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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. März 1913, Seite 85
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Wort und Kulherg
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Himmeil, der hatte ein ewig
Evangelium, zu verkiindigen Ud
denen, die auf Erden sißen
„ und wohnen, und allen Hei-
den, und Geschlechtern, und
Sprachen, und Volkern, und
sprach mit groher Atimmt:
KLürchter Gott, und gebet
ihm die Chre; denn die Seit
seines Gerichts in Kommien,
und betel an den, der gemacht
hat Himmiel, und Erde, und
Reer, und die Wasser⸗
brunnen. Ossb. Joh. 14, 6.7
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Herausgegeben von der Deutschen Evangelisch⸗Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Lonis.
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69. Jahrgang.
Nr. 6.
St. Louis, Mo., den 18. März 1913.
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„Hörest du auch, was diese sagen?“
Matth. 21, 16.
Als an jenem Palmsonntag der HErr JEsus seinen könig⸗
lichen Einzug in Jerusalem hielt, da ereigneten sich dort manche
Dinge, die seine Feinde ärgerten. Sie ärgerten sich schon dar⸗
über, daß er überhaupt noch am Leben war. Noch mehr ärger⸗
ten sie sich darüber, daß er hier so frei und offen seinen Einzug
hielt, daß viel Volks ihm zujubelte: „Hosianna dem Sohne
Davids!“ und ihn damit für den Messias Israels ausrief.
Weil ihre Stunde noch nicht gekommen war, konnten sie nichts
tun, als vor ohnmächtiger Wut die Zähne knirschen. Am aller⸗
meisten entrüstete sie dies, daß sogar die Kinder im Tempel
schrieen: „Hosianna dem Sohne Davids!“ Da kannte ihr
Zorn keine Grenzen mehr. Sie wandten sich an den HErrn
selbst mit der vorwurfsvollen Frage: „Hörest du auch, was diese
sagen?“ Willst du das wirklich hören? Was machen die aus
dir? Du bist doch nicht der Messias Israels. Schlimm genug,
daß die Jünger und arme Verführte im Volk so etwas sagen.
Und nun gar noch die Kinder! Das sollte man ihnen ver⸗
bieten. Das ist ein unerhörter Unfug. Wenn dir wirklich ein
Prophet und demütig und gottesfürchtig bist, dann steure ihnen.
— Aber der SErr hat das wohl gehört und will das hören.
Er sagt den Feinden: Ich höre das wohl und bin nicht taub.
Die Schuld liegt auf eurer Seite; ihr seid blind. Habt ihr
nie gelesen? Ja gelesen habt ihr's wohl, aber gedacht habt ihr
euch nichts dabei: „Aus dem Munde der Unmündigen und
Säuglinge hast du Lob zugerichtet.“ Gottes Lob wird und soll
verkündigt werden. Und wenn es die Schriftgelehrten und Ge⸗
waltigen nicht tun, dann richtet Gott sich aus dem Munde junger
Kinder Lob zu. Und wenn diese schweigen, müssen die Steine
schreien.
Das war nicht der letzte Palmsonntag, an dem die Feinde
Christi und seiner Kirche sich ärgerten über das Lob Christi aus
dem Munde von Kindern. Der Palmsonntag pflegt ja unter
uns der Sonntag der Konfirmation zu sein. Wenn da unsere
Kinder ihr Konfirmationsgelübde ablegen, dann stehen auch
viele Feinde des HErrn und seiner Kirche, auch viele, die
Schriftgelehrte sein wollen, da und sind entrüstet. Da schreien
sie auch wohl Gott und Menschen an: Hört doch, was die sagen!
Ist das nicht ein Unfug? Wollt ihr dem nicht steuern? Solche
Worte Kindern in den Mund legen, solche Fragen ihnen zur
Beantwortung vorlegen, das ist ja unleidlich.
Was ist denn da so unleidlich am Konfirmationsgelübde?
Worüber ärgern solche Leute sich? Das ist verschieden: die
einen über dieses Stück, die andern über jenes. Den einen ist
das ganze Gelübde nicht recht. Man solle den Kindern über⸗
haupt kein Versprechen abnehmen. Ein solches Versprechen,
Gott getan, sei ja der Verbindlichkeit nach einem Eide gleich.
Die Kinder könnten ja noch nicht alle Folgen ihres Versprechens
überschauen. Die wüßten gar nicht, wie bald ihnen das leid
sein werde. Man beschwere nur die Gewissen damit und mache
jedes Jahr Leute zu Meineidigen. Das sei nur ein elender
Kniff, die Kinder gerade an seine Kirche zu ketten — und was
der langen Reihe der Aussetzungen mehr ist.
Wollte man den Teufel fragen: Welches Stück ärgert dich
am meisten? dann würde er sagen: Vor allem das erste, daß
sie mir entsagen und allem meinem Wesen und allen meinen
Werken. Damit sagen sie mir ja ins Gesicht, daß sie mit mir
nichts zu tun haben wollen. Und dabei haben diese Kinder
noch die Dreistigkeit, öffentlich zu sagen: sie entsagen mir aufs
neue. Müssen sie mich auch daran noch erinnern! Das haben
sie ja bei ihrer Taufe schon getan. Da haben sie nicht mit eige⸗
nem Munde gerade diese Worte ausgesprochen, aber im Herzen
waren sie so gesinnt. Ich weiß ja ganz gut, ich leugne es aber
gern, wo ich kann, daß die Taufe das Bad der Wiedergeburt ist.
Wer wiedergeboren wird, gläubig wird, gibt eben damit mir
den Abschied. Und nun habe ich diese ganzen vierzehn Jahre
versucht, sie wieder für mich zu gewinnen und sie andern Sin⸗
nes zu machen. Aber nun sind sie unterrichtet worden, und
da ist ihnen nichts Gutes über mich gesagt worden. Und nun
treten sie heute öffentlich auf und sagen: Wir sind noch so ge⸗
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