Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 26 › Seite 206
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-08-14, Seite 206
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werden sie aus dem, dem katholischen ähnlichen Fegfeuer, worin sie zur Reue und zum Verlangen nach den Segnungen der Taufe gekommen, befreit. Ihr Abendmahl ist dem der Reformirten gleich, nur daß sie sich dazu des Wassers anstatt Weines bedienen, indem ihnen eine Offenbarung den Gebrauch des Weins, der von den „Heiden“ kommt, untersagt, und sie selbst bis jetzt noch keine Reben bauen konnten. Es wird sonntäglich von den Bischöfen Allen verabreicht.
Die Priesterherrschaft zerfällt in zwei Classen: die aaronische Ordnung und die höhere Ordnung Melchisedeks. Die erstere Classe sollte eigentlich aus wirklichen Nachkommen Levis bestehen; da die Juden sich indeß bis jetzt noch nicht bekehrt haben, so werden die Geschäfte dieser Ordnung einstweilen von Mitgliedern des höheren Grades versehen. Die Priesterherrschaft empfängt den zehnten Theil von allem Gut, welches ein in die „Kirche“ Eintretender besitzt und von allem Einkommen der Kirchglieder, welche noch überdies jeden zehnten Tag ihrer Zeit zur Förderung des Tempelbaues und anderer öffentlichen Arbeiten widmen müssen. Dem „Seher“ Brigham Young sind zur Regierung der „Kirche“ zwei andere Präsidenten, „gleicher Macht, aber nicht gleicher Gabe der Offenbarung,“ zur Seite gesetzt. Nach ihnen hat das Apostelcollegium, dem die Beaufsichtigung und Erweiterung der auswärtigen Gemeinden obliegt, das meiste Ansehen. Dann kommen Oberpriester, Priester, Aelteste, Bischöfe, Lehrer, Diakonen und die Missionare der drei „Siebzigercollegien.“ Jeder dieser Grade bildet einen Gerichtshof für seinen Kreis, von dem in schwierigen Fällen an einen höheren appellirt werden kann. Die oberste Entscheidung soll in der Hand der Gesammtkirche liegen, die thatsächlich aber nur vom Seher beherrscht wird, welcher die ihm untergebenen Priester auch wacker als Spione gebraucht, ihm Nachricht von jeder Neuerung, jedem Zweifel, Tadel oder Plan gegen seinen Willen zu überbringen, damit er sogleich dagegen seine Maaßregeln ergreifen kann.
Daß die Mormonen, gleich so vielen andern Rechtgläubigseinwollenden, Chiliasten sind, haben wir schon gehört. Ja der letzte Zweck aller ihrer Anstalten und Anforderungen ist die Vorbereitung auf ein tausendjähriges Reich Christi auf Erden. Die erste und heiligste Pflicht aller „Heiligen der letzten Tage“ ist in dieser Beziehung die Auswanderung nach Utah. Ist diese vollendet, und das Mormonen-Evangelium allen Völkern und Zungen gepredigt, so hebt eine Zeit großer Wunder an. Die verlornen zehn Stämme Israels, die jetzt auf einer noch unentdeckten Insel, oder, wie Andere wollen, in einem geheimnißvollen Lande jenseits des Polarkreises wohnen, werden gleich den Zerstreuten Juda’s nach Jerusalem zurückkehren, und dort den Tempel wieder aufbauen. Dann wird die ganze Welt, so weit sie nicht zu den „Gläubigen“ gehört, sich wider sie erheben, und mit großer Heeresmacht die heilige Stadt belagern. Der Geist der Gnade und des Gebets aber wird über deren Bewohner ausgegossen werden, und der früher von ihnen gekreuzigte Christus wird sich an ihre Spitze stellen. Von ihm geführt, werden sie in einer gewaltigen Schlacht alle „Heiden“ darniederlegen. Diesem Triumphe der Juden folgt ein allgemeiner Umsturz der Dinge in Europa sowohl, als in Asien. Christus wird König der Kinder Israels, Jerusalem, seine Hauptstadt, der Mittelpunkt der alten Welt. Die Höfe von Paris, London, Petersburg, Rom und Wien müssen sich dem Messias als Oberlehnsherren unterwerfen, oder ihre Throne werden umgestoßen, ihre Reiche vernichtet. — Während das tausendjährige Reich so im Osten aufgerichtet wird, ist das Westland Zeuge von nicht geringeren Umwälzungen und Neubildungen. Hier wird Jehova nach vorhergegangener Vertilgung der „Ungläubigen,“ um die von den „Heiligen der letzten Tage“ in Missouri erbaute Stadt Zion oder Neujerusalem die Lamaniten, die Ureinwohner Amerika’s, „diesen Rest vom Saamen Josephs“ sammeln, und an Einem Tage bekehren. In dieser Hauptstadt wird sein zweites großes Heiligthum, und darin der Thron stehen, von dem er die westliche Erdhälfte regiert. Dort wird sie der Messias von Zeit zu Zeit mit persönlichen Besuchen erfreuen, und mit ihm werden alle die auferweckten Heiligen