Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 26 › Seite 203
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-08-14, Seite 203
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bekenntnisſchriften
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schen und andere Streitigkeiten, die noch lange nachdem das Augsburger Interim schon zu Grunde gegangen war, die Gemüther verbitterten. Das sind so die schönen Früchte der Friedens-Union! —
Wie wehe dem Melanchthon ums Herz gewesen sein muß, läßt sich denken, wenn ihm z. B. Calvin vermahnend schreibt: „Du allein hast durch dein wenn auch nur geringes Nachgeben mehr Klagen und Seufzer erweckt, als 100 Mittelmäßige durch offenen Abfall.“ Und wenn er dem Flacius, seinem heftigsten Gegner, antwortet: „Ihr habt angefangen zu widersprechen, ich bin gewichen und habe nicht gestritten. Beim Homero ist Ajar zufrieden, da Hector bekennt, er sei überwunden. Ihr aber wollt nicht aufhören zu schelten. Wo ist denn ein Feind, der zu schlagen fortfahre, wenn der andere Theil zurückweicht, und die Waffen von sich wirft? Ihr mögt immer gewinnen, ich gebe nach. Ich verlange nicht für jene Ceremonien und Gebräuche zu streiten, und wünsche von Herzen, daß alles ruhig und friedsam in der Kirche sei. Ich bekenne auch, daß ich in der Sache gefehlt, und mich vergangen habe, und bitte Gott um Vergebung, daß ich von lästigen und tückischen Anschlägen nicht weit geflohen bin.“ —
(Fortsetzung folgt.)
(Eingesandt.)
Die Stellung der Jowa Synode
zu den
symbolischen Büchern der ev.-luth. Kirche.*)
In No. 20 d. Jahrg. legt der Lutheraner seinen Lesern eine den kirchlichen Mittheilungen des Herrn Pfarrer Löhe’s aus und über Nordamerika entnommene Erklärung vor, worin die Stellung angegeben ist, welche die Jowa Synode zu den lutherischen Symbolen eingenommen hat. Indem wir dieselbe gewissenhaft prüfen, haben wir die Fragen zu entscheiden: Steht die Jowa Synode zu den Symbolen in dem Verhältnisse, welches die lutherische Kirche für das allein richtige erkennt? Giebt sie uns eine hinreichende Bürgschaft, daß sie die reine lutherische Lehre habe und erhalten wolle? Können wir demnach mit gutem Gewissen unsern Gemeindegliedern rathen, sich ihr anzuschließen?
*) Wir können nicht umhin, diesen vortrefflichen Aufsatz unseres verehrten Freundes, Herrn Pastor Fick’s, dem fleißigsten Studium unserer lieben Leser, auch aus dem Laienstande, dringendst zu empfehlen. Es ist offenbar eine Zeit gekommen, in welcher im Innern unserer Kirche um so gefährlichere Gegner unserer kirchlichen Bekenntnisse aufgestanden sind, je größere Verdienste sich dieselben sonst um unsere Kirche erworben haben. Hier gilt es, von Menschen absehen und zu seinem Vater und zu seiner Mutter sprechen: Ich sehe ihn nicht; und zu seinem Bruder: Ich kenne ihn nicht; und zu seinem Sohne: Ich weiß nicht. 5 Mos. 33, 9. Wehe unserer Synode und allen ihren Gliedern, wenn sie jetzt nicht treu sind, da der Augapfel unserer Kirche laut und immer lauter von denen angegriffen wird, die viele von uns erst zu demselben hingeführt haben und die nun, durch ihre vormalige Treue zu Ansehen in der Kirche gekommen, dieses Ansehen dazu benutzen wollen, um wieder allgemach davon abzuführen! Wir meinen hier Männer, wie einen Löhe. Hier nachgiebig sein, ist eine gräulichere Sünde, als die miserabelste Union, wie sie hier durch den Kleister eines neuen über Nacht zusammengestoppelten Catechismus fabrizirt wird. Bei solcher Union wird niemand, der ein rechtgläubiger Christ sein will, betrogen und die lutherische Kirche bleibt daneben unverletzt stehen als eine Zufluchtsstätte aller derer, denen endlich in ihrem Unionsbabel unheimlich zu Muthe wird. Lassen wir aber mitten in der lutherischen Kirche das Abgehen von irgend einem Punkt des Bekenntnisses zu, so reißen wir die lutherische Kirche selbst nieder und erweisen uns als die Verräther, die innerhalb ihrer Mauern Platz genommen haben, um ihre Befestigungen unter dem Scheine der Ausbesserung zu schleifen und den Feinden den Eingang auf ihren Trümmern weit aufzuthun.
