Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 11 › Seite 176
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 26. Mai 1914, Seite 176
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176
Ner TutheranetS
abzuliefern. Aus den Antworten, die wir erhielten, sei den
Lesern jetzt einiges mitgeteilt. ö
Eine kleine Gemeinde in M., Jowa, feierte letzten Herbst
Missionsfest, und die Kollekte betrug der Meldung im „Luthe⸗
raner“ gemäß 874.01. Darum befragt, wie es sich hiermit ver⸗
halte, antwortete der Pastor der Gemeinde folgendes: „Um
meine Leute zur Liebe für die Ausbreitung des Evangeliums zu
erziehen, habe ich kein anderes Mittel gebraucht als Gottes Wort
privatim und öffentlich. Was ich erfahren habe, beweist aller⸗
dings, daß Gott noch heute durch sein Wort Wunder tut. Als ich
im September 1912 vom Seminar aus diesen Beruf annahm,
zählte M. dem Namen nach 12 Glieder. Kirchenbesuch: 3 bis
15 Personen. Keine Kollekten, keine Missionsfeste; man glaubte,
nicht einmal der Gehalt könne aufgebracht werden. Die Filiale
in A. zählte 8 Glieder. Dann habe ich Gesetz und Evangelium
gepredigt und den Leuten die Liebe Gottes gezeigt und habe sie
aufgefordert, um IEsu, ihres Heilandes, willen alles zu tun, was
in ihren Kräften stehe, nicht mehr und auch nicht weniger. Das
ist das Mittel, das ich angewandt habe, weiter nichts. Die Frucht
konnte nach Jes. 55, 10. 11 nicht ausbleiben. Das Missionsfest
in der Zweiggemeinde in A. war verregnet; nur 9 Familien
waren zugegen. Die Kollekte betrug §556.74.“ Ein anderer
Pastor, dessen Gemeinde ebenfalls dem Jowa⸗Distrikt angehört,
schrieb auf Anfrage folgendes: „Sie fragen mich, wie ich das
gemacht habe, von 105 Kommunizierenden §740 für auswärtige
Zwecke aufzubringen.“ (Der Leser sieht, daß dieser Beitrag
7 Dollars pro kommunizierendes Glied ausmacht, also beinahe
das Fünffache des Durchschnittsbeitrags in unserer Synode.
Daher die Anfrage. Nun die Antwort:) „Ich habe keine be⸗
sondere Methode, Geld aufzubringen. Ich habe das Herz, meine
Leute für den Zweck des Heilandes anzureden. Ich lege
ihnen die Sache mit schlichten Worten vor, für die ich sammeln
will, und zeige ihnen, wie wir aus Dankbarkeit für Gottes Schutz
und Segen geben sollten. Zum Beispiel: Als die Wasserfluten
und Stürme unser Land heimsuchten, hatten wir in der nächsten
Woche Gemeindeversammlung. Da sagte ich: „Ich habe das Ge⸗
fühl, daß wir aus Dankbarkeit dafür, daß wir so gnädig behütet
worden sind, daß wir einen köstlichen, so sehnsüchtig gewünschten
Regen bekommen haben, hier sofort etwas für diese Leute tun
sollten. Wie wollen wir das nun machen?“ Sofort sagte einer:
„Gleich eine Liste herumschicken!“ Die Folge war: §146. Und
meine Leute sind nicht reich. Ich habe nur 28 Familien, und das
ist alles, was hier ist. Man sei nicht so zaghaft, sondern lege es
getrost den Leuten ans Herz, wenn der Heiland ihrer Hilfe be—
darf.“ Aus Süd⸗Illinois schrieb ein Pastor um dieselbe Zeit:
„Sie fragen, wie es zugegangen ist, daß meine Gemeinde §1049
für auswärtige Zwecke aufgebracht hat.“ (Es machte das näm⸗
lich pro kommunizierendes Glied 2 Dollars.) „In den letzten
beiden Jahren haben sich unsere Missionsfestkollekten allerdings
fast verdoppelt. Vielleicht kam es daher, daß ich etwa zwei Wochen
vor dem Fest einen Vortrag hielt über die verschiedenen Missions⸗
felder und deren Bedürfnisse. Auch haben wir das Duplex En-
velope-System eingeführt. Obwohl immer noch an die zwei
Fünftel unserer Glieder es nicht gebrauchen, so sind doch in dem
halben Jahre etwa 8150 mehr eingegangen als sonst.“ Ein
anderer Pastor, der dem Michigan-Distrikt angehört, fügte seiner
Notiz über das letztjährige Missionsfest folgende Bemerkung bei:
„S487 kollektiert — noch nie dagewesen! Ursache der Kollekte:
Missionsvorträge über die verschiedenen Missionen an Wochen⸗
abenden, ferner ein gedruckter Bric don mir an jedes der kom⸗
munizierenden Glieder vor dem Fest, Vorbereitungspredigt an
dem Sonntag vorher, endlich Kuvertsystem. Kollekte letztes Jahr:
§5176. Let the pastors go before the people.“ Eine Gemeinde
im Staate New York, die 387 kommunizierende Glieder zählt und
fast durchweg aus Arbeitern besteht, brachte letztes Jahr 8876
für auswärtige Zwecke auf, also auch weit mehr als den Durch⸗
schnittsbeitrag. Der Pastor schreibt: „Meine Gemeinde hat ihre
Gaben für auswärtige Zwecke seit Einführung des Duplex-
Systems vervierfacht. Die Kuverte allein haben das allerdings
nicht zuwege gebracht.“ Ganz gewiß nicht! Das Kuvertsystem
bewährt sich ausgezeichnet, wenn 1. dem Christenvolk das Evan⸗
gelium rein und lauter gepredigt und so die Liebe zum Werk des
Heilandes geweckt wird, und 2. wenn unser Christenvolk auch mit
den Bedürfnissen der verschiedenen Missionen und dem Stand
der Kassen vertraut gemacht wird. Wo unsere kirchlichen
Zeitschriften gelesen und den Gemeinden von ihren Pasto⸗
ren so, wie in den oben angeführten Fällen geschehen, die Not
der Kirche geschildert wird, da werden es unsere Christen nicht
nlassen, daß große Missionsfelder aus Mangel an Geld unbesetzt
bleiben und die Arbeiter, die unsere Gemeinden in diesen Dienst
gestellt haben, Hunger leiden müssen. G.
