Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 22 › Seite 345
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. Oktober 1913, Seite 345
Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner69_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
345
zugleich größere Anforderungen an unsere Missionskasse ge⸗
stellt, die eine monatliche Mehrausgabe von §300.00 für Ge⸗
hälter wird bewältigen müssen.
„5. Wir bitten daher jede Gemeinde recht herzlich, der
Negermission wenigstens eine größere Kollekte jährlich zu⸗
fließen lassen und außerdem auf den Missionsfesten der Kasse
für Negermission regelmäßig einen Teil der Kollekte zuwenden
zu wollen.
„6. Obwohl unsere Missionszeitschriften, Missionstaubet
und Lutheran Pionèeer, im vergangenen Jahr eine größere Ver⸗
breitung gefunden haben, so ist doch die Zahl der neuen Abon⸗
nenten sehr klein im Vergleich mit der Gliederzahl der Ge⸗
meinden, die zur Synodalkonferenz gehören. Durch eine weite
Verbreitung dieser Missionsblätter, die vortrefflich redigiert
werden, und die wir noch interessanter zu machen suchen wollen,
als sie sind, würde nicht nur Liebe und Eifer für unsere Mis⸗
sionsarbeit erweckt werden, sondern auch ein bedeutender Über⸗
schuß in die Missionskasse fließen. Es ergeht daher die herzliche
Bitte an alle Pastoren, Lehrer und Gemeinden, für eine mög⸗
lichst weite Verbreitung dieser Blätter Sorge zu tragen.“
So weit die amtlichen Berichte, denen nur noch weniges
hier beigefügt werden kann. Unsere Distriktssynoden, die zum
Teil von dem Missionsdirektor selbst besucht und durch seine
mündlichen Vorträge erfreut werden, haben ja von Jahr zu
Jahr Beschlüsse gefaßt, daß die lieben Gemeinden angehalten
werden sollten, das so hochnötige, Gott wohlgefällige und reich⸗
gesegnete Werk der Negermission immer kräftiger zu unter⸗
stützen. Mögen nun die schönen Beschlüsse auch überall und in
anhaltender Weise ausgeführt werden! Unsere Negermission
ist es wahrlich wert, daß wir sie auf betendem Herzen tragen
und zugleich durch reiche Opfer der Liebe ihr Bestes suchen und
ihre gute Sache fördern, damit sie noch herrlicher als bisher
wachsen und blühen möge. Obgleich die Neger im allgemeinen
als leichtfertige, unbeständige Menschen angesehen werden, so
beweisen doch unsere lutherischen Neger großen Ernst und viel
Treue. Dafür seien hier nur zwei Beispiele (aus vielen) an⸗
geführt.
Vor zwanzig Jahren nahm der Missionar unserer kleinen
Negergemeinde in Little Rock einen Beruf anderswohin an.
Seitdem ist die Gemeinde vakant und hat nur notdürftig von
dem Pastor unserer dortigen volkreichen deutsch⸗englischen Ge⸗
meinde mitbedient werden können. Die Sekten und Schwärmer
haben in diesen zwanzig Jahren alles aufgeboten, die kleine
Schar an sich zu bringen. Sie sagen: „Kommt zu uns! Ihr
bekommt ja doch keinen Pastor.“ Aber das Häuflein von 32
Seelen ist bis auf den heutigen Tag standhaft und treu ge⸗
blieben und bittet und hofft von einem Jahr zum andern, daß
ihm doch wieder ein eigener Hirte gegeben werden möge. Ja,
ein altes Glied, eine treuherzige Negerchristin, hat in ihrem
Testament bestimmt, daß ihr Vermögen von mehreren tausend
Dollars, die sie sich seit ihrer Sklavenzeit zusammengespart hat,
der Mission zukommen soll. — In einem Stadtteil von New
Orleans, wo etwa 20,000 Neger wohnen, die zu den verkom—
mensten ihrer Rasse gehören, ist durch unsere Mission eine Ge⸗
meinde gesaͤmmelt worden, die heute 370 Seelen zählt. Ihr
Einfluß ist derart, daß die Polizei in jenem Stadtviertel jetzt
verhältnismäßig wenig zu tun hat. Wir hören fort und fort,
daß die Glieder unserer Missionsgemeinden allenthalben als
Dienstboten begehrt werden. Sie sind treu, fleißig und ge⸗
wissenhaft. So scheinen unsere lutherischen Neger trotz ihrer
schwarzen Hautfarbe als schöne Lichter in der Welt.