des Alterthums kommen. Die Stadt Zion mit ihrem Tempel und ihrem Priesterthum wird wie eine Standarte sein, deren Aufrichtung allen Spaltungen und Secten religiöser und politischer Art ein Ende machen, und alle Republiken, Königreiche, Provinzen, Völker, Stämme und Sprachen Nord- und Südamerika’s zu einem großen Bunde umschaffen wird. Auch eine Vereinigung der bisher getrennten Erdtheile wird dann stattfinden. Das Meer wird verschwinden und alle Inseln und Festlande werden „verheirathet“ werden, so daß von dem östlichen nach dem westlichen Jerusalem die große Heerstraße erbaut werden kann, welche „der Löwe nicht betreten, und des Adlers Auge nicht gesehen hat.“ — Am Ende des tausendjährigen Reichs wird den bösen Geistern gestattet werden, eine kurze Zeit ihren aufrührerischen Geist unter Anführung Satans zu zeigen, zuletzt aber werden sie in einer großen Schlacht besiegt, und hinausgeworfen werden aus dem Reiche der „Gerechten“.
Bei solchem Greuel der ganzen Lehre des Mormonismus kann es denn natürlich auch im Leben der Bekenner desselben nicht an den scheußlichsten Früchten fehlen. Zu diesen gehört vor allem die unter ihnen eingeführte Vielweiberei, die ihnen seit lange zur Last gelegt, und zu der sie sich seit reichlich zwei Jahren offen bekennen, ja sie in Zeitungen und anderen Druckschriften als Erfüllung eines göttlichen Gebotes predigen, wobei sie sogar so frech sind zu behaupten, auch Christus sei verheirathet gewesen, und zwar mit drei Frauen. Sie lehren, daß die Ehe eingesetzt sei, um ein besonders heiliges Volk zu schaffen, und die Erde mit geistigen Geschöpfen zu füllen. Jemehr ein Mann zur Erfüllung der Welt mit geistigen Wesen beigetragen hat, desto größer wird einst sein Lohn, seine Seligkeit und Herrlichkeit sein. Dies zu erleichtern, sagen sie, ist die Vielweiberei erlaubt. Einmal soll jeder Mormone heirathen. Das Weib kann nicht in das Himmelreich eingehen, ohne einen Mann, der sie, als zu sich gehörig, einführt. Jede Verheirathung muß durch einen Priester vollzogen werden. Wer zu der ersten Frau eine zweite oder dritte nimmt, wird mit ihr „versiegelt.“ Eine solche Versiegelung, die aber nur durch den „Seher,“ der auch die Macht zu scheiden hat, vollzogen werden kann, gibt gleiche Rechte und Pflichten, als die Ehe. Jedes unverheirathete Weib hat das Recht, sich beim Präsidium einen Mann auszubitten, und derselbe darf ihr nicht verweigert werden, da ja ihre einstige Seligkeit davon abhängt. Der Präsident hat die Vollmacht, dem ersten Besten, der ihm tauglich scheint, Befehl zu ertheilen, die Einsame zu nehmen, oder er kann sie auch sich selbst „versiegeln.“ Hat im ersten Fall der Betreffende keine Neigung, darauf einzugehen, so muß er einen annehmbaren Grund angeben, oder er läuft Gefahr, wegen Widersetzlichkeit gestraft zu werden. Mitunter geschieht es jedoch auch, daß der „Seher“ Einspruch wegen Versiegelungen thut, die aus „unwürdigen Beweggründen“ vorgenommen werden sollen. In einzelnen Fällen nehmen mehrere Frauen dasselbe Haus, ja dasselbe Zimmer ein. Gewöhnlicher aber ist es, die Versiegelten außer dem Hause unterzubringen, wo sie sich häufig durch weibliche Arbeiten selbst ernähren. — Wenn die „Schlachten des Herrn“ beginnen, werden die Weiber der „Heiden“ als weit reinere Wesen in großer Zahl verschont bleiben für die „Heiligen,“ während die Männer durch Pestilenz und Schwert hinweggerafft werden. Viele werden sich alsdann genöthigt sehen, denselben Mann zu wählen, um sich hier einen häuslichen Heerd und Rettung vor dem Untergange, jenseits aber Seligkeit und königliche Ehre zu sichern. Die verstorbenen „Heiligen“ nämlich werden göttliche Könige, ihre Frauen Königinnen sein; welche aber von den vielen die erste? ist noch unentschieden, wie auch, von welchem Mann die Wittwe mehrerer Mormonen in den Himmel eingeführt werden wird. Daß die Frauen, welche ihre Rechte so oft mit Dutzenden von Versiegelten theilen müssen, sich dabei nicht gar zu wohl fühlen, versteht sich von selbst. Selbst die Frau des „Propheten“ Joseph lehnte sich gegen diese Neuerung auf, aber es wurde ihr zur Antwort, „daß ein Prophet dem Herrn gehorchen müsse.“ Ueberhaupt wissen die Mormonen, dies ihr Hurensystem wacker zu schmücken durch den schändlichsten Mißbrauch vieler Bibelstellen, und dem Vorgeben, daß nur durch diese Einrichtung dem in der Welt herrschenden Sittenverderbniß gewehrt werden könne!