Das Haupt der „Russelliten“ entlarvt. Der vielgenannte
Lügenapostel „Pastor“ Charles T. Russell strengte letztes Jahr
einen Verleumdungsprozeß an gegen Rev. J. J. Roß, einen
Baptistenprediger in Hamilton, Ontario, Canada. Rev. Roß
hatte folgende Behauptungen aufgestellt: daß Russell nie eine
höhere Schulbildung genossen habe; daß er in der Philosophie
und Theologie fast gänzlich unbewandert sei; daß er von den
alten Sprachen nichts wisse, obgleich er behauptet hatte, er kenne
sie; ferner, daß er nie als Prediger ordiniert worden und mit
keiner kirchlichen Benennung verbunden sei; daß er zu keiner
evangelischen Kanzel, weder in Amerika noch in irgendeinem
andern Landre, zugelassen werden könnte, wo man ihn und seine
religiösen Schriften kenne; daß seine Frau sich von ihm habe
scheiden lassen müssen wegen nachgewiesener ungebührlicher Ver⸗
hältnisse mit andern Frauen; und daß er ein Eigentum im Werte
von 35,000 Dollars für 50 Dollars veräußert habe, um die
Ansprüche seiner geschiedenen Frau darauf zu verhindern. Auf
diese Aussagen hin verklagte „Pastor“ Russell den Baptisten⸗
prediger vor dem canadischen Gericht. Die Klage kam auch zur
Verhandlung; doch geht aus den Berichten über den Prozeß
hervor, daß „Pastor“ Russell auf jede mögliche Weise dem Verhör,
das er selbst geleitet hatte, auszuweichen suchte, daß er aber, als
er schließlich auf dem Zeugenstande auftrat, verschiedene frühere
Aussagen, die er gemacht hatte, als unwahr widerrufen mußte,
und daß die verschiedenen Gesellschaften, die er gegründet hat,
nur von ihm selbst kontrolliert werden. Dieses Verhör fand in
Hamilton, Canada, statt. Die Großgeschwornen haben am
1. April 1913 eine Entscheidung gegen Russell abgegeben.
Alle Behauptungen des Rev. J. J. Roß gegen ihn sind aufrecht⸗
erhalten worden. „Pastor“ Russell hat aus wohlweislichen Grün⸗
den den Fall in den canadischen Gerichtshöfen nicht weitergeführt.
G.
Römische Anmaßung. In Winnipeg, Can., wurde am
16. April ein großes katholisches Festessen abgehalten. Als be⸗
kanntgegeben wurde, daß von den Personen, deren mit einem
Ehrentrunk (toast) gedacht werden sollte, der Papst an erster und
der Landesherrscher, der König von England, an zweiter Stelle
stand, weigerte sich eine Anzahl der prominentesten Gäste, dar⸗
unter auch einige hohe Landesbeamte, dem Festessen beizuwohnen.
Man einigte sich dann dahin, daß die Festlichkeit mit der Landes⸗
hymne „God Save the King“ ihren Anfang nahm und die Lob⸗
rede auf den Papst darauf folgte. Die Lobrede auf den König
wurde vom Programm gestrichen. Doch unterließ einer der katho⸗
lischen Redner, Bischof Fallon von London, nicht, gegen die Tren⸗
nung bon Kirche und Staat, wie sie in Canada besteht, seine
Stimme zu erheben und die Lehre, daß der Papst über allen
Regierungen stehe, vorzutragen. Bischof Fallon sagte wörtlich:
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