Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 16 › Seite 255
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 4. August 1914, Seite 255
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8 er „Tutherante 256
und Zügel angelegt. Das ist sicherlich wahr! Diesen Segen
aber können und sollen alle christlichen Familien haben. Wie
steht es in deinem Hause mit der Hausandacht, lieber Leser? —
Jemand hegt den Wunsch, daß die lutherische Kirche doch so reich
wäre wie die katholische. Dazu wäre zu sagen: In den Statisti⸗
ken, die uns zu Gebote stehen, wird behauptet, daß die Prote⸗
stanten durchschnittlich reicher seien als die Katholiken. So wird
zum Beispiel von dem Großherzogtum Baden in Deutschland be⸗
richtet, daß die Protestanten in diesem Lande viermal reicher
seien als die Katholiken. Wir verbürgen uns nicht für die Rich⸗
tigkeit dieser Statistik. Aber fest steht dies: Wenn wir Mangel
an Mitteln für die Zwecke der Kirche zu verzeichnen haben, so
hat dies nicht in unserer Armut seinen Grund. Wir würden
nur uns selbst täuschen, wenn wir uns das einreden wollten.
Wir könnten stets alle Kassen zum überfließen gefüllt haben, ja
auch Prachtbauten aufführen, die die der Katholiken noch über⸗
treffen, wenn wir aus Dankbarkeit für die Wahrheit des Evan⸗
geliums so viel willig geben würden, wie die Katholiken aus Angst
vor dem erdichteten Fegfeuer sich auspressen lassen. — Wäre es
nicht besser, wenn die schlichten Christen sich möglichst wenig an
dem Kampf wider falsche Lehre beteiligten und diesen Kampf
den Pastoren und Professoren überlieen? Antwort: Freilich
sollen die öffentlichen Lehrer der Kirche besonders geschickt sein,
»zu ermahnen durch die heilsame Lehre und zu strafen die Wider⸗
sprecher“, Tit. 1, 9. Aber nicht nur den Pastoren und Pro⸗
fessoren, sondern allen Christen gilt die Mahnung: „Sehet euch
vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch
kommen!“ Matth. 7, 15. Ja, die Schrift mutet den Christen
insgemein die Fähigkeit zu, auch mit den Philosop hen fertig
zu werden. Denn so heißt es Kol. 2, 8: „Sehet zu, daß euch
niemand beraube durch die Philosophie und lose Verführung nach
der Menschen Lehre und nach der Welt Satzungen und nicht nach
Christo.“ Auf den Einwurf eines schüchternen Christen, er könne
doch, namentlich gelehrten Leuten gegenüber, die Richtigkeit der
christlichen Lehre nicht beweisen, antwortet Luther: Der
Christ hat jedermann, auch Gelehrten gegenüber, die christliche
Lehre genugsam bewiesen, wenn er nur Gottes Wort
anführt. Luther fügt hinzu: „Wenn die Leute (das an⸗
geführte Wort Gottes) nicht glauben wollen, so sollst du still⸗
schweigen; denn du bist nicht schuldig, daß du sie dazu zwingest,
daß sie die Schrift für Gottes Buch oder Wort halten; es ist
genug, daß du deinen Grund darauf gibst.“ (Zu 1 Petr. 3, 15.
St. Louiser Ausg. IX, 1238.) Christen und auch die Theologen
sollen sich von Wortzänkereien, die aus Eitelkeit kommen, fern⸗
halten. Aber um die rechte, reine Lehre sollen sie alle miteinander
mit großem Ernst kämpfen. Dazu macht sie der Heilige Geist
auch tüchtig, wenn sie mit Gottes Wort täglich umgehen, wie
es ihr Christenstand mit sich bringt. — Sollten wir nicht den
„Zehnten“ als unberbrüchliche Ordnung in der Synode ein⸗
führen? Das können wir als Kirche nicht, weil es nicht in
Gottes Wort geboten ist. Im Alten Testament war der Zehnte
göttliche Ordnung. Im Neuen Testament ist die Größe der
Gaben für die Kirche und das Evangelium in die christliche Frei⸗
heit gestellt. Aber auch Luther erklärt es für eine treffliche und
empfehlenswerte Weise, wenn jeder Christ für sich in christlicher
Freiheit etwa den Zehnten seines Einkommens gibt. Er hat auch
nichts dagegen, wenn der Christ noch mehr gibt. Die Sache sei
es wert. Jene Witwe hat bei einer Gelegenheit hundert Prozent
gegeben. Luther warnt immerfort, daß die Christen die Freiheit
vom Zehnten ja nicht zum Deckel der Bosheit gebrauchen, indem
sie danach trachten, nun möglichst wenig zu geben. Das wäre
eine Verspottung Gottes. Luther gibt auch einen guten Rat,
wie wir unser träges, böses Fleisch behandeln sollen. Wenn wir
nach dem Fleische unlustig sind zum Gebet oder Kirchengehen,
dann warten wir nicht, bis wir dazu Willigkeit verspüren, son⸗
dern fangen flugs an zu beten und zur Kirche zu eilen. Wir⸗
sollten nie schneller zur Kirche gehen, als wenn wir keine Lustz
dazu bei uns verspüren. Eine gleiche Behandlung des bösen
Fleisches ist am Platze, wenn es unser Geben für das Evan⸗
gelium verhindern will. Dann sollen wir erst recht schnell und
sehr reichlich geben. Die Empfindung der Willigkeit und Freude
bleibt dann in der Regel nicht lange aus. P.
