Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 18 › Seite 140

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-04-24, Seite 140

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reißen und unter dem Namen Christi die Welt zu verführen. Der Inhalt des letzteren Theils der obigen Worte: „Und der Drache trat vor das Weib ꝛc. — wenn sie geboren hätte, er ihr Kind fresse.“ ist demnach kurz der: der Teufel spinnt den Hanf zum Strick des römischen Papstthums.

V. 5. „Und sie gebar einen Sohn, ein Knäblein, der alle Heiden sollte weiden mit der eisern Ruthen, und ihr Kind ward entrückt zu Gott und seinem Stuhl.“ — die Kirche vererbte trotz aller Verfolgungen der ersten Jahrhunderte ihr gutes Bekenntniß auf ihre Kinder. Der Glaube ging aus dem Kampf als ein Sohn, als die männliche Frucht seiner Mutter hervor. („Und sie gebar einen Sohn, ein Knäblein“ — dies letztere Wort wird noch hinzugesetzt, um mit Nachdruck auf die männliche Reife hinzuweisen, die das Zeugniß von Christo durch die Prüfungen, die es bestehen mußte, erlangt hatte.) Im Gefühl seiner Kraft machte er sein gutes Recht gegen die Widersprecher geltend, wie denn die Kirche nach der apostolischen Zeit in dem Frieden, den sie genoß besonders eifrig war, den Spruch zu treiben: Wer nicht glaubt, der wird verdammt. Darauf zielt das Folgende: „Der alle Heiden sollte weiden mit der eisern Ruthen.“ Aber nun mengte sich der Teufel darein. Unter dem Aushängeschilde der Rechtgläubigkeit, das immer noch ein Denkmal des Sieges war, den die Väter errungen hatten ließ er „alle Heiden“ in den Schafstall ein und „weidete“ sie, wie wenn sie die rechten Schafe wären, aber nicht mit dem reinen Wort, sondern mit gesetzlichem Zwang, „mit der eisern Ruthen.“ Gegen diesen Bubenstreich des höllischen Drachen sind nun diese Worte sonderlich gerichtet. Der Sinn ist: So sehr sich durch des Satans List auf Erden das Blatt gewandt hat, so erkennt der Himmel doch allein dem rechten Glauben, den die treuen Märtyrer bekannt haben das Recht zu, daß er alle Heiden verdammen darf, insonderheit die welche unter dem Namen der obersten Kirchengewalt ihn verdammen. Zu seiner Zeit soll auch auf Erden der Spruch, den man im Himmel schon gefällt hat noch vollstreckt werden. Einstweilen aber ist es so anzusehen, wie wenn das echte Erbe apostolischer Bekenntnißtreue unter dem Papstthum (denn daß davon jetzt die Rede ist erhellt aus V. 6.) verschwunden wäre, da es doch „verborgen in Gott“ (Col. 3, 3.) nur um so sicherer lebt („und ihr Kind ward entrückt zu Gott und seinem Stuhl.“)

Zu bemerken ist, daß der reine Glaube, der als Siegesfrucht der Bekenntnißtreue gottseliger Väter zu Anfang dieses Verses ein Sohn und ein Knäblein heißt am Schluß so bezeichnend nur ein Kind genännt wird, weil er vor der Uebermacht der neuen feindlichen Gewalt so hilflos erscheint wie das Knäblein Moses, als es im Rohrkästlein auf dem Wasser schwamm. Auch liegt ein Nachdruck auf dem letzten Wort: „und seinem Stuhl,“ da eben der Stuhl des Papstes vom Teufel für Gottes Stuhl ausgegeben wurde und alle Noth, die das Bekenntniß des Evangelii hatte grade von diesem Stuhl ausging.

V. 6.: „Und das Weib entflohe in die Wüsten, da sie hatte einen Ort bereitet von Gott, daß sie daselbst ernähret würde tausend zwei hundert und sechzig Tage.“ — Dies ist eine Beschreibung, wie die Kirche unter dem Papstthum erhalten wurde. Sie war stets auf der Flucht, weil man sie aller Orten drängte und verfolgte. Einsam und verlassen fand sie bei denen Zuflucht, die auch wie sie von denen, welche gleichsam die Städte bewohnten und auf den Gassen wandelten, die die öffentlichen Stätten der Anbetung eingenommen hatten verlassen worden waren, nämlich bei den Aposteln und Propheten, in der heiligen Schrift. Auch stärkte hie und da im Verborgenen ein Christenmensch den andern, durch mündliches Zeugniß vom Heilande, wie Luther im Kloster widerfuhr. So verschaffte Gott der zerstreuten Heerde Christi, die in der Welt und herrschenden Kirche keine Herberge fand, sondern mit David klagen mußte: Ich bin gleich wie ein Rohrdommel in der Wüsten, ich bin gleich wie ein Käuzlein in den verstörten Städten. Ich wache, und bin wie ein einsamer Vogel auf dem Dache“ (Ps. 102, 7 und 8.) Obdach und Speise. Er allein erhielt sie wunderbar wie die 7000, die der Herr zu Eliä Zeiten selbst vor den Augen seines Knechts verborgen zu halten wußte.

