Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 26 › Seite 204

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-08-14, Seite 204

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den.““ Wenn aber 2. die symbolischen Bücher eine Norm (Regel) genannt werden, und eine Form der Lehre, aus und nach welcher alle andern Schriften geurtheilt werden sollen, so wird dies nur in einer gewissen Beziehung verstanden wegen einer gewissen Analogie (Aehnlichkeit), nämlich einer äußerlichen, welche darin besteht, daß auch nach jener (Regel) etwas beurtheilt und gerichtet wird, obwohl es nicht die Grundregel dessen ist, was beurtheilt und gerichtet wird. Und zwar 3. wenn eine Untersuchung angestellt wird nicht sowohl über die Wahrheit einer Lehre, als über ihre Annahme, Geltung und Billigung in einer gewissen Kirche: ob z. B. die Flacianische Behauptung von der Erbsünde in der lutherischen Kirche jemals angenommen und gebilligt sei? Ob des Flacius’ Lehre mit der vom Anfange der Reformation an in der lutherischen Kirche überlieferten und gebilligten Lehre übereinstimme? Daß also 4. die symbolischen Bücher eine Norm heißen nicht des Glaubens selbst, sondern des Glaubensbekenntnisses, nicht überhaupt, sondern nur in Beziehung auf gewisse streitige Hauptlehren, und zwar so wie jenes in gewissen Kirchen fortwähren soll.. Daß dies die Meinung der Unsrigen sei, geht aus ihren eigenen klaren Worten hervor: „„So kann uns, sagen sie S. 517, Niemand verdenken, daß wir auch aus denselbigen (den Symbolen) Erläuterung und Entschied der streitigen Artikel nehmen; und wie wir Gottes Wort, als die ewige Wahrheit, zum Grund legen, also auch diese Schriften zum Zeugniß der Wahrheit und für den einhelligen rechten Verstand unserer Vorfahren, so bei der reinen Lehre standhaftig gehalten, einführen und anziehen.““ Und so entziehen die Unsrigen nichts der heiligen Schrift, welche schlechthin die Norm unserer Lehre genannt wird, noch machen sie die Symbole derselben gleich, sondern sie schreiben nur ihren Symbolen das zu, was die Natur und Beschaffenheit eines symbolischen Buches verlangt und gerathen hier auf kein Extrem“ (Abweg).

Hierauf faßt Carpzow kurz zusammen, was unsere Väter bei der Abfassung der symbolischen Bücher beabsichtigten, und beschreibt den Zweck derselben also: „Sie wollten damit 1. nicht bloß ihre Lehre und den Glauben bezeugen, und wie sie denselben aus Gottes Wort geschöpft öffentlich lehrten, sondern außerdem 2. auch der Willkür im Reden und Lehren Schranken und Gränzen setzen, in welchen sich besonders die Lehrenden halten müßten; und 3. wollten sie damit auch eine Regel geben und feststellen, wonach über die Schriften Anderer geurtheilt werden könnte, nicht ob sie wahr und falsch seien? denn hierüber ist allein aus der heil. Schrift zu urtheilen, sondern ob sie mit der von Anfang an in der lutherischen Kirche angenommenen und überlieferten Lehre übereinstimmten; damit dadurch 4. die Einfältigen vor unächten die Reinheit der einmal angenommenen Lehre störenden Schriften behütet würden, und damit 5. auf diese Weise die heilige Beilage der reinen Lehre Luthers auf die späte Nachkommenschaft gebracht würde.“

