Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 18 › Seite 139

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-04-24, Seite 139

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der Gemeine Christi erfochten worden sind, wird ihr zugleich das von dem Feinde bis auf den heutigen Tag so heftig geleugnete Gepräge aufgedrückt, daß sie nichts anderes als die Herstellung der Einen, heiligen, apostolischen Kirche sei. Der ganze Himmel erkennt sie an, ruft fort und fort: Ja, das ist sie wieder, die man auf Erden niemals kennen wollte! und widerlegt dadurch die Lästerungen, die ihr die Ehre streitig machen wollen, die echte Braut des Lammes zu sein.

V. 1. „Und es erschien ein groß Zeichen“ ꝛc.: „Die Archa seines Testaments ward in seinem Tempel gesehen“ wurde in dem letzten Verse des vorigen Capitels als die köstliche Frucht des Sieges gepriesen, den Christus durch das Zeugniß der Wahrheit über die antichristische Lüge erfochten hatte. Daß der Mittler des neuen Testaments in der reinen Predigt des gnadenreichen Evangelii dem Volk wieder bekannt geworden ist müßte ja das Erste sein. Das Andere darf aber nun nicht fehlen: das ist die Braut Christi, die gleichsam aus dem Grabe aufsteht. Daß sie noch lebt, ist das größeste Wunder, daran sich die Engel nicht satt sehen können. Daher heißt es zu Anfang des 1. V.: „Und es erschien ein groß Zeichen im Himmel.“ Was bisher unter dem Namen der Kirche mit großer Pracht auf Erden geherrscht hatte war im Himmel nichts geachtet worden: denn darunter lag die rechte Hausmutter der Christenheit wie eine Perle im Kehricht vergraben. Da sich nun auf Erden die Perle wieder findet, so achtet die Welt deß nicht, ja der mächtige Haufe, der noch immer dem Antichrist anhangt darf sie verwerfen, schmähen und mit Füßen treten: darum öffnet sich in dieser Weissagung der Himmel über der kleinen Heerde der Bekenner des reinen Evangelii, wo man als „ein großes Zeichen“ bewundert und preist, was auf Erden verachtet wird.

Es wird aber die Kirche also beschrieben:

„ein Weib“ (weil sie Christo, ihrem Bräutigam verlobt ist) mit der Sonnenbekleidet“ (als die in der Taufe Christum angezogen hat, das ewige, wahre Licht, der ihre einzige Gerechtigkeit ist), „und der Mond unter ihren Füßen“ (das ist das vergängliche Wesen dieser Welt, anzuzeigen, daß sie freilich, wie es sich eben deutlich genug offenbart hat im Jammerthal dem Wechsel der Gunst und Ungunst, des Schutzes und der Verfolgung, des dichten Gedränges und großer Bedrängniß unterworfen ist, aber unbeschadet ihrer Herrlichkeit durch denselben hindurchgeht, gleichwie ein voller Strom derselbe bleibt, ob feuchte Nebel auf seinen Wellen schweben oder die Sonne sich in ihnen spiegelt, ob der Ruderschlag und der Schiffer Rufen sein Rauschen übertönt oder nur die Fischlein im Grund ihn auf seinen verschlungenen Wegen begleiten, ob er durch lachende Gefilde oder in öder Wüste dem Meer entgegenwallt), „und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen“ (das deutet auf der Apostel Lehre, bei welcher die heilige Christenheit unverrückt beharrt, die keine Zeit dämpfen kann).

V. 2. „Und sie war schwanger, und schrie, und war in Kindesnöthen, und hatte große Qual zur Geburt.“ —

Von diesem Verse an folgt die Ueberschau der Kämpfe und Siege, durch welche bisher die Kirche erhalten worden ist, wie das besonders aus der Wiederkehr der 1260 Tage (v. 6. vgl. C. 11, 3.) erhellt. Die Weissagung ist auf einer Höhe angelangt, von der sie uns einen Rückblick vergönnt. Weil aber die Gestalt der Kirche, so lange diese Welt steht unter allen Veränderungen, die sie ihrer äußern Erscheinung nach im Laufe der Zeiten erleidet wesentlich dieselbe bleibt, so deutet die Schilderung, die wir hier von dem Zustande der Gemeine Gottes empfangen eben so wohl auf die Wehen hin, in welchen Christi Braut trotz ihrer Herrlichkeit auch zur Reformationszeit lag. So sind denn auch die obigen Worte wieder eine tröstliche Bestätigung des Reformationswerkes. An der Angst, die auch zu Luthers Zeit die Heerde Christi auf der Welt hatte wird von den Engeln im Himmel nur dieselbe Zeugenschaar erkannt, die in der apostolischen Zeit unter Todesschmerzen den Namen Christi getragen hatte. Daher erinnert jetzt der heilige Geist zunächst an die Kämpfe der ersten Jahrhunderte. Wie könnten die besser geschildert werden als es in den Worten dieses zweiten Verses geschieht? Die Gemeine Gottes war noch nicht in das Leben der Völker verwachsen. Sie rang darnach, daß sie auf ein kommendes Geschlecht ihr Bekenntniß als eine lebendige Frucht verpflanzen möchte.

