Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 22 › Seite 347
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. Oktober 1913, Seite 347
Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner69_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Ner „Tutheranessse 347
und materialistische Geschichtsauffassung“, sagt er Seite 91:
„Die Anderung der Lebensbedingungen muß auf die Natur
des Menschen zurückwirken; die Arbeitsteilung muß manche
seiner natürlichen Organe stärker entwickeln, manche umbilden.
So mußte zum Beispiel die Entwicklung des Affenmenschen aus
einem Baumfruchtesser in einen Verzehrer von Tieren und
Pflanzen, die auf der Erdoberfläche zu finden sind, mit einer
Umwandlung der Hinterhände in Füße verbunden sein. ...
Wenn die Veränderungen der Gesellschaft imstande sind, den
Organismus des Menschen, seine Hände, Füße, sein Gehirn,
umzugestalten, so können sie noch viel mehr und viel rascher
sein Bewußtsein umwandeln, seine Anschauungen von dem, was
nützlich und schädlich, was gut und böse, was möglich und un—
möglich ist.“
Charles H. Kerr, der eifrige Schreiber und Verleger in
der Sozialistenpartei von Amerika, sagt in der International
Sociafist Rerieh (Septemberheft 1912, S. 195): „Der Sozia—
lismus nach seiner Lehrseite ist Evolution, angewandt auf die
menschliche Gesellschaft. Diese Lehre wurde entdeckt und ent—
wickelt von Marx, Engels und Dietzgen und ist ausgelegt und
volkstümlich gemacht worden durch andere Schriftsteller.“
Und wozu noch viele Belege bringen? Man nehme irgend—
ein Buch von einem anerkannten Sozialisten, das auf die
Grundprinzipien eingeht, so findet man darin die vorhin be—
schriebene Wissenschaft dargelegt und gepriesen als den unwan⸗
delbaren Felsen des Sozialismus.
Wer kein Affenmensch, sondern ein Gottesmensch ist, der
folgt dem Wort, das geschrieben steht Kol. 2, 6: „Sehet zu,
daß euch niemand beraube durch die Philosophie und lose Ver⸗
führung nach der Menschen Lehre und nach der Welt Satzungen
und nicht nach Christo!“ L. S.
——9—————
——. —
Zur kirchlichen Chronik.
In unserer Anstalt zu Milwaukee wurden diesen Herbst
62 Schüler neu aufgenommen, und die Gesamtzahl der Schüler
ist 240. Unsere Anstalt in Conover, N. C., wird von 54 Schülern
besucht, von denen 21 diesen Herbst eingetreten sind. .
Daß die amerikanischen Volksschulen und Colleges ihre
Schüler nicht erziehen, sondern ihnen nur Kenntnisse eintrichtern,
erkannte Präsident Woodrow Wilson schon vor Jahren. Als er
noch Präsident der Princeton-Universität war, sprach er sich in
einer Versammilung von Schulmännern über das Erziehungswesen
unsers Landes folgendermaßen aus: „Die Kinder der letzten zwei
oder drei Jahrzehnte sind nicht erzogen worden, die Schüler unse⸗
rer Colleges auch nicht. Mit aller Erziehung haben wir niemand
unterrichtet, mit allem Unterricht niemand erzogen. Ich habe
seit mehr als zwanzig Jahren unterrichtet, das heißt, ich habe die
Üübungen im Klassenzimmer geleitet, aber wirklich unterrichtet habe
ich in dieser Zeit kaum. Das Unglück ist, daß wir versuchen, ein
wenig von allem zu lehren, aber statt dessen nichts gründlich lehren.
Wir trichtern täglich eine unendliche Masse gleichgültiger Dinge
in die Köpfe der Kinder, aber das heißt nicht unterrichten, und
vom Erziehen haben wir in unserm Schulsystem keine blasse
Ahnung.“ Und seitdem ist's in dieser Beziehung nicht besser, son—
dern schlimmer geworden. G.
