Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 16 › Seite 251

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 4. August 1914, Seite 251

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Rftlar, daß sie keiner Erklärung bedürfen.

1 zwei Sätze als verdammenswert verworfen:

traut.

x gelassen.

sonst manche Vorzüge.

SE 7⁷ utheranss&

251

1 ansprache an die Kardinäle) hat Pius am 9. November 1913
den Satz ausgesprochen: „Der oberste Pontifex“ (der Papst)

kann von seinem Lehramt in Sachen des Glaubens“ (das

beißt, von seiner Gewalt, der ganzen Welt Gesetze zu geben)
x „die politischen Dinge unmöglich trennen.“ Die Worte sind
Daß der Papst
für seine Priester das Recht beansprucht, katholischen Wählern
und Regierungsangestellten (Richtern,
Kongreßgliedern, Postbeamten, Polizisten, Soldaten usw.) auch

in der Politik Weisungen zu geben, ist durch einen Satz aus

dem Rundschreiben Pius'
Zweifel gestellt worden.

gegen die Modernisten außer jeden
Es werden da nämlich die folgenden
„Es hat jeder
Katholik, weil er zugleich Staatsbürger ist, das Recht und die
Pflicht, nach bestem Wissen das Staatswohl zu erstreben, ohne
Rücksicht auf die kirchliche Autorität und ihre Wünsche, Räte
und Vorschriften, selbst ohne Rücksicht auf ihre Mahnungen.
Es ist Mißbrauch der kirchlichen Gewalt, dem man sich mit
aller Entschiedenheit widersetzen sollte, wenn sie unter irgend⸗
welchem Vorwand dem Bürger sein Verhalten vorschreiben
will.“ Diese Sätze verwirft der Papst. Es hat demnach
der Katholik die Pflicht, als Staatsbürger sich nach den Wün⸗
schen, Ratschlägen und Vorschriften der kirchlichen Autorität,
also der Priester, zu richten, und wenn der Priester unter irgend⸗
einem Vorwand dem Bürger sein Verhalten vorschreiben will,
so ist das nach diesem „unfehlbaren“ Ausspruch des Papstes
kein Mißbrauch der kirchlichen Gewalt! So gewiß nun ein
amerikanischer Katholik als solcher verpflichtet ist zu glauben,
daß der Papst der unfehlbare Lehrer der ganzen Christenheit
ist, so gewiß ist auch ein katholischer Bürger unsers Landes als
Wähler wie auch als Inhaber eines öffentlichen Amtes in sei⸗
nem Gewissen gebunden, sich in politischen Dingen nach den
„Wünschen, Ratschlägen und Vorschriften“ seines Priesters zu
richten. ö G.
(Fortsetzung folgt.)

—9——.8
—— —

Was können wir an unserm Gemeindeschulwesen sparen?

1.
Die Erziehung ihrer Kinder hat Gott den Vätern anver⸗
ö „Ihr Väter, ziehet eure Kinder auf in der Zucht und
Veermahnung zu dem HErrn!“ Manche Eltern lassen ihre Kin⸗
der aufwachsen wie die Heiden. Sie sorgen für ihren Leib, aber
nicht für die Seele. Welch schwere Verantwortung laden sie
auf sich! Gott droht zu strafen alle, die diese Gebote übertreten.
Das ist Gottes Wille, daß Eltern ihre Kinder christlich er⸗
ziehen. Wie aber nun die Eltern diesem Gebote Gottes nach⸗
kommen, ist ein Mittelding. Die Art und Weise hat Gott frei⸗

Die billigste Weise wäre nun wohl, daß die Eltern

x ö selbst die Unterweisung ihrer Kinder in die Hand nähmen, wie

Eunike getan hat, 2 Tim. 1, 5, und wie heute noch die Väter
auf der Insel Island zu tun pflegen. Diese Weise hätte auch
Eltern haben die größte Liebe zu ihren
Kindern. Die Kinder sind ihr höchster irdischer Schatz. Für
sie opfern sie, wenn es sein muß, ihr Leben. Wenn zur Er⸗

x ziehung der Kinder Liebe gehört, so haben die Eltern diese Eigen⸗

schaft mehr als irgendein Fremder. Ferner: In der Schule

Staatsgouverneuren,

müssen die Kinder mehr als Masse behandelt werden; zu Haus
kann man jedes Kind nach seinen Eigentümlichkeiten behandeln.
Wieviel kommt in der Erziehung darauf an, daß man auf die
Gaben und Temperamente des einzelnen Rücksicht nimmt! Den
einen kann man mit guten Worten, den andern nur mit Strenge
erziehen. Das läßt sich in der Familie mit einigen Kindern,
von denen man jedes ganz genau kennt, viel besser tun als in
der Schule mit fünfzig Kindern.

