Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 5 › Seite 73

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 4. März 1913, Seite 73

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8Ver V„Tuthieranete

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die Besatzung feiert, von der Freude rechter Untertanen über
das Wohl ihres Herrscherhauses, von der Fürbitte des Chri—
stenherzens für die Obrigkeit, leitete ich über zu dem größten
aller Ereignisse in aller Welt, das Obrigkeit und Untertanen,
Volk für Volk, alle Länder und Zeiten der Welt angeht, zur
Sendung des Sohnes Gottes in unser Fleisch. Manches Auge
glänzte, als die frohe Botschaft von unserer Gotteskindschaft
und von unserm Himmelserbe erscholl.

Nach dem Gottesdienst wurde ich eiligst ans Land ge—
rudert, denn weit im Innern der Stadt hatte ich noch für den
Vormittag Gottesdienst angesagt. Von den kubanischen Zoll—
beamten wurde ich aber als verdächtig angehalten, da ich mit
einer Handtasche von Bord des Schiffes gekommen war. Ich
mußte mich gedulden, bis ich visitiert werden konnte. Als man
nichts weiter bei mir fand als einen Chorrock, eine sehr abge⸗
nutzte missourische Agende, Gesangbücher für Reiseprediger und
einige Kleinigkeiten, ließ man mich endlich durch das Gittertor
an Muelle Machina zum Droschkenstand.

Im Innern der Stadt hatte ich 16 erwachsene Zuhörer,
von denen drei neu waren. In der Besprechung nach dem
Gottesdienst wurde ein Schriftstück unterzeichnet, in dem die
Betreffenden unsere Synode um Anstellung eines eigenen
Pastors in ihrer Mitte bitten. Gott schenke uns den passen—
den Mann, der hier in der Weltstadt Havana ein ebenso schwie⸗
riges wie großes Feld finden wird. Die Zahl der Deutschen,
die teils schon jahrzehntelang ohne Gottes Wort dahinleben, ist
eine große. Vor allem aber sind uns unter den Kubanern selbst
die Türen weit aufgetan, da die allermeisten der katholischen
Kirche, die sie unter spanischem Joch so ausgesogen hat, den
Rücken gekehrt haben.

Nachmittags folgte ich einer Einladung des Komman—
danten der „Prinzeß Eitel Friedrich“ an Bord und verbrachte
nicht nur die Nachmittags-, sondern auch die Abendstunden in
angenehmer Unterhaltung mit den Herren Offizieren. Es
waren köstliche Stunden der Erholung auf deutschen Planken.
Die Kapelle spielte deutsche Weisen, und die Besatzung ver—
anstaltete Wettrudern um das Schiff. Der Kapitän dankte mir
„für die liebe Predigt“.

Als am nächsten Tage die „Prinzeß Eitel Friedrich“ am
Malecon vorüber mit stolz geblähten Segeln auf die hohe See
segelte, von Hunderten bewundert, dem Norden zu, rüstete ich
mich zur Heimreise nach dem Süden. Auf der Eisenbahn nach
Batabano lernte ich zu meiner Freude eine deutsch⸗lutherische
Familie kennen, die nach unserer Insel reist, um sich da blei⸗
bend anzusiedeln. Zu verschiedenen Malen sprach der neue
Einwanderer seine Freude darüber aus, daß er einen deut—
schen Pastor auf der Insel haben werde. In Batabano, an
der Südküste von Kuba, stand schon unser Inseldampfer, der
„Cristobal Colon“, bereit, der uns in glatter Fahrt über das
diesmal so stille Karibische Meer nach Jucaro, dem Landungs⸗
platz für Santa Fe, brachte, wo unsere Inseleisenbahn, ein
großes Passagierautomobil, auch schon in der Morgendämme⸗
rung für die Weiterfahrt nach Santa Fe bereitstand. Gottes
Engel haben die Meinen behütet. R. Ortel.

**

2
—

Dann brauchst du des Leidens Christi seliglich, wenn du
an jedes Stücklein schreibst: Das ist um meinetwillen geschehen,
damit ich von der Sünde und dem ewigen Tode erlöst würde.

(Luther.)

Zur kirchlichen Chronik.