Von Anfang an hat also unsere Kirche ihre Symbole als die Richtschnur der in ihr geltenden Lehre anerkannt. Sie kann es daher unmöglich ihren Predigern freistellen, wie weit sie sich an die Symbole binden wollen. Denn was sollte daraus werden, wenn den Predigern z. B. verstattet würde, die Symbole nur soweit anzunehmen, als dieselben nach ihrer Meinung mit der heil. Schrift übereinstimmen? Dies könnte nur zum Untergange des reinen Lutherthums führen. Gar bald würden nämlich Prediger erklären, diese oder jene lutherische Lehre widerspreche nach ihrer Ansicht der heil. Schrift, würden statt dessen neue, fremde, falsche Lehren vortragen, und würden so am Ende ihren Gemeinden dies köstliche Kleinod der reinen lutherischen Lehre entreißen. Nur Verderben kann somit daraus entstehen, wenn unsere Kirche es in das Belieben ihrer Prediger stellen würde, in wie weit sie sich nach den Symbolen richten wollten. Damit würden die Gemeinden ganz ihrer Willkür überlassen, damit würde den Predigern der Freibrief ertheilt, neue, falsche Lehren einzuführen, ja damit würde die Kirche erklären, daß sie selbst ihre Symbole nicht mehr für wahr und schriftgemäß halte.

Unsere Kirche muß daher eine Bürgschaft haben, daß ihre Prediger auch dem Vorbilde ihrer Symbole gemäß lehren. Dies hat sie von jeher erkannt. Sie hat deshalb ihren Predigern durch den Ordinations-Eid die heilige Verpflichtung auferlegt, das Wort Gottes nach den Symbolen zu predigen und auszulegen, weil dieselben mit der heil. Schrift übereinstimmen. Zu einem solchen Eide wird natürlich niemand gezwungen. Derselbe ist durchaus freiwillig. Allein mit Freuden leisten solchen Eid diejenigen, welche unsere Symbole für die reine, ungefälschte Erklärung und Darlegung des göttlichen Wortes und Willens erkennen und in denselben nur ihr eigenes Bekenntniß sehen.

Wie ernst es unsere Kirche mit dieser Verpflichtung auf die symbolischen Bücher, die auch durch Unterschrift geschah, genommen hat, beweist das Beispiel der Verfasser der Concordienformel. Diese bezeugen nämlich am Schlusse des ersten Theils, S. 511: „Daß dies unser aller Lehre, Glaube und Bekenntniß sei, wie wir solches am jüngsten Tage vor dem gerechten Richter, unserm Herrn Christo, verantworten, dawider auch nicht heimlich noch öffentlich reden, oder schreiben wollen, sondern gedenken, vermittelst der Gnaden Gottes dabei zu bleiben, haben wir wohlbedächtig in wahrer Furcht und Anrufung Gottes mit eigen Händen unterschrieben.“ Und der theure Brentius erklärt von den schmalkaldischen Artikeln, S. 333: „Nach meiner Wenigkeit urtheile ich, daß dieses alles mit der heil. Schrift und mit der Meinung der wahren und ächten katholischen Kirche übereinstimme... Ich bezeuge mit dieser meiner Unterschrift, daß ich so denken, bekennen und beständig lehren werde durch JEsum Christum, unsern HErrn.“

Ueber den Nutzen einer solchen Verpflichtung auf die symbolischen Bücher sagt der sel. Carpzow, S. 1736 folgendes: „Ein besonderer Nutzen erstreckt sich auf die Diener der Kirche und ihre Zuhörer, daß nämlich durch die Unterschrift dieses Buches die Verpflichtung auf eine bestimmte Lehr-Norm sowohl die Oberen, als die Zuhörer selbst wegen der Treue und Uebereinstimmung der Lehrenden desto gewisser macht, Spaltungen verhütet, und die Kirche vor Wölfen bewahrt. Weil die symbolischen Bücher ein Inbegriff und öffentliche Anzeige dessen sind, was man glauben muß, und somit eine Regel, wenn auch nicht des Glaubens selbst, so doch (eine Regel) in Beziehung auf die Erklärung, Wiederholung, das Bekenntniß und die öffentliche Lehre des Glaubens für die Bekenner, welche die symbolischen Bücher unterschrieben haben.“

