Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 6 › Seite 89

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. März 1913, Seite 89

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SVer 2„Tutheranet

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meinde ihren Anteil hat und daher auch ein reges Interesse
haben sollte. Man sollte meinen, weil alljährlich ein Bericht
im „Lutheraner“ erscheint, und das Pilgerhaus in unserm
Kalender sowie in vielen kirchlichen Blättern immer und
immer wieder in Erinnerung gebracht wird, daß jedes Ge⸗
meindeglied unter uns über das Pilgerhaus und über den
Zweck, den es erfüllt, genau unterrichtet sein sollte. Weil es
eine Synodalanstalt ist, befaßt sich auch die Allgemeine Synode
damit und wird es vom Allgemeinen Präses regelmäßig visi⸗
tiert. Ja der Allgemeine Präses schreibt darüber wörtlich:
„Das Pilgerhaus ist immer noch eine gute Kapitalanlage für
unsere Synode.“ Solange nämlich die Einwanderung dauert
— sie wird wohl nie ganz aufhören —, so lange ist auch die
Sorge für die Einwanderer von unserer Seite nötig. Es ist
ja wahr, die deutsche Einwanderung hat im Hafen von New
Hork sehr stark abgenommen und wird wohl kaum wieder in
diesem Hafen die frühere Höhe erreichen. Aber aufhören wird
die Einwanderung sicherlich nicht, und noch weniger wird es
mir jemals an reichlicher Gelegenheit zur eigentlichen Mis⸗
sionsarbeit fehlen. Im Leiblichen gewährt unsere Regierung
jetzt den Einwanderern viel besseren Schutz, als dies in frühe⸗
ren Jahren geschah. Zum Schutz der Einwanderer und über—
haupt zur Regelung der Einwanderung werden die bestehenden
Gesetze streng durchgeführt. Durch Unkenntnis dieser Gesetze
geraten viele Einwanderer oft in die größte Not und Ver⸗
legenheit. Vielen, die in unser Land Einlaß begehren, werden
die Tore verschlossen. Unter diesen Einwanderern befinden
sich immer solche, welche es versäumten, entweder diesem oder
jenem Buchstaben des Gesetzes nachzukommen, denen aber die
Landung gestattet wird, sobald sie das Versäumte nachholen
und den Anforderungen des Gesetzes entsprechen. In dieser
Beziehung kommt die Regierung den Einwanderern sehr freund⸗
lich entgegen. Die oft recht lieben Einwanderer sind arm und
mittellos und wissen weder Rat noch Hilfe. Wer soll helfen,
wer kann dienen und diesen Leuten Liebe erweisen? Ver⸗
trauensvoll wenden sie sich an den Missionar; der nimmt sich
ihrer treulich an und hilft ihre Angelegenheiten den Anforde⸗
rungen des Gesetzes gemäß ordnen, wenn es irgendwie mög⸗
lich ist. Es verursacht selbstverständlich oft viel Arbeit und
Umstände, wenn man es zu verhüten sucht, daß die Ein⸗
wanderer nicht in kurzer Zeit in die eben verlassene alte
Heimat zurückbefördert werden, in Verhältnisse, die dann noch
trauriger sind, als sie vorher waren, weil die Zurückgesandten
vielleicht ihren letzten Heller für die unheilvolle Amerikareise
verwandt haben. Unsere Emigrantenmission hat also immer
noch eine sehr wichtige Aufgabe. Gott gebe nun, daß auch das
Wort Gottes, das den einzelnen gesagt worden ist, sich an ihren
Herzen als eine Kraft Gottes zur Seligkeit erweise!

Was nun die Arbeit des verflossenen Jahres betrifft, so
hat sie trotz der schwachen deutschen Einwanderung gegen das
vorige Jahr zugenommen. Mit den Gästen des Pilgerhauses
wurde in der Regel täglich Hausandacht gehalten. 3000 Syno⸗
dalkalender, viele Traktate sowie viele Nummern des „Luthe⸗
raner“, „Zeuge und Anzeiger“, „Stadtmissionar“, „Kinder⸗
und Jugendblatt“, „Gemeindeblatt“, „Für die Kleinen“, der
„Abendschule“, „Rundschau“ und „Germania“ wurden frei
verteilt. Der Kassenumsatz betrug §172,572.19. Die Zahl
der Gäste des Pilgerhauses betrug 3198. 188 Emigranten
und 20 andern Leuten konnte Arbeit und Verdienst nachge⸗