Die Redaktion des „Lutheraner.“
Gewiß haben die symbolischen Bücher unserer Kirche für jeden Protestanten eine hohe geschichtliche Bedeutung. Sie sind nämlich ein ehrwürdiges Zeugniß und Denkmal des Glaubens, welchen die theuren Helden und Zeugen der Reformation unter den größten Gefahren vor aller Welt freudig bekannten. Allein sie haben für die ev.-luth. Kirche noch eine besondere Geltung. Denn die ev.-luth. Kirche ist durch das Zeugniß des heiligen Geistes gewiß und fest überzeugt, daß ihre Bekenntnißschriften mit der heil. Schrift und mit der Lehre der wahren Kirche aller Zeiten völlig übereinstimmen. Darum hat sie die symbolischen Bücher für die Norm, d. h. Regel und Richtschnur erklärt, nach welcher in ihr die Lehre geführt und vorfallende Lehrstreitigkeiten entschieden werden sollen.
Ausdrücklich legen unsere Väter den symbolischen Büchern das Ansehen einer solchen Lehr-Norm bei. So sagen sie in der Vorrede zum Concordienbuche (New-Yorker Ausgabe), S. 12: Daß sie „andere mehr nützliche Schriften ꝛc., wofern sie mit den Normen der Concordien einverleibt übereinstimmen, nicht verworfen oder verdammt haben wollen.“ Und gleich darauf reden sie von dem „Inhalte des Concordienbuches und der darin begriffenen Norm.“ Ferner geben sie als Zweck dieser Lehrnorm an, das Eindringen falscher Lehrer in die lutherische Kirche zu verhindern, S. 15: „Wenn dann dem also, und wir unsers christlichen Bekenntniß und Glaubens aus göttlicher, prophetischer und apostolischer Schrift gewiß, und dessen durch die Gnade des heiligen Geistes in unserm Herzen und christlichen Gewissen genugsam versichert sein, und dann die höchste und äußerste Nothdurft erfordert, daß bei so vielen eingerissenen Irrthümern, erregten Aergernissen, Streit und langwierigen Spaltungen eine christliche Erklärung und Vergleichung aller eingefallenen Disputation geschehe, die in Gottes Wort wohl gegründet, nach welcher die reine Lehre von der verfälschten erkannt und unterschieden werde, und den unruhigen, zankgierigen Leuten, so an keine gewisse Form der reinen Lehre gebunden sein wollen, nicht alles frei und offen stehe, ihres Gefallens ärgerliche Disputation zu erwecken, und ungereimte Irrthümer einzuführen und zu verfechten, daraus nichts anders erfolgen kann, denn daß endlich die rechte Lehre gar verdunkelt, und auf die nachkommende Welt anders nichts, denn ungewisse Opiniones (Ansichten) und zweifelhaftige, disputirliche Wahn und Meinungen gebracht werden.“ Endlich bezeugen unsere Väter in der Vorrede, S. 16, daß sie von unsern Bekenntnißschriften „gar nicht, weder in Rebus (Sachen), noch Phrasibus (Redensarten) abzuweichen, sondern vielmehr durch die Gnade des heiligen Geistes einmüthiglich dabei zu verharren und zu bleiben, auch alle Religionsstreite und deren Erklärungen darnach zu reguliren gesinnet.“
Damit aber, daß die ev.-luth. Kirche ihre Symbole als die in ihr geltende Lehrnorm aufstellt, entzieht sie der heiligen Schrift nichts von dem ihr gebührenden Ansehen. Sie setzt die symbolischen Bücher weder über, noch neben die heilige Schrift. Sie erkennt vielmehr mit heiligem Ernste die heil. Schrift als die höchste und einzige Regel und Richtschnur in Glaubenssachen an, und bezeugt, daß darnach alle Lehren geprüft und beurtheilt werden müssen, ob sie wahr oder falsch seien. Sie fordert auch getrost einen jeden auf, ihre Symbole mit der heil. Schrift zu vergleichen und darnach zu richten. Denn sie weiß, wer dieselben aufrichtig und ernstlich unter Gebet und Flehen untersucht, der kann nicht anders, als bekennen, daß sie die lautere Wahrheit enthalten. Durch den heil. Geist ist sie göttlich gewiß, daß ihr Bekenntniß unumstößlich in der heil. Schrift gegründet, daraus genommen ist und damit übereinstimmt. Und eben deshalb hat sie große Freudigkeit und auch das gute Recht, ihre Symbole als die nach der heil. Schrift eingerichtete Regel hinzustellen, und zu verlangen, daß darnach in ihr gelehrt und gepredigt werden solle.
