Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 4 › Seite 63
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. Februar 1915, Seite 63
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengemeinſchaften. 4„99
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je größer und angesehener eine Gemeinde ist, desto größer ist
die Gefahr, daß die Glieder das Lob, das ihrer Gemeinde bei
besondern Gelegenheiten gespendet wird, nicht nur sehr gerne
hören, sondern anfangen, danach zu suchen. Man redet sich
ein, man süuche die Ehre der Gemeinde, und ist doch von irdischer
Eitelkeit beherrscht. Deshalb heißt es dann bei solchen, die
nicht feststehen in der christlichen Erkenntnis: „Es ist doch ein
Jammer, daß unser Pastor die Sekten in seine Predigten bringt,
sie sogar bei Namen nennt; da bleibt manch einer fort, der sonst
gerne kommen würde.“ Oder: „Wenn wir nur den Logen⸗
paragraphen nicht hätten! Herr Soundso sagt, er würde sich
gleich anschließen, wenn er nur in der Loge bleiben dürfte.
Und Herr Soundso ist doch ein prominenter Mann; das wäre
doch großartig, wenn wir den bekämen!“ Welche Blindheit!
Und doch, wie leicht steigen diese Gedanken auf, wo das süße
Gift der Schmeichelei den Christen den Kopf verwirrt hat! Es
braucht nur diese Gesinnung sich Geltung zu verschaffen, und
die Gemeinde hat ihre Bekenntnistreue und damit auch ihre
dem Heiland wohlgefällige Gestalt verloren. Dann hätten wir
bald eine Gemeinde wie die zu Sardes, die der Heiland Offenb. 3
also anredet: „Du hast den Namen, daß du lebest, und bist
tot. Tue Buße! So du nicht wirst wachen, werde ich über
dich kommen wie ein Dieb, und wirst nicht wissen, weiche Stunde
ich über dich kommen werde!“
Die Gemeinde aber — sei sie reich oder arm, groß oder
klein —, die an dem Bekenntnis zur Wahrheit festhält und die
Schmach Christi für größeren Reichtum achtet als die Schätze
der Welt, wird erfahren, daß immerdar, wie Luther einmal be⸗
tont, gerade unter dem Kreuz die Kirche „Kräfte sammelt und
zunimmt“. Daß doch immer die Zahl der Gemeinden bei uns
groß bliebe, die der Gemeinde zu Smyrna ähnlich sind, zu der
unser Heiland durch seinen Apostel das Trostwort reden ließ:
„Ich weiß deine Werke und deine Trübsal und deine Armut
(du bist aber reich) und die Lästerung von denen, die da
sind des Satans Schule. Fürchte dich vor derer keinem, das
du leiden wirst. Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir
die Krone des Lebens geben.“
Was unser HErr damit an Trost und Warnung den Ge—
meinden sagt, ist ja den einzelnen Gliedern dieser Gemeinden
vermeint. Was aber von Bekenntnistreue, von Schmachleiden
um des Namens JeEsu willen zu den einzelnen Gemeinden
geredet ist, das gilt auch einer Gesamtheit von Gemeinden,
einer Synode. Darüber in nächster Zeit noch einige Worte.
G.
——.—
Der Russellismus.
2.
Wer ist denn dieser Russell? Er kommt, wie wir in der
letzten Nummer gehört haben. Woher kommt er? Was weiß
man über sein vergangenes Leben? Wie ist er das geworden,
was er ist?
Er taucht auf als Eigentümer einer Reihe von Gents'
Furnishing Stores in Allegheny, Pa. Über seine Kindheit
und Erziehung ist wenig bekannt. Schon als er noch Hals—
binden und Manschetten verkaufte, hielt er in Hallen und
Kirchen religiöse Vorträge und wurde bekannt unter dem
Namen The Crank Preacher“, der verschrobene Prediger.
Dennoch fielen ihm die Leute zu, und es sammelte sich ein
*
Anhang um ihn. Nun verkaufte er seine fünf Läden und
widmete sich gänzlich seiner religiösen Propaganda.
