Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 11 › Seite 177
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 26. Mai 1914, Seite 177
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unzucht
Ser utheraners
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„In einem katholischen Land muß das Verhältnis der Obrigkeit
zur Kirche ein offizielles sein. Wo die geistlichen Interessen der
Kirche in Frage kommen, muß der Staat weichen, wenn die Ver—
einigung von Kirche und Staat so besteht, wie sie bestehen sollte.
Kirche und Staat müssen zusammengehen. Daß sie getrennt sein
sollen, ist ebenso unnatürlich, wie wenn Mann und Frau ge—
trennt sein sollten. Früher bestand ein harmonisches Zusammen—
arbeiten der Kirche mit dem Staat, aus dem beide, besonders aber
der Staat, Nutzen gezogen haben.“ Damit ist in dürren Worten
ausgesprochen, wie die katholische Kirche über die Trennung von
Kirche und Staat, wie sie auch in unserm Lande besteht, urteilt.
Ihr gilt diese Trennung als „unnatürlich“. In seinem Toast
auf den Papst erklärte Erzbischof Langevin, es gäbe keine höhere
Majestät auf Erden als den Papst; denn der sei ja „der Stell⸗—
vertreter JEsu Christi auf Erden und sei das Haupt der gesamten
Christenheit“. Dem Berichterstatter einer Zeitung gegenüber er—
klärte der Erzbischof: „Die höchste Autorität in der Welt ist der
Papst. Wir sind dem König treu, aber der Papst kommt zuerst.“
Erfreulich ist, daß sich die canadischen Zeitungen nicht scheuten,
dieser Anmaßung der Klerisei entgegenzutreten und vor allem
auch auszuführen, daß die Vereinigung von Kirche und Staat
für die Länder, wo sie bestand, unsägliches Elend im Gefolge
gehabt hat. G.
Einen großen Anteil an der Verbreitung des Evangeliums
unter den Heiden hat die Verbreitung der Bibel. Die Britische
und Ausländische Bibelgesellschaft hat im Jahre 1912 7,899,562
Bibeln und Bibelteile verbreitet, davon über eine Million in
In dien, 1.868,000 in China, 330,000 in Japan, 200,000 in
Hinterindien usw. In China hält sie die Heilige Schrift in
470 verschiedenen Ausgaben feil. Im letzten Jahre konnte sie
wieder 10 neue übersetzungen ihrem Bibelkataloge hinzufügen,
so daß dieser jetzt 450 Sprachen enthält. „Der HErr wird pre—
digen lassen in allerlei Sprachen.“ Ein Agent der Britischen
Vibelgesellschaft verkaufte kürzlich in der afrikanischen Stadt Tim-—
buktu zwei Esellaͤdungen arabischer biblischer Bücher; und wäre
sein Vorrat noch größer gewesen, so hätte er noch mnehr absetzen
können. In Johannisburg, der Goldstadt Südafrikas, wird die
Bibel wegen der Vielsprachigkeit der dort zusammenströmenden
Menschheit in hundert Sprachen verkauft. Auf dem letztjährigen
indischen Nationalkongreß in Bankipur hatte die Britische Bibel⸗
gesellschaft auf einem Tische ihre übersetzungen der Heiligen Schrift
in 60 verschiedenen indischen Sprachen zum Verkauf ausgelegt.
Aber nur verhältnismäßig wenig Bibeln wurden gekauft. Was
war die Ursache? Die meisten Abgeordneten — zum größten
Teil Heiden oder Mohammedaner — erklärten, daß sie die Bibel
schon besäßen. Das ist auch ein Zeichen der Zeit. Ebenso fol⸗—
gendes Ereignis: Im Juni vorigen Jahres statteten 19 Neger—
häuptlinge aus Nigeria in Afrika dem Londoner Bibelhaͤuse einen
Besuch ab, um dort einmal persönlich ihren Dank für die Gabe
der Bibel in ihrer Muttersprache abzustatten. In seiner An-—
sprache sagte der Häuptling Edun unter anderm: „Wenn wir
ein gemeinsames Gefühl haben, so ist es das, daß dieser Platz,
von dem das Wort Gottes in allen Sprachen in alle Welt geht,
der Mittelpunkt der Erde ist. Die Wirkung der Bibel mag in
einem christlichen Lande wie England nicht so handgreiflich sein,
wo alles licht ist (da hat der liebe Mann wohl zu hell gesehen!],
aber desto mehr sieht man sie in einem Lande wie dem unsern,
wo so viel Finsternis ist. Wir bitten Gott, daß er das Werk,
das an dieser Stätte getan wird, auch weiter segnen wolle.“ So
bezeugen diese wackeren Männer die göttliche Kraft der Bibel.
die man in der Christenheit verachtet und verlästert. Auch die
Verbreitung der Bibel unter den Heiden bestätigt die Wahrheit
des Wortes Christi, daß vor dem Ende der Welt das Evangelium
vom Reich in der ganzen Welt gepredigt werden soll. Sie mahnt
uns auch: „Siehe, der Richter ist vor der Tür!“ (Freikirche.)
