Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 11 › Seite 172

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 26. Mai 1914, Seite 172

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17²2

SDen„Tutheranets

lichen Hauslehrer hält, was der Sache nach einer christlichen Ge⸗
meindeschule gleichkommt) trennt den Unterricht in zeitlichen
und ewigen Dingen voneinander, stellt beide nebeneinander, ohne
sie ineinanderzufügen. Nur in der christlichen Volks- oder Ge—
meindeschule wird das Kind wirklich erzogen in der Zucht und
Vermahnung zum SErrn, nur da wird es wirklich „gebildet“,
das heißt, je mehr und mehr erneuert nach dem Bilde des, der
es geschaffen hat.

Weil unsere Synode dies erkannt hat, darum hat sie auch
von allem Anfang an Sorge getragen, geeignete Männer für
die Gemeindeschule auszubilden. Bei deren Ausbildung war
sie selbstverständlich wieder darauf bedacht, daß in dem Unter—
richt auf den Anstalten ebenfalls zusammenbleibe, was nach
Gottes Wort zusammengéfügt bleiben soll, daß die Männer,
die eimnal Kinder aufziehen sollen in der Zucht und Vermah⸗
nung zum SErrn, selbst darin erzogen werden, so daß ihr
ganzes Können, Wissen und Wollen durchdrungen und getragen
ist von der Liebe Christi.

Welchen Erfolg haben wir bei dieser Einrichtung gehabt?
Ist unsere Gemeindeschule ein Segen gewesen für unsere Kirche?

Die mir zugemessene Zeit ist zu kurz, als daß ich diese
Frage in gebührender Ausführlichkeit beantworten könnte. Es
sei daher nur kurz dies gesagt: Unsere christlichen Gemeinde⸗
schulen haben sich so trefflich bewährt, sind ein solch reicher
Segen für unsere Kirche gewesen, daß nicht nur wir selbst,
sondern auch Außenstehende, ja selbst Feinde sich nicht genug
darüber wundern können. Unsere Gemeindeschule ist 75 Jahre
lang eine herrlich blühende Pflanzstätte unserer Kirche gewesen
und ist es heute noch. Ganz unberechenbar ist der Segen, der
durch sie unserer Kirche zugeflossen ist, unberechenbar die Zahl
derer, die direkt oder indirekt durch die Gemeindeschule zur
Erkenntnis der Wahrheit gekommen und bei ihr erhalten wor⸗
den sind.

Der vor Augen liegende Segen, der unserer Kirche durch
die Gemeindeschule zugeflossen ist, legt aber zugleich auch, lau⸗
ter als Worte und Zahlen dies zu tun vermöchten, Zeugnis
für die christliche Tüchtigkeit unserer Lehrerseminare ab. Das
ist der goldene Kranz, den die hiesige Anstalt heute zu ihrem
goldenen Jubiläum auf ihrem Haupte trägt: Die hiesige An⸗
stalt hat in den fünfzig Jahren ihres Bestehens eine 1400 bis
1500 Mann starke Schar von jungen Männern ausgebildet, die
in großer Selbstverleugnung getaufte Christenkinder für das
Erbteil der Heiligen im Licht erzogen haben, Männer, die ihre
Ehre darein gesetzt und dies als den eigentlichen Lohn ihrer
mühsamen Arbeit angesehen haben, daß sie der Kirche des HErrn
dienen, seine Lämmer auf der grünen Aue des Worts weiden
durften, Männer, die in sich vereinigten, was Gott vereinigt
haben will: ein gründliches Wissen in ihrem Fach und die
Furcht Gottes. So ist diese Anstalt der Kirche ein Segen
gewesen, für den wir Gott nimmermehr genug danken können.

2.

Aber nicht nur der Kirche hat diese Anstalt durch die Aus⸗
bildung von Gemeindeschullehrern gedient, sondern auch der
Welt überhaupt.

