Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 16 › Seite 253

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 4. August 1914, Seite 253

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durchdrungen ist? wenn falschgläubige Lehrer ihre falschen reli⸗
giösen Anschauungen durchmerken lassen und Repräsentanten
des Sektentums die Kinder beeinflussen, so daß sie zuletzt allen
Geschmack am lutherischen Kirchenwesen verlieren? wenn im
Schreibunterricht ein widerchristlicher Satz an die Tafel zum
Abschreiben gegeben wird? Ein einziger Satz wie dieser: „Kin⸗
der, ihr müßt nicht alles glauben, was in der Bibel steht“, kann
die ganze Arbeit eines lutherischen Pastors wieder untergraben.
Wir wollen, daß unsere Kinder auch in weltlichen Fächern nichts
Widerchristliches hören und lernen. Wir mögen den Unterricht
auch in weltlichen Fächern nicht gern solchen Lehrern anver—
trauen, in deren Herzen Gottes Wort nicht herrscht und regiert.
Der ganze Unterricht, auch in weltlichen Fächern, muß ein christ⸗
licher sein.

Das ist der eine Grund, warum wir eine solche Ausein—
anderreißung von weltlichem Unterricht und Religion nicht be—
fürworten. Das zweite aber, was wir gegen diesen Plan, daß
der Staat die weltlichen Fächer und die Kirche die Religion über—
nehme, einzuwenden haben, ist dieses, daß dann der Unterricht
in der Religion bei weitem zu kurz kommt. Der Staat nimmt
die Kinder fünf Tage von 9 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmit⸗—
tags. Was bleibt der Kirche noch übrig? Christenlehre, Sonn—
tagsschule und Konfirmandenunterricht. Im folgenden wollen
wir nachweisen, wie unbefriedigend auch diese Mittel sind, wenn
sie die Gemeindeschule ersetzen sollen. E. E.

Wie verhelfen wir armen Gemeinden zu einem
Kircheneigentum?

Das soll an einigen Beispielen erklärt werden.

Der Pastor der Gemeinde zu H., Canada, schrieb vor
einem Jahre an die Kommission für die Allgemeine Kirchbau—
kasse: „Meine Leute sind lauter Anfänger hier in Canada.
Die meisten sind froh, daß sie diesen Winter über etwas zu
essen haben. Aber sie tun ihr Bestes, damit hier eine gute
Gemeinde entsteht. Es sind uns etwa §100 für den Kirchbau
versprochen worden, und doch sind alle Glieder sehr arm. Wir
bitten nicht um eine große Summe, obwohl wir nicht wissen,
wo das übrige herkommen soll. Das Gebäude wird gegen
5700 kosten, und die Gemeinde kann nicht mehr aufbringen
als §100. Gegen Ende des Jahres hoffen wir, mehr tun zu
Die Aussichten der Gemeinde sind gut. Seit Sep⸗
tember 1913 hat die Gliederzahl merkwürdig zugenommen,
und mehrere andere haben schon ihr Aufnahmegesuch einge—
reicht. Andere warten auf die Vollendung des Gebändes, und
Walle warten sehnlichst auf Eröffnung der Schule. Die Lum-
ber Co. hat versprochen, uns 15 Prozent Rabatt zu gewähren,
1K wenn wir das Holz gleich bezahlen.“

ö Der Gemeinde wurden damals 8350 aus der Allgemeinen
Kirchbaukasse geliehen.

Der Gemeinde in M., Sask., wurden im Februar 1913
8650 vorgestreckt, um sie zu ermöglichen, einen nötigen Kirch⸗
bau vorzunehmen. Nach einem Jahre bat sie noch einmal um

weitere §550, die die Kommission ihr aber nicht geben konnte,

weil sie schon die Hälfte der Kosten des Baues von ihr be—
Daraufhin verwandte sich die Missionskom⸗
mission des Minnesota⸗Distrikts für sie und schrieb unter an⸗
derm: „Es muß etwas getan werden, um das Eigentum der

