Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 26 › Seite 205
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-08-14, Seite 205
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bige (Symbole) könne verlanget und abgeleget werden, und wofern dieses geschehen soll, keine Bedingungs-Formel dabei zu gebrauchen sei.“ Dieses erläutert er weiter, S. 50: „Die dritte Frage: wie der Eid abzulegen? betreffend, ob dieses durch quia oder quatenus, d. h. weil oder sofern sie mit der heiligen Schrift übereinkommen, geschehen müßte, so haben zwar einige die letztere Art der ersteren aus dem Grunde vorziehen wollen, daß man sein Gewissen dabei besser beruhigen könnte, welche Meinung aber keinesweges zu billigen. Denn es streitet dieses mit der Natur sowohl, als Endzweck eines Eides, daß auf solche Weise der Schwörende nicht weiß, wie weit er die daselbst vorgetragenen Lehren billige oder nicht, und derjenige, dem geschworen wird, bekommt dadurch in der That keine Versicherung. Auf dergleichen Art könnte man auch fremden symbolischen Büchern unterschreiben, wie denn die Papisten in ihrem Tridentinischen Concilio unterschiedene Sachen haben, die mit der Schrift übereinkommen.“
Wir sehen hieraus, in welchem Verhältnisse die ev.-luth. Kirche von jeher zu ihren Bekenntnißschriften gestanden hat. Sie erklärt nämlich dieselben für ihre Symbole, und damit für die Regel und Richtschnur der in ihr geltenden Lehre. Sie verpflichtet deshalb ihre Prediger durch den Ordinations-Eid zu unbedingter Annahme derselben, um dadurch die Bürgschaft, Gewähr und Versicherung zu erhalten, daß dieselben auch wirklich ihr Glaubensbekenntniß und ihre Lehre vortragen und verkündigen.
(Schluß folgt.)
Mormonismus.
(Schluß.)
Die Lehre der Mormonen, die wir jetzt besonders ins Auge fassen, übertrifft wohl an heidnischen Gräueln alles, was sich seither mit dem christlichen Namen hat schmücken wollen. Neben dem Buche Mormon und dem „Buche der Lehre und Bündnisse“ soll auch unsere theure, nur zu oft auf das Allerschändlichste gemißbrauchte Bibel Quelle derselben sein. Da aber eine fortdauernde Offenbarung des Willens und der Weisheit Gottes durch das Mittel des Sehers und Kirchenhauptes angenommen wird, so ist die Dogmatik nur eine vorläufige, später weiter auszubildende. Nach Orson Pratt, dem angesehensten Dogmatiker der Sekte, glaubt sie keine ewige Gottheit. Ihr Urgott, von dem die Welt im Ganzen nach den neuesten Offenbarungen regiert wird, und der im Mittelpunkt des Weltalls auf einem ungeheuer großen Planeten Kolob thront, ist ein auf geheimnißvoller Weise aus der durch sich selbst bestehenden Intelligenz und Materie Entstandener. Das erste, was er that, war, daß er ein Grundgesetz aufstellte, zu dessen Bestimmungen gehörte, daß eine Verschiedenheit der Geschlechter sei. Nach dieser Bestimmung gingen aus ihm andere Götter, theils Söhne, theils Töchter, hervor, um wieder andere Götter männlichen und weiblichen Geschlechts zu erzeugen. Jedem Gott ist ein bestimmter Stern oder Planet angewiesen, den er zu bevölkern und zu beherrschen hat. Ist ein Weltkörper dann mit den Kindern des Gottes so angefüllt, daß er sie nicht mehr bergen und ernähren kann, so schafft er einen neuen Stern, nach welchem die Geister der jungen Götter als Bewohner gesendet werden. Diese verehren dann, das Bewußtsein ihrer Göttlichkeit verlierend, sobald sie einen Leib bekommen, ihren Vater als Gott, gerade wie dieser mit seinen Brüdern im Weltall seinen Vater als Gott ehrt, und sofort bis zum Urgott auf Kolob, bei dem wegen der Größe seines Sterns ein Tag 1000 