Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 18 › Seite 141
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-04-24, Seite 141
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schen Flußwasser löschten. Neugestärkt setzten wir unsere Reise fort und gelangten nach fünf Uhr an den zweiten Abschnitt des Weges, einen wunderschönen Höhepunkt, „Craemers chair“ genannt (der erste Missionar in dieser Gegend, der jetzige Professor Craemer in Fort-Wayne, pflegte hier so gern zu ruhen, wenn er nach Bethanien reisete). In der Mitte des Abhangs rieselt eine herrliche Quelle die steile Höhe hinunter. Zum andern Male durch Speise und das köstliche Quellenwasser erfrischt unternahmen wir, wiewohl sehr ermüdet, die Weiterreise. Da der Sonnenuntergang nahe war, so schien es nothwendig, daß Einer von uns zu Pferde voraneilte, um jedenfalls das Indianerdorf noch vor Einbruch der Nacht zu erreichen und den Bewohnern anzuzeigen, daß wir sie morgen zu sehen wünschten. Die Wahl traf mich und ich eilte deßhalb, so sehr ich konnte, voran, indem ich meinen Reisegefährten von Gott Kräfte erflehete, mir, wenn auch langsam, doch bis ans Ziel nachzufolgen. Noch vor Dunkelwerden gelangte ich zum Missionshause; alsbald wurden die beiden Missionspferde aufgezäumt, um den müden Wanderern entgegenzueilen und sie gleichfalls vollends nach Bethanien zu tragen. So fand uns denn der späte Abend glücklich in Bethanien zusammen.
Am andern Morgen fand eine Schulinspection statt. Dieselbe lieferte einen Beweis, daß die Kinder, groß und klein, mehr Lust zur Schule bekommen, sich der Schulzucht besser fügen, und demgemäß auch bessere Fortschritte machen. Die Versammlung der Gemeinde war auf den Abend angesetzt; ehe dieselbe aber gehalten wurde, machten wir einige Hausbesuche. Es war uns von den Missionaren mitgetheilt, daß manche unter den Christen, wenn sie wegen begangenen Sünden gestraft waren, ein störriges Gemüth gezeigt hätten. Diese bedurften der ernstlichsten Ermahnungen, die sie auch anzunehmen schienen, obwohl es bei Manchen einen harten Kampf kostete. Auch die alte Sarah und ihr Haus war aus dem Wege gewichen; sie waren nicht allein in ihren Ansprüchen an die Mission unverschämt gewesen, sondern auch auf vielfachen lügnerischen Reden ertappt worden. Der Missionar Mießler hielt mit fleißiger Ermahnung an und wir, die Besuchenden, halfen bitten, daß sie doch ja zum Gehorsam gegen Gottes Wort zurückkehren möchten. Im Hause des alten Wabigonschkom fanden wir zwar freundliche Aufnahme, mußten aber leider hören, daß er und sein Weib sich bisher noch immer von der Vorbereitung zur Taufe hatten abhalten lassen. Der Teufel ersinnt den armen Leuten täglich neue Gründe zum Aufschieben der heiligen Taufe und so ist ernstlich zu fürchten, daß sie einmal im Unglauben dahin fahren. — Abends war die Versammlung der Indianer in der Kirche. Nach den üblichen Begrüßungen gedachten wir mit Freuden der großen Segnungen Gottes, die unter den Indianern sichtbar sind. Insbesondere priesen wir Gott für alles Heil im Irdischen, für den großen Fortschritt in Einrichtung des Ackerbaues, der Gärten und der Häuser. Wir erfuhren bei dieser Gelegenheit, daß eine solche Menge Yankees in die Umgegend von Bethanien erzogen seien, daß die Jagd schon sehr beeinträchtigt werde. Daher denn die Indianer noch eine letzte Anstrengung gemacht hatten, um mehr Wild zu erjagen. Sie hatten nämlich die Praxis ihrer Väter befolgt und eine lange „Fenz“ von etwa 20 bis 30 Meilen Länge mitten durch den Wald gezogen, natürlich blos durch Niederhauen von Bäumen. Sobald auf der Jagd die Hirsche an diese Fenz kommen, so sind sie gehindert und müssen an derselben entlang laufen, wobei es denn leichter ist, sie zu schießen, als sonst. Diese letzte Anstrengung, den Ertrag der Jagd augenblicklich zu erhöhen, war uns eine starke Aufforderung, die Indianer zu mahnen, immer fleißiger dem Ackerbau obzuliegen, durch den sie unter Gottes Segen sich reichlich nähren könnten. Sie hätten selbst, so redeten wir zu ihnen, diesen Herbst die schöne Freude, große Erträge von ihren kleinen Feldern einzuärndten und müßten rühmen, daß sie an Wälschkorn, Kartoffeln und anderen Gartengewächsen einen seltenen Vorrath erhalten hätten und diese Erfahrung müsse sie darauf aufmerksam machen, daß sie künftig noch fleißiger der Farmerarbeit, dem Klären ihrer neuen Waldstücke und der Bebauung ihrer Gärten und Felder obliegen sollten. Gewißlich sei das Gottes Wille an sie.
