Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 20 › Seite 315

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 30. September 1913, Seite 315

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Zeitſchriften 2 · Zeitſchriften 4 · Schöpfung 9

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S Ver 2 uthorane

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Bedeutsam ist, daß die Pläne, nach denen in diesen zwei Fällen
gearbeitet wurde, das eine gemeinsam hatten, daß der ein-⸗
zelne angesprochen wurde. Darauf kommt schließlich bei jedem
Plane alles an, daß der einzelne gefragt wird: „Willst du?“
Auch das war in beiden Fällen ein glücklicher Gedanke, daß man
nicht dem Pastor die ganze Arbeit des Abonnentensammelns auf—
legte, sondern die Gemeindeglieder selber Hand ans Werk legten.
Das wird auch immer mehr geschehen, wo Gemeindeglieder die
überzeugung gewonnen haben, die jenes Gemeindeglied in In—
diana am Ende seines Schreibens ausspricht: „Hätte jede Familie
ein Kirchenblatt im Hause, so wüßten die Leute mehr von dem,
was in der Synode vorgeht, dann wären auch die Kollekten besser,
der Kirchenbesuch wäre besser, und der Pastor hätte mehr Hilfe im
Aufbau seiner Gemeinde.“ G.

Zur Evolution. Evolution nennt man die Lehre, daß alle
Dinge in der Welt so nach und nach sich entwickelt haben und
immer noch in der Entwicklung begriffen sind. Da nehmen die
einen doch noch einen Gott an, der zu dieser Entwicklung den
ersten Anstoß gegeben habe und sie bei ihrem Entwickeln im Auge
behalte. Andere werden auch ganz ohne einen Gott fertig; das
habe sich alles von selbst gemacht. Alle miteinander können sie
natürlich den biblischen Bericht von der Schöpfung nicht brauchen.
Dies wird als ausgemachte Wissenschaft gelehrt, sogar den Kin⸗
dern schon beigebracht. Und knieschwache Christen und Theologen,
die doch nicht als unwissenschaftlich dastehen wollen, haben sich be—
müht, die Bibel mit dieser Wissenschaft in Einklang zu bringen,
natürlich auf Kosten der Bibel. In den letzten Jahren melden
sich aber doch auch Stimmen von hervorragenden Männern der
Wissenschaft, die zugeben, daß die Evolution doch nicht so eine
ausgemachte Sache sei, ja daß es mit ihr sehr verzweifelt stehe.
Wir finden in einem presbyterianischen Blatt folgendes lehr—
reiche Geschichtchen, das wir unsern Lesern nicht vorenthalten
wollen. Eine Mutter wollte ihren Sohn aufs College schicken,
und zwar auf ein College ihrer Kirche. Aber der Junge hielt
dafür, an so einer großen Universität hätten sie viel größere Ge—
bäude, und die Professoren bekämen einen viel höheren Gehalt,
da müßten sie doch auch viel mehr wissen. Die Mutter läßt ihm
seinen Willen. Als Georg in den Ferien heimkam, merkte die
Mutter, daß er schon ein sehr gelehrter Mann geworden sei.
Er kramte gleich aus: „Mutter, da hilft alles nichts, mit dem
biblischen Bericht über die Schöpfung ist es nichts. Unser Pro—
fessor weiß so viel wie irgendein Mann auf Erden, vielleicht noch
mehr. Und der hat gesagt, jeder verständige Mensch, der up to
date sein will, nimmt die Evolution an und kann damit alle Dinge
erklären. Du hättest nur hören sollen, was für Autoritäten er
anführte, dann würdest du es auch glauben.“ Die Mutter konnte
ihm auf seinem Gebiete nicht begegnen, sah sich aber in nächster
Zeit um und schrieb ihm dann, sie habe auch einige Autoritäten
gefunden, die doch etwas anders redeten, und die führte sie ihm
mit all ihren Titeln vor: „Sir J. William Dawson LL. D.,
F. EK. S., F. G. S. usw., sagt: Evolution ist nicht und kann nicht
sein die bewirkende Ursache irgendeines Dinges und kann auch
nicht den Ursprung der Dinge erklären. Dr. Etheridge, Alter—
tumsforscher am Britischen Museum, sagt: „Neun Zehntel von
allem Reden der Evolutionisten ist barer Unsinn! Dieses Museum
ist voll von Beweisen dafür, daß ihre Ansichten entschieden ver—
kehrt sind.“ Prof. Häckel selbst gibt zu, „ddaß die meisten neueren
Forscher zu dem Resultat gelangen, daß die Lehre der Evolution,
und besonders die des Darwinismus, verkehrt ist und sich nicht
halten läßt'. Ein Buch von Prof. L. T. Townsend ist kürzlich
erschienen mit dem Titel: „Der Zusammenbruch der Evolution.“
In Deutschland kam kürzlich ein Buch von Prof. Dennert, Ph. D.,
heraus mit dem Titel: „Am Sterbelager des Darwinismus.“
Prof. George F. Wright, D. D., LL. D., F. G. S. A., veröffent⸗

lich heißen!

