Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 5 › Seite 72
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 4. März 1913, Seite 72
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lich das Heil der Kinder und das Wohl der Schule. Das ist
ja immer der Erwägung wert. Wann konfirmiert werden
soll, ja ob überhaupt konfirmiert werden soll, beruht ja
nicht auf göttlichem Gebot, sondern auf kirchlichem Brauch.
Das einzige von Gott Gebotene an der ganzen Konfirmation
ist ja dies, daß die Kinder in Gottes Wort gründlich unter—
richtet werden. Von allem andern gilt, was unser Bekennt—
nis sagt, „daß die Gemeine Gottes jedes Orts und jeder Zeit
derselben Gelegenheit nach guten Fug, Gewalt und Macht habe,
dieselben ohne Leichtfertigkeit und Argernis ordentlicher und
gebührlicherweise zu ändern, zu mindern und zu mehren, wie
es jederzeit zu guter Ordnung, christlicher Disziplin und
Zucht, evangelischem Wohlstand und zu Erbauung der Kirche
am nützlichsten, förderlichsten und besten angesehen wird“.
(Konkordienformel. Art. X, S. 698.) E. P.
Wie wollen wir es halten, wenn wir Kranke im
Hause haben?
Auf einer ärztlichen Konvention, die im vergangenen Som⸗
mer in Benton, Ill., abgehalten wurde, hielt ein bekannter Arzt
einen Vortrag über das Thema: „Religion und Medizin.“ Er
zeigt darin, daß Religion und Medizin nicht in einem solchen
Verhältnis zueinander stehen, daß der Mann der Religion auf
ärztliche Hilfe verzichten, der Arzt dagegen religiösen Zuspruch
verbieten müßte, daß sich also Religion und Medizin nicht gegen⸗
seitig ausschließen. Nachdem er darauf hingewiesen hat, wie
töricht und oft gefährlich für sie selbst es ist, wenn Anhänger der
Religion ärztliche Behandlung verschmähen, geht er mit denen
seiner Berufsgenossen ins Gericht, die religiösen Zuspruch von
den Kranken ferngehalten wissen wollen. Er beklagt es, daß es
Arzte gibt, die jede Vorsicht anwenden, religiöse Eindrücke von
ihren Patienten fernzuhalten, die alles verbieten, was einer reli⸗
giösen Unterhaltung auch nur ähnlich sieht, und die Tür eines
Krankenzimmers im Angesichte eines Pastors zuschlagen, als
wäre der Pastor ebenso unwillkommen wie der Tod selbst; und
das alles trotz der Tatsache, daß vielleicht die Seele im Begrifse
steht, ihre lange letzte Reise anzutreten, und sehnsüchtig nach
einem Trank verlangt, den der Arzt nicht aus seinem Medizin⸗
besteck darreichen kann. Er sagt dann wörtlich noch also:
„Der Mann der Medizin macht einen großen Fehler, wenn
er die Wichtigkeit der religiösen Gefühle seiner Patienten ver⸗—
kleinert, oder wenn er allen religiösen Instinkt als bloße Ein⸗
bildung verachtet. Der religiöse Instinkt“ (damit meint er,
wie wir es ausdrücken würden, die Tätigkeit der unsterblichen
Seele, die sich durch ein unruhiges Gewissen und das Ver⸗
langen nach religiöser Befriedigung beim Menschen äußert)
„mag nach der Weise einer Abortion in den Anfangsstadien
seiner Entwicklung hingemordet werden; man mag ihn zu
Tode hungern lassen, ehe er zur Reife gekommen ist; er mag
durch unbarmherzige Behandlung, die ihm von rücksichtslosen
Gottesleugnern oder unbeständigen Bekennern der Religion zu—
teil wird, zerquetscht und zerfetzt werden und infolgedessen ver—
stümmelt aufwachsen und hinken: nichtsdestoweniger sitzt er
tief in allen Menschen und kann, wenn er richtig angeleitet
wird, selbst in der Heilung von Krankheiten von großer Be⸗
deutung sein.“
Es erfreut ein Christenherz, ein solches Zeugnis aus dem
