Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 18 › Seite 138
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-04-24, Seite 138
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thäte er's gezwungen. Der Kaiser trug ihm, und seinem Bruder August, die Execution der Acht auch öffentlich auf. „Weil Herzog Moritz wegen der nahen Verwandschaft und Erbverbrüderung ein Erbfolgerecht und Anwartschaft auf die Lande der beiden Aechter habe, so solle er solche nun auch förderlich einnehmen, und in sicherer Verwahrung behalten. Denn im widrigen Falle, würde einem jedem, was er gewonnen und erobert, auch zum Eigenthum verbleiben, und ihm das Recht der Verwandtschaft sammt andern Verträgen das geringste nicht helfen. Ja er sollte vielmehr, wenn er diesen Kaiserlichen Befehl nicht gehorsamlich nachkäme, auch eben die Strafe zu gewarten haben, als die Aechter.“ Zum Schein wurden die Stände nun noch wiederholt zusammengerufen, um über diesen wichtigen Handel zu berathen und zu entscheiden; auch von ihm und den Ständen Briefe an den Churfürst und Landgrafen ins Lager geschickt, um sich mit der Noth zu entschuldigen, da schon andere, namentlich Ferdinand mit den Ungarn und Böhmen zum Einfall sich rüsteten; um sie gewissermaßen zur Einwilligung zu bewegen, daß das Churfürstenthum derweile von Moritz eingenommen würde. Vergebens stellte der Landgraf ihm vor, mit welchen hohen Wohlthaten der Churfürst ihn und sein Haus verpflichtet, wie er sich selbst bei aller Welt mit dem unauslöschlichen Flecken der Undankbarkeit und Verrätherei brandmarken, und da die andern Verbündeten kraft ihres Vertrags den Churfürsten nicht stecken lassen dürften noch wollten, einen Bruderkrieg in Deutschland hervorrufen würde.
Vergebens stellten ihm die Prediger in Leipzig vor: daß der Kaiser sich ja öffentlich mit der That der rechten christlichen Lehre widersetze, da er sich dem Papst, als dem höchsten Feind Gottes, der Wahrheit und des Evangelii Christi zur Ausrottung der Lutheraner verpflichtet, auch ihre blutgierigen Todfeinde über sie führe, auch gestatte, diejenigen zu tödten und hinzurichten, die Gottes Wort bekennen, und ihres unschuldig vergossenen Blutes sich theilhaftig mache. Hieraus sei ja offenbar und am Tage, weß die Anhänger der Evangelischen Lehre und Wahrheit sich zu getrösten, oder von ihm zu halten hätten, und wie die schönen, glatten und linden Worte gedeutet und ausgelegt werden müßten ꝛc. Er fiel in das Churfürstenthum ein, und es erforderte eben wohl nicht große Kunst und Tapferkeit, wenn er's, Wittenberg, Gotha und Eisenach ausgenommen, sich in kurzer Zeit völlig unterwarf.
In Deutschland erhob sich ein Schrei des Unwillens, daß er den, den er an eines Vaters statt sollte geehrt haben, dem er's fast allein verdankte, daß er Land und Leute zu regieren hatte, der ein so edles Vertrauen in ihn gesetzt, nun mit so schändlichem Undank ablohnte, ja der Sache des Glaubens, so viel an ihm lag, dem Todesstoß zuführte. Auch an Spottreimen und Schmähschriften fehlte es nicht. Im Lager des Kaisers verbreitete die Nachricht von der glücklichen Einnahme des Churfürstenthums eine solche Freude, daß der Sieg mit großem Jubel und Abfeuern der Kanonen gefeiert wurde. Im Lager der Verbündeten herrschte Schrecken und Entrüstung. Die Fürsten zogen heim, das Heer der Verbündeten löste sich auf, und das ganze Oberland wurde nun dem Kaiser geöffnet in dem Augenblicke, wo sein eignes Heer aufs höchste geschwächt, sich kaum mehr halten konnte. Vorher hatte der Kaiser noch den Triumph, daß die verbündeten Fürsten bei ihm um Frieden oder einen Waffenstillstand nachsuchten. Seine Bedingungen waren aber so hart, daß sie sich nicht darauf einlassen konnten. Er verlangte nicht weniger, als daß beide Fürsten ihre eignen Personen nebst Hab' und Gut auf Gnade und Ungnade ergeben sollten.
Der Kaiser in Oberdeutschland.
