Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 11 › Seite 173
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 26. Mai 1914, Seite 173
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Morgenandacht versammelten. Nachdem man so mit Wort
Gottes und Gebet begonnen hatte, schritt man nach der Wahl
P. Freches zum Vorsitzenden und P. Harms' zum Protokollan⸗
ten zu den Lehrverhandlungen. Diese knüpften sich an dem
Tage an eine Arbeit an, die P. Nau der Konferenz über prak⸗
tische Fragen zum sechsten Gebot vorlegte. Das zügellose Leben
der Heiden, die Gottes heiliges Gebot die Ehe betreffend schänd⸗
lich mißachten und mannigfach übertreten, sowie auch die falsche
Praxis andersgläubiger Missionen macht es bei uns besonders
nötig, in Ehefällen eine feste Stellung einzunehmen. Was uns
an der Arbeit besonders beschäftigte, war der Grundsatz, daß
wir unter keinen Umständen es erlauben sollten, daß Mädchen
unserer Gemeinden mit Heiden — das sind solche, die nicht in
geistlicher Pflege stehen — sich verheiraten. Es wurde auch
sehr gewarnt vor Heiraten zwischen Mädchen unserer Mission
und Gliedern der Heilsarmee, da diese die Taufe verachtet und
ihre Anhänger meist so gut wie gar nicht unterrichtet.
Zu einer zweiten Lehrverhandlung lag eine Arbeit vor von
Missionar Zucker über Thesen des seligen D. Schwan betreffs
unevangelischer Praxis.
Für die Geschäftsverhandlungen lag ein ausführliches
Programm vor, das leider nicht ganz durchgeführt werden
konnte, obwohl man die Sitzungszeit noch um einen halben Tag
verlängerte. Es beschäftigte uns vor allem die Notlage, in der
besonders unser Trivandrum-Gebiet infolge von Arbeiter-
mangel sich befindet. Auch das Nordgebiet klagte sehr über
denselben Mangel. Die Verwaltung und der Ausbau des
Bergheims sowie die Versorgung der schulpflichtigen Mis⸗
sionarskinder mit Unterricht auf den Bergen bildete die Grund⸗
lage für ausgedehnte Beratungen. Noch immer ist kein Haus⸗
verwalter und Lehrer für unser Bergheim gefunden worden,
und die Missionare müssen selber sehen, wie sie neben ihrer Mis⸗
sionsarbeit der Verpflichtung ihren Kindern gegenüber nachkom⸗
men. Gott schenke uns bald passende Personen als Hauseltern!
Zur Fortsetzung der übersetzung unsers Synodalkatechis⸗
mus, die P. Nau angefangen hat, wurden weitere Schritte be⸗
raten.
Von Januar 1915 an soll ein kirchliches Blatt in tamu⸗
lischer Sprache, das besonders unsern Christen dienen soll, er⸗
scheinen.
Zum Allgemeinen Sekretär wurde P. G. Hübener und
zu seinem Vertreter P. F. R. Zucker erwählt. Die gemein⸗
samen Mahlzeiten wurden im Hause P. G. Hübeners einge⸗
nommen.
Am Sonntag, den 8. Februar, durften wir alle in Ma⸗
ruchaltalei, etwa zehn Meilen von Nagercoil, fröhliche Kirch—
weih mitfeiern.
Am Nachmittag desselben Sonntags wurde in P. A. Hü⸗
beners Hause ein deutscher Gottesdienst gehalten, in dem uns
P. Stallmann auf Grund von Joh. 1, 6—8 eine Predigt hielt,
in der er uns den großen Zeugen des Lichtes, Johannes den
Täufer, als unser Vorbild vor Augen stellte. An die Predigt
schloß sich eine gemeinsame Feier des heiligen Abendmahls an.
In den folgenden Tagen wurden noch fleißig Geschäfte
erledigt, und am Mittag des 11. Februar konnten wir mit
Dank gegen Gott, der zu unsern Sitzungen seinen Segen gegeben
und uns durch sein Wort und den brüderlichen Verkehr ge⸗
stärkt und erfrischt hatte, unsere Konferenz beschließen.
