Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 6 › Seite 88
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. März 1913, Seite 88
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—
raner
und Gift ausblasen, wenden die Leute ab von ihren Pfarr⸗
kirchen. Da siehe doch den rechten Teufelstritt und griff, wie
er das Licht scheut und im Finstern mauset. Wer ist so grob,
der sie nicht merken könnte, daß es rechte Teufelsboten sind?
Wären sie von Gott und rechtschaffen, so würden sie zu aller⸗
erst sich zum Pfarrherrn finden und mit demselbigen han⸗
deln; . . . denn der Pfarrherr hat ja den Predigtstuhl, Taufe,
Sakrament inne, und alle Seelsorge ist ihm befohlen. Aber
nun wollen sie den Pfarrherrn heimlich ausbeißen mit allem
seinem Befehl.. Das sind rechte Diebe und Mörder
der Seelen, Lästerer und Feinde Christi und seiner Kirche.“
(St. L. Ausg. XX, 1666.)
Proselytenmacherei darf man nicht einmal
in falschgläubigen Gemeinden treiben, wieviel
weniger dann in rechtgläubigen Schwesterge—
meinden.
Es muß uns sehr betrüben, daß die Seelen in den falsch—
gläubigen Kirchengemeinschaften so schlechte Weide haben. Aber
selbst dann dürfen wir nicht Proselytenmacherei treiben, wenn
es sich um Schafe aus der Herde eines falschgläubigen Hirten
handelt; denn auch in falschgläubigen Gemeinschaften, wenn
anders noch wesentliche Stücke des göttlichen Wortes da sind,
ist das Amt, dessen Rechte wir zu respektieren haben. Ein
rechtschaffener Pfarrer, der sein Leben in den Dienst des edlen
Werkes der Rettung armer Seelen gestellt hat, ist so gesonnen,
daß sein Herz blutet, wenn er sieht, zu welchen Irrtümern die
Leute in den falschgläubigen Gemeinden verleitet werden; aber
doch hütet er sich, selbst da solche arme Schafe weglocken zu
wollen; denn er weiß, daß die Heiligkeit der Absicht es nie
rechtfertigt, wenn man unrecht tut. Luther sagt: „Und dieses
soll man also festhalten, daß auch kein Prediger, wie fromm
oder rechtschaffen er sei, in eines Papisten oder ketzerischen
Pfarrherrn Volk zu predigen oder heimlich zu lehren sich unter⸗
stehen soll ohne desselbigen Pfarrherrn Wissen und Willen;
denn es ist ihm nicht befohlen. Was aber nicht befohlen ist,
das soll man lassen anstehen; wir haben genug zu tun, so wir
das Befohlene ausrichten wollen.“ (St. L. Ausg. V, 721 f.)
Wie schrecklich und wieviel verkehrter ist es aber da,
wenn man Proselytenmacherei treibt in einer rechtgläubigen
Schwestergemeinde, einer Herde, wo die Schafe doch auf die—
selbe grüne Aue geführt werden, dieselbe gute Weide haben,
nämlich das reine, lautere Wort Gottes, das alleinseligmachende
Evangelium von JEsu! Warum sollte man sie da weglocken?
Kann man ihnen doch nichts Besseres geben, als was sie da
haben, wo sie sind, reine Predigt und unverfälschtes Sakra⸗
ment! Luther schreibt: „Ich lehrte auch noch das: man
müsse die Pfarrgerechtsame nicht vermischen und die Leute
aus einer Pfarre in die andere locken, wo alles gleichförmig
gehalten wird.“
Englische Gemeinden und Pastoren, die auf dem Gebiete
deutscher Gemeinden, in ihrer Nähe arbeiten, können leicht in
diese hier verurteilte Proselytenmacherei geraten, indem sie —
wohl sich schier unbewußt — meinen, sie hätten das heran—
wachsende englische Element innerhalb der deutschen Mutter⸗
gemeinden zu versorgen, und indem sie da auf mancherlei
Weise solch wirklich oder vermeintlich englisch werdende Leute
ermutigen, sich ihnen anzuschließen.