Man möchte fragen: Was ist denn für ein Unterschied zwischen dem Kinde, das in den Wehen der apostolischen Zeit geboren worden ist (V. 4. und 5.) und dem Weibe, das sich im Papstthum verborgener Weise erhält? Ist nicht eben die unsichtbare Kirche, die unter der Herrschaft des Antichrists kümmerlich ihr Dasein fristete die Frucht, von der V. 5. die Rede gewesen ist? Warum wird denn nun V. 5. von dem Kinde so viel prächtiger geredet als von dem Weibe? Aber theils ist der Glaube an sich etwas Anderes als die Schaar derer, welche ihn als einen Schatz in irdischen Gefäßen tragen: der Glaube selbst ist immer König und Priester, aller Befleckung und Schmach entnommen, und in ewiger Herrlichkeit zu Gott und seinem Stuhl entrückt (V. 5.), und der ist das „Kind“ der apostolischen Kirche, während die Gläubigen, obgleich ihnen alles zukommt was der Glaube hat, doch daneben noch im Leibe dieses Todes wallen und unter Mühe und Sorge einander als „das Weib“ (V. 6.), das um das Leben des Kindes bekümmert ist pflegen, wie sie um ihres Bekenntnisses willen in steter Todesgefahr schweben; theils ist der volle selige Inhalt des Bekenntnisses, das die Kirche der ersten Jahrhunderte unter steten Kämpfen mit dem Unglauben und mancherlei Irrlehre aus Licht gefördert hatte als ein Schatz, der im Acker verborgen lag erst in der Reformationszeit gehoben worden, wurde also so lange nur durch Gottes besondere Obhut („entrückt zu Gott und seinem Stuhl“) erhalten, um nach den 1260 kümmerlichen Tagen, während der er auf Erden gleichsam in den Windeln gelegen hatte in männlicher Gestalt zu erscheinen.

Auch hier wird wieder, wie Cap. 11, 3., das Papstthum nach Tagen gezählt, weil von den Gläubigen geredet wird, die diese dunkle Zeit erhellten. Ihre „Wüste“ war das Gosen, worin während der egyptischen Finsterniß das Licht schien.

(Fortsetzung folgt.)

(Eingesandt von Past. Sievers.)

Ein Herbsttag in Bethanien.