Freilich, so schön das wäre, die meisten Eltern können
es nicht hinausführen. Den meisten fehlt es an Zeit
und Geschick. Welcher Vater, der vom Morgen bis spät am
Abend arbeiten muß, könnte noch Zeit finden, seine Kinder recht
zu unterrichten? Manche Mutter hat es versucht, ihre Kinder
etwas im Katechismus zu unterrichten, weil keine christliche
Schule in der Nähe war; aber was ist daraus geworden? Höch⸗
stens, daß die Kinder die Hauptstücke und einige Bibelsprüche
gelernt haben. An Erklärung und Auslegung der Hauptstücke
war nicht viel zu denken. Vielen Eltern fehlen sodann auch die
dazu nötigen Gaben. Sie haben viel von dem, was sie einst
gelernt haben, vergessen; wie können sie es also ihren Kindern
beibringen?

Reiche Familien stellen einen Hauslehrer an für ihre
Kinder. Das kann aber wohl niemand von uns tun. Selbst
wenn wir es tun könnten, so wäre doch der Einzelunterricht den
Kindern in mancher Weise nachteilig. Haben Kinder keine Ge⸗
sellschaft, so fehlt oft auch der Trieb zum Lernen.

Das beste und bequeniste ist, daß viele Familien zusammen⸗
gehen, einen Lehrer anstellen und eine Schule errichten. So
sind unsere Gemeindeschulen entstanden.

Unsere Synode hat von Anfang an großes Gewicht auf die
Gemeindeschule gelegt. Unter unsern Verhältnissen ist die Ge⸗
meindeschule notwendig zur christlichen Erziehung der Kinder.
Sie ist eine Pflanzstätte der Kirche. Wo immer darum Gemein⸗
den gebildet werden, entstand in der Regel auch gar bald eine
Gemeindeschule. Und unser Gemeindeschulwesen hat sich von
Jahr zu Jahr ausgebreitet. Die Statistik zeigt eine beständige
Zunahme von Schulen, Lehrern und Schulkindern in unserer
Synode. Hat der Eifer für Gemeindeschulen an manchen Orten
etwas nachgelassen, io hat an andern Orten die Schule wieder
einen neuen Aufschwung genommen. Ist in einer Stadtgemeinde
die Schülerzahl im Verhältnis zur Größe der Gemeinde durch
rταtired farmers“ rückwärts gegangen (wir hatten zum Bei⸗
spiel in Nebraska vor dreißig Jahren lange nicht so viele „retired
karmers“ wie heute), so ist vielleicht auf dem Lande eine neue
Gemeinde entstanden, die eine um so größere Schule hat. Von
2978 organisierten Gemeinden haben 2259 eine Gemeindeschule.
Welche große Summen Geldes haben unsere Gemeinden schon
dafür aufgebracht! Der Unterhalt unserer Schulen beläuft
sich auf Hunderttausende von Dollars jährlich an Lehrergehalt
allein, insgesamt wohl auf eine Million Dollars im Jahr.

Und dazu tragen wir nun doppelte Lasten. Wir unterhalten
nicht bloß unsere, sondern auch die öffentlichen Schulen. Wir
tun das gern, weil wir wissen, daß wir gute Staatsschulen haben
müssen.

Da nun aber die Gemeindeschule zu den Mitteldingen ge⸗
hört, da Gott nirgends die Art und Weise vorgeschrieben
hat, wie Eltern ihre Kinder christlich erziehen, so sind schon
viele auf den Gedanken gekommen: Könnte man diese großen
Ausgaben nicht sparen? Viele hierzulande sind der Ansicht, daß

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