Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 6 › Seite 93

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. März 1913, Seite 93

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* —— XV
S Ner „Tutheranedss 93
zelnen gegeben, ob er lieber zu IEsus, Mohammed, Laotse oder tragen habe und was für ein gutes Weib sie gewesen seil Der

Buddha halten mag.“ Allerdings wurde die „Orthodoxie“ von
ihm nicht weniger mitgenommen, und schließlich wurde zum Aus⸗
tritt aus der Landeskirche aufgefordert. Dieser Drews ging so
weit, daß er geradezu leugnete, daß IEsus je gelebt habe. Darob
gab es in Deutschland große Entrüstung. Darin hat aber Drews
recht, wenn er den Liberalen, die Christi Gottheit und Ver⸗
söhnungswerk leugnen und die Schrift nicht als Gottes Wort
annehmen, vorhält, daß ihnen ihr JEsus auch kein nütze sei.
Ein JEsus, der das nicht ist, wovon der wahre JEsus seinen
Namen hat, daß er sein Volk selig macht von ihren Sünden,
Matth. 1, 21, ist freilich nichts besser als gar keiner.

E. P.

Was das Abendmahl nicht ist.

Ein Mann war verunglückt. Bewußtlos lag er auf seinem
Bett. Der Arzt erklärte, er werde vor seinem Tode wohl kaum
wieder zur Besinnung kommen. Die Umstehenden erschraken. Sie
kannten den Mann gut, sie wußten auch, was für ein gottloses
Leben er hinter sich hatte. Nun war er plötzlich dahingerissen
worden und hatte keine Zeit zur Buße gehabt. Erschreckt und
stumm sahen sie einander an. Da kam einer der Anwesenden
auf einen Gedanken. Leise ging er davon und eilte zu seinem
Pastor. „Wollen Sie, bitte, schnell mitkommen und einem Ster—
benden das Abendmahl reichen?“

„Wer ist es denn?“

„Sie kennen ihn nicht. Er ist nie in die Kirche gegangen.
Jetzt ist er auf eimmal verunglückt. Er liegt bewußtlos da. Nur
hie und da murmelt er unverständliche Worte. Wenn er so stirbt,
dann kommt er in die Hölle. Aber ich dachte, Sie könnten seine
Seele retten, wenn Sie ihm das Abendmahl geben würden.“

Es war nicht leicht, den Mann eines Besseren zu belehren. —

Leider ist er aber nicht der einzige, der das Abendnahl für
eine äußerliche Einlaßkarte zum Himmel hält! Das ist jedoch
das Abendmahl nicht. So hoch wir von diesem Sakrament halten,
so wissen wir doch, daß es dem nichts nützt, der nicht schon durch
den Glauben an Christum in der Vergebung seiner Sünden steht.
Essen und Trinken allein tut es nicht, denn dann wäre jener Ver⸗
unglückte trotz seiner Gottlosigkeit in seiner Bewußtlosigkeit in
den Himmel gekomnien. Nur der ist recht würdig und wohlge—
schickt, wer den Glauben hat an diese Worte: „Für euch gegeben
und vergossen zur Vergebung der Sünden.“

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— „—

Freundliche Worte sind wie Honigseim.

„Ach“, sagte die alte Frau Schmidt zu ihrer Nachbarin, als
sie miteinander von Frau Brauns Begräbnis nach Hause gingen,
„wenn nur alle Leute ihre Begräbnisrede noch selbst mit anhören
könnten! Wie würde sich die arme Frau Braun heute darüber
gefreut haben! Die arme Seele — sie hat ja keine Ahnung ge—⸗
habt, wieviel Gutes von ihr zu sagen war!“

„Sie war immer ganz mutlos, die arme Frau Braun, denn
ihr Mann hatte die Art, alles an ihr zu tadeln. Er meinte es
nicht schlimm. Wenn aber irgendein Gegenstand im Hause un—
brauchbar wurde oder zerbrach, da tat er immer so, als hätte es
seine Frau ordentlich mit Willen gemacht. Und das ganze Haus
wurde von dieser Art angesteckt, wie von den Masern oder vom
Keuchhusten.“

„Und nun der Herr Pfarrer heute, der so schön erzählte, wie
Herr Braun seine Frau in die Gegend gebracht habe, als sie noch
einer Einöde glich, und wie geduldig sie alle Entbehrungen er—

Pfarrer hätte ja das nicht wissen können, wenn es ihm Herr Braun
nicht selbst erzählt hätte! Ach, wenn er's seiner Frau doch nur
einmal selbst gesagt hätte, wie gut er von ihr dachte! Dann läge
sie schwerlich schon im Grabe. Als vollends der Pastor erwähnte,
wie die Kinder ihre gute Mutter vermissen würden, da kam es
mir vor, die armen Dinger könnten es vor Trauer kaum anhören.“