Was dagegen unsere Väter von solchen geurtheilt haben, welche die symbolischen Bücher mit einem Vorbehalte annehmen, ersehen wir aus folgender Darstellung Carpzow’s, S. 6: „Niemand wird von der Kirche zum Glauben gezwungen, noch wird durch die symbolischen Bücher irgend einem die Nothwendigkeit zu glauben auferlegt, sondern alles dies, was die Kirche mit diesen Büchern unter ihren Gliedern und von ihren Gliedern sucht, bezieht sich auf das äußere Bekenntniß des Glaubens und der einmal aus der Schrift geschöpften und angenommenen Lehre und deren Bewahrung und unverletzte Erhaltung. Wer sich daher zum Bekenntniß und zur Vertheidigung der symbolischen Bücher verpflichtet, der kann, wenn er aufrichtig handeln will, sich nicht mit einem stillschweigenden Vorbehalt oder unter der Bedingung, daß sie mit der Schrift und der alten Kirche übereinstimmen, verpflichten oder unterschreiben. Denn es ist keine Frage über die Wahrheit oder Falschheit der in den symbolischen Büchern begriffenen Glaubenssätze, denn diese (die Wahrheit) wird von dem, welcher sich unterschreibt und dazu verpflichtet, vorausgesetzt, sondern es handelt sich um das Bekenntniß und die Bewahrung dieser Lehre in der Kirche, welcher jemand seinen Dienst gelobt. Zu diesem Bekenntniß verpflichtet sich derjenige, welcher die symbolischen Bücher aufrichtig unterschreibt. Wer aber zweifelt an der in den symbolischen Büchern enthaltenen Lehre, und sich darüber entweder nicht besser belehren lassen will, oder sie bekämpft, und im Ausdrucke und in der Redeweise von ihr abweicht, der überschreitet die ihm von der Kirche, in welcher er lehrt, gesetzten Gränzen und rühmt sich betrügerischer Weise für ein Glied der Kirche, deren Symbole er unterschrieben hat.“

Eben so bezeugt auch noch Dr. J. G. Walch in seiner Schrift: Historische und theologische Einleitung in die Religions-Streitigkeiten, welche sonderlich außer der ev.-luth. Kirche entstanden, S. 46: „Es erhellet auch daher, daß mit gutem Recht und Gewissen der Eid auf diesel-

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come."" But when 2. the symbolical books are called a norm (rule), and a form of doctrine, out of and according to which all other writings are to be judged, this is understood only in a certain respect, on account of a certain analogy (resemblance), namely an external one, which consists in this, that something is also judged and regulated by that (rule), although it is not the fundamental rule of that which is judged and regulated. And indeed 3. when an inquiry is instituted not so much concerning the truth of a doctrine, as concerning its acceptance, validity and approval in a certain church: whether, e. g., the Flacian assertion concerning original sin was ever accepted and approved in the Lutheran Church? Whether the doctrine of Flacius agrees with the doctrine handed down and approved in the Lutheran Church from the beginning of the Reformation? So that 4. the symbolical books are called a norm not of faith itself, but of the confession of faith, not in general, but only in relation to certain controverted principal doctrines, and indeed as that is to continue in certain churches.. That this is the meaning of our people is evident from their own clear words: ""So no one can blame us, they say, p. 517, that we also take explanation and decision of the controverted articles from the same (the Symbols); and as we lay God's Word, as the eternal truth, for a foundation, so also we introduce and cite these writings as a testimony of the truth and for the unanimous right understanding of our forefathers, who steadfastly held to the pure doctrine."" And so our people withdraw nothing from the Holy Scripture, which is called absolutely the norm of our doctrine, nor do they make the Symbols equal to it, but they ascribe to their Symbols only that which the nature and character of a symbolical book requires, and fall here into no extreme" (aberration).

Hereupon Carpzov briefly sums up what our fathers intended in the composition of the symbolical books, and describes their purpose thus: "They wished thereby 1. not only to testify their doctrine and faith, and how they publicly taught it as drawn from God's Word, but besides 2. also to set bounds and limits to arbitrariness in speaking and teaching, within which teachers especially must keep; and 3. they wished thereby also to give and establish a rule according to which the writings of others could be judged, not whether they are true or false? for on that point judgment is to be made from the Holy Scripture alone, but whether they agree with the doctrine accepted and handed down in the Lutheran Church from the beginning; so that thereby 4. the simple might be guarded against spurious writings disturbing the purity of the doctrine once accepted, and so that 5. in this way the holy legacy of the pure doctrine of Luther might be brought down to late posterity."