unserer Jahre ausmacht. Die von dem Gotte, welcher die Erde beherrscht, erzeugten Geister haben die Wahl, zu bleiben, wo sie sind, oder einen materiellen Leib anzunehmen, um durch ein Leben der Prüfung auf Erden sich zu größerer Herrlichkeit emporzuarbeiten, als sie bei ihrem Vater als Geister genießen. Sobald ein solcher Gottessohn Besitz von seinem irdischen Leibe nimmt, was bei Eintritt des Lebens geschieht, wird der Mensch eine lebende Seele. Der Mensch besteht also aus Leib und Geist, von welchem letzterer dem Wechsel und der Vergänglichkeit nicht unterworfen ist. Der Tod trennt beide; aber dann bewacht der Geist jedes Theilchen seines Leibes, bis zur Auferstehung. Der Tod kam durch Adam, oder wie er auch genannt wird, Michael den Alten, in die Welt. Er fiel, damit es so viel mehr Menschen gäbe; mit vollem Bewußtsein der Folgen aß er von dem Apfel, und sündigte, damit sterbliche Leiber entstehen könnten, geeignet zur Wohnung von Geistern, sobald es diesen beliebte, ihre Prüfungszeit anzutreten. Sündigt ein Geist in seinem Leben als Mensch, so wird ihm nach seinem Tode eine niedrigere Stufe abermaliger Prüfung angewiesen, etwa ein Negerleib; ist er wieder ungehorsam, noch eine tiefere, bis er zur Unterwerfung kommt, und jetzt wieder seinen Weg von Stufe zu Stufe nach der alten Herrlichkeit eines Kindes Gottes antreten darf. Hier wiederholt sich also die alte ägyptisch-heidnische Lüge von der Seelenwanderung in wenig verschiedener Art. — Näher wird die Einführung der Sünde in die Welt und das erste Auftreten des Satans folgendermaßen geschildert: nachdem die Erde von den Göttern vorbereitet und geistig geschaffen, und Michael oder Adam (ebenfalls geistig) gefallen war, wurde im Himmel ein großer Götterrath gehalten, bei welchem der Vater der Himmlischen den Vorsitz führte und bei dem der Erstgeborne Gottes, der vorzugsweise Sohn heißt, und Lucifer, sein Bruder, der schöne Morgenstern, der Führer himmlischer Heere, zugegen waren. Die Frage, wie die Erlösung der Menschen zu bewerkstelligen sei, wurde vom Lucifer dahin beantwortet, er wolle den Menschen in seinen Sünden, von Christo hingegen, er wolle ihn von seinen Sünden erlösen. Der letztere Weg wurde vom Vater genehmigt, was Lucifer übel nahm. Er lehnte sich mit seinen Legionen auf und der dadurch hervorgerufene Krieg endete damit, daß die Rebellen, ein Drittheil der Kinder Gottes, aus dem Himmel geworfen wurden. Lucifer wurde zum Satan, sowie seine Gesellen zu Dämonen, trotzdem er aber viele gute Eigenschaften beibehielt und ein „vollendeter Gentleman“ ist! Nur mit großen Dingen gibt er sich ab; geringe Sachen, die untergeordnete Beamte seines Reichs betreiben, ihm selbst zuschreiben, ist unchristlich. Man muß sich wundern, wie der Teufel da, wo man sein Dasein nicht schon ganz läugnet, es doch herrlich drauf anzulegen weiß, daß er so weiß als möglich erscheint. Aber welcher Christ kann sich eines Schauders erwehren, wenn er hört, daß der Gott der Mormonen nicht nur einen menschlichen Körper hat, vermöge dessen er ißt, trinkt und etwa ein Handwerk oder sonstiges Geschäft beliebig betreibt, sondern daß er sich auch mit der Jungfrau Maria im jüdischen Lande ganz so vermählt hat, wie ein menschlicher Bräutigam. Jesus Christus, der vorher nur ein geistiges Leben führte, soll dadurch seinen Leibestempel erlangt haben. Der heilige Geist dagegen ist ohne Körper, und deshalb weniger vollkommen, als die beiden andern Personen, deren übereinstimmender Wille er ist. — Wie Christus auch in Amerika erschienen sein soll, haben wir bereits gehört. Die von