Aus den letzten Tagen des Philosophen Fichte.
Des 29. Januar, als des hundertsten Todestages Joh. G.
Fichtes, wurde in verschiedenen deutschländischen Wechselblättern
gedacht. Der „Alte Glaube“ erinnert an ein merkwürdiges Ge⸗
spräch, das Fichte in den letzten Tagen seines Lebens mit dem
edlen Baron Kottwitz hatte. Kottwitz hatte aus einem ihm selbst
unerklärlichen Drange den ihm bis dahin persönlich unbekannten
großen Philosophen aufgesucht, um dessen Meinung über das
Gebet zu hören. Fichte hatte das Gebet mehr für eine schöne
Sache des Kindes erklärt, ihm aber dann die Frage vorgelegt,
was er denn vom Gebet halte. Darauf hatte der alte fromme
Mann in seiner einfältigen Weise erwidert: „Ach, Herr Pro—
fessor, wenn ich morgens erwache, und der Tag liegt vor mir
mit all seinen Pflichten und Anforderungen, dann fällt mir der
Gedanke an meine Schwäche und an mein sündliches, zur Träg⸗
heit und Lieblosigkeit geneigtes Herz wie eine Last auf meine
Seele, und da kann ich nicht an das Tagewerk gehen, ohne meinen
Gott und HErrn um seinen Beistand und un seine Kraft gebeten
zu haben. Und wenn ich des Abends mich niederlege und an den
vergangenen Tag zurückdenke, dann ist mein Tun so hinter dem
Wollen und mein Wille so hinter Gottes heiligem Willen und
Gebot zurückgeblieben: da habe ich es an selbstverleugnender
Liebe so oft fehlen lassen, meinen Nächsten durch Empfindlichkeit
gekränkt usw., daß ich nicht ruhig würde einschlafen können, wenn
ich meinen HErrn und Heiland nicht zuvor um Vergebung ge⸗
beten hätte.“ Fichte antwortete, ernst vor sich hinsehend, nur:
„Herr Baron, ich wollte, ich wäre so weit wie Sie!“ und als
es wenige Tage nach dieser Unterredung mit ihm zum Sterben
kam, da wußte er für seinen einzigen Sohn keinen besseren Vor⸗
mund als den Pietisten Kottwitz, mit dem er in seinem ganzen
Leben diese einzige kurze Begegnung gehabt, von dem er aber
wohl für seine Todesstunde das Beten zu dem Heiland der
Sünder gelernt hatte.
Ein Glaubenszeuge.
Zur Zeit der Verfolgung der Reformierten in Frankreich
war auch der hugenottische Prediger Rugére verhaftet worden
und sah seinem Tode entgegen. Eines Tages gelang es einem
seiner Freunde, Zutritt zu ihm zu erhalten. Als dieser sich
wieder verabschiedete, fand er den Wärter in tiefem Schlafe.
Er teilte dies Rugére mit, und beide gingen bis an das Tor
des Gefängnisses, das sie mit den Schlüsseln des Wärters öffneten.
Der Freund forderte den Prediger auf, mit ihm zu entfliehen.
da die Gelegenheit offenbar von Gott angeboten sei. Aber
Rugéère entgegnete: „Und was wird dann aus dem Wärter?
Sie werden ihn töten, wenn ich entfliehe, und er hat mich stets
freundlich behandelt. Nein, das sei ferne von mir! Meinen
Leib können sie töten, aber unsern Glauben können sie doch nicht
aus der Welt schaffen.“ Er warf dann noch einen langen, sehn⸗
süchtigen Blick in die Nacht hinaus, verschloß das Tor wieder und
kehrte in seine Zelle zurück. Eine Woche darauf verließ er das
Gefängnis, aber um zum Tode geführt zu werden.
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Der Scheinchrist.
Wer keine Dornen der Sünde sieht, die sich tief ins Herz
der Menschheit drücken, was soll dem ein Mann, der aus Liebe
und Erbarmen in die Dornen gegangen ist und aus ihnen sein
verlornes Schaf gezogen hat, und dem als einziges Zeichen seiner
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