Unsere Missionen. Wir kommen dem Wunsch mehrerer
Leser nach, indem wir die in diesem Jahre für die verschiedenen
Missionen nötigen Summen jetzt, zur Zeit der Missionsfeste,
noch einmal bekannt machen. Nach den von der Delegaten⸗
synode gefaßten Beschlüssen sind die folgenden Totalsummen für
die verschiedenen Missionen nötig: Allgemeine Innere Mission
840,000; Heidenmission: 842,000; Brasilien: §30,000; Taub⸗
stummenmission: 86600; Fremdsprachige Missionen: 87000;
Indianermission: 56000; Judenmission: 52200; Europäische
Freikirche: 86000; Neuseeland: 81400; London: 8800; Emi⸗
grantenmission: 83000. G.
Nochmals das Kruzifix auf dem Altar. Der „Lutheraner“
berichtete kürzlich, daß ein Schreiber im Lutheran Observer der
Generalsynode (D. Dornblaser) das Kruzifix auf dem Altar für
eine übertretung des ersten Gebots und für ein Überbleibsel aus
dem Mittelalter erklärte. Es freut uns nun. mitteilen zu
können, daß aus der Generalsynode selbst gegen diese dem Sekten⸗
geist eigene Schwärmerei Einsprache erhoben wird. Der Lutheran
Oöserver vom 24. Juli bringt einen längeren Artikel, der in
klarer Weise den Mißbrauch und den rechten Gebrauch eines
Kruzifixes darlegt. Der Artikel schließt mit den Worten: „Seit
awwanzig Jahren arbeite ich in meiner Gemeinde, und ich stehe
dabei auf dem Grunde der rechten evangelischen Wahrheit im
Sinn und Geist unsers großen Reformators, D. Martin Luther,
und doch schmücken Lichter und Kruzifix den Altar meiner Kirche.“
Der Schreiber gibt dem Wunsche Ausdruck, daß er in der Stunde
des Abscheidens aus dieser Welt auf das Kreuz schauen und dazu
die Schriftworte von dem für ihn gekreuzigten Heiland hören
dürfe, „damit seine Seele getragen werde in das Land des Frie⸗
dens und der ewigen Freude, wo unser Glaube in Schauen und
unsere Hoffnung in Wirklichkeit verwandelt wird“. Das sind
treffliche Worte gegen die von D. Dornblaser beantragte Ver⸗
bannung des Kruzifixes aus der christlichen Kirche. — Will nicht
jemand aus der Generalsynode auch gegen D. Keyser Zeugnis
ablegen? D. Keyser, ebenfalls Glied der Generalsynode, befür⸗
wortet den Irrtum vom freien Willen des Menschen in der Be⸗
kehrung. Damit untergräbt er die Schriftlehre, daß wir allein
durch die Gnade des gekreuzigten Christus selig werden.
Luther sagt daher in seinem Glaubensbekenntnis: „Ich bekenne
und weiß aus der Schrift zu beweisen, daß alle Menschen ...
allzumal in Sünden geboren, leben und sterben und des ewigen
Todes schuldig sein müßten, wo nicht IEsus Christus uns zu
Hilfe kommen wäre und solche Schuld und Sünde als ein un⸗
schuldiges Lämmlein auf sich genommen hätte, für uns durch sein
Leiden bezahlt. ... Hiermit verwerfe und verdamme ich als
eitel Irrtum alle Lehren, so unsern freien Willen preisen,
als die stracks wider solche Hilfe und Gnade unsers Heilandes
JEsu Christi streben. Denn weil außer Christo der Tod und
die Sünde unsere Herren und der Teufel unser Gott und Fürst
ist, kann da keine Kraft noch Macht, kein Witz noch Verstand sein,
damit wir zur Gerechtigkeit und Leben uns könnten schicken oder
trachten.“ (St. Louiser Ausg. XX, 1096 f.) F. P.
Die Synode der Ev.⸗Luth. Freikirche von Sachsen u. a. St.
hielt ihre 36. Jahresversammlung vom 4. bis zum 10. Juni in
der Kirche der Gemeinde zu Wittingen (Provinz Hannover) ab.
51 Shnodale aus allen Teilen Deutschlands und drei aus Däne—
mark hatten sich dazu eingefunden. Dem Eröffnungsgottesdienst,
der mit der Feier des heiligen Abendmahls verbunden war, ging
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