Hören wir hierüber einen klaren Bericht von dem seligen Joh. Benedict Carpzow, dem wohl Niemand das Lob eines treuen und hocherleuchteten lutherischen Kirchenlehrers absprechen wird. Derselbe sagt in seinem trefflichen Werke Isagoge in libros Ecclesiarum Lutheranarum Symbolicos (Einleitung in die symbolischen Bücher der lutherischen Kirche) p. 1143. darüber folgendes: „Damit der Sinn und die Meinung der Unsrigen recht verstanden werde, muß folgendes bemerkt werden. 1. Wenn man schlechthin (absolute) nach der Richtschnur des Glaubens fragt, wo Grundregel und Richtschnur (principium et norma) zusammenfallen (dasselbe bedeuten), so giebt es nur eine einzige Richtschnur, nämlich die heil. Schrift, welche „allein bleibt der einige Richter, Regel und Richtschnur, nach welcher, als dem einigen Probirstein, sollen und müssen alle Lehren erkannt und geurtheilt werden, ob sie gut oder böse, recht oder unrecht seien;“ S. 474. In dieser Beziehung sind alle Schriften, auch die im Concordienbuche enthaltenen, erst nach der Regel geregelte und nach dem Richtmaß gerichtete (normata et principiata), wie sie von der Augsburgischen Confession erklären, S. 515: „„So bekennen wir uns auch zu derselben ersten ungeänderten Augsburgischen Confession, nicht deßwegen, daß sie von unsern Theologen gestellet, sondern weil sie aus Gottes Wort genommen und darin fest und wohl gegründet ist.““ Und im gegenwärtigen Paragraphen bekennen sie S. 517: diese Schriften seien „„eine einhellige, gewisse, allgemeine Form der Lehre, dazu sich unsere evangelischen Kirchen sämmtlich und insgemein bekennen, aus und nach welcher, weil sie aus Gottes Wort genommen, alle andern Schriften, wiefern sie zu probiren und anzunehmen; geurtheilt und regulirt sollen wer-
English translation AI translation
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cal and other controversies, which embittered men's minds long after the Augsburg Interim had already gone to ruin. Those are the fine fruits of the union of peace! —
How grieved at heart Melanchthon must have been may be imagined when, e. g., Calvin admonishingly writes to him: "You alone, by your yielding, though it be only slight, have awakened more complaints and sighs than 100 mediocre men by open apostasy." And when he answers Flacius, his most violent opponent: "You began to contradict, I gave way and did not contend. In Homer Ajax is content when Hector confesses that he is vanquished. But you will not cease to scold. Where is there an enemy who goes on striking when the other party retreats and throws away his weapons? You may keep winning, I give way. I do not ask to contend for those ceremonies and customs, and wish from my heart that all be quiet and peaceable in the Church. I also confess that I have erred in the matter and transgressed, and I beg God for forgiveness that I have not fled far enough from wearisome and crafty designs." —
(To be continued.)
(Contributed.)
The Position of the Iowa Synod
toward the
Symbolical Books of the Ev. Luth. Church.*)
In No. 20 of this volume the Lutheraner laid before its readers a declaration, taken from the churchly communications of Pastor Löhe from and concerning North America, in which the position is stated which the Iowa Synod has taken toward the Lutheran Symbols. In examining it conscientiously, we have to decide the questions: Does the Iowa Synod stand toward the Symbols in the relationship which the Lutheran Church recognizes as the only right one? Does it give us sufficient security that it has and wishes to preserve the pure Lutheran doctrine? Can we accordingly, with a good conscience, advise our congregation members to join it?
*) We cannot refrain from most urgently commending this excellent essay of our honored friend, Pastor Fick, to the diligent study of our dear readers, also from the lay estate. It is evident that a time has come in which, in the interior of our Church, opponents of our churchly confessions have arisen who are the more dangerous the greater the services they have otherwise rendered to our Church. Here it behooves us to look away from men and say to our father and to our mother: I see him not; and to our brother: I know him not; and to our son: I know not. Deut. 33, 9. Woe to our Synod and to all its members if they are not now faithful, when the apple of the eye of our Church is attacked loudly and ever more loudly by those whom many of us were first led to it by, and who, having now come to esteem in the Church through their former fidelity, wish to use this esteem to lead away from it again by degrees! We mean here men such as a Löhe. To be yielding here is a more horrible sin than the most wretched union, such as is here being manufactured by the paste of a new catechism patched together overnight. In such a union no one who wishes to be an orthodox Christian is deceived, and the Lutheran Church remains standing beside it unharmed as a refuge for all those who at length begin to feel uneasy in their Babel of union. But if in the midst of the Lutheran Church we allow departure from any point of the confession, then we tear down the Lutheran Church itself and show ourselves to be the traitors who have taken a place within her walls in order to level her fortifications under the pretext of repair and to open wide the entrance to the enemies upon her ruins.