Doch wie ein kreißendes Weib schien sie kaum selbst das Leben davon zu tragen. Ihre „große Qual“ war nach dem Urtheil der Menschen — zum Tode. Aber im Himmel jubelte man mitten in ihren Schmerzen: — „zur Geburt! zur Geburt!“

V. 3. „Und es erschien ein ander Zeichen im Himmel, und siehe, ein großer rother Drache, der hatte sieben Häupter, und zehn Hörner, und auf seinen Häuptern sieben Kronen.“

Man hat von jeher in unsrer Kirche die „sieben Häupter“ auf die sieben Hügel der Stadt Rom bezogen und unter den „zehn Hörnern“ die zehn großen Reiche verstanden, die der römischen Herrschaft unterworfen waren. Der „große rothe Drache“ ist der Teufel, welcher den größten und besten Sitz für sich erwählt und daher in Rom sobald seine Residenz aufschlug, als dort wie in einer Kloake die Herrlichkeit der Welt zusammengeflossen war. — Daß wir hier ein Bild der römischen Herrschaft haben, ist also außer Zweifel. Die Frage ist nur, ob das Gesicht ausschließlich auf das römische Papstthum zu deuten sei. Der oben angegebene Zusammenhang sowohl, nach welchem dies ganze Capitel als ein Rückblick auf alle Kämpfe der Kirche von der Apostel Zeit an zu betrachten ist, wie die Vergleichung dieser Stelle mit Cap. 13, 1., wo dasselbe Gesicht in etwas veränderter Gestalt wiederkehrt verneinen sie. Der Drache ist freilich derselbe, der im Papstthum regiert, hat auch seinen Stuhl schon zu Rom und bereitet dort das Papstthum vor, aber seine Larve ist es noch nicht, wiewohl sie sich nur den Namen nach davon unterscheidet. Die „sieben Häupter und zehn Hörner“ sind das römische Kaiserthum, als Schatten des Papstthums. Die sieben Häupter werden auch wohl auf die sieben Formen des Regiments bezogen, die nach einander in Rom bestanden haben. Füglicher faßt man auch hier wieder die Zahl sieben in ihrer biblischen Bedeutung auf, als Bild der Vollendung einmal, so daß sie den Sinn in sich schließt, im römischen Reich, als der letzten Weltmonarchie sei irdische Hoheit und Gewalt zur Vollendung gekommen, man dürfe nun auf nichts mehr warten als auf das Ende, dann auch als Persiflage der angemaßten Heiligkeit, die das römische Reich so weit brachte, daß es seine Kaiser unter die Götter versetzte und anbeten ließ. Die zehn Hörner sind ohne Zweifel zehn Reiche, die dem römischen Scepter unterworfen waren (vgl. Cap. 17, 12.). Eben so wohl hat aber auch hier die Zahl tiefere Bedeutung. Nun ist die Zahl fünf Bild der Sinnlichkeit. Zehn ist zweimal fünf. Der Sinn ist also: alles, was ins Reich der Sinne gehört, Reichthum, menschliche Weisheit, Kunst ꝛc. wird eben durch die Einverleibung so vieler Reiche der Welt im römischen Reich sich verdoppeln, d. h. aufs höchste steigen. Das ist auch geschehen: weil z. B. Griechenland römisch wurde, so blühte in Rom das alles noch einmal auf, was in der alten Pflanzstätte menschlicher Kunst und Wissenschaft dem Ersterben nahe war; der Untergang aller andern Reiche ringsumher predigte den Tod irdischer Macht und Lust, aber während Rom mit der Sichel über die Erde ging, um zu schneiden, spiegelte es sich nicht an dem Verderben, dessen Zeuge es war, sondern hub begierig von den verwelkten Halmen die Aehren ab, um auf eigenem Acker wuchern zu lassen, was es auf fremdem Gebiet hatte verdorren sehen und siehe, der neue üppige Boden gab der geraubten Saat kräftiges Gedeihen und der Welt eine doppelte Blüthe ihrer Herrlichkeit. Die „sieben Kronen“ „auf seinen Häuptern“ geben zu verstehen, daß hier von dem römischen Kaiserthum die Rede ist (vgl. Cap. 13, 1.), das selbst eine gekrönte irdische Gewalt war, während das Papstthum seine Macht vom alten römischen Reich entlehnte und auf die vorgebliche Schenkung Constantins gründete.