ihm gestiftete wahre Kirche Gottes erlosch aber in der alten und neuen Welt nach einigen Jahrhunderten. Irrlehren kamen auf (z. B. die, daß der Christ nur Eine Frau, der Priester gar keine haben dürfte) das Priesterthum kam abhanden, mit ihm aber gingen auch alle außerordentlichen Gaben des Geistes, die Gott den Gläubigen verliehen, verloren, und die erst durch Jos. Smith, dem Wiederhersteller des Gnadenstandes, zurückkehrten. Die Mormonen haben jetzt eine echte Priesterschaft. Ihnen soll auch, in Gemeinschaft mit den bekehrten Indianerstämmen, als Nachkommen der Kinder Israel, und mit den Juden beim Eintritt des tausendjährigen Reiches die ganze Erde gehören. Die wiederkehrenden Gnadengaben der urchristlichen Zeit, wunderbare Heilungen, Weissagungen u. s. w. beschränken sich meist nur auf die Priesterschaft, kommen ausnahmsweise jedoch auch bei den Laien vor. Dies ist namentlich mit dem „Reden in Zungen“ der Fall. Wie die Afterweisheit der sogenannten neueren Theologie namentlich unter den Unirten, die Apostel am ersten christlichen Pfingsttage nicht will in den verschiedenen Sprachen ihrer Hörerschaft haben predigen lassen, sondern vielmehr in der vor dem babylonischen Thurmbau auf der ganzen Welt geführten Ursprache, die dann in den Ohren jedes Hörers soll gelautet haben, wie seine eigne Sprache, so besteht bei den Mormonen die Zungengabe darin, daß der Eine oder Andere anfängt, unzusammenhängende Worte oder Sylben zu lallen, die dann „Neuägyptisch“ genannt werden, jedoch von Keinem verstanden werden, bis wieder Jemand die Gabe des „Verdollmetschens“ empfängt. — Die Taufe der Mormonen geschieht durch Untertauchung, bei Kindern im achten Jahre, zur Vergebung der Sünden. Unmittelbar daran schließt sich die Confirmation mit Handauflegung zur Mittheilung des h. Geistes an. Es findet auch oft eine stellvertretende Taufe der Lebenden für ihre todten Freunde und Verwandten statt, die keine Gelegenheit hatten, die Mormonentaufe zu empfangen, oder die sie in ihrem Leben verachteten. Durch diese Taufe
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(symbols) could be demanded and taken, and, if this is to be done, that no conditional formula is to be used in doing so.” This he explains further, p. 50: “As to the third question, how the oath is to be taken, namely whether it must be done by quia or quatenus, that is, because or in so far as they agree with the Holy Scriptures, some have indeed wished to prefer the latter manner to the former, on the ground that one could thereby set one’s conscience more at rest, which opinion, however, is by no means to be approved. For this conflicts with the nature as well as the purpose of an oath, since in such a manner the one who swears does not know how far he approves the doctrines set forth therein or not, and he to whom the oath is made thereby receives in fact no assurance. In like manner one might also subscribe to foreign symbolical books, as indeed the Papists in their Tridentine Council have various things that agree with the Scripture.”
We see from this in what relation the Evangelical Lutheran Church has stood from of old to her Confessions. She declares the same, namely, to be her symbols, and thereby the rule and standard of the doctrine that holds in her. She therefore binds her preachers by the ordination oath to an unconditional acceptance of them, in order thereby to obtain the surety, warrant and assurance that they will also truly set forth and proclaim her confession of faith and her doctrine.
(Conclusion to follow.)
Mormonism.
(Conclusion.)
