Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 16 › Seite 256
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 4. August 1914, Seite 256
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengemeinſchaften 2 · Kirchengemeinſchaften 3
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ein Beichtgottesdienst voraus, in dem P. Kern sen. die Beichtrede
hielt. P. Willkomm sen. zeigte in der Eröffnungspredigt auf
Grund von Tit. 3, 8, wie köstlich der Beruf sei, die Lehre zu
treiben. Präses Kunstmann verlas die Synodalrede (über kirch⸗
liche Einigung und Vereinigung) und den Jahresbericht. Für
die Lehrverhandlungen hatte P. Stallmann sen. Thesen aufge⸗
stellt über das Wesen und den Nutzen der heiligen Taufe. Die
Geschäftsverhandlungen gewährten einen Einblick in die Arbeit,.
Nöte und Sorgen der Freikirche. Trotz äußerster Sparsamkeit,
die sogar zur Aufhebung eines der beiden Pfarrämter in Däne⸗
mark zwang, und großer Opferwilligkeit seitens der einzelnen
Gemeinden bedarf die Synodalkasse, aus der den Gemeinden, die
ihr Pfarramt nicht selbst erhalten können, Zuschüsse gezahlt wer⸗
den, wieder etwa 25,000 Mark. Doch ging aus den verschiede—
nen Berichten auch hervor, daß die Arbeit der Freikirche nicht
umsonst ist, und daß noch immer ein langsames Wachstum vor⸗
handen ist. Am Synodalsonntag, dem Trinitatisfeste, fand auf
dem Hofe des Gutsbesitzers Heine in Schweimke ein Synodal⸗ und
Missionsfest statt, bei dem eine große Menge von Glaubens⸗
genossen und Gästen, die von nah und fern herbeigeeilt waren,
dem Worte zuhörten, das ihnen von den Festpredigern, PP. Wöh⸗
ling und Amling am Vormittag und P. Werdermann am Nach⸗
mittag, verkündigt wurde. Auch die Vorträge über die Mission
unter den Maori auf Neuseeland (P. Bläß aus Australien) und
über die Mission in Ostindien (Missionar Nau) wurden mit
großer Aufmerksamkeit angehört. Die an diesem Tage gesam⸗
melten Kollekten für Innere und Äußere Mission ergaben den
Gesamtbetrag von 633.25 Mark. M. Willkomm.
Daß die Nachfolger der Lügenprophetin Mrs. Mary Baker
Eddy, die sogenannten Christian Seience-Leute, durch Ge⸗
bete Krankheiten heilen wollen, ist eine sehr verbreitete Ansicht,
die aber auf Irrtum beruht. Zwar geben diese Leute vor, Krank⸗
heiten heilen zu können, aber nicht durch Gebete. Das Haupt—
lehrbuch der Eddyisten, das den Titel „Science and Health“ führt
und Frau Eddy zur Verfasserin hat, lehrt ganz entschieden, daß
das Beten der Heilung von Krankheiten hinderlich ist. Wir
lesen da (Seite 635 der Ausgabe vom Jahre 1893): „Das Beten
zu einem persönlichen Gott ist ein Hindernis.“ „Wir sollen nicht
einen körperlichen (2) Gott anrufen, um aus seinem persönlichen
Willen die Kranken zu heilen.“ „Gebet zu einem persönlichen
Gott hindert das geistige Wachstum.“ (S. 318.) „Gott wird
durch die Menschen nicht beeinflußt.“ „Die gewöhnliche Sitte,
für die Kranken zu beten, findet Unterstützung im blinden Un-
glauben.“ Was diese dunklen Sätze besagen wollen, ist nicht
ganz klar; nur so viel geht daraus unwidersprechlich hervor, daß
Frau Eddy von einem Gebet für die Kranken nichts wissen wollte.
Allerdings gebrauchen ihre Nachfolger zuweilen Redeweisen, die
sich anhören, als ob sie sich bei der Behandlung von Kranken auf
das Gebet verlassen; doch geschieht das nur, um gläubige Christen
in ihr Garn zu locken. Tatsächlich weiß die „Christliche Wissen⸗
schaft“ nichts von einem persönlichen Gott, nichts von einem Gott,
der sieht und hört. Ihre Heilmethode besteht deshalb auch nicht
im Gebet, sondern in der Einwirkung des Geistes auf den Körper.
Man gibt vor, die Krankheiten wegdenken zu können. Man
tut den lügenhaften Propheten der Christian Science Religion
viel zu viel Ehre an, wenn man so redet, als ob sie bei ihren
vorgeblichen Heilungen sich des Gebets bedienten. G.