„Frau Braun war allerdings eine gute Mutter, denn sie
lebte nur für die Ihrigen und dachte nie an sich.“

„Wie würde ich mich freuen“, fuhr Frau Schmidt fort, „wenn
Frau Braun auch die schönen Blumen sehen könnte, die nun ihr
Grab zieren. Zu ihren Lebzeiten durfte sie nicht das kleinste
Blumenbeet in ihrem Gärtchen haben. Ihr Mann sagte, Kraut⸗
köpfe seien viel schöner und nützlicher. Und Frau Braun war
eine so große Liebhaberin von Rosen und Nelken!“

Die alte Frau hatte recht. Frau Brauns Leben war nicht
glücklich gewesen. Kleine Streitigkeiten, tadelnde Anspielungen
und Ausstellungen und scharfe Urteile, Reizbarkeit und Ungeduld,
schlechte Laune und unfreundliches Wesen, Vorwürfe und Mangel
an Aufmerksamkeit von seiten ihrer Nächsten hatten ihr sonst sor⸗
genloses Leben wie mit einem Nebel bedeckt. Die Ihrigen hatten
sie lieb, aber sie sagten es ihr nicht. Ihr Haus war freudlos und
kalt, und sie hatte nicht die Kraft gehabt, es allein zu erwärmen.
Ein aufmunterndes Wort hätte sie beglückt und ihr den Mut ge⸗
geben, den Sonnenschein ihrer Liebe hell leuchten zu lassen. Nun
war sie tot, und alle Liebe, die ihr Mann und ihre Kinder ihr
jetzt erwiesen, konnte sie nicht mehr erreichen.

Und wie Frau Braun, so geht es vielen Frauen und Müt⸗
tern; ihr Werk wird erkannt, wenn sie nicht mehr da sind. Wüß⸗
ten es doch mehr Leute, daß es nicht genügt, Zuneigung zu haben,
sondern daß man sie auch zeigen muß, wenn sie Frucht tragen soll.
Liebe, die Worte und Taten findet, macht ein Haus warm und
glücklich. (Nachbar.)

—— UIHIfTHi
Todesanzeigen.

Es hat dem HErrn der Kirche gefallen, wieder einen treuen
Arbeiter in seinenn Weinberg in die ewige Ruhe zu versetzen.
Am 29. Januar starb nämlich P. A. Hering, langjähriger
Seelsorger der St. Matthäusgemeinde zu North Tonawanda,
N. Y. Er wurde am 29. Novemiber 1862 bei Worden, Ill.,
geboren. Er besuchte die lutherische Gemeindeschule zu Staun⸗
ton, Ill., wo er auch von P. J. M. Hahn konfirmiert wurde. Im
Jahre 1880 trat er in das Predigerseminar zu Springfield, Ill.,
ein, um sich auf das Predigtamt vorzubereiten. Nach wohlbe⸗
standenem Examen wurde er im Jahre 1885 Pastor der Ge—
meinde zu Ellinwood, Kans. Dort hat er nicht nur der Gemeinde
und ihrer Schule mit großer Treue vorgestanden, sondern auch
fleißig in der ganzen Gegend missioniert. Im Februar 1891
folgte er dem Ruf der St. Matthäusgemeinde zu North Tona—
wanda., N. Y. Dieser Gemeinde hat er nahezu 22 Jahre treu
gedient, auch längere Zeit der zweiten Klasse ihrer Schule vor⸗
gestanden. Unter seiner Seelsorge entwickelte sich die Gemeinde
von kleinen Anfängen zu großer Blüte. Am 4. Mai 1886 trat
er mit Anna Glaser, Tochter Lehrer T. Glasers, in den Ehestand.
Diese Ehe wurde mit sieben Kindern gesegnet, von denen eine
Tochter schon in frühester Kindheit starb. — P. Hering war ein
fleißiger Arbeiter. Gott hatte ihn schöne Gaben verliehen, sonder⸗
lich die Gabe, die göttliche Wahrheit in klarer und erbaulicher
Weise zu verkündigen, und er hat seine Gaben auch treu aus⸗
genutzt. Er war immer, wo er konnte, zu Diensten bereit. Neben
seiner Amtsarbeit diente er vier Jahre lang dem „Lutherischen
Hausfreund“, einem kirchlichen Lokalblatt, als Redakteur mit
großem Geschick. Seit 1909 war er auch Sekretär des Sstlichen

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