Goldenes Jubiläum. Vom 9. bis zum 16. Februar feierte
die „Ev.⸗Luth. Immanuelskirche“ zu New York City ihr goldenes
Jubiläum. Es predigten deutsch die Pastoren C. C. Schmidt,
L. Schulze, H. Beckmann, Arthur Halfmann, J. Heck, englisch
die Pastoren O. Pannkoke, J. Volk, H. Zöller, F. C. G. Schumm
und J. Fritz. Im Jahre 1868 gegründet, spaltete sich die Ge⸗
meinde 1865. Im Jahre 1912 fand die Wiedervereinigung der
beiden Immanuelsgemeinden statt. Die frühere Immanuelskirche
an der 838. Straße, jetzt Luther Chapel genannt, wird ausschließ⸗
lich für englische Gottesdienste, die Immanuelskirche an der
88. Straße, an der Ecke der Lexington-Avenue, dagegen für
deutsche Gottesdienste verwandt. Die Gemeinde hat zwei Ab⸗
teilungen, eine deutsche und eine englische. Sie ist eine der
wenigen Gemeinden in New York, die noch eine Gemeindeschule
haben. P. C. J. Renz, der erste Pastor der ersten lutherischen
Gemeinde in Yorkville, N. Y., der 1867 New York verlassen hatte,
kehrte im Jahre 1890 an die Immanuelskirche an der 83. Straße
zurück. Neben ihm bedienen die Gemeinde die Pastoren Wm.
Schönfeld und H. Hamann. Zur Freude der Gemeinde konnte
beim Hauptgottesdienst gemeldet werden, daß zur Tilgung der
Bauschuld §10,000 gesichert seien. Das Jubiläumsbuch, die Ge⸗
schichte der beiden Immanuelsgemeinden enthaltend und mit vielen
Bildern illustriert, ist für 50 Cents bei den Pastoren zu haben.
Es enthält einen interessanten Abschnitt der Geschichte der luthe⸗
rischen Kirche in New York. „Gott allein die Ehre!“ und „Dank
seiner unverdienten Gnade!“ war der Grundton der ganzen Jubel⸗
feier. Und dem schloß sich das Gebet an: „Gott bleibe mit seiner
Gnade bei uns, wie er gewesen ist mit unsern Vätern, und er⸗
halte uns vor allem in wahrer Treue gegen sein unverfälschtes
Gnadenwort!“ W. S.

Die siebente zu unserer Synode gehörende Kirche in New
Orleans wurde am 9. Februar eingeweiht. Also wieder eine
Stätte des lutherischen Bekenntnisses mehr in jener Stadt! Es
wurde öffentlich bezeugt, daß dieser Bau ohne Hilfe der Kirch⸗
baukasse nicht möglich gewesen wäre. Während des kaum drei⸗
jährigen Bestandes der Gemeinde mußte sie dreimal den Ort ihres
Gottesdienstes wechseln, was für das Bestehen und Gedeihen einer
Gemeinde natürlich sehr hinderlich ist. Seitdem die Gemeinde
drangehen konnte, sich ihr eigenes bleibendes Heim einzurichten,
geht es vorwärts. Sie zählt jetzt gegen 300 Seelen. So gewiß
die Städte, wo die Menschen zu Haufen wohnen, das Hauptgebiet
der Mission sind, und so gewiß eine Missionsgemeinde erst durch
ein eigenes Gotteshaus auf ihrem Gebiete festen Fuß faßt, so
getwwiß ist die Kirchbaukasse, durch welche solchen Missionsge⸗
meinden zum Bau eines Gotteshauses verholfen wird, eine ge⸗
waltige Stütze der Mission. Das sollen wir nie vergessen und
die Kirchbaukasse in den Stand setzen, daß sie in reichem Maße ihr
gesegnetes Werk treiben kann. E. P.

Unsere Lehranstalten. Wie wenig einer Lehranstalt mit
bloßem Gelde gedient ist, wenn in derselben nicht Gottes Wort
regiert, sieht man an der Universität von Chicago. Diese Anstalt
hat Rockefeller mit Millionen förmlich überschüttet. Rockefeller
selbst will noch ein Christ sein. Aber die Professoren, welche mit
dem von ihm so reichlich hergegebenen Gelde bezahlt werden, tun
ihren Mund weit auf zur Lästerung der Heiligen Schrift, von der
der Sohn Gottes selber sagt: „Die Schrift kann doch nicht ge⸗
brochen werden“, Joh. 10, 35. Die neueste Kundgebung eines
Professors der Rockefeller-Universität geht dahin, daß der biblische
Bericht von der Erschaffung der ersten Menschen eine Sage sei,
und daß Adam und Eva nie existiert hätten. Aber nicht nur ein
Lästermaul ist der Chicagoer Professor, sondern auch ein wissen⸗
schaftlicher Windbeutel. Er hat nach den Zeitungsberichten ge⸗
sagt, daß die Theorie von einer „Evolution“, das heißt, von einer

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