in Bethanien zu Einer Gemeinde zu vereinigen, und zum Andern weil wir Aussicht und Hoffnung hatten, daß fremde noch heidnische Indianer, namentlich Verwandte der unsrigen, hieher ziehen und so den Segnungen des Christenthums nahe kommen würden. Leider sind unsre Hoffnungen, wenigstens für jetzt, zu Schanden geworden. Von den heidnischen Indianern, die nach Bethanien ziehen wollten, haben wir nichts mehr vernommen, und welchen traurigen Ausgang es mit der Gemeinde zu Shebahyonk genommen hat, dessen sind wir in diesen Blättern schon vor Monaten inne geworden.

So ist denn der Grundstein zu einer wesentlichen Veränderung in der Lebensweise unserer Indianer gelegt worden, obgleich dieselbe noch nicht faktisch eingetreten ist. — Außer den oben beschriebenen Veränderungen erfährt unser Bethanien gar viele Umänderung durch den häufigen Zuzug englischer Familien. Schon ist wenige Meilen oberhalb Bethanien Farm an Farm angelegt, während wir sonst nach allen Richtungen hin nichts als todten Urwald hatten. Viel Nachtheiliges für unsre Gemeinde hatte ich durch englische Nachbarn gefürchtet und es ist leider dahin ausgeschlagen, wenn auch nicht mit Wissen und Willen der uns nahe gekommenen Amerikaner. Vor Allen ist es der leidige Freiheitsschwindel, der den englischen Theil der Nordamerikaner durchdringt und beseelt. Die Yankees leben zum größten Theile im eigentlichen Sinne ohne Gott und ohne Sein heiliges Wort in dieser Welt von einem Tage und einem Jahre zum andern. Die besseren unter ihnen thun des Sonntags kein Werk, wie sie diese Gewohnheit von England mit herübergebracht haben. Darin liegt das Wesen ihrer Sabbathsfeier, ihres Gottesdienstes. Sie kommen dann und wann auch wohl in unsere Kirche und hören die Predigt des göttlichen Wortes an, die, da sie von uns in Englischer Sprache gehalten werden muß, für sie zugleich mit verständlich ist. Aber bei alle dem zeigt sich doch das freie, ungebundene und ungezügelte Wesen nur gar zu sehr und zwar zum großen Nachtheile für unsre noch immerhin unmündigen Indianer-Christen, die auch Kinder einer freien Nation zu sein sich rühmen. Daß die Englischen Nachbarn von Bethanien zur Kirche kommen, wenn sie Lust haben und ebenso nach Belieben wegbleiben, sonst aber in keinem kirchlichen Verhältniß zu uns stehen, ist schon vielen von unsern jungen Leuten zur Versuchung geworden. Schon ist der Kirchenbesuch bei Einigen nicht mehr so regelmäßig, wie früher. Ferner muß ich auch darüber klagen, daß die Sucht nach Kleiderpracht durch das Beispiel der eitlen Amerikaner, besonders des weiblichen Geschlechts sittenverderbend in meiner Gemeinde um sich greift. Mit diesem für unsre Indianer höchst verderblichen Laster gehen Hoffahrt und Gewinnsucht, zwei große Feinde des Evangeliums, Hand in Hand, und treten dem Worte Gottes hindernd entgegen. Ach, da gibts so viele Feinde und Widersacher, gegen deren Angriffe zu beten und zu kämpfen ist! Doch sind dies erst die Feinde von Außen. Weit schlimmer und gefährlicher aber sind die Feinde des Reichs Gottes, welche ohnlängst in unserer eignen Gemeinde aufgetaucht sind, deren Bekämpfung mir schon manchen Kummer verursacht und manchen Seufzer ausgepreßt hat. Ich habe auch dieses den lieben Brüdern mitzutheilen, denn um ein vollständiges Bild von unsrer Gemeinde zu geben, kann ich nicht umhin, auch alle Schattenseiten derselben mitanzuführen.