V. 4. „Und sein Schwanz zog den dritten Theil der Sterne, und warf sie auf die Erde. Und der Drache trat vor das Weib, die gebären sollte, auf daß, wenn sie geboren hätte, er ihr Kind fresse.“

Der „Schwanz“ des Drachen sind die Irrlehrer, welche in den ersten Jahrhunderten deß zu genießen hatten, daß der Teufel die römischen Kaiser so oft gegen die Kirche hetzte und sie verhinderte, sich ihrer Feinde zu erwehren, besonders sind die Arianer gemeint, welche es zu Wege brachten, daß die rechtgläubige Christenheit im römischen Reiche heftig verfolgt wurde. Der „dritte Theil der Sterne“ sind die Lehrer der Kirche, welche zur Zeit solcher Anfechtung abfielen, weil sie irdisch gesinnt waren („warf sie auf die Erde.“). Während in dieser Bedrängniß die Kirche noch immer rang, daß nur ihr Bekenntniß nicht untergehen und ihr Same bleiben möchte, wie schon V. 2. beschrieben worden ist, so bereitete der Teufel eine neue Gefahr vor, um, wenn endlich die Kirche auf Erden zu ihrem Recht käme sofort die Frucht ihres Kampfes zu verderben, nämlich die Gewalt der Kirche selbst an sich zu

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the congregation of Christ have been won, there is at the same time impressed upon her that stamp, so vehemently denied by the enemy down to this day, that she is nothing other than the restoration of the One, holy, apostolic Church. All heaven acknowledges her, cries on and on: Yes, that is she again, whom men on earth would never know! and thereby refutes the blasphemies which would dispute her the honor of being the true Bride of the Lamb.

V. 1. "And there appeared a great wonder," etc.: "The ark of his testament was seen in his temple" was praised in the last verse of the preceding chapter as the precious fruit of the victory which Christ had won through the testimony of the truth over the antichristian lie. That the Mediator of the new testament has become known again to the people in the pure preaching of the gracious Gospel had to be the first thing. The second must now not be lacking: that is the Bride of Christ, who rises as it were from the grave. That she still lives is the greatest wonder, at which the angels cannot gaze their fill. Therefore it says at the beginning of the 1st verse: "And there appeared a great wonder in heaven." What hitherto under the name of the Church had ruled on earth with great splendor had been of no account in heaven: for beneath it lay the true mother of the household of Christendom buried like a pearl in the rubbish. Now that the pearl is found again on earth, the world heeds it not; indeed the mighty multitude which still adheres to Antichrist is permitted to reject her, to revile her and to tread her under foot: therefore in this prophecy heaven opens over the little flock of the confessors of the pure Gospel, where that which is despised on earth is marveled at and praised as "a great wonder."

The Church, however, is described thus:

"a woman" (because she is betrothed to Christ, her Bridegroom) "clothed with the sun" (as one who in Baptism has put on Christ, the eternal, true light, who is her only righteousness), "and the moon under her feet" (that is, the perishable being of this world, to show that she, to be sure, as has plainly enough been made manifest in the vale of tears, is subject to the change of favor and disfavor, of protection and persecution, of dense pressure and great tribulation, yet passes through the same unharmed in her glory, just as a full stream remains the same, whether damp mists hover upon its waves or the sun is mirrored in them, whether the stroke of the oar and the call of the boatmen drown its murmur or only the little fishes in the depths accompany it on its winding ways, whether it flows through smiling fields or through a desolate wilderness to meet the sea), "and upon her head a crown of twelve stars" (this points to the doctrine of the apostles, in which holy Christendom steadfastly abides, and which no time can quench).