Nachdem mehrmals schon die Indianischen Brüder Bethaniens bei uns hatten anfragen lassen, wann ihre und ihrer Missionare Freunde ihnen wieder einen Besuch abstatten würden, und nachdem die große Sonnenhitze des vergangenen Jahres endlich aufgehört hatte, so folgten der Pastor Cloeter und ich dem Rufe nach dem fernen Dorfe Bethanien, obwohl Fleisch und Blut stets ein wenig zusammenfahren, wenn es heißt, so weit in den Urwald zu reisen. Es war am 11. September, als ich gegen Mittag Frankenlust verließ und um zwei Uhr in Saginaw-City den Bruder Clöter reisefertig fand. Wir gelangten unter Begleitung zweier Freunde an die wohlbekannten Forks des Tittipiwassee; es war schon 10 Uhr Abends, als wir mit einer zerbrochenen Laterne in der Hand daselbst zum Beschluß unserer Tagereise in einem Canoe über den breiten Fluß setzten, indem mein Pferd, von mir am Zügel gehalten, neben dem Canoe her schwamm. Wir hatten nur dies einzige Pferd bei uns und es war zum Provianttragen, theils zur Unterstützung desjenigen von uns vier Wanderern bestimmt, der gerade der müdeste sein würde. Eine freundliche Farmerfamilie, Weymann genannt, beherbergte uns nach Yankee-Art sehr bereitwillig, obwohl sie erst aus dem Schlafe hatte geweckt werden müssen. Der andre Morgen hätte uns schon mit dem Allerfrühesten auf der Wanderung finden sollen; aber die Leser wissen, daß ein Gast sich in die Ordnung des Hauses zu finden hat, wo er freundliche Aufnahme findet. So hatten wir denn Zeit, den schönen Morgen in aller Gemüthlichkeit zu genießen und standen mit Entzücken auf dem hohen Ufer, wo man die zusammenfließenden Fluthen des Chippeway und Tittipiwassee tief unten zu seinen Füßen hat. Wir frühstückten erst nach 7 Uhr. Drei Meilen weiter hatten wir den Chippeway zum andern Male zu passiren; doch braucht man an dieser Stelle kein Canoe, sondern man kann durchwaten, nachdem man Stiefel und Strümpfe ausgezogen hat. Der Fluß ist hier etwa 12—16 Ruthen breit, der Untergrund ist lauter Fels und Gestein und das Wasser hat einen bedeutenden Fall. Der Weg von da nach Bethanien theilt sich in drei Abschnitte, von denen jeder etwa zehn Meilen lang ist. Der erste Abschnitt war der beschwerlichste wegen der unendlich vielen Blöcke, die so über einander gestürzt waren, daß ein Fußgänger nur mit Mühe hinüberklettern, das Pferd aber nicht hinüberspringen konnte. In solchen Fällen war der Reiter gezwungen, weite Umwege zu machen, um den vorangegangenen Fußgängern folgen zu können. Dabei geschah es, daß das Pferd einmal in ein großes Wespen oder Hornissen-Nest gerieth. Die aufgestörten Thiere fielen über Pferd und Reiter dermaßen her, daß das Pferd sich fast wüthend seines Reuters entledigte, wie rasend sich auf dem Boden wälzte, die am Sattel befestigte Reisetasche losriß und kaum wieder zum Stehen gebracht werden konnte. Nach den ersten zehn Meilen wurde Mittag gemacht, auch etwas Speise genossen, wozu wir unsern Durst mit dem fri-

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and under the name of Christ to seduce the world. The content of the latter part of the above words: "And the dragon stood before the woman," etc. — "as soon as it was born, to devour her child," is accordingly briefly this: the devil spins the hemp for the rope of the Roman papacy.

V. 5. "And she brought forth a man child, who was to rule all nations with a rod of iron: and her child was caught up unto God, and to his throne." — in spite of all persecutions of the first centuries the Church bequeathed her good confession to her children. Faith came forth from the struggle as a son, as the manly fruit of its mother. (And she brought forth a man child — this latter word is added in order to point with emphasis to the manly maturity which faith had attained through the trials it had to undergo.) In the consciousness of its strength it asserted its good right against the gainsayers, as the Church after the apostolic age, in the peace which she enjoyed, was especially zealous to practice the saying: He that believeth not shall be damned. To this the following points: "Who was to rule all nations with a rod of iron." But now the devil intruded himself. Under the signboard of orthodoxy, which was still a monument of the victory which the Fathers had won, he let "all nations" into the sheepfold and "ruled" them as if they were the right sheep, but not with the pure Word, but with legal compulsion, "with a rod of iron." Against this knavish trick of the infernal dragon these words are now especially directed. The sense is: However much by Satan's craft the tables have turned on earth, heaven nevertheless grants only to the right faith, which the faithful martyrs confessed, the right that it may condemn all the heathen, especially those who, under the name of the supreme church authority, condemn it. In its time the sentence also which has already been passed in heaven shall be executed on earth. Meanwhile, however, it is to be regarded as if the genuine heritage of apostolic fidelity to the confession had vanished under the papacy (for that this is now spoken of appears from V. 6), whereas, "hid with God" (Col. 3, 3), it lives only the more securely ("and her child was caught up unto God and to his throne.")

It is to be noted that the pure faith, which at the beginning of this verse is called a son and a man child, as the fruit of victory of the fidelity to the confession of godly Fathers, is at the close so significantly called only a child, because in face of the superior power of the new hostile force it appears as helpless as the infant Moses when he floated in the ark of bulrushes upon the water. There is also an emphasis upon the last word: "and to his throne," since indeed the throne of the Pope was given out by the devil as God's throne, and all the distress which the confession of the Gospel had proceeded precisely from this throne.