Es ist wahr, Bethanien ist, wie sein Name sagt, ein Haus der Armuth und der Drangsal. Arm sind die Indianer gewesen, als sie zum ersten Male mit den Schätzen und Reichthümern des Himmels begrüßt wurden und arm sind sie noch heute. In unserm Gemeinlein sind nicht weniger als sechs Wittwen, die oft kaum für sich, viel weniger für ihre Kinder Brod haben. Diese Noth nun hat ihrem früheren Seelsorger, dem Missionar Baierlein, oft das Herz gebrochen und ihn die Hände aufthun heißen, wie es auch noch heute der Fall ist bei seinen Nachfolgern. Von dem Häuptlinge Nagischik, der, beiläufig gesagt, im Betteln der Schlimmste ist, bis zur ärmsten Waise herunter, wird unsere Hilfe vielfach in Anspruch genommen. Und wie könnten wir unsere Herzen verschließen und unsere Hände zurückziehen, wenn es wirklich die Noth ist, welche unsere Indianer zum Bitten nöthigt. Aber letzeres ist eben nicht immer der Fall. Nur gar zu oft suchen Einzelne unsere Hilfe, um dadurch ihrer natürlichen Trägheit Vorschub zu leisten. Ja bei Mehreren ist es mir zu meiner großen Betrübniß klar geworden, wie sie durch die Mildthätigkeit, deren sie früher genossen haben, so gar verwöhnt sind. Sie mißbrauchen dieselbe jetzt aufs Schändlichste und machen trotzig Ansprüche darauf, auch wo sie keineswegs in Noth sind. Sie meinen, wir seien ihnen schuldig, alle ihre Wünsche und Forderungen zu erfüllen und Alles zu reichen, wornach sie verlangen; daher denn auch die gröbsten Vorwürfe, Beschimpfungen, ja die frechsten und gottlosesten Drohungen von Seiten Einzelner vorkamen, wenn ihnen irgend Etwas abgeschlagen wurde. — Wie dürfte ich solch Unwesen und solche Unlauterkeit gutheißen, ja wie dürfte ich die so sich Versündigenden durch kampfscheues Nachgeben und durch Erfüllung ihrer Wünsche zufrieden stellen ?! Ich würde sie dadurch ja in ihrem grundfalschen Wahne erhalten, in ihrer offenbar gewordenen Bosheit bestärken und mich selbst fremder Sünden theilhaftig machen; ich würde mich gröblich an meinem Gott versündigen, dem ich meine Gemeinde als eine reine Jungfrau ihrem Bräutigam vorstellen soll.

Solche Auswüchse müssen vielmehr abgeschnitten und ausgereutet werden, es koste auch, was es wolle. Und es hat schon manchen heißen Kampf gekostet.

Freilich habe ich mir viele grobe Vorwürfe und Beschuldigungen durch Bekämpfung der oben erwähnten Laster, wozu ich in meinem Gewissen gedrungen war, zugezogen und Drohungen, als z. B. daß sie nicht mehr Christen sein oder Methodisten werden wollten ꝛc., wenn dieß oder das nicht geschehe, was sie wollten, sind unzählige vorgekommen, ja der barmherzige Gott hätte wohl Ursache gehabt, diesen oder jenen im verkehrten Sinn dahinzugeben; aber Seine Geduld und Langmuth währet noch.

Vor Allen hat ein Mann, Namens Misquaanaquod sich gröblich an seinem Gotte versündigt. Noch immer bleibt er fern von uns und kommt nicht mehr zur Anhörung des göttlichen Wortes. O daß der HErr sich nochmals seiner armen Seele annehmen und ihm Zeit und Raum zur Buße geben wolle!

Meine Gemeinde in ihrer großen Mehrzahl weiß so gar keinen Unterschied zwischen „nothleidend“ und „bemittelt“ zu machen. Breche ich mein Stückchen Brod mit armen Wittwen und Waisen, und decke ich der Nothleidenden Blöße mit Kleidern, die uns von deutschen Glaubensbrüdern in und außer der Synode zugeschickt worden, so wollen die andern gleich betheiligt sein. Wenn der Letztern Begehr dann doch nicht erfüllt wird, so darf ich mich nicht über Vorwürfe verwundern, als zöge ich Einen dem Andern vor, als liebe ich diesen und jenen mehr, als Andere. Wie schon oben gesagt, das ist ein gefährlicher Feind, der sich in Mitte meiner Gemeinde eingeschlichen hat und die Herzen Vieler mit Tücke und Bosheit erfüllt. Ich weiß keinen bezeichnenderen Namen für diesen Feind, als Brodchristenthum. Bekämpfe ich ihn mit der Vorstellung, daß wir nicht verpflichtet seien, auch die leiblichen Versorger der Indianer zu sein, so

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several would fall upon one and the same piece with their choice, and that thereby ill-will and strife would arise, rose now to the highest, and I could not refrain from acquainting them with my fears and at the same time exhorting them to concord. When they had come to the land to be divided, they soon brought my fears to naught by their peaceable consulting together. One after the other chose his piece peaceably, and if it did happen that two men fell upon one and the same piece, the younger yielded to the elder. I was vividly reminded thereby of the parting between Abraham and Lot, where Abraham said: "If thou wilt take the right hand, then I will go to the left; or if thou depart to the left hand, then I will go to the right." — The pieces of land allotted to the Indians are partly on account of the course of the Pine River, partly also on account of the needs of individual families of different size, containing from 15 to 23 acres. After the distribution of the lands to the Indians I made out for each a contract, in which they are declared lawful owners of the land in question and at the same time bound and obligated to pay the purchase sum provisionally laid upon them by us to the seller, that is, the mission committee. For this past summer all the inhabitants of Bethany once more confined themselves in the accustomed manner to the old land; for the winter they intended to lay hand to work and to let their axes swing in the desolate primeval forest and to win from it in honest fashion their daily bread.