lichte kürzlich einen Artikel: „Das Schwinden des Darwinismus.“
In Darwins zwei Hauptbüchern findet sich mehr als 800mal der
Ausdruck: „Wir dürfen wohl annehmen.“ Das scheint doch eine
große Anforderung an die Geduld und Leichtgläubigkeit der Leser
zu stellen. Und schließlich, mein Junge, ich schreibe dir immer
noch nicht meine armen Worte, sondern die einer angesehenen
Größe: Die Evolutionstheorie hat ihren Ursprung in der Gottes—
leugnung, ist geboren und wird genährt vom Unglauben, ist der
Rückhalt der verderblichen höheren Kritik, setzt an die Stelle eines
persönlichen Gottes und Vaters eine unendliche und ewige Kraft,
wirft kein Licht auf die Zukunft und gibt keine Hoffnung für die
Ewigkeit.“ — Die allerhöchste Autorität hat die Mutter ihrem
schnellgewachsenen Söhnlein gegenüber noch gar nicht ins Feld
geführt, nämlich den Schöpfer Himmels und der Erde selbst, der
in seinem Wort uns sagt, was es mit der Entstehung der Dinge
auf sich hat. Was darüber hinausgeht, sind müßige Gedanken
eitler Leute, die viel überflüssige Zeit und wenig nutzbringende
Beschäftigung haben. E. P.

Von einer Gefahr für den Pastor lesen wir eben in einem
Blatte. Es meint, für den Pastor bestehe eine ähnliche Gefahr
wie für den Adbokaten. Der Advokat werde angestellt von einer
Person und arbeite nun für diese mit aller Macht, suche ihre Sache
im besten Lichte darzustellen und das zu verdrehen und zu ver—
schweigen, was gegen sie spricht. Er werde dafür bezahlt, daß
er den case für seinen Klienten gewinne; und darauf arbeite er
hin und komme in Gefahr, das zu tun auch auf Kosten der Wahr⸗
heit und der öffentlichen Wohlfahrt. So komme ein Pastor auch
in Gefahr, daß er einseitig werde, die Lehre seiner Kirche als
Wahrheit hinstelle und dafür Schrift anführe und dabei ganz
übersehe, daß die anderslehrende Kirche auch recht haben möge. —
Die Leute, die so reden können, haben einen traurigen Begriff
beides vom Pastor und von der christlichen Lehre. Sie scheinen
sich gar keinen Pastor denken zu können, der ein Gewissen hat,
der weiß, daß er auch eine Seele zu verlieren hat. Ein luthe—
rischer Pastor predigt einer lutherischen Gemeinde doch nicht des—
wegen die lutherische Lehre, weil er weiß, das wollen die Leute ö
hören, dafür bekomme ich bezahlt, und da heißt es: „Wes Brot
ich esse, des Lied ich singe“, sondern er predigt die lutherische
Lehre, weil er selbst sie von Herzen glaubt und für göttliche Wahr—
heit erkannt hat. Wenn er die Erkenntnis nicht hat, dann soll
er in der Kirche nicht Lehrer sein wollen, sondern ein Schüler
werden. Und wenn er — abgesehen von zeitweiliger Anfechtung
— die Lehre selber nicht mehr glaubt, dann fordert es die Ehr—
lichkeit, daß er seine Siebensachen packt und geht. Eine ebenso
traurige Ansicht haben solche Leute von der christlichen Lehre.
Obgleich Gott uns sein Wort gegeben hat, in dem er uns den
Weg des Heils lehrt, und obgleich Gott selbst von seinem Wort
sagt, es sei klar, sei ein Licht, mache die Albernen weise und
könne selbst ein Kind unterweisen zur Seligkeit, so tut man doch,
als ob dem nicht zu trauen wäre, wenigstens könne man nie gewiß
werden. Wenn da von zwei Leuten der eine sagt: „Ich bin dazu
geboren und in die Welt kommen, daß ich die Wahrheit zeugen
soll“, und der andere immer nur fragt: „Was ist Wahrheit?“
dann halten sie es mit dem letzteren und nicht mit dem ersteren,
obgleich sie wissen, daß der erstere Christus und der zweite Pilatus
war. Und dabei wollen sie doch nicht pilatisch, sondern christ—

„Geistlicher“ oder Pastor? Unter dieser überschrift schreibt
ein Pastor im „Pfarrerblatt“: „Nicht um als moderner Sturm—
geist an einem altehrwürdigen Brauche zu rütteln, sondern aus
dem Empfinden heraus, daß, wenn man etwas als unpassend, un⸗
zutreffend erkannt hat, man auf seine Beseitigung hinwirken muß,
möchte ich folgendes den verehrten Amtsbrüdern zur Erwägung
und Besprechung unterbreiten. Wenn unsere Behörden uns eine

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