Die Berichte aller Reisenden klagen ferner über das häufige Schwören und Fluchen der Mormonen, dessen sich selbst der Gouvernör, Präsident, Seher und Offenbarer Brigham Young auf der Kanzel nicht schämt. Sie entschuldigen sich damit, daß sie dabei nie den Namen Gottes gebrauchen, was strenge untersagt ist, außer bei Ausübung des Bannes, der unter anderem auch an dem früheren Haupte Sidney Rigdon geübt worden ist, und sonst bei besonders feierlichen Gelegenheiten. Bei gesellschaftlichen Zusammenkünften und Abendunterhaltungen zu den wildesten Walzern, Gallopaden ꝛc., an denen auch die höchsten Würdenträger den thätigsten Antheil nehmen, den Segen des Allmächtigen zu erflehen, ist
English translation AI translation
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they are released from the purgatory, resembling the Catholic, in which they have come to repentance and to a longing for the blessings of baptism. Their Lord’s Supper is like that of the Reformed, save that they use water instead of wine, since a revelation forbids them the use of wine, which comes from the “heathen,” and they themselves have as yet been unable to plant any vines. It is distributed to all every Sunday by the bishops.
The priestly government falls into two classes: the Aaronic order and the higher order of Melchisedek. The former class should properly consist of actual descendants of Levi; since, however, the Jews have not yet been converted, the functions of this order are meanwhile performed by members of the higher grade. The priestly government receives the tenth part of all property which one entering the “church” possesses, and of all the income of the church members, who moreover must devote every tenth day of their time to the building of the temple and other public works. To the “Seer” Brigham Young two other presidents, “of equal power, but not of equal gift of revelation,” are set at his side for the government of the “church.” After them the college of apostles, which has the oversight and extension of the outlying congregations, has the most standing. Then come High Priests, Priests, Elders, Bishops, Teachers, Deacons, and the missionaries of the three “Colleges of Seventies.” Each of these grades forms a court of justice for its district, from which in difficult cases appeal may be made to a higher one. The supreme decision is to lie in the hand of the whole church, which in fact, however, is ruled only by the Seer, who also uses the priests subject to him quite diligently as spies, to bring him word of every innovation, every doubt, censure, or plan against his will, so that he may at once take his measures against it.