Rechtschaffene deutsche Gemeinden und Paͤstoren werden
sich freuen und Gott danken, wenn sie treulutherische englische
N Tuiß⸗
Gemeinden in ihrer Nähe haben, und werden gerne ihr „eng⸗
lisches Element“ an diese englischen Schwestergemeinden weisen,
falls sie es selber nicht versorgen können; aber den englischen
Gemeinden und ihren Pastoren hat Gott es nicht befohlen, das
englische Element oder irgendein anderes Element in den deut⸗
schen Schwestergemeinden zu lehren, was ihm nötig ist.
In den letzten Jahren haben auch unsere missourischen
Gemeinden in den Großstädten angefangen, Stadtmission zu
treiben, besonders auch dem Wechsel Rechnung zu tragen, der
sich in den Großstädten vollzogen hat, daß gar viele Leute aus
dem Gebiete der alten Gemeinden mehr hinweg in die Vor⸗
städte gezogen sind, und man erkennt die Aufgabe, Missions⸗
gemeinden zu gründen. Das ist ein Schritt in rechter Rich⸗
tung, und dieser löbliche Eifer sollte zunehmen. Wir sollten
viel mehr tun in der Stadtmission. Hier eröffnet sich uns in
den Großstädten ein sehr wichtiges, aussichtsvolles Missionsfeld.
Aber da können nun leicht neugegründete Missionsge⸗
meinden, die in einem bestimmten Stadtteile liegen, wo solche
wohnen, die noch Glieder anderer Gemeinden sind, und die
Missionare in die Gefahr kommen, daß sie meinen, sie müßten
auf alle Weise dafür sorgen, daß diese Glieder sich ihnen an⸗
schließen, und daß sie dieselben drängen, das Band mit der
alten Muttergemeinde zu lösen.
Aber auch die, denen die hier stehende Erinnerung gilt,
sollen ganz und voll — darum handelt es sich an dieser Stelle
— das Prinzip anerkennen und natürlich nach diesem Prinzip
auch handeln, daß sie an diesen Gliedern keinen Beruf haben
und darum mit ihrem Lehren und Arbeiten an diesen Leuten
warten sollten, bis die friedliche Entlasfunn uns dor alten Go⸗
meinde kommt. Andererseits wird auch die Muttergemeinde,
wo es die Umstände als angezeigt erscheinen lassen, eine
junge, schwache Missionsgemeinde gerne stärken durch Ent⸗
lassung auch guter Glieder aus ihrer Mitte, ja wird unter
Umständen die Betreffenden ermuntern, sich der Missions-
gemeinde anzuschließen. W. L.
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Unsere Emigrantenmission und unser Pilgerhaus
in New Hork im Jahre 1912.
Wenn der Apostel Röm. 1, 16 schreibt: „Das Evan⸗
gelium von Christo ist eine Kraft Gottes, die da selig macht
alle, die daran glauben“, so erweist sich diese Gotteskraft, wie
an ganzen Völkern, so auch an den einzelnen Seelen vor allem
so, daß sie zum seligmachenden Glauben an Christum gebracht
wurden. Aber dieser Glaube hat sich dann auch immer durch
die Werke der Liebe erwiesen. Daß unsere Emigrantenmission
mit dem Pilgerhaus den Zweck, welchen die Synode bei der
Gründung im Auge hatte, erfüllt, braucht wohl kaum erwähnt
zu werden.
Obwohl die Mission schon seit 44 Jahren besteht und das
Pilgerhaus 27 Jahre im Besitz der Synode ist, so gibt es doch
in unsern Gemeinden, sogar in den alten Gemeinden, noch
sehr viele Leute, die von dem Bestehen und dem Zweck der
Emigrantenmission und des Pilgerhauses keine Kenntnis
haben. Es ist vielen Leuten ganz unbekannt, daß das Pilger-
haus nicht einer Privatperson oder Privatgesellschaft, sondern
der Synode gehört, an dem jede zur Synode gehörende Ge⸗
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