Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 6 › Seite 91
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. März 1913, Seite 91
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gemeindeſchule
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zahlung, teils durch Unterschriften vorhanden ist. Da nach
Ostern in allen Kreisen unserer Synode Konferenzen abgehal⸗
ten werden, so sind sämtliche Visitatoren von dem Unterzeich—
neten durch ihre Distriktspräsides ersucht worden, die Synodal⸗
kassen zum Gegenstand der Besprechung zu machen, damit mehr
und mehr alle Gemeinden zum regelmäßigen Geben für diese
so hochwichtigen Kassen herangezogen werden. Auch werden
die Konferenzen gebeten, in geeigneter Weise über Beschickung
unserer Anstalten mit frommen und begabten Knaben zu be—
raten. Während andere Kirchengemeinschaften sich genötigt
sehen, eigene Männer anzustellen, die von Gemeinde zu Ge—
meinde reisen und um Knaben für den Kirchendienst werben,
befinden wir uns in der glücklichen Lage, daß unsere Gemeinde⸗
schulen mit ihren jährlichen Konfirmandenklassen uns gutes und
reiches Material für unsere Anstalten bieten. F. Pf.
— 2—
——
Zur kirchlichen Chronik.
Aus der Synode. Aus dem „Kirchenblatt für Südamerika“
ersehen wir, daß die Gemeinden und Predigtplätze in unserm
Brasilianischen Distrikt fortfahren, fleißig für den Seminarbau
in Porto Alegre zu kollektieren. Auch in unsern nordamerikani—
schen Distrikten werden in diesem Jahre die Kollekten für die
shynodalen Bauten, die von der letzten Delegatensynode beschlossen
wurden, fortgesetzt und zu Ende geführt werden. Gott lasse alles
gelingen zu seiner Ehre und zum Besten seiner Kirche! — Das
„Kirchenblatt“ vom 15. Dezember vorigen Jahres bringt eine
wichtige Nachricht aus der Gemeinde in Porto Alegre. Es heißt
da: „In unserer letzten Gemeindeversammlung im Oktober wurde
ein wichtiger Beschluß gefaßt, der, wie wir hoffen, für unser
Gemeindewesen in hiesiger Stadt von Segen werden wird. Prof.
Frosch, der ja den portugiesischen Unterricht an unserm Seminar
erteilt, wurde gebeten und berufen, sich der Brasilianer kirchlich
anzunehmen, die sich mit unserer Gemeinde verbinden wollen. Es
gibt bereits mehrere Brasilianer, die den Wunsch ausgesprochen
haben, sich uns anschließen zu dürfen. Sie sind mit unserer Kirche
etwa dadurch bekannt geworden, daß sie sich mit deutschen Frauen
verheiratet haben und bei uns getraut wurden, oder daß sie ihre
Kinder bei uns taufen ließen. Um diesen zu dienen, wird
Prof. Frosch hin und wieder in portugiesischer Sprache einen
Abendgottesdienst in unserer Kirche abhalten. Dabei müßte dann
vor allem auf den Unterricht in der lutherischen Lehre Gewicht
gelegt werden.“ Hoffentlich kann die Arbeit in der portugiesischen
Sprache bald in größerem Umfange aufgenommen werden. Unser
Concordia-Seminar in Porto Alegre wird das Mittel dazu sein,
indem in dieser Anstalt auch solche junge Leute ausgebildet werden,
die das Portugiesische als erste oder zweite Muttersprache
sprechen. F. P.