That the Mormons, like so many other would-be orthodox, are Chiliasts, we have already heard. Indeed, the final purpose of all their institutions and demands is the preparation for a thousand years’ kingdom of Christ on earth. The first and holiest duty of all “Saints of the Latter Days” in this respect is the emigration to Utah. When this is completed, and the Mormon Gospel has been preached to all nations and tongues, a season of great wonders begins. The lost ten tribes of Israel, who now dwell on a still undiscovered island, or, as others will have it, in a mysterious land beyond the polar circle, will, like the dispersed of Judah, return to Jerusalem, and there rebuild the temple. Then the whole world, so far as it does not belong to the “Believers,” will rise against them, and besiege the holy city with a great army. But the Spirit of grace and of prayer will be poured out upon its inhabitants, and Christ, whom they formerly crucified, will place himself at their head. Led by him, they will lay low all the “heathen” in a mighty battle. This triumph of the Jews is followed by a general overthrow of things in Europe as well as in Asia. Christ becomes King of the children of Israel, Jerusalem his capital, the centre of the old world. The courts of Paris, London, Petersburg, Rome and Vienna must submit to the Messiah as their liege lord, or their thrones will be overturned, their realms destroyed. — While the thousand years’ kingdom is thus set up in the East, the Western land is witness of no less revolutions and new formations. Here Jehovah, after the previous destruction of the “unbelievers,” will gather the Lamanites, the aboriginal inhabitants of America, “this remnant of the seed of Joseph,” about the city of Zion or New Jerusalem built by the “Saints of the Latter Days” in Missouri, and convert them in one day. In this capital city will be his second great sanctuary, and in it the throne from which he governs the western half of the earth. There the Messiah will gladden them from time to time with personal visits, and with him will come all the raised-up saints of antiquity. The city of Zion with its temple and its priesthood will be like a standard, the setting up of which will put an end to all divisions and sects of a religious and political kind, and will transform all republics, kingdoms, provinces, peoples, tribes and tongues of North and South America into one great confederacy. A union also of the hitherto separated continents will then take place. The sea will disappear, and all islands and mainlands will be “married together,” so that from the eastern to the western Jerusalem the great highway can be built, which “the lion has not trodden, nor the eagle’s eye seen.” — At the end of the thousand years’ kingdom the evil spirits will be permitted for a short time to show their rebellious spirit under the leadership of Satan, but at last they will be defeated in a great battle, and cast out of the realm of the “righteous.”
With such abomination in the whole doctrine of Mormonism, it can naturally not fail that in the life of its adherents also the most hideous fruits are found. To these belongs above all the polygamy introduced among them, which has long been laid to their charge, and to which they have now for fully two years openly confessed, nay, in newspapers and other printed writings preach it as the fulfilment of a divine commandment, being even so impudent as to assert that Christ also was married, and indeed to three wives. They teach that marriage was instituted to create an especially holy people, and to fill the earth with spiritual creatures. The more a man contributes to the filling of the world with spiritual beings, the greater will his reward, his blessedness and glory be hereafter. To facilitate this, they say, polygamy is permitted. Once, every Mormon is to marry. The woman cannot enter into the kingdom of heaven without a husband who introduces her as belonging to himself. Every marriage must be performed by a priest. He who takes a second or third wife besides the first is “sealed” with her. Such a sealing, which can be performed only by the “Seer,” who also has the power to divorce, gives equal rights and duties as marriage. Every unmarried woman has the right to ask a husband for herself of the presidency, and he may not be refused her, since indeed her future blessedness depends upon it. The president has the authority to give command to the first comer who seems to him suitable to take the lonely one, or he may also “seal” her to himself. If in the former case the person concerned has no inclination to consent, he must give an acceptable reason, or run the risk of being punished for insubordination. Sometimes it also happens that the “Seer” objects to sealings which are to be undertaken from “unworthy motives.” In some cases several wives occupy the same house, nay, the same room. More commonly, however, the sealed are lodged outside the house, where they often support themselves by women’s work. — When the “battles of the Lord” begin, the wives of the “heathen,” as far purer beings, will be spared in great number for the “Saints,” while the men are swept away by pestilence and sword. Many will then see themselves compelled to choose the same man, in order to secure here a domestic hearth and deliverance from destruction, and hereafter blessedness and kingly honor. The departed “Saints,” namely, become divine kings, their wives queens; but which of the many is the first? is still undecided, as also from what man the widow of several Mormons will be introduced into heaven. That the women, who so often must share their rights with dozens of sealed ones, do not feel altogether too well in it goes without saying. Even the wife of the “Prophet” Joseph set herself against this innovation, but the answer given her was, “that a prophet must obey the Lord.” In general the Mormons know how to adorn this their system of whoredom by the most shameful misuse of many Bible passages, and by the pretense that only by this arrangement can the corruption of morals prevailing in the world be checked!
The reports of all travelers complain further of the frequent swearing and cursing of the Mormons, of which even the governor, president, seer and revelator Brigham Young is not ashamed in the pulpit. They excuse themselves with this, that in doing so they never use the name of God, which is strictly forbidden, except in the exercise of the ban, which among others has also been exercised upon the former head Sidney Rigdon, and otherwise on particularly solemn occasions. At social gatherings and evening entertainments, to implore the blessing of the Almighty upon the wildest waltzes, galopades, etc., in which even the highest dignitaries take the most active part, is