V. 6.: "And the woman fled into the wilderness, where she hath a place prepared of God, that they should feed her there a thousand two hundred and threescore days." — This is a description how the Church was preserved under the papacy. She was constantly in flight, because men pressed and persecuted her everywhere. Lonely and forsaken she found refuge with those who likewise, as she, had been forsaken by those who, as it were, inhabited the cities and walked in the streets, who had taken possession of the public places of worship, namely with the apostles and prophets, in the Holy Scripture. Here and there, too, in secret one Christian strengthened another by oral testimony of the Savior, as happened to Luther in the cloister. So God provided for the scattered flock of Christ, which found no shelter in the world and the ruling church, but had to lament with David: I am like a pelican of the wilderness, I am like an owl of the desert. I watch, and am as a sparrow alone upon the house top (Ps. 102, 7 and 8), shelter and food. He alone preserved it wonderfully, like the 7000 whom the Lord in the times of Elijah knew how to keep hidden before the very eyes of His servant.

One might ask: What difference is there between the child which was born in the travail of the apostolic age (V. 4 and 5) and the woman who preserves herself in the papacy in a hidden manner? Is not just the invisible Church, which under the dominion of Antichrist eked out her existence wretchedly, the fruit of which V. 5 spoke? Why then is V. 5 spoken so much more splendidly of the child than of the woman? But partly faith in itself is something other than the company of those who carry it as a treasure in earthen vessels: faith itself is always king and priest, removed from all defilement and disgrace, and caught up in eternal glory to God and his throne (V. 5), and that is the "child" of the apostolic Church, whereas the believers, although all comes to them that faith has, yet besides still walk in the body of this death and amid toil and care tend one another as "the woman" (V. 6), who is concerned for the life of the child, as they, for the sake of their confession, are in constant danger of death; partly the full blessed content of the confession which the Church of the first centuries, amid constant struggles with unbelief and manifold error, had brought to light, having, as a treasure that lay hidden in the field, been raised only in the time of the Reformation, was thus for so long preserved only by God's special protection ("caught up unto God and to his throne"), in order, after the 1260 wretched days, during which it had lain on earth as it were in swaddling clothes, to appear in manly form.

Here too, as in Ch. 11, 3, the papacy is reckoned by days, because the believers are spoken of who illumined this dark time. Their "wilderness" was Goshen, wherein during the Egyptian darkness the light shone.

(To be continued.)

(Sent in by Pastor Sievers.)

An Autumn Day in Bethany.

After the Indian brethren of Bethany had several times already sent to ask us when their friends and their missionaries' friends would again pay them a visit, and after the great heat of the sun of the past year had at last ceased, Pastor Cloeter and I followed the call to the distant village of Bethany, although flesh and blood always shrink a little when it is said, to travel so far into the primeval forest. It was on the 11th of September that I left Frankenlust toward noon and at two o'clock found Brother Clöter ready to travel in Saginaw City. Accompanied by two friends we reached the well-known forks of the Tittipiwassee; it was already 10 o'clock in the evening when, with a broken lantern in hand, we there crossed the broad river in a canoe to close our day's journey, my horse, held by me by the bridle, swimming alongside the canoe. We had only this one horse with us, and it was meant for carrying provisions, and partly for the assistance of whichever of us four wanderers should be the weariest. A friendly farm family, named Weymann, lodged us very willingly in Yankee fashion, although they had first to be awakened from sleep. The next morning should already have found us on the road at the very earliest; but the readers know that a guest has to fit into the order of the house where he finds friendly reception. So we had time to enjoy the beautiful morning in all comfort, and stood with delight on the high bank, where one has the confluent floods of the Chippeway and the Tittipiwassee far below at one's feet. We breakfasted not until after 7 o'clock. Three miles farther on we had to cross the Chippeway a second time; but at this place one needs no canoe, but can wade through after taking off boots and stockings. The river here is about 12 to 16 rods wide, the bed is nothing but rock and stone, and the water has a considerable fall. The way from there to Bethany is divided into three sections, of which each is about ten miles long. The first section was the most difficult because of the endless number of boulders, which were so heaped upon one another that a man on foot could climb over only with effort, the horse, however, could not leap over. In such cases the rider was compelled to make wide detours in order to follow the footmen who had gone ahead. In this it happened that the horse once got into a great wasps' or hornets' nest. The aroused creatures fell upon horse and rider to such a degree that the horse almost furiously rid itself of its rider, rolled about like mad on the ground, tore loose the saddlebag fastened to the saddle, and could hardly be brought to a stand again. After the first ten miles we made a noon halt, and also took some food, whereto we quenched our thirst with the fresh