It was at first our intention to buy much more land than has been done, and that for this reason, that, for one thing, the congregation at Shebahyonk was minded to break up from its former dwelling places and to unite with their brethren in the faith at Bethany into one congregation, and, for another, because we had prospect and hope that strange, still heathen Indians, namely relatives of our own, would move hither and so come near to the blessings of Christianity. Unfortunately our hopes, at least for the present, have come to shame. Of the heathen Indians who wished to move to Bethany we have heard nothing more, and what a sad end it has come to with the congregation at Shebahyonk, we became aware in these pages months ago.

So the foundation stone has been laid for an essential change in the manner of life of our Indians, although the same has not yet actually taken place. — Besides the changes described above, our Bethany is experiencing many alterations through the frequent influx of English families. Already, a few miles above Bethany, farm after farm has been laid out, whereas otherwise we had in all directions nothing but dead primeval forest. Much that was harmful for our congregation I had feared from English neighbors, and it has unfortunately turned out so, even though not with the knowledge and will of the Americans who have come near us. Above all it is the wretched swindle of liberty which pervades and animates the English part of the North Americans. The Yankees live for the most part, in the proper sense, without God and without His holy Word in this world from one day and one year to the other. The better among them do no work on Sunday, as they have brought this custom over with them from England. Therein lies the essence of their Sabbath observance, of their divine service. They come now and then also to our church and hear the sermon of the divine Word, which, since it must be preached by us in the English language, is at the same time intelligible to them. But with all that, the free, unrestrained and unbridled disposition shows itself only too much, and indeed to the great disadvantage of our still minor Indian Christians, who also boast of being children of a free nation. That the English neighbors of Bethany come to church when they have a mind and just as well stay away at pleasure, but otherwise stand in no churchly relation to us, has already become a temptation to many of our young people. Already the attendance at church with some is no longer so regular as formerly. Further I must also complain that the craving for finery of dress, through the example of the vain Americans, especially of the female sex, is spreading morally corrupting in my congregation. With this vice, so highly ruinous for our Indians, go pride and covetousness, two great enemies of the Gospel, hand in hand, and hinderingly oppose the Word of God. Ah, there are so many enemies and adversaries against whose attacks one must pray and fight! Yet these are only the enemies from without. Far worse and more dangerous are the enemies of the kingdom of God who have lately arisen in our own congregation, the combating of whom has already caused me much grief and wrung many a sigh from me. I have wished also to communicate this to the dear brethren, for in order to give a complete picture of our congregation I cannot refrain from setting forth also all its shadow sides.

It is true, Bethany is, as its name says, a house of poverty and affliction. The Indians were poor when they were first greeted with the treasures and riches of heaven, and they are poor still today. In our little flock there are no fewer than six widows, who often have scarcely bread for themselves, much less for their children. This distress has often broken the heart of their former pastor, the missionary Baierlein, and made him open his hands, as is still the case today with his successors. From the chief Nagischik, who, by the way, is the worst at begging, down to the poorest orphan, our help is much called upon. And how could we close our hearts and withdraw our hands when it is really want that compels our Indians to ask. But the latter is just not always the case. Only too often individuals seek our help in order thereby to give furtherance to their natural sloth. Indeed with several it has become clear to me, to my great grief, how they have been so spoiled by the charity which they enjoyed formerly. They abuse the same now in the most shameful way and make defiant claims upon it, even where they are by no means in want. They think we are bound to fulfil all their wishes and demands and to give them everything they ask for; hence also the grossest reproaches, abuse, yes the most impudent and godless threats on the part of individuals have occurred when anything was refused them. — How could I approve such disorder and such impurity, yes how could I satisfy those who thus sin by a timid giving way and by fulfilment of their wishes?! I should thereby confirm them in their utterly false delusion, in their wickedness become manifest, and make myself partaker of other men's sins; I should sin grossly against my God, to whom I am to present my congregation as a pure virgin to her Bridegroom.

Such excrescences must rather be cut off and rooted out, cost what it may. And it has already cost many a hot struggle.

To be sure, I have drawn upon myself many coarse reproaches and accusations by combating the vices mentioned above, to which I was constrained in my conscience, and threats, such as that they would no longer be Christians or would become Methodists etc., if this or that were not done which they wanted, have occurred without number; indeed the merciful God would well have had cause to give this one or that one over to a reprobate mind; but His patience and long-suffering endureth still.

Above all a man named Misquaanaquod has sinned grossly against his God. He still keeps away from us and no longer comes to hear the divine Word. O that the LORD would once more take pity on his poor soul and give him time and space for repentance!

My congregation in its great majority knows no difference at all between "needy" and "well-to-do." If I break my bit of bread with poor widows and orphans, and cover the nakedness of the needy with clothes which have been sent us by German brethren in the faith within and without the Synod, then the others want to share equally. If the desire of the latter is then not fulfilled, I must not wonder at reproaches, as if I preferred one to the other, as if I loved this one and that one more than others. As I said above, that is a dangerous enemy who has crept into the midst of my congregation and fills the hearts of many with malice and wickedness. I know no more fitting name for this enemy than bread-Christianity. If I combat it with the representation that we are not bound to be also the bodily providers of the Indians, then