Oberdeutschland unterwarf sich ohne Schwertstreich, und mußte sich gefallen lassen, was der Ueberwinder über sie verhing. Der Kaiser behandelte sie wie Rebellen und Aufrührer, die selbst die härtesten Strafen noch für Mildigkeit erkennen und preisen mußten. Zuerst kam der alte Churfürst von der Pfalz, und warf sich dem Kaiser zu Füßen. Der Kaiser fuhr ihn zuerst hart an, hob ihn dennoch zuletzt vom Boden auf, nannte ihn seinen Vetter, küßte sein graues Haupt, und verzieh ihm. Aber die eben in seinem Lande eingeführte Reformation wurde eingestellt; es mußte nun alles beim Alten bleiben. Nicht so wohl ging's dem Herzog von Würtemberg. Nur durch die Vermittlung des Churfürsten von der Pfalz erhielt er eine Aussöhnung mit dem Kaiser, aber unter den allerhärtesten Bedingungen. Da er krankheitshalber persönlich die Abbitte nicht thun konnte, mußten seine Gesandten in Gegenwart einer glänzenden Versammlung von Fürsten und kaiserlichen Dienern fußfällig vor dem Kaiser erscheinen, und während der ganzen Handlung, die fast eine halbe Stunde währte, auf den Knieen gebeugten Hauptes liegen bleiben, die Schuld öffentlich bekennen und um Gottes und seiner Barmherzigkeit, und kais. Majestät hochberühmten Güte willen, um Gnade bitten. Der Fürst selbst mußte diese demüthigende Abbitte dennoch später persönlich und öffentlich wiederholen. Es wird erzählt, der alte Herzog sei zu Pferde vor den Kaiser geritten, und habe statt seiner sein Roß, das er dazu abgerichtet, den Kniefall thun lassen. Nicht besser ging's den Städten, sie wetteiferten fast mit einander, sich dem Sieger zu unterwerfen. Ulm erkaufte die kaiserliche Gnade um 100,000 Gulden (Würtemberg hatte 300,000 zahlen müssen), mußte zwölf Stück Geschütz liefern, und kaiserliche Besatzung einnehmen. Augsburg, das den tapfern Schärtlin innerhalb seiner Mauern hatte, und sich wohl noch hätte halten können, bat diesen mit Thränen von ihnen zu weichen, bat fußfällig um Gnade, mußte 150,000 Goldgulden und zwölf Stück Geschütz liefern, Meiningen zahlte 50,000, und so fort. Darmstadt wurde von Bühren erobert, und kam noch glimpflich davon. Dieser wagte nicht Frankfurt anzugreifen, und hatte schon angefangen, sein Heer in die Winterquartiere zu vertheilen, aber die Frankfurter schickten voll Angst ihm Gesandte nach, und übergaben sich ihm freiwillig, sie mußten 80,000 Kronen bezahlen. „Es ist doch,“ schrieb König Franz von Frankreich an seinen Gesandten in Kassel, „eine Sache, die allen Glauben übersteigt, daß Leute, die so mächtig sind, und gesunden Verstand haben, ihre Güter vielmehr anwenden wollen, um sich in die Knechtschaft zu stürzen, als sich in ihrer Freiheit zu erhalten.“ Aber das Herz war ihnen entfallen. Magdeburg und Bremen waren zuletzt die einzigen Städte, die sich dem Kaiser nicht unterwarfen. Eine schändliche List gebrauchte man noch bei den Gesandten der Schwäbischen Städte. Ehe sie vor dem Kaiser erschienen, hatten sie sich vorgenommen, auch zu bitten, man möge doch in Sachen der Religion nichts bei ihnen ändern. Indessen der Kaiserliche Kanzler Naves suchte es ihnen auszureden. Wenn sie der Religion Erwähnung thäten, meinte er, so würde es der Kaiser so aufnehmen, als hegten sie Mißtrauen gegen ihn, da er doch gleich im Anfang des Krieges sich überflüssig darüber erklärt habe; das würde ihn nur aufbringen, und ihnen die Erhaltung der gesuchten Gnade erschweren. Dadurch wurde freilich dem Kaiser eine Verlegenheit erspart. Denn hätte er es ihnen abgeschlagen, so wäre das Geheimniß offenbart. Hätte er's eingeräumt, so wäre der Papst und die ganze Römische Parthie beleidigt. Dieser war so schon ärgerlich über den Kaiser, daß er den eigentlichen Grund des Krieges, nemlich die Ausrottung der Ketzer, nicht öffentlich angegeben, hatte auch schon vor Beendigung des Krieges seine Truppen abgerufen, ja wie der französische Gesandte Mortier versichert, soll er aus Furcht, der Kaiser werde zu mächtig werden, den König von Frankreich aufgefordert haben, unter der Hand die Protestanten zu unterstützen, um den Kaiser zu demüthigen. Franz selbst reizte einerseits die Protestanten fortwährend gegen den Kaiser, andrerseits lag er dem Papst in den Ohren, und schuldigte ihn hart, daß er den Reichsstädten die freie Uebung ihrer Religion ließe. So lag die arme Kirche zwischen den starken Löwen und giftigen Schlangen gebettet.