Darauf baten wir die Anwesenden, daß sie ja mehr als früher bedenken möchten, daß ein Jeder sein eignes Brod essen solle; daher das Betteln um Brod und Lebensmittel, wie es früher geschehen sei, nicht mehr Statt haben dürfe. Die Missionare seien von Gott berufen, ihnen das Brod des Lebens zu reichen; der Gemeinde Pflicht sei es, dasselbige hoch zu schätzen, aller Verführung von Seiten falscher Propheten das Herz zu verschließen, sich der Zucht ihrer treuen Lehrer willig zu unterwerfen und im Schweiße ihres Angesichts ums Brod zu arbeiten. — Wie es schien, fand die gut gemeinte Ermahnung auch einen guten Ort; ja nach der Versammlung kam selbst Misquaanaquod, ein hartnäckiger Mann, zu uns Gästen geschritten, um uns zu sagen, wie er uns für das, was er gehört habe, danke und es zu Herzen nehmen wolle. — Wir waren froh über solche Aeußerung und befahlen das weitere Wirken des gehörten Wortes dem Walten des gnädigen Gottes. Am andern Morgen früh verließen wir die Station und langten diesmal nach großen Anstrengungen halb zu Pferde, halb zu Fuß selbigen Abends in Saginaw-City an. — Leider erfuhren wir bald durch einen Bericht des Missionars Mießler, daß die gute Einwirkung der stattgehabten Vermahnung bei Vielen wenigstens auf eine Zeitlang vom Teufel hinweggenommen sei. Wie nun solches vor sich gegangen und wie der böse Feind sich ernstlich bemüht, die Indianer Bethaniens zu bloßen Brotchristen zu machen, das wolle der liebe Leser durch den nachstehenden Bericht des Missionars Mießler selbst vernehmen, aus welchem wir nicht nur das Betreffende, sondern auch des Zusammenhangs und großen Intresse’s willen manches Andre abdrucken:
„Sobald die Indianer, so schreibt Missionar Mießler, von unserm Plane und von unsren Wünschen hörten, versprachen sie alle, die ohnehin immer geringer werdende Jagd bald aufgeben und sich des Ackerbaus mehr befleißigen zu wollen. Das war ihnen unter den bisherigen Umständen nicht möglich gewesen. Von den 240 Acker Landes, welche dreien Familien Bethaniens zugehören, sind etwa 40 Acker urbar gemacht, während das Uebrige noch dem Urwalde angehört. Auf diesen 40 Ackern, welche vom Pine-River durchflossen sind, wohnten bisher sämmtliche Indianer Bethaniens zu beiden Seiten des Flusses und bauten da ihr Welschkorn. Eine so kleine Fläche Landes ist jedoch nicht hinreichend, die Bedürfnisse so vieler Indianer zu befriedigen und ihre Nahrung zu erzeugen. Daher sie neben dem Ackerbau, der bisher hauptsächlich nur den Frauen zufiel, auf andere Weise ihren Lebensunterhalt sich zu verschaffen genöthigt waren. Unter solchen Umständen konnten wir auf ein Aufgeben der Jagd und des sonstigen Umherziehens im Walde nicht wohl rechnen. Denn was der Ackerbau nicht vermochte, das mußte die Jagd ersetzen. Ihr Wohlstand konnte so nicht gehoben, ihr Wandel nicht gesitteter werden. So brachte auch das Gemeinwesen, wie es bisher bestanden und noch besteht, das Wohnen und Pflanzen auf Einem Stück Landes, viele Unannehmlichkeiten zu Wege und nicht selten brach Streit um Mein und Dein und dgl. aus. Alles dieses veranlaßte nicht nur uns, sondern auch die Indianer selbst, auf Abänderung zu denken. Zu alle dem aber kam noch hinzu, daß die Regierung beschlossen und es vielfach in den Zeitungen veröffentlicht hatte, daß in einer Reihe von Jahren alle Indianer, die kein Land besitzen, aus dem Bereiche der mit Weißen angesiedelten Staaten Nordamerikas verwiesen werden sollen, womit in einigen Staaten bereits der Anfang gemacht ist. Schon dies Letztere war für unsere Missionscommission hinreichend, schleunigst an die Ausführung eines neuen Planes zu gehen.