Synode zu erhalten. Wir möchten die Kommission bitten, uns
5700 vorzustrecken; wir werden das Geld dann an M. über—
geben.“ Nachdem dem Distrikt Hilfe zugesagt worden war,
wurde geschrieben: „Wir danken Ihnen herzlich dafür, daß
Sie wieder helfen wollen. Die Not in M. ist groß, und
Canada ist jetzt ganz von Ihrer Kasse abhängig. Ohne Ihre
Hilfe würde das Werk in Canada sehr leiden.“

Aus North Dakota wurde der Kommission geschrieben:
„In W., N. Dak., ist eine Missionsgemeinde, die sehr unter
Opposition gelitten hat. Letztes Jahr zählte sie 14 Glieder,
jetzt nur 6, die aber treu zu uns halten. Die neuen Ansiedler
könnten wir leicht für uns gewinnen, wenn wir eine Kirche
hätten. Auch würden manche von den uns untreu Gewordenen
wieder zu uns kommen. Ohne Kirche ist einfach kein Anfang
zu finden. Wenn W. jetzt nicht geholfen wird, so wird der
Missionssache ein großer Schaden entstehen. Bekommen wir
jetzt kein zinsfreies Geld, so müssen wir es in W. gehen lassen,
wie es geht. Die uns treu gebliebenen Glieder werden bald
schwach und des Kampfes müde, und wir haben dann alles
verloren. Was wird Gott dazu sagen? Helft uns um Christi
willen!“ Nachdem dem North Dakota- und MontanadDistrikt
5700 für die Gemeinde leihweise zugesagt worden waren, hieß
es: „Ihren Brief mit herzlichem Dank erhalten. Aber unsere
Missionskommission hat noch ein schweres Rechenexempel aus⸗
zurechnen. Es fehlen uns noch §700. Die Gemeinde in W.
bringt auch einen Teil des Geldes auf; aber wir müssen immer
noch auf §500 rechnen, die wir nicht haben. Doch lassen wir
Gott sorgen. Die Hauptsache ist, daß wir sein Reich aus⸗—
breiten.“

(Hier, wie im nachfolgenden, handelt es sich nicht um
ein Geschenk an die notleidende, Gemeinde, sondern um
eine Anleihe. Unsere Allgemeine Kirchbaukasse leiht
Gelder an arme Gemeinden, die im Kirchbau begriffen sind.)

Die Kommission für Fremdsprachige Missionen schreibt
uns: „Vor etwa einem Jahre begann Missionar Klemmer in
Bogota, N. J., eine Mission unter den Finnen, deren es dort
etwa 500 geben soll, und weil die Wohnungsverhältnisse dort
bedeutend billiger sind als in der Großstadt, so zog er mit
Zustimmung der Kommission dort hinaus. Mit Hilfe seines
Bruders und mit finanzieller Unterstützung seitens der Ver—
wandten seiner Frau baute er sich dort ein Haus, wobei er und
sein Bruder die meiste Arbeit lieferten. Das Haus dient in
seinen unteren Räumen zugleich als Gottesdienstlokal für die
Finnen und für einige Deutsche, die in der Nachbarschaft
wohnen und von P. Pebler bedient werden. Durch diesen
Bau hat P. Klemmer der Mission einen großen Dienst er—
wiesen, indem er ihr dadurch monatlich etwa §35 an Miete
spart. Doch hat er auf dem Anwesen noch eine Schuld von
52000. Es ist nicht gerecht, daß wir den Mann, der schon so
viele persönliche Opfer für die Mission gebracht hat, diese Last
allein tragen lassen. Das Gebäude ist sehr solid und dauer—
haft gebaut.“ — Hier sollte auf jeden Fall geholfen werden.
Wer ist dazu bereit? Die Kirchbaukasse ist leer.

Aus H., Minn., gelangte ganz kürzlich diese Bitte an
unsere Kommission: „Seit wir in H. angefangen haben, hat
sich eine evangelische Gemeinde aufgelöst und ihr Kircheneigen—
tum zum Verkauf ausgeboten. Wir gedachten erst zu bauen;
als aber die evangelische Gemeinde hiervon Nachricht bekam,
bot sie uns ihr Kircheneigentum zu einem billigen Preis an,

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