Doch es sollten noch ganz andere Anfechtungen über sie kommen.
(Fortsetzung folgt.)
(Eingesandt von Pastor Röbbelen.)
Die Offenbarung St. Johannis.
Das zwölfte Capitel.
In diesem Capitel wird der letzte Kampf und Sieg der Kirche dem angereihet, was sie schon früher erstritten hat. Er erscheint als ein neuer Lorbeer in dem unverwelklichen Siegeskranz, der der Braut des Lammes, während sie auf Erden in Wehen liegt im Himmel gewunden wird, als ein neuer Diamant in ihrer Krone. Oder, um ein anderes Bild zu gebrauchen, weil keines den vollen Inhalt dessen erschöpft, was im Himmel allein erkannt werden kann: wie ein Feldherr nach der letzten entscheidenden Schlacht nur die Frucht aller vorigen ärntet, wie den Triumph römischer Siegeshelden oft viele geschlagene Könige schmückten, so müssen das Siegesfest, das man im Himmel über den Sturz des antichristischen Papstthums feiert alle die Niederlagen verherrlichen, die von Anfang der Erzfeind der Kinder Gottes erlitten hat.
Indem hier also die Kirchenreformation in die Reihe der Siege tritt, die seit der Apostel Zeit von
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he did it under compulsion. The Emperor charged him, and his brother August, publicly also with the execution of the ban. "Since Duke Maurice, on account of the close kinship and hereditary confraternity, has a right of succession and reversion to the lands of the two outlaws, he shall now also take possession of them promptly, and keep them in safe custody. For otherwise everyone would retain as his own property what he had won and conquered, and the right of kinship, together with other treaties, would not help him in the least. Yes, he should rather, if he did not obediently comply with this Imperial command, expect to suffer the same punishment as the outlaws." For appearance' sake the Estates were now once more repeatedly called together to deliberate and decide upon this important affair; letters, too, were sent from him and the Estates to the Elector and Landgrave in the camp, in order to excuse himself by necessity, since others already, namely Ferdinand with the Hungarians and Bohemians, were making ready for an invasion; in order to move them, in a manner, to consent that the Electorate should meanwhile be occupied by Maurice. In vain did the Landgrave represent to him with what great benefits the Elector had obligated him and his house, how he would brand himself before all the world with the indelible stain of ingratitude and treachery, and how, since the other allies by virtue of their treaty neither might nor would let the Elector be left in the lurch, a war between brothers would be called forth in Germany.
In vain did the preachers at Leipzig represent to him: that the Emperor was openly opposing the true Christian doctrine by deed, since he had bound himself to the Pope, as the highest enemy of God, of the truth and of the Gospel of Christ, for the extirpation of the Lutherans, and was bringing their bloodthirsty mortal enemies upon them, and also permitted those to be killed and executed who confess God's Word, and thus made himself partaker of their innocently shed blood. From this it was plain and manifest what the adherents of the Evangelical doctrine and truth had to comfort themselves with, or to think of him, and how the fair, smooth and gentle words must be interpreted and construed, etc. He invaded the Electorate, and it required, to be sure, not great art and bravery when he, with the exception of Wittenberg, Gotha and Eisenach, subdued it completely in a short time.
In Germany a cry of indignation arose that he, whom he ought to have honored in a father's stead, to whom he owed almost alone that he had land and people to govern, who had placed so noble a confidence in him, now repaid with such shameful ingratitude, indeed, so far as lay in him, dealt the death-blow to the cause of the faith. Lampoons and libels, too, were not lacking. In the Emperor's camp the news of the successful occupation of the Electorate spread such joy that the victory was celebrated with great rejoicing and the firing of cannon. In the camp of the allies reigned terror and indignation. The princes went home, the army of the allies dissolved, and the whole Upper Country was now opened to the Emperor at the moment when his own army, weakened to the utmost, could scarcely hold out any longer. Before this the Emperor had had the triumph that the allied princes sought peace or an armistice from him. His terms, however, were so hard that they could not agree to them. He demanded no less than that both princes should surrender their own persons together with all their goods to mercy or no mercy.