Von dem Eifer, mit welchem unser Mittlerer Distrikt für
die Concordia in seiner Mitte sorgt, ist kürzlich an dieser Stelle
die Rede gewesen. Bekanntlich ist dieser Distrikt jetzt an der
Arbeit, für das Gymnasium in Fort Wayne behufs dringend
nötiger Verbesserungen die Summe von §55000.00 aufzubringen,
hat sich also als Distrikt das zur Pflicht gemacht, was von Rechts
wegen die ganze Synode als ihre Pflicht erkennen sollte. Das
ist ein schönes Vorbild. Auch der Atlantische Distrikt hat seine
liebende Fürsorge für die Synodalanstalt in seiner Mitte kürzlich
wieder durch eine aus seiner letzten Sitzung berichtete Handlung
an den Tag gelegt. Das Gymnasium zu Bronxwille hatte noch
eine Schuld von 55000.00. Zur Tilgung dieser Schuld wurden
von den Gliedern des Distrikts in offener Versammlung Beiträge
versprochen und in eine Liste eingetragen mit dem Ergebnis, daß
in ganz kurzer Zeit §3000.00 versprochen waren. Ein Komitee
wurde mit dem Aufbringen der übrigen Summe beauftragt.
Großes hat der Nord-Illinois-Distrikt für die Anstalt der Synode
in River Forest getan. Nach letzten Berichten sind es über
880,000, die in diesem Distrikt für das neue Lehrerseminar
geschenkt worden sind. Dort hat Gott besonders die unermüdliche
Arbeit der Lutheran Education Society mit reichem Segen ge⸗
krönt und durch ihr Werk die Herzen vieler willig gemacht. —
In all diesen Fällen haben Distrikte Opfer gebracht, die weit über
das hinausgehen, was die Synode eigentlich von ihnen hätte er—
warten können. Nehmen wir nun hinzu, was verschiedene Distrikte
an den eigenen Distrikts anstalten schon getan haben, mit
welcher Aufopferung zum Beispiel der Kansas⸗Distrikt sein
College in Winfield (damals noch Distriktsanstalt) gepflegt hat,
wie selbst die geringe Zahl von Gemeinden an der californischen
Küste jetzt den Beschluß gefaßt hat, für das College in Oakland
§535,000 aufzubringen, so ist offenbar, daß in unserer Synode
noch keine Lässigkeit in der Pflege ihrer Lehranstalten einge—
treten ist. Man darf deshalb auch keinen trüben Vorstellungen
Raum geben, wenn der Gedanke an die unversehens so hoch an⸗
gewachsene Synodalkassenschuld aufsteigt. Unsere lutherischen
Christen sind willens, für ihre Anstalten Opfer zu bringen.
Daß die Schuld in der Synodalkasse getilgt werde, dazu ist nur
nötig, daß jede Gemeinde den von einer Pastoralkonferenz aus-⸗
gehenden und in der letzten Nummer des „Lutheraner“ darge⸗
legten Plan zu dem ihrigen macht oder einen andern gottwohl⸗
gefälligen Plan entwirft und dann fröhlich ans Werk geht, ihn
auszuführen. Pflegt man in solch aufopfernder Weise, wie hier
erinnert, in den einzelnen Distrikten die Erhaltung der in den—
selben gelegenen Anstalten, so werden ganz gewiß auch die Herzen
für die Unterstützung der Kasse, auf die alle Synodalanstalten
angewiesen sind, nämlich der Synodalkasse, zu erwärmen sein.
Ist der Notstand einmal bekannt, so wird es auch allenthalben
an ungefragten Gebern nicht fehlen. G.
Ein verregnetes Missionsfest noch einmal. Am 21. Sep⸗
teinber feierte eine Gemeinde von mittlerer Größe im südwest—
lichen Michigan ihr jährliches Missionsfest. Am Tage vorher
fing es an zu regnen und regnete fast ohne Unterbrechung den
ganzen Sonntag. Obwohl nun die Kollekten bei unsern Missions⸗
festen nicht die Hauptsache sein sollten, sondern die Zunahme an
Verständnis für die Mission und an Lust und Liebe dazu, so
werden sie doch unwillkürlich vielfach als eine Art Thermometer
für den Erfolg des Festes angesehen. Wie fiel nun die Kollekte
jener Gemeinde an diesem Regentage aus? über Erwarten gut.
Es kamen etwa 8500.00 ein, das Dreifache der besten früheren
Kollekten. Woher dies schöne Resultat? Auf folgende Weise:
Der Pastor hält das ganze Jahr hindurch wöchentlich Vorträge,
in denen er auch über unsere verschiedenen Missionen und deren
Bedürfnisse handelt. Sodann hatte er etwa zwei Wochen vor dem
Fest durch die Schulkinder einen gedruckten Brief mit seiner ge—
schriebenen Namensunterschrift, begleitet von einem kleinen
Kuvert mit ebenfalls geschriebener Namensaufschrift, an alle kom⸗
munizierenden Glieder der Gemeinde geschickt. Dieser Brief war
English translation
Not yet translated.