In keinem andern Ding zeigt sich das zunehmende Ver⸗
derben unserer Zeit in einem solch erschrecklichen Maße wie in
der Entchristlichung und der Entsittlichung der Jugend unsers
Landes. Mord, Selbstmord und andere Schanden und Laster

unter Kindern gehören schon längst nicht mehr zu den Selten—
heiten. Von kindlicher Einfalt, von kindlichem Glauben ist
wenig mehr zu finden. Die Jugend unsers Landes ist teils
verroht, teils aufgeblasen von eitlem Wissen. Wenn die kom—
mende Generation erst ins Leben eintritt, dann wird der Bruch
mit allem Ernsten und Heiligen, die Gewissenlosigkeit und die
Pflichtverachtung noch größer werden, als es jetzt schon der Fall
ist. Vielen ernstgesinnten, umsichtigen Männern auch außerhalb
unserer Kreise graut es davor; es graut ihnen vor diesen Früch⸗
ten einer religionslosen Erziehung in der Freischule.

Um diesem zunehmenden Verderben zu steuern, verfällt
man auf allerlei Mittel. Die Sonntagsschule, allerlei Jugend⸗
vereine, Reformschulen, Jugendgerichte, curfew laws und an⸗
deres mehr soll hier Abhilfe schaffen. Aber selbst von rein
bürgerlich-moralischem Standpunkt aus angesehen, wird durch
alle solche Mittel wenig erreicht. Der verderbliche Riß, den
man in der Jugenderziehung angerichtet hat, indem man die
Schule losriß vom Unterricht in der Religion, läßt sich mit
keiner Patentsalbe und keinem Patentpflaster heilen. Soviel
man ihn auch überkleistert, die schrecklichen Früchte beweisen
immer wieder, daß er noch da ist.

Auch auf diesem Gebiet hat sich unsere Gemeindeschule als
eine segensreiche Einrichtung erwiesen. Sie hat seit fünfund⸗
siebzig Jahren treffliche Bürger und Bürgerinnen herangezogen.
Sie hat dem Staat damit einen Dienst erwiesen, der gar nicht
hoch genug angeschlagen werden kann.

Und auch dieser Segen, der der bürgerlichen Gesellschaft
durch unsere Gemeindeschule zugeflossen ist, beweist die christ⸗
liche Tüchtigkeit unserer Lehrerseminare. Zu dem vorhin er⸗
wähnten goldenen Kranz, den die hiesige Anstalt heute zu ihrem
fünfzigjährigen Jubiläum auf ihrem Haupte trägt, kommt noch
dieser goldene Stern auf ihrer Brust hinzu: Die hiesige An⸗
stalt hat fünfzig Jahre lang bürgerliche Ehrbarkeit und Sitt⸗
lichkeit in unserm Lande in einem Maße erhalten helfen, wie
dies durch sonstige Mittel nicht im entferntesten hätte erreicht
werden können.

Im Dienst der Kirche und der Welt überhaupt war diese
Anstalt fünfzig Jahre lang tätig. Dafür danken wir Gott heute
von ganzem Herzen und geben ihm für all das Gute, das diese
Anstalt geleistet hat, allein die Ehre. Er wolle diese Anstalt
auch fernerhin in Gnaden segnen und sie ein Segen für seine
Kirche und die Welt sein lassen, bis einmal sein heiliger Wille
vollkommen erfüllt wird unter dem neuen Himmel und auf
der neuen Erde, in welchen Gerechtigkeit wohnen wird. Amen.

H. Speckhard.

Vierte Allgemeine Konferenz der missourischen
Missionare in Indien.

Durch Gottes Gnade durften wir wieder eine Allgemeine
Konferenz hier in Indien abhalten. Trotz der mancherlei
Schwierigkeiten, wie schlechte Eisenbahnverbindungen, weite
Entfernungen und dergleichen, konnten doch alle Missionare bei
dieser Konferenz, die vom 6. bis zum 11. Februar dieses Jahres
in Nagercoil, South Travancore, stattfand, zugegen sein. Es
waren ihrer vierzehn, von denen neun in Travancore und fünf
im sogenannten Nördlichen Distrikt tätig sind, die sich am Mor⸗
gen des 6. Februar im Hause P. A. Hübeners zur gemeinsamen

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