The Emperor in Upper Germany.
Upper Germany submitted without a stroke of the sword, and had to put up with whatever the conqueror laid upon it. The Emperor treated them like rebels and insurgents, who had to acknowledge and praise even the severest punishments as leniency. First came the old Elector Palatine, and threw himself at the Emperor's feet. The Emperor at first handled him roughly, yet in the end lifted him from the ground, called him his cousin, kissed his gray head, and forgave him. But the Reformation just introduced in his land was suspended; everything now had to remain as it was. Not so well did it go with the Duke of Wurtemberg. Only through the mediation of the Elector Palatine did he obtain a reconciliation with the Emperor, but under the very hardest conditions. Since by reason of illness he could not himself make the apology in person, his envoys had to appear on their knees before the Emperor in the presence of a brilliant assembly of princes and imperial servants, and during the whole proceeding, which lasted almost half an hour, remain kneeling with bowed heads, confess the guilt publicly, and beg for mercy for the sake of God and His mercy, and His Imperial Majesty's far-famed goodness. The prince himself had nevertheless later to repeat this humbling apology personally and publicly. It is told that the old Duke rode on horseback before the Emperor, and instead of himself had his horse, which he had trained for the purpose, make the genuflection. The cities fared no better; they almost vied with one another in submitting to the victor. Ulm bought the imperial favor with 100,000 guilders (Wurtemberg had had to pay 300,000), had to deliver twelve pieces of ordnance, and to receive an imperial garrison. Augsburg, which had the brave Schärtlin within its walls, and might well still have held out, begged him with tears to depart from them, begged on its knees for mercy, had to deliver 150,000 gold guilders and twelve pieces of ordnance; Meiningen paid 50,000, and so on. Darmstadt was taken by Bühren, and came off still leniently. He did not venture to attack Frankfurt, and had already begun to distribute his army into winter quarters, but the Frankfurters in full terror sent envoys after him, and surrendered to him voluntarily; they had to pay 80,000 crowns. "It is truly," wrote King Francis of France to his envoy at Cassel, "a thing that passes all belief, that people who are so powerful, and have sound understanding, would rather use their goods to plunge themselves into bondage than to preserve themselves in their freedom." But their heart had failed them. Magdeburg and Bremen were at last the only cities that did not submit to the Emperor. A shameful trick was still employed upon the envoys of the Swabian cities. Before they appeared before the Emperor, they had resolved also to ask that, in matters of religion, nothing might be changed among them. Meanwhile the Imperial Chancellor Naves sought to talk them out of it. If they made mention of religion, he said, the Emperor would take it as though they harbored distrust toward him, since he had, after all, explained himself abundantly on this point at the very beginning of the war; that would only provoke him, and make the obtaining of the favor they sought more difficult for them. Thereby, to be sure, an embarrassment was spared the Emperor. For had he refused it to them, the secret would have been betrayed. Had he granted it, the Pope and the whole Roman party would have been offended. The latter was already so vexed with the Emperor, because he had not publicly given out the real ground of the war, namely the extirpation of the heretics, and had also already recalled his troops before the end of the war, indeed, as the French envoy Mortier assures, from fear that the Emperor would become too powerful, he is said to have urged the King of France to support the Protestants under the hand, in order to humble the Emperor. Francis himself on the one hand constantly incited the Protestants against the Emperor, on the other hand he kept dinning in the Pope's ears, and accused him harshly of letting the Imperial cities have the free exercise of their religion. So lay the poor Church, couched between strong lions and poisonous serpents.
But still quite other trials were to come upon her.
(To be continued.)
(Sent in by Pastor Röbbelen.)
The Revelation of St. John.
The Twelfth Chapter.
In this chapter the final struggle and victory of the Church is joined to what she has already earlier won. It appears as a new laurel in the unfading wreath of victory which is woven in heaven for the Bride of the Lamb, while she lies on earth in travail, as a new diamond in her crown. Or, to use another figure, because none exhausts the full content of that which can be known in heaven alone: as a commander after the last decisive battle only reaps the fruit of all the former ones, as the triumph of Roman conquerors was often adorned by many captive kings, so must the feast of victory which is celebrated in heaven over the fall of the antichristian papacy glorify all the defeats which the arch-enemy of the children of God has suffered from the beginning.
Since the Church Reformation here takes its place in the series of victories which since the apostles' time of