In Jackson, Mich., stehen sich Katholiken und Protestanten
bereits in zwei geschlossenen Lagern gegenüber. Bei der vorletzten
Wahl waren letztere gleichgültig, und die Katholiken siegten. Das
Resultat war, wie jetzt in Illinois unter einem katholischen
Gouverneur, daß die Erwählten alle Amter mit Katholiken be⸗
setzten. Das ärgerte die Protestanten, die dann bei der letzten
Wahl die andere Partei aufs Haupt schlugen und nun ihrerseits
mit den Katholiken aufräumten. Nun ist es so weit gekommen,
daß ein völliger Boykott eingetreten ist, daß ein Katholik bei
keinem Protestanten mehr Arbeit erhält, ein katholischer Kauf⸗
mann keinem Protestanten etwas verkauft, und umgekehrt. Kurz,
ein richtiger Kriegszustand herrscht in Jackson. Sehr beklagens⸗
wert! Aber die katholischen Laien, die meist an so etwas nicht
dachten, müssen aufs Wort den Priestern und kirchlichen Obern
gehorchen, und hier sieht man das Resultat. (Kirchenbote.)
Die sicherste Zuflucht.
Auf einem großen, schmuck und stark gebauten Ozean⸗
dampfer, der von England nach Amerika fuhr, befand sich als
Passagier auch ein Jüngling, der zum erstenmal in die Welt sich
hinauswagte und dem dabei das Herz manchmal ängstlich in der
Brust klopfte. „Wären wir nur erst wieder auf festem Grund
und Boden!“ seufzte er oft im geheimen; „das Wasser ist doch
ein sehr unsicheres Element; wer weiß, was da alles passieren
kann!“ Doch wenn er das gewaltige und dabei so behaglich ein⸗
gerichtete Schiff betrachtete, so wurde er immer wieder getrost,
besonders wenn der Himmel klar und das Meer ruhig war.
Einmal traf er bei der Kommandobrücke mit dem Kapitän,
einem graubärtigen, wetterfesten Seemann, zusammen, und dabei
entspann sich zwischen den beiden folgendes Gespräch: „Herr
Kapitän“, sagte der junge Mann, „Sie haben da ein sehr schönes
Schiff, auf das Sie stolz sein können.“ „Ja., das kann schon einen
gehörigen Stoß und Sturm aushalten und geht nicht so leicht in
die Brüche.“ „Wenn es aber einmal gegen einen Felsen anliefe,
da könnte es doch zerschellen?“ „Sobald eine solche Gefahr in
Sicht ist, geben wir mit der Maschine, die 5000 Pferdekräfte
besitzt, Gegendampf. und der Schiffbruch ist vermieden.“ „Aber
es kann doch auch einen Sturm geben, daß das Schiff mit all
seiner Dampfkraft nicht dagegen aufkommen kann. Was dann?“
„Dann werfen wir Ballast aus und erleichtern es.“ „Wenn
aber auch so das Schiff wie eine leere Nußschale hin und her
geworfen wird, und alles darauf drunter und drüber geht?“
„Dann werden die Rettungsboote ausgesetzt und die Passagiere
darauf gebracht.“ „Boote sind aber doch sehr leichte und un⸗
zuwerlässige Fahrzeuge auf dem stürmischen Meer. Wie leicht
können sie umkippen und ihre Infassen ins Wasser geworfen
werden!“ „Nun sehen Sie: dort hängen Schwimmwesten, und
zwar so viele, daß sie für alle Passagiere reichen. Da kann jeder
eine umgeschnallt bekommen.“ „Es könnte aber doch auch,
vielleicht mitten in einem Sturm, Feuer im Schiff ausbrechen
und die leichten Schwimmwesten im Nu verzehren.“ „Ja, lieber
junger Freund“, sagte nun der Kapitän, „dann bleibt uns nichts
übrig, als uns in die Hände des barmherzigen Gottes zu befehlen.
Aber am sichersten ist es, wir tun das sofort und jeden Morgen
und jeden Abend.“
„Sie haben recht, Kapitän; ich danke Ihnen“, erwiderte der
junge Mann und ging nachdenklich weg.
————
Eins weiß ich.
Mein Mund die volle Wahrheit spricht:
Es keiner weiß., ich selber nicht,
Woher des Windes Wehen kam,
Die Wolke ihre Richtung nahm.
Wohin die muntre Welle eilt,
Wie lang mein Fuß auf Erden weilt.
Doch eines weiß ich mir zur Freud':
Mein Gott liebt mich in Ewigkeit.
Wie bin so glücklich ich!
Luise v. Fischer.
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