Munde eines Arztes zu vernehmen, weil er aus seiner ärzt⸗
lichen Erfahrung heraus bekennt, was wir aus Gottes Wort
und unserer christlichen Erfahrung wissen, nämlich daß ein
Kranker nur dann recht behandelt wird, wenn man nicht nur
seinen Leib oder seinen Geist ärztlich, sondern auch seine Seele
seelsorgerlich behandeln läßt. Wir wollen nie vergessen, was
wir aus Gottes Wort und aus der Erfahrung über die rechte
Behandlung von Kranken wissen und auch in diesem Zeugnis
eines Arztes bestätigt finden. Wir wollen die Hilfe der Ärzte
nicht verachten; denn Arzte und ihre Mittel sind auch Gaben
Gottes, deren wir uns bedienen dürfen und sollen. Alle gegen⸗
teiligen Behauptungen sind Erzeugnisse eitler Schwärmereien,
wie wir sie bei den sogenannten Faith Healers und den Chris-
tian Scientists finden. Wir wollen aber vor allen Dingen nie
vergessen, daß wir Menschen, also auch unsere Kranken, eine
unsterbliche Seele haben, für die vor allen Dingen gesorgt wer⸗
den muß. Wir lassen uns daher nie von dem Arzte vorschrei⸗
ben, ob und wann wir den Seelsorger an das Krankenbett
bestellen sollen; wir sagen uns vielmehr: steht es so, daß wir
einen Arzt an ein Krankenbett kommen lassen mußten, und es
wurde festgestellt, daß schwere Krankheit im Anzuge oder schon
ausgebrochen ist, dann gehört auch der Seelsorger ans Kran⸗
kenbett, damit er den Heilstrank für die Seele aus dem Trost⸗
becher des göttlichen Wortes darreiche. Aus dem Grunde
wollen wir es auch nie darauf ankommen lassen, daß der Pastor
vielleicht durch andere von der Erkrankung erfahren und aus
freien Stücken kommen werde. Er mag es erfahren; er mag
es auch nicht erfahren: unsere Pflicht ist es, ihn zu benachrich—
tigen oder benachrichtigen zu lassen, wie wir den Arzt auch be⸗
nachrichtigt haben. Es ist das besonders dann von der höchsten
Wichtigkeit, wenn es um den Kranken geistlich nicht ganz recht
steht, wenn er zur Buße gemahnt, aus einer Verirrung zurück—
geholt oder aus schwerer Anfechtung aufgerichtet werden sollte.
Wie unverantwortlich ist es besonders in diesen Fällen, wenn
mian zwar den Arzt benachrichtigt, ihn einmal um das andere
kommen läßt, den Seelsorger aber nicht benachrichtigt, sondern
sich mit dem Gedanken beruhigt: er wird es schon erfahren und
ungerufen kommen. C. C. K.
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Nachricht aus Kuba.
Schiffe aus aller Herren Ländern lagen wieder im welt—
bekannten Hafen Havanas. Unter ihnen erregte ein stattlicher,
schmucker Segler, der weit draußen verankert war, die beson—
dere Aufmerksamkeit. Es war das Schulschiff der deutschen
Flotte „Prinzeß Eitel Friedrich“, auf dem Kadetten für die
deutsche Marine und Handelsflotte ausgebildet werden. Da
der 2. Februar der Geburtstag der Prinzeß Eitel Friedrich ist,
die diesem Schiff den Namen gegeben hat, so wurde dieser Tag
festlich gefeiert, vor allem durch einen deutschen Festgottesdienst,
den ich an Bord um 9 Uhr morgens abhielt. Wohl über 250
deutsche Zuhörer hatte ich dabei aus der Besatzung. Wie herr⸗
lich erklangen, von den schmetternden Klängen der Schiffskapelle
begleitet, aus den hellen Kehlen die Choräle „Ich habe nun
den Grund gefunden“, „Ich bete an die Macht der Liebe“
und „Nun danket alle Gott“ vom Deck über die weite Wasser⸗
fläche hinaus! Vor allem aber erschallte Gottes Wort an der
Hand von Gal. 4, 4—6. Ausgehend von dem Festtag, den
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