Im vergangenen Frühjahr 1854 ließen wir durch einen erfahrnen Landmesser die nächste Umgebung Bethaniens besichtigen und das noch käufliche Land ausmessen und in Parcellen zerlegen. Die Indianer sahen hierin schon eine Verwirklichung der gemachten Versprechungen, und freuten sich nicht wenig auf die Zeit, wo jeder Familie ihr Stückchen Land würde zugewiesen werden. Die Methodisten, deren mehrere Familien hier sind, konnten wir natürlich so wenig betheiligen, als der Schäfer den Wölfen neben seiner Heerde einen Platz einräumen kann. Nachdem das Land ausgemessen war, kauften wir alsbald soviel als nöthig war, um die dringendsten Bedürfnisse zu befriedigen und soweit unsre Casse reichen wollte. 160 Acker, da sie bereits in den Händen eines Spekulanten waren, mußten wir mit $3,00 per Acker, die übrigen 420 Acker aber mit 1,25 bezahlen. Nachdem wir das Land käuflich in unsern Besitz gebracht hatten, bestellte ich alle Indianer unsers Orts, die Methodisten ausgenommen, ins Missionshaus, um einem Jeden sein Stück zuzuweisen. Da sie sich aber aus dem ihnen vorgelegten Plane nicht vernehmen konnten, ersuchten sie mich, daß ich mit ihnen in den Wald gehen möchte, damit so jeder an Ort und Stelle sein Stück sehen und auswählen könne. Meine Befürchtungen, daß bei der Verschiedenheit des Bodens, sowie der Lage des Lan-
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and we quenched our thirst with the water of the river. Refreshed, we continued our journey and after five o'clock reached the second stage of the road, a wonderfully beautiful height called "Craemer's chair" (the first missionary in this region, the present Professor Craemer in Fort Wayne, used to like so much to rest here when he travelled to Bethany). In the middle of the slope a lovely spring trickles down the steep height. Refreshed a second time by food and the delicious spring water, we undertook the rest of the journey, although very weary. Since sunset was near, it seemed necessary that one of us should hurry ahead on horseback, so as in any case to reach the Indian village before nightfall and to announce to the inhabitants that we wished to see them on the morrow. The choice fell upon me, and I therefore hurried ahead as fast as I could, praying God to give my travelling companions strength to follow after me, though slowly, yet all the way to the goal. Before dark I reached the mission house; at once the two mission horses were bridled, in order to hasten to meet the weary travellers and to carry them also the rest of the way to Bethany. So the late evening found us happily together in Bethany.
The next morning an inspection of the school took place. It furnished proof that the children, big and little, have grown more fond of school, submit better to school discipline, and accordingly also make better progress. The meeting of the congregation was set for the evening; before it was held, however, we made some house visits. The missionaries had told us that some among the Christians, when they were punished for sins committed, had shown a stubborn temper. These needed the most earnest admonitions, which they also seemed to accept, although with some it cost a hard struggle. Old Sarah also and her household had strayed from the way; they had not only been shameless in their demands upon the mission, but had also been caught in many lying speeches. The missionary Mießler persisted in diligent admonition, and we, the visitors, helped to entreat that they would by all means return to obedience to God's Word. In the house of old Wabigonschkom we found indeed a friendly reception, but unfortunately had to hear that he and his wife had thus far still always let themselves be kept back from preparation for baptism. The devil devises new reasons daily for these poor people for putting off holy baptism, and so it is to be earnestly feared that they will some day depart in unbelief. — In the evening the meeting of the Indians took place in the church. After the customary greetings we gladly remembered the great blessings of God which are visible among the Indians. In particular we praised God for all the improvement in temporal things, for the great progress in the establishment of farming, gardens and houses. On this occasion we learned that such a multitude of Yankees have moved into the neighborhood of Bethany that hunting is already very much impaired. Hence the Indians had made one last effort to bring down more game. They had followed the practice of their fathers and drawn a long "fence" of some 20 to 30 miles in length through the middle of the forest, naturally merely by felling trees. As soon as the deer in the hunt come to this fence, they are hindered and must run along it, whereby it is then easier to shoot them than otherwise. This last effort to raise the yield of the hunt at the moment was to us a strong call to admonish the Indians to apply themselves ever more diligently to farming, by which, under God's blessing, they could support themselves abundantly. We told them that they themselves had had this autumn the beautiful joy of harvesting great yields from their little fields, and must boast that they had obtained of Indian corn, potatoes and other garden produce an unusual store, and that this experience ought to make them mindful that in future they should apply themselves still more diligently to farm work, to the clearing of their new woodlots and the cultivation of their gardens and fields. Surely that was God's will for them.