Wenn darum auch etwa 842,000 in diesem Jahre für die
Negermission nötig sein werden, wovon, nach Abzug dessen,
was die Negergemeinden selbst aufbringen, was die Missions⸗
blätter an Reingewinn abwerfen, und was die andern Synoden
beisteuern, auf unsere Synode etwa §28,600 entfallen werden,
so darf uns das doch gewiß nicht leid sein. Denn trotzdem die
Neger vielfach so sehr verachtet werden, gehören doch auch sie
zu den teuererkauften Seelen, die der HErr IEsus mit seinem
Gottesblut erlöst hat. Fördern wir daher doch ja diese Mission
durch unser inbrünstiges Gebet, durch Darreichung unsers irdi⸗
schen Gutes sowie auch durch Verbreitung und Lesen der schö⸗
nen Missionsblätter, durch Vertretung der guten Sache in Ge⸗
meindeversammlungen, und wo sich sonst Gelegenheit bietet.
Nachdem die Neger ursprünglich auf gewaltsame Weise in dieses
Land geschleppt worden sind, hat Gott sie uns gleichsam als
arme Lazarusse vor die Tür gelegt, uns, die er schon längst
so überschwenglich im Geistlichen und im Leiblichen gesegnet
hat. Das große Feld ist weiß zur Ernte; und o, wie werden
unsere schwarzen Mitbürger im Himmelreich es uns einst ewig
danken, daß wir uns ihrer erbarmt und angenommen haben!
Fr. S.
———39——————8
——— —
Der Sozialismus.
Worauf gründet er sich? Welches ist die Wissenschaft, auf
die er sich verläßt?
Der Marxsche Sozialismus, den die Sozialistenpartei so
eifrig predigt, und den sie mit aller Macht einzuführen trachtet,
rühmt sich, daß er eine zuverlässige Grundlage habe, worauf
er baue, daß er sich nicht mit Hirngespinsten oder Traum⸗
bildern befasse, sondern streng den Ergebnissen der Wissenschaft
folge. Da gebührt es sich, daß wir uns diese Grundlage an⸗
sehen und diese Wissenschaft etwas kennen lernen. Damit er⸗
weisen wir denn auch den Sozialisten einen großen Gefallen,
denn das ist es gerade, was sie allen, die noch keine Sozialisten
sind, dringend empfehlen. Sie klagen oft, daß manche über
den Sozialismus zu urteilen sich unterwinden, ja, daß auch
viele selbst Sozialisten sein wollen, die doch weit davon entfernt
seien, die sozialistischen Lehren zu verstehen.
Gehen wir also ein wenig bei den Sozialisten in die Schule!
Raffen wir dabei aber alle unsere Geisteskräfte sorgfältig zu⸗
sammen; denn die Philosophie oder Weltweisheit, die uns
vorgetragen werden wird, will bis in das Innerste der Natur
dringen und die schwersten Welträtsel lösen. Wir müssen uns
also darauf gefaßt machen, tiefe Gedanken zu fassen und hohe
Weisheit in uns aufzunehmen.
Wenn wir nun die Hauptsumma aus den Büchern und
Schriften der echten Sozialisten zusammenziehen, so bekommen
wir, wenn wir als Unwissenschaftler mit gewöhnlichen Worten
alles wiedergeben, folgendes Ergebnis.
Die Grundlage des Sozialismus — hier kommen freilich
wissenschaftliche Worte; erschrick darob nicht, lieber Leser! —
ist der Materialismus oder die materialistische Auffassung der
Geschichte, die Evolution. Was sollen denn nun aber diese
merkwürdigen Ausdrücke besagen? Folgendes.
Die Materie oder der Stoff ist das Grundprinzip, der An⸗
English translation
Not yet translated.