The doctrine of the Mormons, which we now take particularly into view, surpasses, it may be, in heathenish abominations everything that has hitherto sought to adorn itself with the Christian name. Besides the Book of Mormon and the “Book of Doctrine and Covenants,” our precious Bible, all too often abused in the most shameful manner, is also said to be a source of it. But since a continuing revelation of the will and wisdom of God through the means of the seer and head of the church is assumed, the dogmatics is only a provisional one, to be developed further later. According to Orson Pratt, the most esteemed dogmatician of the sect, it believes in no eternal Godhead. Its Original God, by whom the world as a whole is governed according to the newest revelations, and who sits enthroned at the centre of the universe upon a monstrously great planet Kolob, is one who has come into being in a mysterious manner out of the self-existent intelligence and matter. The first thing he did was to set up a fundamental law, to the provisions of which it belonged that there should be a distinction of the sexes. According to this provision there proceeded from him other gods, partly sons, partly daughters, in order in turn to beget other gods of male and female sex. To each god a certain star or planet is assigned, which he has to people and to rule. When a world-body is then so filled with the children of the god that he can no longer house and feed them, he creates a new star, to which the spirits of the young gods are sent as inhabitants. These, losing the consciousness of their divinity as soon as they receive a body, then worship their father as God, just as the latter with his brothers in the universe honors his father as God, and so on up to the Original God on Kolob, with whom, because of the size of his star, one day amounts to 1000 of our years. The spirits begotten by the god who rules the earth have the choice to remain where they are, or to take on a material body, in order through a life of probation on earth to work themselves up to a greater glory than they enjoy with their father as spirits. As soon as such a son of God takes possession of his earthly body, which happens at the beginning of life, the man becomes a living soul. Man consists, then, of body and spirit, of which the latter is not subject to change and perishableness. Death separates the two; but then the spirit guards every particle of its body until the resurrection. Death came into the world through Adam, or, as he is also called, Michael the Ancient. He fell, in order that there might be so many more men; with full consciousness of the consequences he ate of the apple, and sinned, in order that mortal bodies might arise, fit for the dwelling of spirits, as soon as it pleased these to enter upon their time of probation. If a spirit sins in its life as a man, then after his death a lower stage of renewed probation is assigned to him, perhaps a negro’s body; if he is again disobedient, a still deeper one, until he comes to submission, and now may again take his way from stage to stage toward the old glory of a child of God. Here, then, the old Egyptian-heathen lie of the transmigration of souls is repeated in a slightly different form. — The introduction of sin into the world and the first appearance of Satan is described more closely as follows: after the earth had been prepared by the gods and created spiritually, and Michael or Adam (likewise spiritually) had fallen, a great council of the gods was held in heaven, at which the Father of the Heavenly ones presided, and at which the First-born of God, who is called preeminently the Son, and Lucifer, his brother, the beautiful morning star, the leader of heavenly hosts, were present. The question, how the redemption of men was to be accomplished, was answered by Lucifer to this effect, that he would save men in their sins; by Christ, on the other hand, that he would redeem them from their sins. The latter way was approved by the Father, which Lucifer took ill. He rose up with his legions, and the war thereby called forth ended in this, that the rebels, a third part of the children of God, were cast out of heaven. Lucifer became Satan, and his companions demons, although he nevertheless retained many good qualities and is a “perfect gentleman”! He concerns himself only with great things; to ascribe to him himself small matters, which subordinate officials of his realm carry on, is unchristian. One must wonder how the devil, where one does not already altogether deny his existence, nevertheless contrives most splendidly to appear as white as possible. But what Christian can refrain from a shudder when he hears that the God of the Mormons not only has a human body, by virtue of which he eats, drinks, and perhaps carries on some trade or other business at pleasure, but that he has also wedded himself to the Virgin Mary in the land of the Jews exactly as a human bridegroom. Jesus Christ, who before led only a spiritual life, is thereby said to have obtained his temple of the body. The Holy Ghost, on the other hand, is without a body, and therefore less perfect than the two other Persons, whose harmonious will he is. — How Christ is also said to have appeared in America we have already heard. The true church of God founded by him, however, died out in the old and new world after some centuries. Errors arose (for example, that the Christian might have only one wife, the priest none at all); the priesthood was lost, and with it also all the extraordinary gifts of the Spirit, which God bestows on believers, were lost, and which returned only through Jos. Smith, the restorer of the state of grace. The Mormons now have a genuine priesthood. To them, also, in company with the converted Indian tribes, as descendants of the children of Israel, and with the Jews, at the entrance of the thousand years’ kingdom the whole earth is to belong. The returning gifts of grace of the primitive Christian age, wonderful healings, prophecies, and so forth, are for the most part confined only to the priesthood, though by way of exception they occur also among the laity. This is especially the case with the “speaking in tongues.” As the false wisdom of the so-called newer theology, especially among the Unionists, will not have the apostles on the first Christian Pentecost preach in the different languages of their hearers, but rather in the primitive language spoken throughout the whole world before the building of the tower of Babel, which is then said to have sounded in the ears of each hearer like his own language, so among the Mormons the gift of tongues consists in this, that one or another begins to babble incoherent words or syllables, which are then called “New Egyptian,” but are understood by no one, until someone again receives the gift of “interpretation.” — The baptism of the Mormons takes place by immersion, in the case of children in the eighth year, for the remission of sins. Immediately thereupon follows confirmation with the laying on of hands for the imparting of the Holy Ghost. There also frequently takes place a vicarious baptism of the living for their dead friends and relatives, who had no opportunity to receive the Mormon baptism, or who despised it in their lifetime. Through this baptism