The Editorial Board of the "Lutheraner."
Certainly the symbolical books of our Church have for every Protestant a high historical significance. For they are a venerable testimony and monument of the faith which the dear heroes and witnesses of the Reformation joyfully confessed before all the world under the greatest dangers. But for the ev.-luth. Church they have besides a special authority. For the ev.-luth. Church is certainly and firmly convinced, by the testimony of the Holy Spirit, that her confessional writings agree fully with the Holy Scripture and with the doctrine of the true Church of all times. Therefore she has declared the symbolical books to be the norm, that is, rule and plumb-line, according to which doctrine is to be conducted in her and doctrinal controversies that arise are to be decided.
Expressly our fathers ascribe to the symbolical books the authority of such a norm of doctrine. Thus they say in the preface to the Book of Concord (New York edition), p. 12: that they do not wish "other more useful writings etc., provided they agree with the norms of the Concord, to be rejected or condemned." And immediately after they speak of the "contents of the Book of Concord and of the norm comprehended therein." Further they give as the purpose of this norm of doctrine the prevention of the intrusion of false teachers into the Lutheran Church, p. 15: "Since then this is so, and we are certain of our Christian confession and faith out of divine, prophetic and apostolic Scripture, and are sufficiently assured of it by the grace of the Holy Spirit in our hearts and Christian consciences, and then the highest and utmost necessity requires that, amid so many errors that have crept in, offenses aroused, strife and lengthy divisions, a Christian declaration and settlement of all disputes that have arisen should be made, well grounded in God's Word, by which the pure doctrine may be recognized and distinguished from the falsified, and that to restless, contentious people, who will not be bound to any certain form of the pure doctrine, not everything stand free and open to stir up at their pleasure offensive disputation, and to introduce and defend absurd errors, from which nothing else can follow than that finally the right doctrine be wholly obscured, and nothing else but uncertain Opiniones (opinions) and doubtful, disputable delusions and notions be brought to posterity." Finally our fathers testify in the preface, p. 16, that they intend "not at all, neither in Rebus (things), nor Phrasibus (modes of speech) to depart from our confessional writings, but rather, by the grace of the Holy Spirit, to persevere and abide therein unanimously, and also to regulate all religious controversies and their explanations accordingly."
But by setting up her Symbols as the norm of doctrine valid in her, the ev.-luth. Church withdraws nothing from the Holy Scripture of the authority due to it. She sets the symbolical books neither above nor beside the Holy Scripture. Rather, with holy earnestness she acknowledges the Holy Scripture as the highest and only rule and plumb-line in matters of faith, and testifies that all doctrines must be tested and judged by it, whether they be true or false. She also confidently calls upon everyone to compare her Symbols with the Holy Scripture and to judge them by it. For she knows that whoever examines them sincerely and earnestly with prayer and supplication cannot do otherwise than confess that they contain the pure truth. Through the Holy Spirit she is divinely certain that her confession is unshakably grounded in the Holy Scripture, taken from it and agrees with it. And just on that account she has great confidence and also the good right to set up her Symbols as the rule framed according to the Holy Scripture, and to require that in her teaching and preaching be done accordingly.
Let us hear a clear account on this from the blessed Joh. Benedict Carpzov, whom surely no one will deny the praise of a faithful and highly enlightened Lutheran teacher of the Church. He says in his excellent work Isagoge in libros Ecclesiarum Lutheranarum Symbolicos (Introduction to the Symbolical Books of the Lutheran Church), p. 1143, the following: "That the sense and meaning of our people may be rightly understood, the following must be noted. 1. When one asks simply (absolute) after the plumb-line of faith, where the fundamental rule and plumb-line (principium et norma) coincide (mean the same), there is only one single plumb-line, namely the Holy Scripture, which "alone remains the only judge, rule and plumb-line, according to which, as the only touchstone, all doctrines shall and must be recognized and judged, whether they be good or evil, right or wrong;" p. 474. In this respect all writings, also those contained in the Book of Concord, are only ruled by the rule and judged by the standard (normata et principiata), as they declare of the Augsburg Confession, p. 515: ""So we also confess our adherence to the same first unaltered Augsburg Confession, not because it was composed by our theologians, but because it is taken from God's Word and is firmly and well grounded therein."" And in the present paragraph they confess, p. 517: that these writings are ""a unanimous, certain, general form of doctrine, to which our evangelical churches together and in common confess, out of and according to which, because they are taken from God's Word, all other writings, so far as they are to be tested and accepted; are to be judged and regulated shall be-