Höhere Bildung besitzt Russell nicht, wohl aber ist er nach
manchen Seiten hin mit außerordentlichen Fähigkeiten begabt.
Er hat nie auf einer höheren Lehranstalt studiert. Er besitzt
nicht einmal die gewöhnliche Hochschulbildung. Im Alter von
vierzehn Jahren verließ er die Volksschule. Der alten Sprachen
ist er nicht kundig, obschon er in seinen Predigten und Schriften
viel mit einzelnen griechischen Wörtern und Ausdrücken um
sich wirft und sich sogar als höherer Textkritiker aufspielt. Vor
Gericht tat er unter Eid die Aussage, er sei des Griechischen
kundig, mußte dann aber zu seiner Schande zugestehen, seine
Aussage sei unwahr gewesen. Darüber teilen wir aus der
Broschüre „Some Facts and More Facts about the Self-styled
Pastor' Charles T. Russell, by Rev. J. J. Ross, Pastor of
James St. Baptist Church, Hamilton, Ont., Canada“ folgendes
mit: „Verstehen Sie Griechisch?“ fragte ihn der Advokat.
„O ja“, lautete Russells Antwort. Man reichte ihm ein
griechisches Neues Testament und bat ihn, die Buchstaben des
griechischen Alphabets, die sich auf Seite 447 der Westeott⸗ und
Hort⸗Ausgabe befinden, zu lesen. Er kannte die Buchstaben
nicht. „Wie nun“, fragte der Advokat, Herr Staunton, „kennen
Sie die griechische Sprache?“ „Nein“, antwortete Herr Russell,
ohne zu erröten.“
Dieser Mann nennt sich in seinen Büchern und Zeitschriften
„Pastor“ Russell, obschon er vor Gericht nach vorheriger Leug⸗
nung zugeben mußte, daß er nie ordiniert worden ist.
Im Jahre 1879 ehelichte er Frl. Marie F. Ackley, eine
religiös gesinnte Person, die anfangs mit ihm in seiner litera⸗
rischen Arbeit zusammenwirkte, und die nun behauptet, einen
bedeutenden Teil der Studies in th½e Scriptures, früher Mil-
lennial Daun genannt, selbst geschrieben zu haben.
Im Jahre 1903 verklagte ihn seine Frau auf Scheidung
mit angehängter Forderung ihrer ferneren Versorgung. Beides
wurde ihr vom Gericht gewährt. Die bereits genannte Bro—
schüre des Rev. Ross veröffentlicht einen Teil der Gerichts—
verhandlungen in diesem Scheidungsprozeß. Da der „Luthe—
raner“ ein anständiges Blatt ist, können wir hier nichts aus
diesem Zeugenverhör wiedergeben. Doch raten wir jedem, der
schon im Banne des Russellismus liegt, sich diese kleine Schrift
anzuschaffen und zu lesen, was da aus den Akten des Gerichts
von Allegheny County, Pennsylvania, im Juni 1903 wörtlich
wiedergegeben wird. Vielleicht gehen manch einem Betörten
dann die Augen auf. Zugleich mag das, was hier von glaub⸗
würdigen Zeugen über „Pastor“ Russells Lebenswandel gesagt
wird, die Erklärung an die Hand geben, wie ein Mann, der
sich mit der Schrift so viel beschäftigt hat wie Russell, die Lehre
führen kann, daß es keine ewige Strafe der Sünde gibt.
Nachdem das weltliche Gericht Frau Russell Scheidung
gewährt und Russell zu fernerer Versorgung seiner geschiedenen
Frau verpflichtet hatte, machte er den Versuch, sie für irrsinnig
erklären zu lassen. Als ihm das mißlungen war, verkaufte
er sein Eigentum, ein Gebäude an der Arch-Straße, Allegheny,
Pa., das sogenannte Bible House“, das einen Wert von
§30,000 hatte, für 850 an die Watch Tower Bible and Tract
Society“, die er selbst kontrolliert.
Wieder verklagte ihn seine Frau, und der Richter er⸗
klärte: „The purpose of this whole transaction was to de-
prive his wife of her dower interest, and was a fraud upon
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