From the beginning, therefore, our Church has acknowledged her Symbols as the plumb-line of the doctrine valid in her. She therefore cannot possibly leave it to her preachers to decide how far they will bind themselves to the Symbols. For what would come of it if preachers were allowed, e. g., to accept the Symbols only so far as they agree, in their opinion, with the Holy Scripture? This could lead only to the downfall of pure Lutheranism. Very soon, namely, preachers would declare that this or that Lutheran doctrine contradicts the Holy Scripture in their view, would instead propound new, strange, false doctrines, and so in the end would snatch from their congregations this precious jewel of the pure Lutheran doctrine. Only ruin can result from it if our Church were to put it at the pleasure of her preachers how far they would conform to the Symbols. Thereby the congregations would be left wholly to their arbitrariness, thereby the preachers would be given a license to introduce new, false doctrines, yes, thereby the Church would declare that she herself no longer holds her Symbols to be true and in accord with Scripture.

Our Church must therefore have a security that her preachers also teach according to the model of her Symbols. This she has always recognized. She has therefore laid upon her preachers, through the ordination oath, the holy obligation to preach and expound the Word of God according to the Symbols, because they agree with the Holy Scripture. To such an oath no one is of course compelled. It is entirely voluntary. But with joy those take such an oath who recognize our Symbols as the pure, unfalsified explanation and exposition of the divine Word and will, and see in them only their own confession.

How seriously our Church has taken this obligation to the symbolical books, which was also made by signature, is proved by the example of the authors of the Formula of Concord. They testify namely at the close of the first part, p. 511: "That this is the doctrine, faith and confession of us all, which we will answer for at the last day before the righteous Judge, our Lord Christ, and against which we will neither secretly nor openly speak or write, but intend, by the grace of God, to abide therein, we have with deliberation, in true fear and invocation of God, subscribed with our own hands." And the dear Brentius declares of the Smalcald Articles, p. 333: "According to my poor judgment I judge that all this agrees with the Holy Scripture and with the opinion of the true and genuine catholic Church... I testify by this my signature that I will so think, confess and teach steadfastly through JESUS Christ, our LORD."

Concerning the benefit of such an obligation to the symbolical books the blessed Carpzov says, p. 1736, the following: "A special benefit extends to the servants of the Church and their hearers, namely that through the signature of this book the obligation to a definite norm of doctrine makes both the superiors and the hearers themselves more certain of the fidelity and agreement of the teachers, prevents divisions, and guards the Church from wolves. Since the symbolical books are a sum and public declaration of what one must believe, and therefore a rule, if not of faith itself, yet (a rule) in relation to the explanation, repetition, confession and public teaching of the faith for the confessors who have signed the symbolical books."

What our fathers, on the other hand, have judged of those who accept the symbolical books with a reservation, we learn from the following statement of Carpzov, p. 6: "No one is compelled by the Church to believe, nor is any one laid under a necessity of believing through the symbolical books, but all this which the Church seeks with these books among her members and from her members, relates to the outward confession of the faith and of the doctrine once drawn from Scripture and accepted, and to its preservation and unimpaired maintenance. Whoever therefore binds himself to the confession and defense of the symbolical books, cannot, if he wishes to act sincerely, bind himself or subscribe with a silent reservation or under the condition that they agree with Scripture and the ancient Church. For there is no question concerning the truth or falsity of the articles of faith comprehended in the symbolical books, for this (the truth) is presupposed by him who subscribes and binds himself to it, but it is a matter of the confession and preservation of this doctrine in the Church to which one pledges his service. To this confession he binds himself who sincerely subscribes the symbolical books. But whoever doubts the doctrine contained in the symbolical books, and either will not be better instructed about it, or opposes it, and departs from it in expression and manner of speech, oversteps the limits set him by the Church in which he teaches and boasts deceitfully of being a member of the Church whose Symbols he has subscribed."

In like manner testifies also Dr. J. G. Walch in his work: Historische und theologische Einleitung in die Religions-Streitigkeiten, welche sonderlich außer der ev.-luth. Kirche entstanden, p. 46: "It is evident also from this that with good right and conscience the oath upon the sam-