wiesen werden. Arme erhielten 172 Mahlzeiten, 301 Nacht⸗
lager und Proviant für die Weiterreise. Für wohltätige
Zwecke wurden §143.01 verausgabt. Die Vorschüsse betrugen
52614.99. Davon wurden 51880.20 zurückbezahlt; 85734.79
stehen noch aus. Die zinsfreien Darlehen betragen §104.25.
Gaben für die Mission wurden im Betrage von §684.46 vom
Missionar im Pilgerhaus direkt empfangen. 650 Emigranten
wurde im Pilgerhause mit Rat und Tat beigestanden. 905
Emigranten wurde auf Ellis Island Beistand geleistet.
50 Einwanderer wurden der besonderen Fürsorge der Mis⸗
sion überwiesen. 67 Emigrantentrauungen wurden vollzogen.
In den Hospitälern standen 16 Emigranten und deren Fami⸗
lien unter meiner besonderen Fürsorge. Vor der Board of Spe-
cial Inquiry wurden in 56 Fällen die Interessen der Einwan⸗
derer vertreten. In 7 Fällen wurde gegen das Ausschließungs⸗
urteil appelliert und die Landung gestattet. Von unsern Ein⸗
wanderern wurden 16 ausgeschlossen. Darunter befanden sich
3 Trachomakranke (einer mit Familie). In 5 Fällen wurde
die Wiedereröffnung der Verhandlungen beantragt und die
Zulassung erwirkt. In einem Falle wurde die Zulassung
unter Bürgschaft gestattet. Zwei Kinder wurden im Hospital
getauft. 189 Emigranten mit 71 Kindern reisten unter dem
Schutz der Mission, und 377 Pastoren wurden von der Ankunft
der Emigranten besonders benachrichtigt.

An den Docks der verschiedenen Schiffahrtsgesellschaften
wurden 471 Personen empfangen. Von diesen waren 252
Bürger der Vereinigten Staaten und Glieder unserer Ge⸗
meinden und 121 Emigranten. 98 Emigranten wurden der
Mission besonders zugewiesen. 254 Personen wurden von
den Bahnhöfen abgeholt und 346 Personen dorthin gebracht.
620 Personen wurden zu den Docks der verschiedenen Schiff⸗
fahrtsgesellschaften hinbegleitet.

Die Gaben und Kollekten für die Mission betrugen
51707.91. Es ist demnach ein Zuschuß von §549.09 für die
Gehälter der Missionare in New York, Bremen und Hamburg
erforderlich. 6030 Briefe und Postkarten und 68 Telegramme
gingen ein; 4909 Briefe und Postkarten und 226 Telegramme
wurden abgesandt (Zirkulare und Berichte nicht eingeschlossen).

Bei dieser Gelegenheit sei mir auch ein Wort in betreff der
Armenunterstützung gestattet. Dafür sind, wie oben angeführt,
namhafte Ausgaben gemacht worden; aber von auswörts ist

für diesen Zweck nicht ein Cent eingegangen. In der Armen⸗

büchse des Pilgerhauses befanden sich am Ende des Jahres nur
514.86. Die ganze übrige Summe hat das Pilgerhaus be—
schaffen müssen. Das sollte nicht so sein. Wer kann, wer will
da helfen, daß ich in dem laufenden Jahre den mittel⸗, obdach⸗
und brotlosen Emigranten nicht mit leeren Händen gegenüber⸗
stehen muß?

In Bremen hat Herr F. Gillhoff und in Hamburg
P. Löffler in allbekannter Treue und Gewissenhaftigkeit der
Station vorgestanden und unserer Mission und dem Pilgerhaus
insbesondere unschätzbare Dienste geleistet. Mögen sie bei der
jetzigen geringeren Einwanderung nur den Mut nicht sinken
lassen, sondern im Vertrauen auf Gottes Beistand getrost
weiterarbeiten!

Indem ich schließlich der hiesigen Kommission für Emi⸗
grantenmission für ihre sorgfältige und treue Beratung in
meinen Obliegenheiten herzliche danke, möchte ich auch meinen
Mitarbeitern in Bremen und Hamburg sowie den Angestellten

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