Geo. A. Naumann.
Kurze Nachrichten aus unsern Missionen.
Innere Mission. Optimo, N. Mex. Was in den
meisten Gemeinden schon längst zur alten, lieben Gewohnheit
geworden ist, das war hier eine ganz seltene Freudenfeier. Es
wurden hier am vergangenen Palmsonntag zum erstenmal in
der Geschichte dieser kleinen Gemeinde vier junge Christen kon⸗
firmiert. Und weil dies unsere erste lutherische Konfirmation
im Staate New Mexico war, so sei es hier berichtet. Gott
möge in Gnaden diese jungen Erstlingskonfirmanden im Glau⸗
ben treu und in der Liebe tätig erhalten und uns auch in
diesem Staate noch viele weitere Klassen in sein Streiterheer
einreihen lassen!
Es sind nun mehr als fünf Jahre vergangen, seit in Al⸗
buquerque, der größten Stadt dieses Staates, unsere Mission
im Interesse von 15 Seelen und durch freundliche Unterstützung
des Kansas⸗Distrikts in Angriff genommen werden konnte. Vor
mehr als drei Jahren wurde der Mittelpunkt des Gebietes nach
Optimo verlegt, wo sich eine kleine Kolonie Farmer nieder⸗
gelassen hat, ein Kirchlein und Pfarrhaus gebaut und eine Ge⸗
meinde organisiert worden war. Von Optimo aus, an der
Hauptlinie der Santa Fe⸗Bahn hinauf, hinunter, an einer
Strecke von 250 Meilen, wurde, wo sich Gelegenheit bot, in
diesen Jahren missioniert. Die folgenden sind unsere jetzigen
Stationen mit Angabe der Entfernung von Optimo: an der
Bahn nördlich bis an die Südgrenze Colorados: Levy (zwan⸗
zig Meilen), Springer (vierzig Meilen), Cimarron (siebzig
Meilen), Raton (achtzig Meilen); an der Bahn südlich: Las
Vegas (35 Meilen), Albuquerque (170 Meilen). An den vier
letztgenannten Orten wurde im vergangenen Jahre regelmäßig
einmal im Monat gepredigt. In Las Vegas steht eine Klasse
im Konfirmandenunterricht. Die beiden erstgenannten Orte
sollen auch monatlich besucht werden. Der treue Gott hat auch
hier sein Werk gesegnet. Es stehen jetzt etwa 180 Seelen mit
uns in Verbindung. Freilich, es geht nur langsam voran. Wir
müssen mit kleinen Häuflein und geringen Erfolgen zufrieden
sein. Das Missionsland in New Mexico und andern Rocky
Mountain⸗Staaten hat viel mageren, steinichten Boden. Des⸗
wegen hat Gott in seiner Güte in den angrenzenden Staaten
nach Osten viel guten, fetten Missionsboden geschaffen und so
manche Gemeinden mit Missionssinn und »eifer entstehen und
erstarken lassen, die nun mit großer Geduld und Opferwillig-
keit und mit Erfolg das Missionswerk in den Gebirgsstaaten
rüstig weiterführen. Und wie wird ihr Liebeswerk anerkannt
und aufgenommen? Sie findet viel dankbare Herzen. Viel
durstige Seelen hören mit Freuden die langentbehrte Predigt
des süßen Evangeliums.
Schreiber saß vor einer Reihe von Jahren eimnal in Min⸗
nesota in der Kirche und hörte eine schöne Missionspredigt.
Von dem Inhalt derselben weiß er nichts mehr. Er erinnert
sich nur, wie der Prediger eine feine kleine Geschichte so rührend
erzählte, wie ein Reiseprediger zu einem einsamen Farmhaus
kommt und sich als lutherischen Pastor vorstellt, wie aber die
Leutlein es zuerst nicht glauben wollen, denn sie hatten schon
lange vergeblich gewartet und waren oft angeführt worden von
„geistlichen tramps“, aber doch schließlich Zutrauen gewinnen
und dann in Freudentränen ausbrechen. Wie er dieses so an⸗
hörte, da dachte er in seinem Herzen — das will er aufrichtig
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