Thereupon we begged those present that they would consider more than formerly that every one should eat his own bread; hence begging for bread and provisions, as it had happened formerly, must no longer take place. The missionaries, we said, were called by God to reach them the Bread of Life; it was the duty of the congregation to prize the same highly, to close the heart against all seduction on the part of false prophets, to submit willingly to the discipline of their faithful teachers, and to work for bread in the sweat of their face. — As it seemed, the well-meant admonition also found a good place; indeed, after the meeting Misquaanaquod, an obstinate man, came walking up to us guests to tell us how he thanked us for what he had heard and would take it to heart. — We were glad of such an utterance and commended the further working of the Word that had been heard to the rule of the gracious God. Early the next morning we left the station and this time, after great exertions, half on horseback, half on foot, arrived the same evening at Saginaw City. — Unfortunately we soon learned through a report of the missionary Mießler that the good effect of the admonition given had been taken away by the devil, at least for a time, in many. How this came about, and how the evil enemy earnestly endeavored to make the Indians of Bethany mere bread-Christians, let the dear reader learn from the following report of the missionary Mießler himself, from which we shall print not only what is pertinent, but also, for the sake of the connection and of the great interest, much else besides:
"As soon as the Indians, so writes missionary Mießler, heard of our plan and of our wishes, they all promised to give up soon the hunting, which in any case was growing ever poorer, and to apply themselves more to farming. That had not been possible for them under the former circumstances. Of the 240 acres of land which belong to three families of Bethany, about 40 acres have been cleared, while the rest still belongs to the primeval forest. On these 40 acres, through which the Pine River flows, all the Indians of Bethany have hitherto lived on both sides of the river and have raised their Indian corn there. So small an area of land, however, is not sufficient to satisfy the needs of so many Indians and to produce their food. Hence, besides farming, which hitherto fell chiefly only to the women, they were compelled to procure their livelihood in other ways. Under such circumstances we could not well reckon on a giving up of hunting and of the other roving about in the forest. For what farming could not accomplish, hunting had to supply. Their prosperity could not thus be raised, their manner of life not become more civilized. So too the communal arrangement, as it has hitherto existed and still exists, the dwelling and planting on one piece of land, brought many unpleasantnesses with it, and not seldom there was strife over mine and thine and the like. All this led not only us but the Indians themselves to think of a change. But to all this there was added that the government had resolved, and had widely published in the newspapers, that within a series of years all Indians who own no land are to be removed from the region of the states of North America settled with whites, a beginning of which has already been made in some states. Even this latter was sufficient for our mission committee to proceed with all speed to the execution of a new plan.
In the spring of last year, 1854, we had an experienced surveyor inspect the nearest surroundings of Bethany and measure off the land still for sale and divide it into parcels. The Indians saw in this already a fulfilment of the promises made, and rejoiced not a little at the time when to every family its little piece of land would be assigned. The Methodists, of whom several families are here, we could naturally take into our share as little as the shepherd can grant the wolves a place beside his flock. After the land was measured, we bought forthwith as much as was necessary to satisfy the most pressing needs and as far as our treasury would reach. 160 acres, since they were already in the hands of a speculator, we had to pay for at $3.00 per acre, the remaining 420 acres, however, at 1.25. After we had bought the land into our possession, I summoned all the Indians of our place, the Methodists excepted, to the mission house, in order to assign to each his piece. But as they could not make anything out of the plan laid before them, they asked me to go with them into the forest, that so each on the spot might see and choose his piece. My fears that, because of the diversity of the soil, as well as of the lay of the land-