Die Wichtigkeit der christlichen Gemeindeschule wird auch von
den norwegischen Lutheranern erkannt. Im Laufe des letzten
Sommers haben sämtliche Distrikte der Norwegischen Synode sich
mit der Gemeindeschule befaßt. Dem Lutheran Herald ent—
nehmen wir darüber die folgenden Angaben. Der Jowa-Distrikt
erklärte die Gemeindeschule für eine Lebenssache (livssag) für die
Kirche und ermunterte zur Einrichtung dauernder norwegisch—
englischer Gemeindeschulen, die für die ganze Ausbildung des
Kindes sorgen. Wo die Glieder zerstreut wohnen, riet man,
Kostschulen zu gründen. Der Minnesota-Distrikt empfahl, daß
die Gemeindeschule stehender Gegenstand der Verhandlungen sei
in Gemeindeversammlungen und auf Konferenzen. Der Nord—
westliche Distrikt riet die Einrichtung von Gemeindeschulen, die
die ganze Ausbildung des Kindes übernehmen. Der Pacific⸗
Diserikt erklärte, die christliche Unterweisung der Kinder im
Elternhause sollte in Gemeindeschulen seine Fortsetzung finden,
und die Zeit des Konfirmandenunterrichts sollte auf zwei Jahre
verlängert werden; „denn von der christlichen Erziehung hängt
nicht nur das Wachstum und Gedeihen der Kirche ab, sondern auch
das wirkliche Wohlergehen des Kindes für Zeit und Ewigkeit“. —
Wir haben ja kürzlich gemeldet, wie auf Grund der Zahlen des
Regierungszensus gesagt wurde, daß Kirchen, die keine christlichen
Schulen unterhalten, sich nur an den Gedanken gewöhnen
sollen, daß es mit ihrem Wachstum rückwärts gehen wird. Die
Gefahr, die uns darin droht, ist besonders diese: In unsern Ge—
meindeschulen ist mit Recht auf die deutsche Sprache viel Gewicht
gelegt worden. Da erscheinen manch einem diese Schulen ganz
als deutsche Schulen, deren man nicht mehr bedürfe, wenn
man nicht mehr die deutsche Sprache gebrauche. Wollen wir nicht
selbstsüchtig denken: Solange ich lebe, wird die Kirche wohl be—
stehen, sondern wenn wir, wie Luther so oft sagt, „gedenken,
Christen hinter uns zu lassen“, dann müssen wir für gründlichen
Unterricht der Jugend in Gottes Wort sorgen, einerlei welche
Sprache wir reden. E. P.
Erfreuliches und Unerfreuliches bei der Inauguration unsers
neuen Präsidenten. Erfreulich war der Ausfall des bei den
Inaugurationen bisher üblichen öffentlichen Balles. Es ist durch—
aus ungehörig, einen Ball zu einem Teil einer öffentlichen Feier
zu machen, die in Vertretung des ganzen Volkes, also auch der
Christen, veranstaltet wird. Präsident Wilson nun hat bei seiner
Inauguration sich den öffentlichen Ball ausdrücklich verbeten. Ob
der neue Präsident den Ball mehr als eine ungehörige Kinderei
ansieht, die sich für eine solche ernste Gelegenheit nicht ziemt, oder
ob er auch das Unsittliche der üblichen Tänze erkannt hat, wollen
wir nicht entscheiden. Jedenfalls ist durch den Einfluß des Präsi⸗
denten der Ball unterblieben. übrigens haben kürzlich auch einige
Staatsgouverneure bei ihren Inaugurationen die Bälle vom Pro—
granim gestrichen. — Zu den unerfreulichen Vorkommnissen bei
der Inauguration in Washington gehörte die Parade der Suffra—
getten. Mit den Männern, zwischen den Männern und vor den
Männern marschierten und ritten zum Teil in auffälligster Klei—
dung amerikanische Frauen. Diese ungehörige und ekelhafte Er—
scheinung veranlaßte den Straßenpöbel von Washington, die
Frauen öffentlich zu beleidigen und sich an ihnen in einzelnen
Fällen tatsächlich zu vergreifen. Das ganze Volk trägt die Schuld
an diesen Vorkommnissen. Dem Volk in seiner Majorität ist die
Erkenntnis für die so überaus hohe und edle Stellung und wich⸗
tige Wirksamkeit des Weibes in dem ihm von Gott zugewiesenen
Kreise verloren gegangen. Als der bei der Inauguration vor—
gefallene Skandal im Kongreß zur Sprache kam und ein Abge—
ordneter die Bemerkung machte, daß die Frau nicht in der bei der
Inauguration geübten Weise auf die Straße gehöre, wurde er
niedergeschrieen mit dem Ruf: „Schämen Sie sich!“ So nennt
man Schande, was Ehre, und Ehre, was Schande ist. Offentliche
Paraden wie die in Washington sind aber nur ein kleiner Aus⸗
schnitt aus den Dingen, die Frauen meiden sollten. Man stößt
sich kaum noch daran, daß Frauen in öffentlicher Versammlung
redend vor Männern auftreten, was nicht nur nach der Schrift
(1 Kor. 14, 34 ff.), sondern auch nach dem Licht der Vernunft
ungehörig ist. Unsere Zeit hat es in gewissen Kunststücken, in
«tricks“, wie es jemand ausgedrückt hat, im Fahren unter dem
Wasser und in der Luft zu etwas gebracht. Aber mit dem natür⸗
lichen Menschenverstand geht es gegen das Ende der Welt stark
auf die Neige. F. P.
Der Columbustag im Staat Wisconsin. Aus Wisconsin
wird berichtet: „Mit einer Stimme Mehrheit, mit 43 gegen 42
Stimmen, wurde von der Assembly die Bill angenommen, welche
den 12. Oktober, den Columbustag, zu einem gesetzlichen Feier—
tage macht. Der Abstimmung ging eine lebhafte Debatte voraus.
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