V. 2. "And she being with child cried, travailing in birth, and pained to be delivered." —

From this verse on follows the survey of the struggles and victories by which the Church has hitherto been preserved, as appears especially from the recurrence of the 1260 days (v. 6; cf. Ch. 11, 3). The prophecy has reached a height from which it grants us a look backward. But because the form of the Church, as long as this world stands, remains essentially the same under all the changes which she undergoes in her outward appearance in the course of the ages, the description which we here receive of the condition of the congregation of God points just as well to the travail in which Christ's Bride lay, in spite of her glory, also in the time of the Reformation. So the words above are again a comforting confirmation of the work of the Reformation. In the anguish which the flock of Christ on earth had also in Luther's time, the angels in heaven recognize only the same company of witnesses who in the apostolic age had borne the name of Christ amid the pains of death. Therefore the Holy Spirit now first recalls the struggles of the first centuries. How could they be better portrayed than is done in the words of this second verse? The congregation of God had not yet grown into the life of the nations. She strove that she might transplant her confession as a living fruit to a coming generation.

Yet like a woman in travail she seemed scarcely to carry her life away. Her "great pain" was, in the judgment of men, unto death. But in heaven they rejoiced in the midst of her pains: — "to the birth! to the birth!"

V. 3. "And there appeared another wonder in heaven; and behold a great red dragon, having seven heads and ten horns, and seven crowns upon his heads."

It has always been customary in our Church to refer the "seven heads" to the seven hills of the city of Rome and to understand by the "ten horns" the ten great kingdoms which were subject to the Roman dominion. The "great red dragon" is the devil, who chose the largest and best seat for himself, and therefore set up his residence in Rome as soon as the glory of the world had flowed together there as into a sewer. — That we have here a picture of the Roman dominion is therefore beyond doubt. The question is only whether the vision is to be interpreted exclusively of the Roman papacy. The connection given above, according to which this whole chapter is to be regarded as a retrospect upon all the struggles of the Church from the time of the apostles, as well as the comparison of this passage with Ch. 13, 1., where the same vision recurs in somewhat altered form, deny it. The dragon is indeed the same who reigns in the papacy, has also his seat already at Rome and prepares the papacy there, but it is not yet his mask, although it differs from it only in name. The "seven heads and ten horns" are the Roman Empire, as the shadow of the papacy. The seven heads are also referred, perhaps, to the seven forms of government which existed one after another in Rome. More suitably one takes the number seven here again in its biblical meaning, as a picture of completion, first, so that it includes the sense that in the Roman Empire, as the last world-monarchy, earthly majesty and power had come to completion, that one might now wait for nothing more than the end; then also as a parody of the arrogated holiness, which brought the Roman Empire so far that it placed its emperors among the gods and had them worshiped. The ten horns are without doubt ten kingdoms which were subject to the Roman scepter (cf. Ch. 17, 12). Just so, however, the number has here also a deeper meaning. Now the number five is the picture of sensuality. Ten is twice five. The sense is therefore: everything that belongs to the realm of the senses, riches, human wisdom, art, etc., will be doubled in the Roman Empire precisely through the incorporation of so many kingdoms of the world, that is, rise to the highest. That too has happened: because, for example, Greece became Roman, there bloomed once more in Rome all that in the old nursery of human art and science was near to dying; the downfall of all other kingdoms round about preached the death of earthly power and pleasure, but while Rome went over the earth with the sickle to reap, it did not mirror itself in the ruin whose witness it was, but eagerly gathered from the withered stalks the ears, to let them flourish in its own field, what it had seen wither on foreign ground; and behold, the new luxuriant soil gave the stolen seed vigorous growth and the world a double bloom of its glory. The "seven crowns" "upon his heads" give to understand that here the Roman Empire is spoken of (cf. Ch. 13, 1.), which was itself a crowned earthly power, while the papacy borrowed its power from the old Roman Empire and founded it upon the pretended donation of Constantine.

V. 4. "And his tail drew the third part of the stars of heaven, and did cast them to the earth. And the dragon stood before the woman which was ready to be delivered, for to devour her child as soon as it was born."

The "tail" of the dragon are the false teachers, who in the first centuries had the benefit of this, that the devil so often incited the Roman emperors against the Church and hindered them from defending themselves against their enemies; especially the Arians are meant, who brought it about that the orthodox Christians were violently persecuted in the Roman Empire. The "third part of the stars" are the teachers of the Church who fell away in the time of such trial because they were minded to earthly things ("did cast them to the earth"). While in this tribulation the Church still continued to strive that only her confession might not perish and her seed might remain, as has already been described in V. 2, the devil prepared a new danger, in order, when at last the Church on earth should come to her right, immediately to spoil the fruit of her struggle, namely to draw to himself the power of the Church herself